Lungenspezialisten am VPH Bensberg, von links: Dr. Stefan Korsten, Dr. Mario Sanchez-Lansch, Berthold Braun, Francesco Cardone.

Lungenspezialisten am VPH Bensberg, von links: Dr. Stefan Korsten, Dr. Mario Sanchez-Lansch, Berthold Braun, Francesco Cardone.

Einen langen Atem brauchen nicht nur Lungenpatienten, sondern auch ihre Ärzte, Pfleger und Therapeuten. Beim Bürgerforum COPD sprachen Spezialisten über Diagnose- und Therapiemöglichkeiten, erklärten, auf was es beim Anlagen der Atemmaske zu achten gilt und vieles mehr.

„Halten Sie mal eine Minute lang den Atem an.“ Eine durchaus gewagte Aufforderung an Patienten, die akut an der Lunge erkrankt sind. Wie schwierig und doch möglich das Atmen, aber auch die Therapie von Lungenerkrankungen sein kann, erfuhren in diesen Tagen die Besucher im Vinzenz Pallotti Hospital in Bensberg beim 9. Bürgerforum COPD.

„Mit COPD oder auch chronisch obstruktive Erkrankung der Lunge ist landläufig der Raucherhusten gemeint, wenngleich wir heute hier lieber über Lungenkrankheiten reden möchten“, so Dr. Stefan Korsten, Chefarzt der Inneren Medizin. „Denn nicht alles was pfeift und keine Luft kriegt, ist COPD.“

In Bensberg gibt es schon seit Jahren einen pneumologischen Schwerpunkt. „Wir betreuen unsere Patienten auf höchstem Niveau.“ Ziel sei es stets die Lebensqualität der Patienten zu erhöhen.

Dabei ist es für die Fachleute nicht immer leicht, eine Balance zwischen der Therapie, also meist der nächtlichen Heimbeatmung, auf der einen Seite und der Leistungsfähigkeit am Tag auf der anderen Seite hinzubekommen. Und je besser die Therapiestunden in der Nacht verlaufen, desto mehr Kraft und Energie haben die Patienten tagsüber.

Trainingscamps für Lungenerkrankte

„COPD ist eine Langzeiterkrankung. Ohne ein aktives Mitwirken der Patienten geht es nicht.“ Das VPH bietet für Lungenerkrankte spezielle Trainingscamps an, in denen sie lernen, mit zusätzlichem Sauerstoff „ihre Alltagsdinge zu regeln.“

Ein besonderes Problem vieler Lungenerkrankter ist es, die erforderliche Nase-Mund-Atemmaske so anzulegen, dass sie nicht stört. Francesco Cardone, Pflegerische Leitung der Intensivstation, erklärt den Zuhörern sehr anschaulich, auf was man beim Anlegen der Maske alles achten muss.

Ist die Maske dicht, der Nasenrücken ausreichend entlastet? Stimmt das Atemzeit-Management? Leidet der Patient unter Kopfschmerz, trockenen Schleimhäuten oder einer Bindehautentzündung? „Im VPH sind zwei Mitarbeiter nur für diese Themen freigestellt.“ Die Pflegenden und Ärzte beraten die Patienten bei der Einstellung der Beatmung, bestellen Beatmungsgeräte, überwachen Kontrolltermine und geben telefonische Hilfestellung.

Wie wichtig die apparative und technische Ausstattung von Lungenpatienten ist, wurde im Vortrag von Berthold Braune deutlich. Als Beatmungspfleger der Lungenklinik Bethanien in Solingen weiß er, dass Patienten den Sauerstoff regelmäßig als Langzeittherapie zuführen müssen. „Ohne ausreichend Sauerstoff nimmt der gesamte Organismus Schaden.“

Der Experte vergleicht die Versorgung mit Flüssig-Sauerstoff mit einem Medikament, wie der Herztablette. Und die wirke schließlich auch nur, wenn man sie einnimmt.

„Dubiose Schnäppchenangebote sind gefährlich“

Dabei müsse unbedingt die vom Arzt aufwändig ermittelte Dosis an Sauerstoff zugeführt werden. „Dubiose Schnäppchen-Angebote im Internet aus Fernost sind gefährlich.“ So sei es zum Beispiel ein großer Unterschied, ob der Sauerstoffmangel in Ruhe oder unter Belastung zustande kommt.

Ob es sich wirklich um COPD handelt oder vielleicht doch eher ein Asthma bronchiale oder eine Herzschwäche hinter der Lungenerkrankung steckt, kann nur der Lungenfacharzt entscheiden. „Eine Herzschwäche kann auch zusammen mit einer COPD auftreten. Ein Patient mit Raucherhusten kann auch ein Lungenemphysem haben“, erklärt Dr. Mario Sanchez Lansch, Pneumologe am VPH den interessierten Zuhörern.

Doch bei der COPD sei eben nicht nur die Lunge betroffen, als Systemerkrankung „schwappt“ sie über auf den ganzen Organismus, so dass weitere Erkrankungen, wie Diabetes oder Schlafapnoe die Folge sein können.

High-Resolution-CT für die Diagnose

Zu unterscheiden sei zudem, ob es sich um eine krankhafte Erweiterung der Bronchien durch zum Beispiel häufige Infekte oder aber ein Gendefekt handelt, bei der die Lungenbläschen zerstört werden und es zum gefürchteten Lungenemphysem kommen kann. „Das können wir durch ein High-Resolution-CT bzw. einem bestimmten Verfahren, bei dem der Patient auf einen Mangel von Antitrypsin getestet wird, herausfinden.“

Für die Experten der Klinik sind bei der Behandlung der COPD letztlich zwei Faktoren wichtig: Wie ist die akute Verschlechterung des Patienten in den letzten 12 Monaten, und wie sind die Beschwerden im Alltag? „Ziel ist es stets, die Patienten zu mobilisieren, damit sie möglichst gut am täglichen Leben teilhaben können“, so Sanchez-Lansch.

Und eines sei ganz klar: Bei der Therapie müssen nicht nur die Patienten, sondern auch die Ärzte, Pflegenden und Therapeuten einen langen Atem haben.

Zbick

PR-Berater (Deutsche Akademie für Public Relations), Volt-Mitglied

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.