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Nach langem Bemühen des Bürger- und Heimatvereins ist es soweit: die Motte Kippekausen wird in der Winterzeit abends wieder angestrahlt.

Dank des Engagements des Teams Verkehrstechnik der Stadtverwaltung, das für die Beleuchtung der Straßen, Wege und Plätze sowie die Anstrahlung öffentlicher Gebäude zuständig ist, konnte der Lichtplaner Günter Klein eine beeindruckende Lichtschau aufbauen.

Aber was ist die Motte Kippekausen eigentlich? Kurz gesagt: eine Turmhügelburg. Von dieser ehemaligen Burganlage sind am Burgplatz in Refrath noch Reste der Grundmauern und der innere Wassergraben zu sehen – die nun durch die Lichtinstallation großartig in Szene gesetzt werden.

Dahinter verbirgt sich eine spannende Geschichte, mit der man sich der Frage annähert, wann und wo in Refrath zuerst gesiedelt wurde. Das lässt sich nicht eindeutig beantworten, da es keine schriftlichen Zeugnisse aus der frühesten Siedlungsphase gibt.

Aber die Archäologie kann weiterhelfen. Und hier kommt die Motte Kippekausen ins Spiel.

Als die Parksiedlung Kippekausen gebaut wurde, war es an der Zeit, sich mit der Ruine der sogenannten Hochmotte zu beschäftigen. Auf Veranlassung von P. Bürling (dem damaligen Vorsitzenden des Bürger- und Heimatvereins) wurden 1959 bzw.1961 Grabungen durchgeführt, bei denen drei Bauabschnitte nachgewiesen werden konnten.

Zunächst existierte eine Flachsiedlung, die sich von einer Düne im Bereich der späteren Burganlage zum Trassbach hin erstreckte (Bauabschnitt 1). Ihr Beginn ist aufgrund von Scherbenfunden in das 10. bis 11. Jhd. zu datieren.

Wenig später erfolgte wohl auch die erste Aufschüttung (mittellateinisch bedeutet „mota“ Turm auf einem künstlichen Hügel). Die Flachsiedlung wurde eingeebnet, das feuchte Gelände nördlich der Düne durch einen Graben abgetrennt, der südlich gelegene Teil als Vorburg weiter genutzt (Bauabschnitt 2).

An drei Seiten der Burg wurde ein etwa 4 m breiter Wall festgestellt, der wohl als Stützmauer für die Aufschüttung der Motte diente. Auf ihm fanden sich Reste einer Palisadenbefestigung. Die Aufschüttung im Bereich der Düne betrug allerdings kaum mehr als 2,5 Meter.

Der Ausbau in Stein mit rechteckigem Grundriss wird in das 12. bis 13. Jahrhundert datiert und stellt den dritten Bauabschnitt dar. Außer der Hauptburg mit einem rechteckigen Burgturm und der südlichen Vorburg gehörten noch weitere Vorburgen bzw. Wirtschaftsbereiche zu Kippekausen, das ursprünglich ein Rittersitz gewesen ist.

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts war die Burganlage bereits verfallen. Für eine gewaltsame Zerstörung gibt es aber keine Anhaltspunkte.

Der Name Kippekausen geht vermutlich auf einen Personennamen zurück. Die Namen mit der Endung -hausen deuten auf die Periode des inneren Ausbaues des westlichen bergischen Landes im 9. bis 13. Jahrhundert hin. Nach mehrmaligem Besitzerwechsel wurde Kippekausen später Pachtgut. Noch im 19. Jahrhundert, als Bernhard Eyberg Eigentümer des Gutes war, umfasste es ein Gelände von 169 Morgen. Die damaligen Besitzer, eine Familie „von Merheim“ schuf eine neue Hofstelle: das „Gut Kippekausen“.

Bis zum Bau der Parksiedlung Kippekausen ab 1959 lag die Ruine der Motte noch im Wald. Mit dem Bau der Siedlung Kippekausen endete 1961 die Geschichte des Gutes Kippekausen. Das Hauptgebäude wurde zwar noch renoviert, aber 1965 dann auch abgerissen und durch eine Reihenhauszeile ersetzt.

Eine ausführliche Beschreibung der Geschichte der „Motte Kippekausen“ und des Hofgutes Kippekausen finden Sie in Band 3/II von „Refrath gestern und heute“

Hans Peter Müller

ist Lehrer im Ruhestand und war lange Jahre Vorsitzender des Bürger- und Heimatvereins Refrath. Als Heimatforscher und Autor arbeitet er die Geschichte des Ortsteils auf.

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