Ein Gegenentwurf von Josef Cramer. Details dazu weiter unten

Auch der neue FNP-Entwurf steht im Widerspruch zu vielen Fakten und zu den Erkenntnissen moderner Stadtplanung. Daher fordert Josef Cramer in einem offenen Brief, auf die Neuausweisung riesiger Flächen in Randlagen zu verzichten und sich statt dessen auf innerstädtische Industriebrachen zu konzentrieren – allen voran auf die 16 Hektar der Zandersfläche, die sich die Stadt bereits über ein Vorkaufsrecht gesichert hat. 

Der Autor Josef Cramer ist Fotograf, beschäfigt sich mit Stadtsoziologie, hat seine Doktorarbeit über die Urbanisierung in Südafrika geschrieben und als Investor das Projekt „Gronauer Campus” in Bergisch Gladbach umgesetzt.

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Offener Brief an die Mitglieder der Fraktionen CDU, FDP, SPD und Bündnis 90/Die Grünen des Stadtrates der Stadt Bergisch Gladbach.

Thema: Vorkaufsrechtssatzung „16 Hektar Zanders Areal“ und Anlage 1 zur Drucksachennummer 0196/2017 (Vorschläge der Verwaltung für den Entwurf des Flächennutzungsplans Bergisch Gladbach 2035)

Sehr geehrte Damen und Herren,

in der Einladung des Bürgermeisters zur Sondersitzung des Stadtrates bezüglich der Vorkaufsrechtssatzungsänderung zum Zanders Areal am 31.08.2017 heißt es:

„Das Gericht hat am Rande des Erörterungstermins den Hinweis gegeben, dass die Wirksamkeit der Satzung im Hauptsacheverfahren tiefergehend untersucht werden müsste. Ggfls. ergäbe sich hier ein Nachbesserungsbedarf in Bezug auf die in Betracht gezogenen städtebaulichen Maßnahmen. Es besteht die Möglichkeit, die Satzung im Vorgriff auf eine gerichtliche Entscheidung nachzubessern und die Gemeinwohlorientierung mit dem Ziel einer zukunftsgerichteten Stadtentwicklung sowie der konkreten städtebaulichen Maßnahmen ausdrücklich mit aufzunehmen.“ (Stadt bessert beim Vorkaufsrecht für Zanders nach, iGL, 11.07.2017)

Es ist äußerst erfreulich, dass sich die Stadt bzw. Sie als politische Entscheidungsträger voraussichtlich dazu entscheiden werden, das Vorkaufsrecht bezüglich der 16 Hektar des Zanders Areals geltend zu machen. Und noch erfreulicher ist es, dass Sie anscheinend affirmativ abstimmen werden, in die Satzung aufzunehmen, das Zanders Areal einer „zukunftsgerichteten Stadtentwicklung und konkreten städtebaulichen Maßnahmen“ zuzuführen.

Widerspruch zu Aussagen in Sachen FNP

Hier besteht jedoch ein fundamentaler Widerspruch zu den Ausführungen der Stadtverwaltung im Rahmen der Neuaufstellung des FNPs, denn dort heißt es:

„Das Zanders Gelände stellt für die Entwicklung Bergisch Gladbachs und seines Stadtzentrums eine interessante, aber auch hoch komplexe Potentialfläche unter der Prämisse der Standortsicherung dar. Wie groß das tatsächliche Potenzial ist und welche Nutzungen in den zur Disposition stehenden Bereichen untergebracht werden können, muss in weitergehenden Untersuchungen geklärt werden. Den seitens der beteiligten Öffentlichkeit erhofften kurz bis mittelfristigen Effekt auf die gewerblichen Flächenneuausweisungen kann das Zanders Gelände jedoch in keinem Fall erfüllen.“ (Drucksache 0196/2017, Seite 55)

Schon die Prämisse der Standortsicherung ist nur sehr bedingt nachvollziehbar, denn es ist offensichtlich so, dass die 16 Hektar, welche die Stadt nun erwerben möchte, neuen Nutzungen zugeführt werden müssen und sollen (mit Ausnahme des Klär- und Kraftwerkes) – siehe Satzungsänderung.

Jedoch wird die zukünftige Nutzung bereits durch die Annahme der Fortführung der Papierproduktion eingeschränkt – und dies ohne dass man die „weitergehenden Untersuchungen“ kennt. Man weiß noch nicht, was man mit dem Areal anfangen möchte, aber man weiß schon, was nicht geht.

Während man in die Satzung „konkrete Maßnahmen“ aufnehmen will, will man im FNP möglichst unkonkret bleiben.

Faktisch hat die Stadt keinerlei Konzept für die zukünftige Nutzung der 16 Hektar des Zanders Areals, und dies wird mit dem Verweis auf die derzeitige Nutzung gerechtfertigt.

Es ist nachvollziehbar, dass man seitens der Politik an die Zukunft des Papierstandortes glauben möchte, und dahingehend verstehe ich Herr Urbachs Äußerung in einer Facebook Gruppe am 23.07.2017:

„Ein Satz zu Zanders: Wer diese Fläche überplant, der soll dann auch bitte offen sagen, dass er die Papierproduktion aktiv beenden möchte!“ (Facebook Gruppe: Politik in Bergisch Gladbach, Post vom 19.07.2017)

Allerdings ist die Annahme, dass Bergisch Gladbach ein Papierstandort bleiben wird, vor dem Hintergrund der Entwicklung der Papierindustrie in Bergisch Gladbach in den letzten 40 Jahren mehr als fraglich.

Zanders: Auf das Beste hoffen, auf das Schlimmste vorbereitet sein

Ein Entwicklungskonzept für das Zanders Areal bedeutet keineswegs, dass man die Papierproduktion aktiv beenden möchte, es würde viel mehr bedeuten, dass man auf das Beste hofft (ein Aufblühen der Papierindustrie), jedoch auch für das Schlimmste (Strukturwandel und die Einstellung der Papierproduktion) gewappnet ist.

Wenn man ferner öffentlich den Wunsch äußert, Bergisch Gladbach „zukunftssicher“ (Urbach) machen zu wollen, dann scheint es wenig nachvollziehbar, wie man in Sachen Zanders auf die Entwicklung eines Konzeptes verzichtet, welches inkrementell auf die möglichen (Wachstum, Schrumpfung oder Schließung) weiteren Entwicklungen der Firma Zanders reagieren kann. Aus rein politischen Erwägungen darauf zu verzichten erscheint mir verantwortungslos.

Dass das Gericht die Stadt hinweist:

„Es besteht die Möglichkeit, die Satzung im Vorgriff auf eine gerichtliche Entscheidung nachzubessern und die Gemeinwohlorientierung mit dem Ziel einer zukunftsgerichteten Stadtentwicklung sowie der konkreten städtebaulichen Maßnahme ausdrücklich mit aufzunehmen.“ (Stadt bessert beim Vorkaufrecht für Zanders nach, iGL, 11.07.2017)

spricht Bände. In die Satzung soll also offensichtlich das aufgenommen, worauf man im FNP tunlichst verzichten möchte – ein Widerspruch, der seitens der Stadt aufzulösen ist.

Ein weitaus größerer Widerspruch besteht jedoch in der Tatsache, dass die Siedlungsfläche im überarbeiteten FNP-Entwurf der Verwaltung (Drucksache 0196/2017) um die Hälfte verkleinert wurde, die Grundannahmen des FNPs jedoch unverändert bestehen bleiben, worauf ich im Folgenden eingehen werde.

Grundannahmen FNP

Bereits in meiner Stellungnahme vom 09.10.2016 habe ich darauf hingewiesen, dass die Grundannahmen des FNP-Entwurfes nicht zutreffen – diese nicht zutreffenden Grundannahmen werden nun in den Vorschlägen der Stadtverwaltung unverändert wiederholt, ohne dass belegt wird, warum man auf rund die Hälfte der Fläche für Wohnungsbau verzichtet.

Im ersten Entwurf wurden die Grundannahmen noch auf die angeblich veränderte demographische Ausgangslage „eingestellt“ – nun wird auf eine Überarbeitung der Grundannahmen gänzlich verzichtet, und man behilft sich damit, dass man keine Siedlungsdichten mehr angeben wird.

Hinweis der Redaktion: die im folgenden häufig zitierte Drucksache  0196/2017 (Vorschläge der Verwaltung für den Entwurf des Flächennutzungsplans Bergisch Gladbach 2035, Anlage 1) dokumentieren wir am Endes dieses Textes komplett. 

Auf meinen wissenschaftlich fundierten Hinweis, dass man Grundannahmen nicht einfach „einstellen“ kann, wurde nicht eingegangen, statt dessen wird nun ausgeführt:

„Die Region Köln/Bonn hat sich gerade in den letzten Jahren als dynamische Wachstumsregion profiliert. Hohe Zuzüge bewirken bereits heute
• überdurchschnittliche Steigerungen der Grundstückspreise (1),
• überdurchschnittliche Steigerungen der Wohnungsmieten (2),
• dadurch Verdrängung (Segregation) von Bevölkerung aus Stadtteilen beziehungsweise Städten (3),
• problematische Verdichtungen, auch an unerwünschten Stellen des Siedlungskörpers.“ (Drucksache 0196/2017, Seite 14) (4)

Zu den Punkten 1 und 2:

Edward Glaeser legt in seinem Buch „Triumph oft he City: how our greatest invention makes us richer, smarter, greener, healthier and happier“ dar, dass überdurchschnittliche Mietpreissteigerungen und die Zunahme von Grundstückspreisen in dynamischen Metropolenregionen, so wie sie Köln/Bonn mit einer Gesamtbevölkerung von über 1,5 Millionen Einwohnern darstellt, allgemein zutreffend sind, bzw. dass die Metropolenregion auszeichnet, dass es dort zu überdurchschnittlichen Wachstumssteigerungen bei Grundstückspreisen und Wohnungsmieten kommt – und Bergisch Gladbach ist Teil der Metropolenregion Köln/Bonn.

Die Grundannahme, dass man deshalb einen neuen FNP benötigt und annimmt, dass diesen Entwicklungen durch die Flächenausweisungen am Stadtrand Einhalt geboten werden kann, sind wissenschaftlich lange widerlegt (z.B. Glaeser, Triumph of the City, 2011).

In meiner Stellungnahme zum ersten Entwurf des FNP habe ich eine Grafik von Fritz Schuhmacher verwendet, welche diese Entwicklung bereits in den 1920er Jahren der 20. Jahrhunderts darstellt. Ferner möchte ich auf eine Veröffentlichung der Berliner Morgenpost hinweisen, die diese Entwicklung für alle deutschen Großstädte veranschaulicht:

Die Neuausweisung von rund 100 Hektar Siedlungsfläche wird an den überdurchschnittlich steigendenden Miet- und Grundstückspreisen nichts ändern, denn die Flächen, die im FNP ausgewiesen werden, liegen offensichtlich nicht dort, wo sie die Preise senken oder stabilisieren könnten.

Die folgende Grafik der Chicagoer Schule ist ein weiteres Beispiel dafür, dass die Flächenausweisung am Rande der Metropolenregion Köln/Bonn nichts an der Preisentwicklung im Zentrum der Region ändern wird – ferner veranschaulicht sie, warum Bergisch Gladbach eine „Schlafstadt“ bzw. eine Commuter City ist und dass Suburbanisierung zu Segregation führt und diese sogar verstärkt.

Die Konversion von innerstädtischen Industriebrachen in Wohngebiete hingegen würde es ermöglichen, Wohnangebote dort zu schaffen, wo die Mietpreise für Normalverdiener nicht mehr erschwinglich sind.

Über diese Option, insbesondere mit der neuen Gebietskategorie „urbanes Gebiet“ in der BauNV wird bezüglich des Zanders Areals und anderen innerstädtischen Brachen im FNP nicht einmal nachgedacht.

Johann Jessen erörtert, wie andere Gemeinden mit innerstädtischen Industriebrachen umgegangen sind:

„So platzierte die Stadt Ostfildern ihr Stadthaus in das Zentrum des neuen Stadtteils Scharnhauser Park. Freiburg errichtete den Neubau eines alten innerstädtischen Gymnasiums in der neuen Stadterweiterung Rieselfeld. Trotzdem wirken viele der Stadterweiterungen an der Peripherie noch wie isolierte Trabanten, auch wenn ihre städtebauliche Formensprache anderes signalisieren will.

Die Verzahnung mit der Gesamtstadt war dort sehr viel leichter, wo der Stadtteil auf innerstädtischen Brachen entstand. Hier konnten Löcher im bestehenden Gefüge der Stadt gefüllt und die Umgebung der Quartiere aufgewertet werden, nicht nur weil mit den aufgegebenen Industrie-, Verkehrs- oder Militäreinrichtungen Barrieren wegfielen, die oft über Jahrzehnte die Stadt zerschnitten, sondern weil sie von den im neuen Stadtteil neu geschaffenen Infrastrukturen profitieren konnten.

Die ist insofern nicht zu vernachlässigen, als der gern erhobene Vorwurf, städtebauliche Projekte, die an den Vorstellungen der europäischen Stadt orientiert sind, würden sich nur als isolierte Inseln im Meer disperser Stadtentwicklung realisieren lassen, zumindest diese Vorhaben nicht trifft. (Jessen, Johann: in, „Die europäische Stadt“ 2013, Seite 99 )

Vergleichbare Überlegungen für das Zanders Areal sind mir nicht bekannt. Im Landesentwicklungsplan NRW (LEP) wird zu innerstädtischen Brachen erläutert:

„6.1-8 Grundsatz Wiedernutzung von Brachflächen: Durch Flächenrecycling sollen Brachflächen neuen Nutzungen zugeführt werden. Dabei sollen isoliert im Freiraum liegende Flächen einer Freiraumnutzung zugeführt werden. 
Zu den Nachfolgenutzungen regional bedeutsamer Brachflächen soll frühzeitig ein regionales Konzept erarbeitet werden. Im Hinblick auf die Wiedernutzung ggf. belasteter Brachflächen soll der Altlastenverdacht im Planungsprozess frühzeitig geklärt werden.“ (LEP, Seite 27)

Die richtige Zeit, ein Konzept für Nachfolgenutzungen zu entwickeln, welches inkrementell auf die weiteren Entwicklungen auf dem Zanders Areal reagieren kann, ist demnach und nach den Ausführungen in der Einladung zur Sondersitzung „Vorkaufsrecht Zanders“ jetzt. Und es ist erfreulich, dass das Grundstück bereits auf Altlasten untersucht wird.

Bezüglich der Miet- und Grundstückspreissteigerungen sind es übrigens nicht nur die Zuzüge, die die starken Preissteigerungen verursachen, sondern es ist die gesteigerte Nachfrage. Diese wird durch weit mehr Faktoren beeinflusst als Migration bzw. Zuzüge. Migration ist nur ein Faktor, billiges Geld und die Attraktivität urbanen Wohnens und Arbeitens sind weitere, die in den jetzigen Ausführungen der Stadtverwaltung nur am Rande vorkommen.

Zu Punkt 3 (Verdrängung von Bevölkerung aus Stadtteilen)

Es wurde in der Urbanistik mannigfach nachgewiesen, dass die Ausweisung von Gewerbe- und Siedlungsgebieten am Stadtrand Segregation verstärkt, da die Neubaugebiete oftmals sozial und ethnisch sehr homogen sind (z.B. Park, Burgress, The city, 1925, oder Walter Siebel und Jürgen Friedrichs in „Die europäische Stadt“, 2004), und hohe Infrastrukturkosten und Umweltbelastungen durch die langen Wege verursacht.

Im LEP hat man dieses Problem erkannt, dort heißt es:

„6.1-9 Grundsatz Vorausschauende Berücksichtigung von Infrastrukturkosten und Infrastrukturfolgekosten: wenn beabsichtigt ist, Flächen für Siedlungszwecke in Anspruch zu nehmen, sollen von den Kommunen zuvor die Infrastrukturkosten und auch die Infrastrukturfolgekosten dem Stand der Planung entsprechend ermittelt und bewertet werden.“ (LEP, 2016: 34)

Dirk-Carsten Günther legt durch die Veröffentlichung der relevanten Dokumente der Stadtverwaltung bzw. des Rheinisch Bergischen Kreises bezüglich der Verlängerung der Straßenbahnlinie 1 dar, dass die Verlängerung bis Moitzfeld/Herkenrath/Kürten rund 400 Millionen kosten würde.

Dieses Vorhaben widerspricht gleich zwei Grundsätzen des LEP, Grundsatz 6.1-9 (siehe oben) und 6.1-4 „Ziel Keine Bandartigen Entwicklungen und Zersplitterung“ – hier insbesondere der bandartigen Entwicklung entlang der L289.

Eine Verlängerung der Linie Thielenbruch (Linie 3 und 18) in das Stadtzentrum der Stadt Bergisch Gladbachs wäre nach meiner Einschätzung für einen Bruchteil der Kosten realisierbar.

Ferner kommt es in einer freien und sozialen Marktwirtschaft immer zu Preisschwankungen, Gentrifizierung, Segregation, „Trading down“, Strukturwandel (kreative Zerstörung) und anderen urbanen Phänomenen, die mit den Vorschlägen der Stadtverwaltungen im FNP- Entwurf kaum bewältigt werden können, denn sie zielen, wie ich bereits in meiner Stellungnahme vom letzten Jahr dargelegt habe, am Markt vorbei.

Des Weiteren setzt der FNP-Entwurf auch in seiner überarbeiteten Fassung massiv auf funktionelle Segregation von Stadtfunktionen, Gewerbegebiete sollen am Stadtrand und in unmittelbarer Nähe zur Autobahn angesiedelt werden. Die Segregation der städtischen Funktionen Arbeiten und Wohnen wird mit dem vorliegenden Entwurf vertieft.

Auch zur ethnischen und sozialen Segregation durch Suburbanisierung gibt das Modell der Chicagoer Schule oben einen Eindruck: in den 1930er Jahren gab es in Chicago demnach deutsche, chinesische und italienische „Parallelgesellschaften“. Deutsche Auswanderer siedelten sich also in der Nähe anderer deutscher Auswanderer an um die kulturellen Potentiale und Netzwerke der Nachbarschaften zu nutzen. Ähnliches kann in nahezu allen Metropolen und bei nahezu allen ethnischen Minderheiten beobachtet werden.

Wie der FNP-Entwurf diesem urbanen Phänomen durch Flächenausweisung entgegenwirkt, erschließt sich mir nicht. Schließlich legt Richard Florida im Artikel „How Zoning Restrictions Make Segregation Worse“ dar, dass nur Investitionen der Stadt bzw. des Staates Segregation entschärfen können.

Zu Punkt 4. (problematische Verdichtungen)

Mir nicht bekannt, wo es in Bergisch Gladbach zu „problematischen Verdichtungen an unerwünschten Stellen des Siedlungskörpers“ kommen soll. Das Antwortschreiben der Stadtverwaltung gibt dazu keine Angaben. Mir ist auch nicht bekannt, was „problematische Verdichtung“ überhaupt bedeuten soll – hier werden Behauptungen aufgestellt, ohne dass diese auch nur ansatzweise empirisch belegt werden.

Mehrfach wird in der Drucksache „Stadt“ generell mit kulturellem Niedergang und ähnlichen kulturpessimistischen Klischees behaftet, so auf den Seiten 14, 18 und 23.

Bergisch Gladbach hat eine extrem niedrige Siedlungsdichte (1340 Personen pro km2), was man auch daran erkennen kann, dass die Stadt eine der höchsten PKW-Dichten in Deutschland aufweist. Wie man vor diesem Hintergrund von sich „verschärfenden Verdichtungsprozessen im Bestand“ (Seite 18) sprechen kann ist nicht nachvollziehbar.

Ferner ist es fraglich, wieso man sich bei der Neuausweisung von Wohnbauflächen an den extrem niedrigen Dichten im Bestand orientiert. Diese Vorgehensweise führt zwangsläufig dazu, dass die siedlungspolitischen Fehler der Vergangenheit wiederholt werden (Seite 27).

Absurd mutet dann allerdings an, wenn es auf Seite 29 heißt:

„Da die räumliche Entkoppelung von Arbeiten und Wohnen weder von allen Bewohnern einer Stadt gewünscht wird noch für alle finanzierbar ist, dürfte auch die Ausstattung mit attraktiven Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten ein wesentlicher Grund für die Attraktivität Bergisch Gladbachs in der Region sein.“

Der vorliegende Entwurf des FNP ist geradezu ein Paradebeispiel für die räumliche Entkoppelung von Wohnen und Arbeiten, worauf ich bereits im Einführungsabschnitt meiner Stellungnahme vom letzten Jahr hingewiesen habe.

Ein Indikator für die räumliche Entkoppelung von Wohnen und Arbeiten ist die PKW-Dichte einer Gemeinde und der Anteil der Pendler – beide Indikatoren weisen extrem hohe Werte auf – und mit diesem Entwurf wird diese Entkoppelung weiter forciert.

Die Argumentation auf Seite 19, man müsse neue Grundstücke ausweisen, um den Fortzug ärmerer Bevölkerungsteile ins Umland zu stoppen, wird nicht quantitativ belegt. Wie viele Haushalte sind durch die Preisentwicklung verdrängt worden? Wo haben sie sich niedergelassen? Die Drucksache bleibt die Antworten auf diese Fragen schuldig. Die dann folgende Argumentation ist ebenfalls nicht nachvollziehbar:

„Die verkehrlichen Auswirkungen neuer, dann erforderlicher Wohnbauflächen in Nachbarkommunen sind seitens der Stadt Bergisch Gladbach nicht steuerbar und insbesondere deshalb problematisch, weil die betroffenen Menschen in weit höherem Maße auf das Auto als Hauptverkehrsträger angewiesen wären.“(Seite 19)

In dieser Aussage steckt eine Grundannahme, die sich durch den ganzen FNP zieht. Man kann sich Städtebau jenseits des PKW anscheinend gar nicht mehr vorstellen. Man geht offensichtlich davon aus, dass die Nachbarkommunen genau die Fehler begehen, die im derzeitigen Entwurf der Stadt begangen werden.

Baut man Stadt hingegen dem menschlichen Maß (alle städtischen Funktionen: Wohnen, Arbeiten, Ausgehen, Post, Bank und Einkaufen in einem 750 Meter Radius) und dem Landesentwicklungsplan entsprechend, dann braucht man das Auto eben nicht als Hauptverkehrsträger, denn der Hauptverkehrsträger wären die eigenen Beine. Diese Vorgehensweise würde dem grundsätzlichen Ziel der „nachhaltigen europäischen Stadt“ entsprechen, welches ebenfalls im LEP aufgenommen wurde.

Des Weiteren ist die Argumentation mit den „ärmeren Bevölkerungsteilen“ ein rhetorisch ziemlich armer Pappkamerad. Es ist erfreulich, dass die Stadt gerade rund 100 Millionen Euro in den sozialen Wohnungsbau investiert.

Die RBS weitet den Wohnungsbau kräftig aus

Allerdings hat sie zuvor über 2 Jahre darüber nachgedacht, eine neue und weitere Wohnungsbaugesellschaft zu gründen, was dann aber wieder verworfen wurde.

Der „Markt“ hat das Wohnungsbauproblem noch in keiner modernen westlichen Gesellschaft lösen können. Pendlerpauschale und Eigenheimzulage waren und sind politische Instrumente, die helfen sollten, das Problem in Deutschland zu lösen. (Eine kritische Analyse dieser Politikansätze und ihrer Auswirkungen findet sich in: Hartmut Häußermann, Dieter Läpple, Walter Siebel, Stadtpolitik, 2008)

„Hochverdichtete Wohngebäude-Typen finden in benachbarten Quartieren in der Regel keine Unterstützung, da hier die Entstehung von sozialen Brennpunkten sowie nicht zu bewältigende verkehrliche Probleme befürchtet werden“. (Seite 23)

Mal ganz abgesehen davon, dass der derzeitige FNP-Entwurf mit über 4000 Bürger-Eingaben offenbar ebenfalls keine besonders große Unterstützung der Bevölkerung erfährt, werden hier wieder die anti-urbanistischen Klischees wiederholt auf die ich oben bereits kurz eingegangen bin.

Es gibt verdichteten Städtebau jenseits „sozialer Brennpunkte“ und „verkehrlichen Problemen“ – und eigentlich wäre es die Aufgabe der Stadtplaner, Bürger darauf hinzuweisen. Hier werden dagegen die uralten Klischees der „Hure Babylon“ wiederholt und auch noch validiert.

Ferner widerspricht man sich auf Seite 27 selbst, denn dort heißt es:

„Zudem wird bei den neu dargestellten Flächen eine möglichst hohe, jedoch am Bestand orientierte Dichte für die neuen Wohnquartiere sowie die gewerblichen Flächen vorgesehen.“

Was bedeutet das? Eine möglichst hohe Dichte oder Orientierung am Bestand? Da im FNP-Entwurf auf die Ausweisung der Dichte nun verzichtet werden soll, kann man davon ausgehen, dass die Vorstadt weiter ausgebaut werden soll.

Diese Vorgehensweise erzeugt zwangsläufig extreme Verkehrslasten, denn schon der jetzige Bestand zeigt extreme Verkehrslasten. Auch im überarbeiteten Entwurf findet keine Reflexion über die derzeitigen urbanen Probleme der Stadt statt.

Weiter unten werde ich erläutern, wieso die Wohnungsbedarfe mit einer sich am Bestand orientierenden Dichte nicht gedeckt werden können. Siedlungstypen mit hoher Dichte am Stadtrand sind auch keine Lösung, siehe die Ausführungen von Jessen: diese Siedlungstypen wirken oftmals wie „isolierte Trabanten“.

Auf Seite 38 der Drucksache heißt es dann:

„Somit tragen die Darstellungen nicht zu einer Zersiedlung oder einer Zerstörung der Siedlungsstruktur bei, sondern sorgen im Gegenteil dafür, dass die vorhandenen Strukturen weiter ausgebaut werden und eine langfristige Nachfrage aufweisen.

Die Neuinanspruchnahme von Siedlungsflächen und die Verschiebung der Grenze des bisherigen Siedlungskörpers stellt keine Zersiedlung oder Zerstörung der gewachsenen Siedlungsstrukturen dar und entspricht den siedlungsstrukturellen Vorgaben des Landesentwicklungsplans.“

Wieder werden hier Behauptungen aufgestellt, die der empirischen Überprüfung nicht standhalten:

  1. Städte „wachsen“ nicht, sie sind das Ergebnis bewusster Planungsentscheidungen, was selbst auf informelle Siedlungen (Squatter Camps) im globalen Süden zutrifft (vergl. Dave Dewar, 2000). Die Siedlungsstrukturen in Bergisch Gladbach sind nicht „gewachsen“, sie sind das Ergebnis vergangener Planungsentscheidungen, die zu einem sehr großen Teil modernistischer Stadtplanung der Vor- und Nachkriegszeit entspricht, die wiederum zu sehr niedrigen Siedlungsdichten geführt hat (Gartenstadt, gegliederte Stadt, Bandstadt usw.).
  2. Selbstverständlich tragen die Neuausweisungen zur Zersiedlung bei, denn sie orientieren sich an den bestehenden Dichten, die geradezu emblematisch für Suburbanisierung und Zersiedlung stehen. Ferner ist es bezeichnend, dass bei den Flächenreduzierungen mehrfach Flächen an Straßen zurückgenommen wurden und massive Grünstreifen zwischen Straßen und dem anvisierten Siedlungskörper entstehen – ein weiterer Indikator für Zersiedlung und gegen Städtebau. Beispiel He6: warum setzt man das Regenrückhaltebecken nicht so, dass an der Odenthaler Str. eine städtische Ecke entsteht?
  3. Wenn den Vorgaben des LEPs entsprochen wird, wieso wurden dann die Siedlungsflächen für Wohnbebauung um die Hälfte reduziert?
  4. Und schließlich weiß niemand, ob die neuen Flächen „langfristige Nachfrage“ aufweisen. In diesem Zusammenhang möchte ich insbesondere auf das DIFU Forschungsprojekt „Lebenswerte Kleinstädte im demografischen Wandel – Lebensqualität erhalten durch ein sektorenübergreifendes interkommunales Entwicklungsmanagement (lebensWert)“ hinweisen, welches der Frage nachgeht, wie sich der demografische Wandel auf suburbane Gebiete und strukturschwache Kleinstädte auswirkt. Glaubt man wirklich, dass relativ hoch verdichtete Siedlungstypen am Stadtrand „langfristige Nachfrage“ aufweisen?

Drei Grundannahmen, die im FNP nicht vorkommen, die Stadt jedoch maßgeblich prägen sind:

  1. Bergisch Gladbach ist eine „Schlafstadt“ (Communter town) mit über 57 % Pendleranteil. In NRW gibt es nur in Herne und Moers noch mehr Pendler. Anstatt diese Tatsache zu bekämpfen, sollte die Stadt aktiv das Potential als Schlafstadt nutzen und mehr Möglichkeiten des Pendels jenseits des PKWs eröffnen – Verlängerung der Straßenbahnlinie Thielenbruch in die Innenstadt, mehr Möglichkeiten zum P+R an der S-Bahn, Fahrradschnellwege etc., Verzicht auf den Ausbau des Autobahnzubringers, da dieser nachgewiesenermaßen die Verkehrsprobleme nicht lösen und, wie die Neubaugebiete am Stadtrand, extreme Verkehrslasten induzieren wird. Das angestrebte „Mobilitätsband“ (neben „zukunftssicher“ und „Möglichkeitsmacher“ eine weitere postmoderne Wortschöpfung seitens der Verwaltung) Bahndamm wird noch mehr Verkehr erzeugen und zur weiteren Zersiedlung der Stadt beitragen.
  2. Bergisch Gladbach steckt seit 40 Jahren im Strukturwandel (von der Mühlenstadt zur Schlafstadt – mill town to commuter town). Der Anteil der Beschäftigung im sekundären Sektor, also der verarbeitenden Industrie, nimmt seit über 20 Jahren relativ konstant ab (IT. NRW). Nachdem der Maschinenbau die Stadt verlassen hat folgt nun die Papierindustrie – anstatt diese Tatsachen zu leugnen, sollte man darauf verzichten, die Firma Zanders zu subventionieren (sowohl das Kraftwerk als auch das Klärwerk der Firma Zanders werden von der Stadt erworben – wieso?). Schon die Prämisse „Standortsicherung“ seitens der Verwaltung und Politik ist anmaßend: als ob die Politik den Standort „sichern“ könnte. Bestimmte Industriezweige künstlich am Leben zu halten, hat sich historisch und ökonomisch immer als kostspielig und wenig erfolgreich erwiesen. Die Umwandlung ehemaliger Industrieareale in der Innenstadt in Wohngebiete hat hingegen positive „spill over“ Effekte für die ganze Stadt (Jessen), schützt die Natur bzw. Kulturlandschaft und verringert Verkehrslasten, Infrastrukturkosten und Flächenverbrauch und ermöglicht hohe Siedlungsdichten. Dieses Vorgehen ist für die Verwaltung und Politik jedoch aufwendiger als die Ausweisung neuer Siedlungsgebiete am Stadtrand.
  3. Bergisch Gladbach ist Vorstadt und von suburbaner Bebauung geprägt. Anstatt weiter auf Suburbanisierung zu setzen, sollte die Stadt auf Urbanisierung, Innenentwicklung und Nachverdichtung setzen – Neubaugebiete auf der grünen Wiese sind das Letzte, was die Stadt benötigt, da es fraglich ist ob der Markt diesen Siedlungstyp in Zukunft nachfragen wird. Die dynamische Entwicklung auf dem Wohnungs- und Grundstücksmarkt kann dafür genutzt werden, die Stadt zu verdichten. Anstatt dieses Potential durch Neuausweisungen zu unterminieren, sollte es aktiv unterstützt werden – das „urbane Gebiet“ in der BauNV bietet dafür ungekannte Möglichkeiten, die auch im überarbeiteten Entwurf gänzlich ungenutzt bleiben. Der derzeitige Entwurf steht weiterhin für den „Donut-Effekt“ – ein Loch im Kern und der Zucker am Stadtrand.

Zum Thema Siedlungsdichte

In der Drucksache heißt es:

„Die wesentliche Stellschraube zwischen der Schaffung einer definierten Zahl von Wohnungen (Bedarfe) und den dafür erforderlichen Bauflächen ist die städtebauliche Dichte.

Auf die Darstellung einer Dichte für die einzelnen Bauflächen wird im Weiteren verzichtet. Im jeweiligen Bebauungsplanverfahren muss geprüft werden, welche Dichte aus topographischen und naturräumlichen Gegebenheiten möglich ist. Auch soll sich die Dichte nach der städtebaulichen Lage richten. Ziel soll weiterhin sein, die Wohnflächenbedarfe in Bergisch Gladbach zu realisieren.

Grundsätzliche Zielsetzung für die Bebauung der neu ausgewiesenen Wohnbauflächen sind jedoch etwas dichtere Wohnformen [gegen die sich die Anwohner nach Angaben der Stadtverwaltung richten werden. A.d.A.] als im benachbarten Bestand. Damit kommt die Stadt Bergisch Gladbach auch dem Ziel einer flächensparenden Siedlungsentwicklung nach Ziel 6.1-1 des Landesentwicklungsplans nach.
Die Bezirksregierung Köln rechnet für Bergisch Gladbach mit einer durchschnittlichen Dichte von 40 Wohneinheiten je Hektar (siehe Ziel 6.1-1 Landesentwicklungsplan).“

Warum wird auf die Benennung der Dichte im Weiteren verzichtet? Rund die Hälfte der neuausgewiesenen Wohnbaufläche ist im überarbeiteten Entwurf des FNPs verschwunden.

Wenn hier auf Drängen der Bezirksregierung Köln oder der Landesregierung (mir ist nicht bekannt, wer für den abrupten Sinneswandel der Stadtverwaltung verantwortlich ist) gestrichen wird, die demographischen Szenarien hingegen weiter so bestehen bleiben, müsste man der Bevölkerung mitteilen, dass man das Ziel der Deckung der Wohnflächenbedarfe bei einer Dichte von 40 Wohneinheiten je Hektar nicht erreichen kann.

Denn bei der Hälfte der Fläche müsste man die Dichte offensichtlich verdoppeln. Mit einer Dichte von 40 WE/ha kann man lediglich 4200 Wohneinheiten bis 2035 realisieren. Die bevorzugte Variante des Stadtrates ist jedoch Variante 3, wonach man 5650 Wohneinheiten benötigen würde.

Die Bezirksregierung geht im Gegensatz zur Stadtverwaltung offensichtlich von Variante 2 bzw. 0 der demographischen Projektionen und des Flächengerüsts in der Ursprungsversion des FNPs aus.

Ferner wird im LEP erläutert, dass für die Bedarfsermittlung des Wohnraums die Zahlen von IT.NRW zu nutzen sind und nicht etwa die Projektionen, die die Stadt selbst in Auftrag gegeben hat. Im LEP heißt es:

„Der Bedarf setzt sich aus folgenden Komponenten zusammen: dem Neubedarf, der sich aus der Veränderung der Haushaltszahlen im Planungszeitraum gemäß Prognose von IT.NRW ergibt (dieser kann auch negativ werden) […]“ (LEP, Seite 31)

Im LEP wird also explizit gesagt, dass man sich bei der Bedarfsermittlung an die Daten von IT.NRW zu halten hat, was die Stadt allerdings nicht davon abgehalten hat, sich weiterhin an den Daten von SSR zu orientieren.

Lakonisch heißt es dazu in der Drucksache:

„Eine Bedarfsermittlung erfolgt gemäß der allgemein anerkannten wissenschaftlichen Methodik in Abstimmung mit der Regionalplanung im Rahmen des Flächennutzungsplan- Neuaufstellungsverfahrens. Anhand der Bevölkerungsprognose des Landesbetriebes IT.NRW sowie anhand der für den Flächennutzungsplan durch das Büro SSR errechneten Szenarien zur Bevölkerungs- und Haushaltsentwicklung wird der zu erwartende Bedarf an Wohnungen ermittelt. Unter Berücksichtigung abgeleiteter Dichtewerte, die sich aus den vorhandenen Baustrukturen ergeben resultieren daraus Flächenbedarfe.“ (Seite 17)

Orientierte man sich in der Ursprungsversion des FNP noch ausschließlich an den SSR- Zahlen, werden nun auch die IT.NRW-Zahlen berücksichtigt. Für Variante 3 (und 4), die vom Stadtrat (und der Verwaltung) bevorzugt wurde, wären jedoch 53,8 Wohneinheiten pro Hektar und bei Variante 4 entsprechend 80 Wohneinheiten je Hektar nötig.

Diese Dichten am Stadtrand werden jedoch wahrscheinlich keine „langfristige Nachfrage“ aufweisen – hochverdichtete Siedlungstypen am Stadtrand mit monofunktioneller Nutzung sind soziologisch lange als Problem schlechthin identifiziert worden.

In innerstädtischen Lagen mit funktioneller Mischung und Blockrandbebauung hingegen sind noch höhere Dichtewerte realisierbar und tragen äußerst selten zur Entstehung sozialer Probleme bei. Das neue „urbane Gebiet“ der BauNV ermöglicht Dichten von bis zu 160WE/ha und würde dem Leitbild der „kompakten, nachhaltigen und europäischen Stadt“ entsprechen (LEP, 6.1-3).

In der Drucksache wird zum Sinneswandel der Stadtverwaltung erklärt:

„Zum Abgleich mit der Regional- und Landesplanung wird der Flächennutzungsplan der Bezirksregierung zur Genehmigung vorgelegt. Den allgemeinen Zielvorgaben des Landesentwicklungsplanes, hier insbesondere die Reduzierung des Flächenbedarfes, wird durch die Darstellungen des Flächennutzungsplanes entsprochen.“ (Drucksache 0196/2017 Seite, 38)

Die ursprüngliche Version des FNP wurde anscheinend nicht genehmigt. Es ist naheliegend, dass fundamentale Fehler bei der Errechnung des Flächenbedarfs begangen wurden.

Eigentlich geht es jedoch nicht um die Reduzierung des Flächenbedarfs, es geht um die Reduzierung des Flächenverbrauchs, was nach LEP durch höhere Siedlungsdichten in Kernstädten und Nachverdichtung und die „europäische Stadt“ bzw. die Stadt der kurzen Wege erreicht werden soll.

Christian Holl schreibt dazu in einer Replik auf die Neugestaltung des §13b in der Novelle des BauGB:

„Innenentwicklung ist harte Arbeit. Komplizierte Eigentümerstrukturen, unzeitgemäße und heruntergekommene Altbestände, belastender Durchgangsverkehr, ungünstige Grundstückszuschnitte – ohne eine intensive Unterstützung durch die Gemeinde funktioniert Innenentwicklung nicht. Mehr noch: Die Kommunen sind oftmals damit überfordert, diese Arbeit zu leisten, sowohl was die personelle Ausstattung als auch was das Instrumentarium angeht. Neues Bauland auszuweisen ist einfacher, weil man sich nicht mit Hauseigentümern auseinandersetzen muss. Die Wirkung ist überall im Land in den Ortschaften zu beobachten, ganz gleich ob es sich um reiche oder arme Kommunen handelt. Die Bundesstiftung Baukultur spricht von einem Donut-Effekt: in den Ortsmitten stehen Häuser leer, um die Kerne legt sich der Ring der Einfamilienhaus- und Gewerbegebiete.“ (Nach der Diät ist vor der Diät, Deutsche Bauzeitung, 04.07.2017)

In den Vorgaben des LEP heißt es:

„6.1-1 Ziel Flächensparende und bedarfsgerechte Siedlungsentwicklung
Die Siedlungsentwicklung ist flächensparend und bedarfsgerecht an der Bevölkerungsentwicklung, der Entwicklung der Wirtschaft, den vorhandenen Infrastrukturen sowie den naturräumlichen und kulturlandschaftlichen Entwicklungspotenzialen auszurichten.

6.1-2 Grundsatz Leitbild „flächensparende Siedlungsentwicklung“
Die Regional- und Bauleitplanung soll die flächensparende Siedlungsentwicklung im Sinne des Leitbildes, in Nordrhein-Westfalen das tägliche Wachstum der Siedlungs- und Verkehrsfläche bis zum Jahr 2020 auf 5 ha und langfristig auf „Netto-Null“ zu reduzieren, umsetzen.

6.1-5 Grundsatz Leitbild „nachhaltige europäische Stadt“
Die Siedlungsentwicklung soll im Sinne der „nachhaltigen europäischen Stadt“ kompakt gestaltet werden und das jeweilige Zentrum stärken. Regional- und Bauleitplanung sollen durch eine umweltverträgliche, geschlechtergerechte und siedlungsstrukturell optimierte Zuordnung von Wohnen, Versorgung und Arbeiten zur Verbesserung der Lebensqualität und zur Reduzierung des Verkehrsaufkommens beitragen.
Große Siedlungsbereiche sollen siedlungsstrukturell und durch ein gestuftes städtisches Freiflächensystem gegliedert und aufgelockert werden. Dies soll auch Erfordernisse zur Anpassung an den Klimawandel erfüllen. Orts- und Siedlungsränder sollen erkennbare und raumfunktional wirksame Grenzen zum Freiraum bilden. (LEP, 2016: Seite 26)

Der vorliegende Entwurf stärkt die jeweiligen Zentren nicht, er schwächt sie, ferner trägt er nicht zu einer Reduzierung des Verkehrsaufkommens bei, er steigert es, und über die rund 400 Millionen möglichen Kosten für Verlängerung der Linie 1 wurde die Bürgerschaft auch nicht aufgeklärt.

Ferner mag ich nicht erkennen, wie den drei angeführten Grundsätzen des LEPs mit dem vorliegenden FNP-Entwurf entsprochen wird und dies ganz besonders vor dem Hintergrund der innerstädtischen Industriebrachen Steinbüchel, Cox, Zanders, Berghaus usw..

Möglichkeitsmacher vs. Möglichkeitsraum – Konzeptidee Zanders

Herr Flügge bezeichnete den FNP-Entwurf in der Lokalpresse mehrfach als „Möglichkeitsmacher“. Zweifelsohne würde der Entwurf in seiner jetzigen Form der Stadt allerdings einen Entwicklungspfad eröffnen, der seit rund 50 Jahren als überholt gilt, bzw. dem städtebaulichen Modernismus/Funktionalismus der Charta von Athen entspricht und mannigfach kritisiert wurde.

Auch den Zielen und Grundsätzen des LEP NRW widerspricht dieser Entwurf fundamental: massenhafte Ausweisung von Siedlungs- und Gewerbeflächen am Standrand, was nachgewiesenermaßen zu Suburbanisierung, zur Verödung der Ortskerne und einem Verkehrsinfarkt führt, ist das exakte Gegenteil von dem, was im LEP gefordert wird. Der Bahndamm sowie der ganze FNP in seiner jetzigen Form müssen daher als stadtplanerischer Anachronismus bezeichnet werden.

Walter Siebel, nach Hartmut Häußermann der wohl wichtigste noch lebende Stadtforscher in Deutschland, bezeichnet die brachliegenden Industrieareale in innerstädtischen Lagen als Möglichkeitsräume, da ihre zukünftigen Nutzungen oftmals noch unbestimmt sind.

Es gibt „Möglichkeitsräume” – in der Innenstadt

Bezüglich innerstädtischen Industriebrachen habe ich vor der CDU-Fraktion am 30.01.2017 bereits einen Vortrag gehalten, in dem ich deutlich gemacht habe, dass ich dort den „Möglichkeitsraum“ einer zukünftigen Stadtentwicklung für die Stadt Bergisch Gladbach sehe, da diese Brachen durch „gray to green“-Projekte reanimiert werden könnten: Steinbüchel, Cox , Berghaus und ganz besonders das Zanders Areal und nicht die Ausweisung von über 105ha Siedlungsfläche am Stadtrand im Rahmen des FNP-Verfahrens sollten die Stadtplanung beschäftigen.

Die 16ha Möglichkeitsraum Zanders und die Neufassung des §13b im BauGB machen den FNP in der jetzigen Form obsolet und eröffnen der Stadt ungekannte Entwicklungsmöglichkeiten sowohl im Zentrum als auch am Rande.

Zuerst möchte ich noch einen längeren Abschnitt aus Walter Siebels Aufsatz „Die europäische Stadt“ zu kulturellen Potentialen zitieren, da er in diesem Abschnitt erläutert, was er mit „Möglichkeitsraum“ meint, und im Folgenden möchte ich dieses Wort dann dem „Möglichkeitsmacher“ gegenüberstellen, welches ja den neuen FNP auszeichnen soll. Walter Siebel schreibt:

„Die Stadt ist nicht mehr der besondere Ort des Urbanen. Urbanität ist ubiquitär geworden. Sie kann überall dort sich entfalten, wo gesellschaftliche Umbrüche wie im Brennglas gebündelt werden. Woher rührt etwas die Attraktivität alter Industrieanlagen gerade für postindustrielle Nutzer? Sicher aus handfesten ökonomischen Gründen. Solche Gründe [Flächen, A. d. A] sind ökonomisch entwertet, deshalb billig und daher für die meist ökonomisch schwachen kulturellen Aktivitäten und Existenzgründer auch zugänglich.

Mindestens ebenso wichtig aber dürfte ihr symbolisches Potential sein. An solchen ungenutzten alten Industriestandorten entwickelt sich eine Spannung zwischen dem Gehäuse, das noch Geschichten von industrieller Herrschaft, von Ausbeutung, Lärm, Maloche und Widerstand erzählt, und den Nutzern, die eben dieser Herrschaft nicht mehr unterworfen sind und die deshalb deren Räume als ihre Spiel- und Möglichkeitsräume uminterpretieren können. […] Das Gehäuse einer vergangenen gesellschaftlichen Formation, das seine Zwecke überlebt hat und nun für ganz andere Zwecke in Dienst genommen wird, weist ökonomisch und symbolisch jene Überschüsse und Hohlräume auf, in denen sich Phantasie entfalten kann.

Was für die Hinterlassenschaft der Industriegesellschaft gilt, das gilt auch für die historische Bausubstanz, sofern sie alltäglich genutzt und nicht bloß musealisiert ist. Indem sie an die abgelebten Möglichkeiten städtischen Lebens erinnert, hält sie das Wissen wach, dass auch die gegenwärtige städtische Realität nur eine von vielen Möglichkeiten städtischen Lebens darstellt. Historisch überkommene Gebäude halten Distanz zu ihren aktuellen Nutzern und Nutzungen.

Damit schaffen sie Möglichkeitsräume, Spannungen zwischen verschiedenen möglichen Deutungen. Das gleiche gilt für Architektur und Städtebau. Das Programm des Funktionalismus, ein Gebäude gänzlich in seinem Zweck aufgehen zu lassen, hätte, wenn es denn überhaupt realisierbar wäre, gerade keine urbanen Orte geschaffen. Erst in der Spannung zwischen verschiedenen Logiken, der der Ästhetik und der der Funktionserfüllung, können Räume entstehen, in denen Robert Musils Möglichkeitssinn Platz hat.

Urbanität beinhaltet ein Spannungsverhältnis: zwischen physischer Nähe und sozialer Distanz, zwischen Dichte und Fremdheit, zwischen historischer Bedeutung und aktueller Nutzung. Schon solche produktive Spannung konzentriert sich an bestimmten Orten zu bestimmten Zeiten, dann und dort, wo etwa eine neue Gesellschaft sich in die Gehäuse einer historisch gewordenen aneignet. Eine solche Phase der Urbanität ergab sich im neunzehnten Jahrhundert, und sie hatte ihre Orte dort, wo die Industriegesellschaft die vorindustriellen Bürger- und Industriestädte umwälzte und veränderte.

Heute geschieht ähnliches im Ruhrgebiet oder dort, wo dieTransformation der sozialistischen Gesellschaft wie in einem Brennglas sichtbar wird. Deshalb wohl sind heute so gänzlich verschiedene Orte wie der Prenzlauer Berg in Ostberlin, ein umgenutztes Stahlwerk im Ruhrgebiet oder ein Migrantenquartier in Frankfurt am Main Kristallisationspunkte des Urbanen“. (Siebel, Walter, Seite 49-50)

Walter Siebel dekonstruiert hier ganz nebenbei, was Herr Flügge als „Möglichkeitsmacher“ darstellt. Um Siebel zu paraphrasieren und auf Flügge anzuwenden: der FNP als Möglichkeitsmacher des Funktionalismus, die Stadtplanung gänzlich in ihrem Zweck aufgehen zu lassen, hätte, wenn sie denn überhaupt realisierbar wäre, gerade keine urbanen Orte geschaffen.

Doch der weitaus wichtigere Punkt scheint zu sein, dass sich die Stadt gerade genau in dem von Siebel beschriebenen gesellschaftlichen Umbruchprozess befindet, dies jedoch nicht wahrhaben will und so tut als sei noch alles „gut“ und sogar darauf hofft, den Standort Zanders zu „sichern“.

Die Zukunft der Stadt kann immer auch anders aussehen

Eine Grundvoraussetzung von Urbanität ist jedoch gerade Kontingenz. Stadtentwicklung zeichnet sich nicht durch Sicherheit, sondern gerade durch das Gegenteil aus: die Zukunft der Stadt kann immer auch anders aussehen als die, die man sich im FNP imaginiert, es ist eben nicht sicher, was mit den16ha Zanders Areal passiert, und es ist auch nicht sicher, ob der Immobilienboom so wie in den letzten 10 Jahren anhält.

Wie bereits oben erwähnt, habe ich der Ratsfraktion der CDU am 30.01.2017 einen Vortrag gehalten, in welchem ich dargelegt habe, was eine Alternative zum derzeitigen FNP-Verfahren sein könnte: Die langfristige Konversion des Zanders Areals in einen neuen, kompakt bebauten Stadtteil mit Blockrandbebauung und Straßenbahnlinienanschluss.

Die Konzeptidee habe ich mit folgender Grafik versucht zu veranschaulichen (Beispiel 1). Verschiedene Mitglieder der CDU-Fraktion wendeten daraufhin ein, dass dies nicht möglich sei, da die Grundstückszuschnitte dies nicht zuließen. Hierzu möchte ich nochmals auf die Kritik von Christian Holl verweisen, dass Nachverdichtung und Innenentwicklung harte Arbeit ist.

Beispiel 1: Ursprüngliche Konzeptidee statt/dt Zanders (30.01.2017)

Nach der nachvollziehbaren Kritik der CDU-Fraktion habe ich die Konzeptidee überarbeitet und auf die zu erwerbenden 16ha Fläche angewandt (Beispiel 2).

Beispiel 2: Überarbeitete Konzeptidee 16ha statt/dt Zanders (22.08.2017)

Mir will sich nicht erschließen, warum 105ha „Heimat“ bzw. Kulturlandschaft durch die Ausweisung von Siedlungsgebieten zerstört werden sollen, wenn man keine Antworten bzw. Nachnutzungskonzepte für die Industriebrachen in der Innenstadt vorlegt und verschiedene andere Gemeinden gezeigt haben, dass die Konversion von ehemaligen Industriearealen in innerstädtischen Bereichen positive Effekte für die jeweiligen Kernstädte haben können.

Die gelben Areale in Beispiel 1 und 2 stellen Blockrandbebauung dar, die grünen Bereiche Grünflächen, der Block an der Heidkamper Str. steht als ein Beispiel für kleinteilige Bodenpolitik , die auf dem gesamten Areal verfolgt werden sollte.

Ebenfalls eingezeichnet ist der Straßenbahnanschluss als auch die Offenlegung der Strunde – ferner können so die historischen Industriebauten als identitätsstiftende städtebauliche Merkmale erhalten bleiben.

Des Weiteren entspricht die Konzeptidee den Zielen und Grundsätzen zur Siedlungsentwicklung des LEPs NRW 6.1-1 bis 6.1-9 und dem Leitbild der CDU, wonach der FNP „metropolennahes Wohnen und Arbeiten“ in Bergisch Gladbach ermöglichen soll.

Und schließlich lässt sich die Konzeptidee inkrementell umsetzen, man kann also auf die möglichen Entwicklungen der Firma Zanders reagieren, die Papierindustrie in Bergisch Gladbach wird nicht aktiv zerstört, sondern das Areal Stück für Stück zum „urbanen Gebiet“ bzw. neuen Stadtteil nach BauNV umbaut. Die Möglichkeit, dass die Firma Zanders expandieren könnte, wenn sie es wünsche würde, behielte man dabei offen.

Das „urbane Gebiet“ der BauNV ermöglicht Bebauungsdichten bis zu 160WE/ha, was bei 10 Hektar 1600 Wohneinheiten bedeuten würde, bei 30ha wären es 4800 Wohneinheiten. Sowohl die Straßenbahn als auch S-Bahn würde sich in fußläufiger Entfernung befinden, wie auch die Post, verschiedene Banken und Supermärkte.

Das Stadtzentrum würde durch den neuen Stadtteil eine Belebung erfahren, da es sich in fußläufiger Entfernung zum Zanders Areal befindet. Die Blöcke an der Heidkamper Straße würden sich in fußläufiger Entfernung sowohl zum Dorfzentrum Heidkamp als auch zum Stadtzentrum befinden.

Natürlich gibt es jede Menge Gründe gegen meinen Vorschlag und auch die Konversion des Zanders Areals birgt Zielkonflikte, jedoch bin ich der Ansicht, dass diese wesentlich geringer sind als die, die durch den Entwurf des FNPs entstanden sind.

Fazit

Manchmal erscheint (Stadt-)Politik alternativlos, der FNP hingegen ist nicht alternativlos, und deshalb habe ich versucht Ihnen darzulegen, was eine alternative Konzeptidee sein könnte.

Die Entwicklung innerstädtischer Industriebrachen in kompakte urbane Stadtteile mit Blockrandbebauung und multi-funktionalen Nutzungen ist zweifelsohne schwieriger und langwieriger als die, neues Bauland auf der grünen Wiese auszuweisen.

Wenn man die „Heimat“ bzw. die Kulturlandschaft, die die eigene Sozialisation geprägt hat, jedoch wertschätzt, dann sollte man sie erhalten und gleichzeitig dafür sorgen, dass sich die Stadt entwickeln kann.

Sie mögen nun denken, dass mein Vorschlag verrückt ist. Wenn ich mir jedoch die Vorschläge der Stadtverwaltung ansehe wie die Verlängerung der Linie 1 bis Kürten, einen Autobahnzubringer, der 5 km Richtung Frankfurt führt, damit man dann 10 Minuten schneller am Kreuz Köln-Ost im Stau steht und 105 ha Siedlungsfläche am Stadtrand, dann komme zumindest ich zu dem Schluss, dass meine Vorschläge wesentlich realistischer, progressiver und kostengünstiger sind als die, die von der Stadtverwaltung als „Möglichkeitsmacher“ bzw. Zukunftsvision präsentiert werden.

Und wenn Sie meiner Argumentation aufgrund meiner Interessenlage nicht folgen wollen, so kann ich das durchaus nachvollziehen, wäre Ihnen jedoch sehr dankbar, wenn Sie den FNP von unabhängigen Gutachtern überprüfen lassen würden, die sich mit Stadtplanung auskennen, Jan Gehl oder Brent Toderian z.B., denn die, die den jetzigen FNP-Entwurf verfasst haben, kennen sich offensichtlich nicht aus.

Literatur

Dewar, David. (2000): The Relevance of the Compact City Approach: The Manage- ment of Urban Growth in South African Cities. In: Compact Cities: Sustainable Urban Forms for Developing Countries, Jenks, M: Burgress R. (Hrsg.) Spon Press. London. Seite 209-218.

Glaeser, Edward. (2011): Triumph of the city: how our greatest invention makes us richer, smarter, greener, healthier and happier. The Penguin Press. New York City.

Häußermann, Harmut/ Siebel, Walter und Läpple, Dieter. (2008): Stadtpolitik. Suhrkamp. Frankfurt am Main.

Landesentwicklungsplan Nordrhein-Westfalen (LEP NRW). (2016)

Siebel, Walter. (2004): Die europäische Stadt. Suhrkamp. Frankfurt am Main.

Siebel, Walter. (2015): Die Kultur der Stadt. Suhrkamp. Frankfurt am Main.

Park, Ezra/ Burgess, Ernest W. (1925): The City. Suggestions for Investigation of Human Behavior in the Urban Environtment. The University of Chicago Press. Chicago.

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Josef Cramer

ist Fotograf, beschäfigt sich mit Stadtsoziologie, hat seine Doktorarbeit über Urbanisierung in Südafrika geschrieben und als Investor das Projekt „Gronauer Campus" in GL umgesetzt. Cramer ist Vorsitzender der Interessen- und Standortgemeinschaft (ISG) Stadtmitte und Kandidat der Grünen bei der...

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11 Kommentare

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  1. Danke Lothar Eschbach für die Erinnerung an den vorausschauenden Beitrag von Josef Cramer aus dem Jahr 2017. 37 Hektar Innenstadtgelände mit bester Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr und mit bester Nahversorgung machen den Flächennutzungsplan 2018 (FNP) mit vorgesehener Besiedlung auf Grünflächen in gleicher Größenordnung in der Tat weitestgehend überflüssig. Ob die damaligen und auch die neuerdings gewendeten Befürworter des FNP nun endlich den Beitrag verstehen und die Pläne stoppen? Ich habe meine Zweifel.

  2. Aus aktuellem Anlaß auf Wiedervorlage, hier die hervorragende und kostenfreie Ausarbeitung von Josef Cramer für seine Heimatstadt. Sie kann sehr gut als Einstimmung dienen für den Informationsabend “Projekt Zanders Innenstadt” oder sollte es nicht besser heißen “Projekt Innenstadt, Zanders”. Ein Leitbild für die Stadt würde helfen.

    Die letzten zwei Jahre, die seit dieser Arbeit vergangen sind, haben die Stadt stark in Bewegung gebracht mit vielen Veränderungen und Projekten im Zentrum. Vielleicht läst sich ja für die Stadt mit den Bürgern ein gemeinsamer neuer Weg finden, nachdem sich der “Pulverdampf” des neuen FNP gelegt hat und sich die politischen Kräfte ganz offensichtlich neu sortieren und auch neu orientieren.
    An gesellschaftlichen Veränderungen und aktuellem Wissen kann man auf Dauer nicht vorbeigehen.

  3. Sehr geehrter Herr Cramer,
    vielen Dank für diesen ausführlichen Bericht, der konkrete Vorschläge enthält, die durchaus umsetzbar sind. Das Durchforsten der vielen Unterlagen zum FNP ist äußerst zeitraubend wie ich weiß – dann aber auch noch nicht nur Kritik, sondern gute durchdachte Vorschläge zu bringen – Chapeau!
    Zum Thema Schlafstadt:
    Die Umwandlung ehemaliger Industrieareale in der Innenstadt in Wohngebiete ist nach meiner Meinung der einzig vernünftige Ansatz. Nach meinen Erfahrungen sind Randlagen in Bergisch Gladbach nur für die Pendler geeignet, die ihren Arbeitsplatz im rechtsrheinischen Köln haben, da der zeitliche Aufwand sowohl mit dem PKW als auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln über eine der Brücken zu hoch ist. Das Problem der Leverkusener Autobahnbrücke wird uns noch jahrzehntelang beschäftigen. Hier mit Gewalt und unvertretbarem Aufwand eine Verlängerung der Strassenbahn Linie 1 zu planen erinnert an ein Monopoly Spiel. 400 Millionen sind aber eben kein Spielgeld, sondern müssen letztlich von uns, den Bürgern, mittelbar aufgebracht werden.

    Für im linksrheinischen Köln beschäftigte Bürger sind Wohngebiete im Erftkreis deutlich attraktiver, da per guter Zugverbindung schnell erreichbar – im übrigen findet man dort eine ganz andere, erschwingliche Preisgestaltung als hier bei uns.
    Würde im Innenstadtbereich Wohnraum geschaffen, könnte Bergisch Gladbach sehr wohl in realistische Konkurrenz zum Erftkreis treten, da ( und wenn weiter ausgebaut ) von dort auch der Kölner Innenstadtbereich mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist.

  4. Vielen Dank für diese fundierte Kritik am rückwärtsgewandten derzeitigen FNP – ich kann nur hoffen, dass die politisch Verantwortlichen sie gründlich lesen!

    Gerade im Verkehrsbereich wird der anstehende fundamentale Wandel immer deutlicher sichtbar: Immer weniger Menschen können und wollen so leben, dass sie zwingend auf den (Privat-)PKW angewiesen sind. Die im FNP-Entwurf ausgewiesenen neuen Flächen liegen jedoch größtenteils so weit außerhalb des Zentrums, dass auf absehbare Zeit kein Bahnanschluss realisierbar ist (außer hftl. in Herkenrath). Auch das Fahrrad dürfte angesichts der Topographie nicht für Alle als Hauptverkehrsmittel in Frage kommen. Wozu also auf einen Siedlungstyp setzen, der in Zukunft immer unattraktiver wird?

    Der Kauf der Zanders-Flächen ist eine riesige Chance, vergangene Fehler zumindest teilweise zu korrigieren. Aber dafür muss sich Bergisch Gladbach trauen, sich als ‘Stadt’ zu begreifen, wozu eben auch ein ‘richtiges’, relativ dicht bebautes und zu Fuß erschließbares Zentrum gehört.

  5. Lieber Josef Cramer,

    Ich bin richtig begeistert, endlich mal einen vernünftigen Ansatz für eine langfristige Städteplanung unserer über die letzten Jahrzehnte doch stark geschädigten Stadt zu lesen.
    Unsere Innenstadt ist abends und am Wochenende mehr oder weniger tot. Wer geht schon abends in Bergisch Gladbach aus? Wir brauchen wieder Leben in unserer Stadt und das geht nur dann, wenn die Menschen wieder in die Stadt ziehen und nicht in den ländlichen Gebieten um die Stadt herum wohnen. Das Zanders Gelände teilweise als Wohnraum zu nutzen ist genial….. und gibt der Firma Zanders die Möglickeit weiter sich zu entwickeln. Der einfache Ansatz der Verlängerung der Straßenbahn von Thielenbruch macht verdammt viel Sinn. Das ist eine einmalige Chance für unsere Stadt und hat meine volle Unterstützung.

  6. Ihre fundierte Arbeit, lieber Herr Josef Cramer, weist genau in die Richtung, welche die Bürger dieser Stadt für deren künftige Entwicklung erhoffen sollten. Herzlichen Dank dafür! Dass unsere Chef- und Service- FNP-Planer in eine andere Richtung drängen, die sie mit großer Beharrlichkeit, auch auf der Basis von strapazierten Postfakten wie Bedarfsermittlung, Bahndammbewertung und der Verlängerung der KVB-Linie 1 durchzutricksen versuchen, ist aber leider eine Tatsache.
    Ich hoffe sehr, dass Ihre Gedanken noch rechtzeitig in die jetzt startenden Klausurtagungen der Fraktionen zum Thema FNP Eingang und intensive Berücksichtigung finden. Für eine grundlegende Kurskorrektur ist es nie zu spät!

  7. Vielen Dank, Herr Cramer, für diese genialen Visionen!

    Bitte, bitte, liebe Politiker, macht Euch die Mühe und lest diesen langen, lesenswerten Artikel durch. Das sind die zukunftsweisenden Ideen, die wir in Bergisch Gladbach brauchen!

    Auf keinen Fall darf der FNP, auch nicht ein reduzierter, jetzt durchgezogen werden. Der Zeitplan muss aufgegeben um ganz neu auf der Grundlage der hinzugekommenen Möglichkeiten und Ideen zur Innenentwicklung neu nachzudenken. Die Verwaltung wird dies nicht von sich aus tun. Da muss die Politik schon entsprechend Druck machen!

    Ich weiß, das erfordert viel ehrenamtliche Arbeit. Aber dafür brauchen wir Sie, die Politiker!

  8. Im Namen des Bündnisses der Bürgerinitiativen Bergisch Gladbach gegen den FNP möchte ich mich bei Herrn Cramer herzlich bedanken. Eindrucksvoller kann man nicht belegen, wie sehr sich die Verwaltung am FNP-E. verstiegen, an Gesetzen und Tatsachen vorbei geplant und zugunsten einer bestimmten Klientel gearbeitet hat. Ist das Unkenntnis, Unvermögen, Ignoranz oder auch Vorsatz? Man darf gespannt sein, wie die Fraktionen mit ihren Stellungnahmen am 26.09. in der Ausschusssitzung von FNP- und Stadtplanung auf die Arbeit der Verwaltung reagieren. Die Bürgerinnen und Bürger hoffen, dass die von Ihnen gewählten “Volks”vertreter im Sinne des Volkes entscheiden, und dem FNP-E. die rote Karte zeigen.

  9. Vielen Dank für die Arbeit, die Sie sich gemacht haben!

    Aber leider sind Sie in den Augen der Stadtverwaltung wahrscheinlich auch nur ein Bürger der keine Ahnung hat. Warum das Bergisch Gladbacher Bürgerpotenzial nicht genutzt wird (denn diese müssen die nächsten Jahrzehnte ja auch damit leben; anders als Planungsbüros aus Dortmund) kann ich bei besten Willen nicht verstehen!

  10. Vielen Dank für Ihre genialen Überlegungen von uns als Familie mit einem Zuhause neben dem Königsforst mit bereits genug Flug- und Autobahnlärm.

  11. Ganz großartig, was Josef Cramer hier seiner Heimatstadt nachdrücklich präsentiert. Die Innenentwicklung ist es, die zusätzlich auch noch durch die mehr zufällig in Bewegung geratenen neuen Optionen völlig neue Möglichkeiten in Bergisch Gladbach eröffnet. Es wäre leichtfertig und fatal für die weitere Entwicklung der Stadt, wenn diese Chancen nicht jetzt mit Priorität den Stellenwert erhalten würden, den sie verdienen. FNP-E zur Seite legen und volle Konzentration auf die Gladbacher Mitte.

    Da haben alle Verantwortlichen alle Hände voll zu tun für die nächsten Jahre das zum Erfolg zu führen und das einschließlich der Beschäftigung von Beratern und Subunternehmern. Diese Perspektive lohnt sich in jedem Fall für die Stadt. Vor allen Dingen unter Beachtung von Revitalisierung, Verdichtung aber auch stadtgestalterischen Aspekten haben diese Vorschläge mehr Substanz als viele Diskussionen und Vorschläge des FNP-E zusammen, ganz abgesehen von der Reduktion des Flächenverbrauchs und dem Schutz unserer Bergischen Heimat, ein Stück mehr nachhaltiges Handeln.

    Wenn man sich die ausgewiesenen Gewerbeflächen einmal genau ansieht, dann fragt man sich, wie ein Planer dieser Stadt bei seiner Arbeit für und nicht gegen die Bürger, die vielen Bürgerinitiativen weisen deutlich darauf hin, wie ein Planer auf solche Ideen kommen kann. Das kann noch nicht einmal daran liegen, dass wir kein Leitbild dafür haben, wie wir in Bergisch Gladbach leben, arbeiten und wohnen wollen. Da fehlt es ganz offensichtlich an Fachkompetenz, was ich an anderer Stelle schon einmal detaillierter ausgeführt habe.

    Den Vorschlag von Herrn Josef Cramer zum ÖPNV, der Weiterführung von KVB Linie 3 und 18 von Thielenbruch bis zur Innenstadt, der ist so offensichtlich, überfällig und einfach, zumal es auch noch in Teilen die Trasse für diese Strecke gibt, das er wahrscheinlich alleine deshalb bislang nicht thematisiert worden ist. Einfach zu einfach, stattdessen lieber eine Dekade länger auf ein zweites S-Bahngleis warten (auch wichtig). Damit es keine leichten und einfachen Lösungen gibt, eine Straßenbahn in Herkenrath planen. Wenn mein Beitrag nicht ernst genommen werden sollte, dann hätte ich jetzt gefragt, was haben die genommen, die so etwas planen? Das ist 70iger Jahre Approach, Flächenverbrauch.

    Den Vorschlag zum ÖPNV möchte ich noch ergänzen und dahingehend erweitern, dass der Bahndamm nach Bensberg wieder seiner alten Verwendung zugeführt wird, allerdings diesmal in der Verantwortung der KVB. Nach Weiterführung der Strecke von Thielenbruch nach Gladbach sollte eine weitere Verbindung von Gladbach nach Bensberg verlaufen. Am Neuenweg könnte diese Verbindung dann auf der Trasse der heutigen 1 in Richtung Bensberg geführt werden.

    Wobei eine Weiterführung der 1 bzw. der Verbindung nach Gladbach bis zur Nähe Technologiepark mit Verkehrsbauwerk für Umsteiger erstrebenswert wäre. Es würde bedeuten, dass ich vom Technologiepark kommend entweder mit der Straßenbahn (1) direkt nach Köln fahre oder aber nach/über Gladbach (3/18) nach Köln, alternativ mit der S-Bahn weiter. Für einen parallel verlaufenden Fahrradweg wäre da sicher auch noch Platz und der könnte sogar bis Rösrath gehen.

    Das wäre ein signifikanter Beitrag zum modalen Shift, weil viel innerstädtischer Verkehr aufgenommen werden könnte. Damit wäre auch für die verbleibenden Autoverkehrsteilnehmer wieder mehr Platz. Die breite Zustimmung in der Bevölkerung dürfte auch erreicht werden können – Betrieb Bahndamm als Bahndamm – vor allem aber hätte endlich die unsägliche und blockierende Diskussion um eine „Straße über den Bahndamm“ die keine wirkliche Alternative ist, ein produktives Ende gefunden und die Menschen eine wirkliche verkehrliche Perspektive.