Enterokokken erfüllen im Darm wichtige Aufgaben. Von außen aufgenommen können sie aber zu Erkrankungen führen

Das Trinkwasser in Bergisch Gladbach ist – anders als vor einem Jahr – mit Bakterien verunreinigt, die für alle Personengruppen gefährlich sein können. Daher sollten Sie sich unbedingt an die empfohlenen Vorsichtsregeln halten. Die Details. 

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 Im Oktober 2016 hatten coliforme Keime ihr Weg in das Trinkwasser gefunden, die vor allem für Säuglinge, Schwangere und geschwächte alte Menschen gefährlich waren. Die am Donnerstag festgestellte erneute Verunreinigung hat jedoch einen anderen Charakter: Gefunden wurden Darmbakterien, sogenannte Enterokokken, die jede Personen treffen können.

Die Belkaw hat bereits am Freitag begonnen, in den betroffenen Gebieten in Hebborn, Teilen der Innenstadt und von Schildgen (siehe Karte, Details ganz unten) Chlor ins Wasser zu geben; damit sollen die Bakterien abgetötet werden. Ob das gelingt wird erst die Untersuchung von Proben ergeben; die sind für Montag geplant, Ergebnisse sind für Dienstag angekündigt. 

Erst wenn gar keine Enterokokken mehr nachgewiesen werden können wird das Gesundheitsamt Entwarnung geben. Die Trinkwasserverordnung sieht vor, dass bestimmte Bakterienarten im Leitungswasser bei Überprüfungen nicht nachweisbar sein dürfen.  Dazu gehören auch Enterokokken. Ihr Grenzwert ist also 0/100 ml. 

So sollten Sie sich schützen

Angesichts der Gesundheitsgefahren (Details siehe unten) hat das Gesundheitsamt des Rheinisch-Bergischen Kreises ein „Abkochgebot” verfügt. Konkret heißt es, dass das Wasser drei Minuten kochen und dann zehn Minuten lang abgekühlt werden soll.

Das gilt auch für Wasser zum Zähneputzen, für das Abwaschen von Salaten, Gemüse und Obst, das Herstellen von Eiswürfeln.

Wirklich gefährlich wird es, wenn die Bakterien ins Blut geraten. Daher sollte man bei offenen Wunden jeden Kontakt mit dem Wasser beim Waschen oder Duschen verhindern. Und auch für das Reinigen von Wunden, für Nasenspülung und Inhalation nur abgekochtes Wasser nehmen.

Betroffen ist die gesamte Wasserdruckzone 2 und damit Hebborn, nördliche Teile der Innenstadt, Teile von Paffrath, Kalmünten und Schildgen.

Diese Krankheiten können ausgelöst werden

Wer verunreinigtes Wasser trinkt, riskiert Magen-Darm-Beschwerden, Durchfall und Erbrechen, warnt die Belkaw. Weitere mögliche Symptome sind Fieber. 

Einge der insgesamt 25 Enterokokken-Arten können auch Harnwegsinfekte und Eileiterentzündungen, selbst  Brauen besteht die Gefahr, dass sich diese Infektion auf die Harnblase ausbreitet. Wundinfektionen und Abszesse innerhalb des Bauchraums gehören auch zu den möglichen Folgen einer Infektion. Auch eine Entzündung der Herzinnenhaut oder eine Bauchfellinfektion kann nicht ausgeschlossen werden.

Ein besonderes Risiko tragen Person mit geschwächtem Immunsystem. Hinzu kommt, dass Enterokokken gegenüber bestimmten Antibiotika resistent sind. Krankenhäuser haben besondere Vorkehrungen gegen eine Verunreinigung ihres Wasser getroffen.

Was sind Enterokokken?

Enterokokken sind Milchsäurebakterien, die als Mikroorganismus im menschlichen Körper  leben. Dort sind sie für die Darmflora und die Verdauung eine wichtige Rolle, stützen das Immunsystem und steuern die Herstellung von essenzieller Vitamine. Zudem reinigen sie den Darm.

Enterokokken gibt es auch in einigen tierischen Lebensmitteln, zum Beispiel beim Camembert. Hier sorgen sie für den Reifeprozess.

Diese Bakterien können außerhalb des Körpers überleben und sich in der Umwelt vermehren. 

Werden Enterokkoken von außen aufgenommen, können sie beim Menschen Infektionen auslösen. Sie stammen dann von verdorbenen Lebensmittel oder aber von Trinkwasser, dass durch Fäkalien verschmutzt wurde.

Wie sind die Bakterien ins Netz der Belkaw gelangt?

Die Ursache der Verunreinigung in Bergisch Gladbach ist noch unbekannt, die Belkaw ist auf der Suche. Oft liegt das Problem bei fehlerhaften Hausanschlüssen, undichten Senkgruben, oder Beschädigungen des Rohrnetzes bei Bauarbeiten. 

Die neue Verunreinigung war in der Jägerstraße festgestellt worden, zunächst durch Gestank. Am Donnerstag nahm die Belkaw Proben, wobei Enterokokken nachgewiesen wurden. Am Freitag wurde zunächst Kindergärten und andere sensible Einrichtungen informiert. Am frühen Nachmittag schickten Belkaw und der Rheinisch-Bergische Kreis Presseinformationen raus, gleichzeitig begann die Belkaw damit, Flugblätter in den betroffenen Straßen zu verteilen.

Eine Beschädigung des Rohrnetzes, womöglich durch Arbeiten im Rahmen von „Strunde hoch vier”, war auch im Oktober 2016 als Ursache für die Verunreinigung angenommen worden. Die Belkaw hatte das Wasser in der Zone 2 wochenlang mit Chlor desinfiziert, war der Ursache nach offiziellen Angaben aber nie auf die Spur gekommen. 

Zum potentiell betroffenen Bereich gehören folgende Straßen:

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Akazienweg, Alte Wipperfürther Str., Am Broich, Am Eichenberg, Am Grünen Weiher, Am Heidetor, Am Kamels-buckel, Am Mühlenberg, Am Reiferbusch, Am Steinberg, Am Steinernen Kreuz, Am Urnenfeld, Am Vogelherd, Am Wapelsberg, Amselweg, An der Engelsfuhr, An der Flora, An der Strunde, Auf dem Horn, Auf dem Kirchenfeld, Auf dem Lichmich, Buschhorner Weg, Dr.-Robert-Koch-Str., Eichenweg, Engelsgut, Eschenweg, Föhrenhöfchen, Fuchskaule, Gemarkenweg, Gerstenschlag, Gertrudenstr., Haferbusch, Hannenbusch, Hauptstr., Hebborner Berg, Hebborner Feld, Hebborner Kirchweg, Hebborner Str., Heiligenstock, Hornstr., Hubertusstr. Im Aspert, Im Drosselhain, Im Kleefeld, In den Stämmen, In der Schlade, Irlenfelder Weg, Jägerhof, Jägerstr., Johannesstr., Kalmüntener Str., Keltenweg, Kürtener Str., Langemarckweg, Laurentiusstr., Lochermühle, Meisenweg, Mutzer Feld, Mutzer Heide, Mutzer Str., Nußbaum, Nußbaumer Berg, Nußbaumer Feld, Nußbaumer Garten, Nußbaumer Str., Nußbaumer Winkel, Odenthaler Str., Olpensgut, Paffrather Str., Pannenberg, Pappelweg, Pe-ter-Landwehr-Str., Platanenweg, Reuterstr., Roggenacker, Romaneyer Str. , Römerfeld, Rommerscheider Str., Sonnenweg, Theodorstr., Töpferweg, Überm Rost, Unterboschbach, Unterhebborn, Voiswinkeler Str., Vollmühlenweg, Waldstr. , Weizenfeld, Zaunkönigweg, Zum Waschbach [/responsivevoice]

Weitere Auskünft erteilt das Servicecenter der Belkaw, Telefon 02202 28 55 800 oder beim Gesundheitsamt unter 02202 13 22 42.

Alle Beiträge zum Trinkwasser in Bergisch Gladbach finden Sie hier. 

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Redaktion

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