Deutsche Meister: Das Bundesligateam aus Bergisch Gladbach mit Martin Horn, Nick Polychronopoulos, Thomas Horcher, Jens Eggers und Torbjörn Blomdahl.

Deutsche Meister 2016: Das Bundesligateam aus Bergisch Gladbach mit Martin Horn, Nick Polychronopoulos, Thomas Horcher, Jens Eggers und Torbjörn Blomdahl. Foto: Bergischer Bote

Dem Billardclub Bergisch Gladbach ist das Geld ausgegangen. Immer weniger Mitglieder, keine neuen Sponsoren. Die Konsequenz: Ab der nächsten Saison kann der Club keine Honorar-Spieler mehr bezahlen – oder muss sich sogar komplett aus der Dreiband-Bundesliga zurückziehen.

Anlass für diese ebenso schmerzliche wie notwendige Entscheidung waren drei Ursachen: Zum einen war es ein nicht vorherseh­barer drastischer Rückgang an Mitgliedern und deren Beiträgen, der andererseits mit dem Wegfall privater Zuwendungen zusammentraf, wo­durch dem Verein die Grundlage der Finanzierung entzogen wurde.

Erschwerend kam als drittes hinzu, dass der wiederholte Versuch der letzten Jahre, neue Sponsoren zu finden, um das Konzept langfristig auf tragfähige Füße zu stellen, keine Früchte trug. Da nützte auch nicht der Hinweis darauf, wie erfolgreich der Billard-Club den Ruf von Bergisch Gladbach als „Sportstadt“ mitgeprägt hatte.

Dreiband-Spieler machten Schlagzeilen

Nach reihenweise errungenen Titeln in Einzel- und Mannschafts-Meisterschaften früherer Jahrzehnte  –  mit Spielern von Peter und Edgar Klever über Matthias Metzemacher oder Helmut Grosser bis hin zu Jürgen Keul, Manfred  Lenges oder Herbert Hoef-Emden  –  und ebenso regelmäßig ausgerichteten großen Turnieren um Deutsche Meister­schaften, waren seit dem 1996 gefeierten Einzug in das neue Clubheim unter der Integrierten Gesamtschule Paffrath vor allem die Dreiband-Spieler für Schlagzeilen zuständig.

Nach Jahren im oberen Drittel der Liga und drei aufeinanderfol­genden Vizemeisterschaften folgte 2016 erstmals der Titel in der 1. Drei­band-Bundesliga, dem in der vorigen Saison um Haaresbreite die Zweite Meisterschaft gefolgt wäre. Zwei Pokalsiege mit dem Erreichen der Qualifikationsrunde zum Europa-Pokal runden diese Erfolgsbilanz ab.

Natürlich greifen Spitzenspieler auch im Billard schon lange nicht mehr nur „für Gottes Lohn“ zum Queue, selbst wenn die Honorare im Vergleich zu anderen Sportarten wahrlich nur die sprichwörtlichen „Peanuts“ sind.

Doch von allen angesprochenen möglichen Unterstüt­zern kamen auf die Bitte um „Sporthilfe – einmal ganz lokal“ immer nur Absagen, selbst wenn sich darunter potente Unternehmen befanden, welche sich bei anderen Sportarten durchaus kräftig enga­gie­ren.

Und wie soll’s weitergehen?

Für den Vorstand und die Mitglieder stand fest, dass die bis April 2019 laufende Saison „ordentlich“ zu Ende gespielt werden müsse. Weder kam es in Frage, die Spieler um eine Reduzierung ihrer vereinbarten Honorare zu bitten, womit der Verein nur sein Renommee als verlässlicher Vertrags­partner aufs Spiel setzen würde.

Ebensowenig diskutabel war die Variante, bestimmte Begegnungen nur noch mit einem „Not-Team“ zu bestreiten, womit sich der Club dem berechtigten Vorwurf ausgesetzt hätte, wettbewerbsverzerrend auf das Ergebnis der Bundes­liga Einfluss ge­nom­men zu haben.

Da mittlerweile ein Weg gefunden wurde, wegen der aufge­tretenen akuten Finanzierungslücke nicht schon während der laufenden Saison die Reißleine ziehen zu müssen, geht der Club davon aus, bis zum Ende der Spielzeit weiter „Billard vom Feinsten“ anbieten und dabei dem einen oder anderen Gegner noch manch schmerzhaften Punktverlust bei­brin­gen zu können.

Ob danach, wie eingangs angedeutet, zumindest in der Saison 2019/20 Begegnungen mit den Top-Spielern dieser Sportart in Bergisch Gladbach präsentieren werden können, wird davon abhängen, ob eine halbwegs konkurrenzfähige Mannschaft zu finden sein wird  –  und sei es mit dem Resultat, einen „geregelten Abstieg“ in Kauf nehmen zu müssen.

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