Auf dem Handy am besten im Querformat!

Bei der Feuerwehr Bergisch Gladbach ist Thomas Meister „Brandoberinspektor” – und damit hat er eine Doppelrolle: im sogenannten Tagesmischdienst ist er für die Bereiche Personal, Einsatz, Ausbildung und Ehrenamt zuständig. Rund sieben Mal im Monat hat er einen 24-Stunden-Dienst und arbeitet dann als Einsatzleiter.

Thomas Meister ist 36 Jahre alt, er hat drei Kinder, eins ist ein Pflegekind. Für die Bergischen Köpfe beantwortet der Feuerwehrmann unsere Fragen zum Thema „Helfen”. Weitere Video-Beiträge der Serie finden Sie unten.

Verstehen Sie sich als Helfer? Oder eher als Retter?
Das Helfen ist bei uns tief verankert, in unserem Berufsethos als Feuerwehrbeamter. Da ist klar, dass unsere Aufgabe das Helfen ist. Im Job, auf der Straße oder bei einem Brand sind wir dann aber doch oft die Retter.

Warum haben Sie sich für die Feuerwehr entschieden?
Ich wollte nach meiner Ausbildung etwas machen, das Sinn hat. Ich hatte in einer großen amerikanischen Firma gearbeitet, als Industriemechatroniker. Mein Leben lang Sachen zu reparieren, hat das wirklich Sinn? Ich wollte etwas machen, wo ich auch als Mensch wahrgenommen werden – und bin zur Berufsfeuerwehr gegangen.

Die Rolle als Retter, die Uniform, die Fahrzeuge – hat das eine besondere Faszination?
Klar, wenn man in diese Rolle schlüpft, dann schwingt dieses heroische schon mit. Aber für mich macht es gerade die Kombination interessant: der Alltag einer Führungskraft im Büro und das Arbeiten im 24-Stunden-Alarmdienst mit den Einsätzen.

Gibt es Situation, in denen Sie nicht helfen können?
Vor allem als Notfallsanitäter kommen wir auch an unsere Grenzen. Da merken wir dann, dass wir kurzfristig helfen, aber mit dem, was wir gelernt haben, für die betroffene Person keine langfristigen Lösungen haben.

Und im Feuerwehrdienst?
Im Alltag kommt das eigentlich nicht vor. Wir sind sehr gut ausgestattet, wir bilden uns täglich vor, machen Schulungen und trainieren den Ernstfall. Aber es gibt natürlich Situationen, wo wir mit unseren Leuten, unseren Fahrzeugen, unserem Know-how nicht hinkommen. Zum Beispiel bei besonders schweren Bränden müssen wir abwägen: opfere ich mein Personal und rette vier, fünf Menschenleben? Oder retten wir nur zwei, weil ich genau weiß, das schaffen wir noch, ohne die eigenen Leute zu gefährden.

Wie gefährlich ist die Arbeit eines Feuerwehrmanns?
Sie ist planbar gefährlich, aber dann doch nicht zu vergleichen etwas mit der Arbeit eines Industriemechatronikers. Für uns ist klar, wenn wir den Dienst antreten, dass wir jederzeit in ein brennendes Haus hinein müssen. Aber das ist unser Job, auf den hin wir trainieren und mit dem wir uns gedanklich auseinander setzen. Gefährlich bleibt es trotzdem.

Fühlen Sie sich gut gewappnet, gut ausgerüstet?
Was die Technik angeht, die Fahrzeuge und die Ausrüstung, da sind wir hier in Bergisch Gladbach sehr gut aufgestellt. Womit wir in letzter Zeit Probleme haben, das ist die Unterbesetzung. Da kann schon mal ein Fahrzeug nicht besetzt werden – und das wirkt sich auch auf den Einsatz aus.

Können wir uns als Bürger sicher fühlen?
Auf jeden Fall. Wir haben zwei Wachen (in Gladbach und in Bensberg), die rund um die Uhr jeden Tag besetzt sind, wo die Funktionen Tag und Nacht gewährleistet sind. Die Mitarbeiter sind wirklich loyal – auch im Ehrenamt.

Welche Rolle spielt das Ehrenamt für die Feuerwehr?
Die freiwillige Feuerwehr leistet eine immense Arbeit, was den Brandschutz angeht. Sie unterstützt uns sehr stark bei größeren Bränden, bei Verkehrsunfällen. Ohne sie wäre unsere Aufgabe gar nicht zu bewerkstelligen.

Passt das Ehrenamt in die heutige Zeit, lässt sich das neben dem Beruf leisten?
Die Rolle des freiwilligen Feuerwehrmanns in den alltäglichen Job einzubinden, das ist in den letzten Jahren schon schwieriger geworden. Auch weil viele auswärts arbeiten, in Köln oder Leverkusen. Die haben dann tagsüber natürlich Probleme, zu ihren Fahrzeugen zu kommen.

Welche Rolle spielt das Helfen in der Gesellschaft?
Allgemein hat es nach wie vor einen hohen Stellenwert. Wenn wir als Feuerwehr Projekte starten, dann erleben wir eine große Hilfsbereitschaft. Aber bei konkreten Einsätzen merken wir in letzter Zeit schon, dass die Retter, egal ob Polizei oder Feuerwehr, nicht mehr die Akzeptanz bekommen wie vor 15 Jahren. Das spüren wir vor allem, wenn wir als Notfallsanitäter unterwegs sind.

Wie klappt es mit so alltäglichen Dingen wie einer Rettungsgasse?
Wir haben zwar nicht so viele Einsätze auf der Autobahn, aber ich würde mir da noch mehr Aufklärung und Werbung wünschen. Damit die Leute ganz praktisch wissen, wie man eine Rettungsgasse bildet – und dass man nicht zuerst sein Handy zücken und Videos machen sollte. Das sehen wir auch hier in der Innenstadt, leider.

In Notsituationen ist die Hilfsbereitschaft eher verhalten. Die Polizei zu informieren, das funktioniert – aber Erstmaßnahmen durchzuführen, eine Reanimation auf der Straße oder auch zuhause, das gibt es eher selten. Oft wissen die Leute nicht, was sie machen sollen. Auch da könnte man noch etwas mehr Aufklärung leisten und Schulungen anbieten.

Haben sich Ihre Erwartungen an den Job bei der Feuerwehr erfüllt?
Das ist mein Traumberuf, ich gehe jeden Tag gern hier hin. Auch hier läuft nicht immer alles, wie man es sich vorstellt. Aber ich habe noch nie daran gedacht, den Job an den Nagel zu hängen.

Lässt sich die Feuerwehr mit dem Privatleben vereinbaren?
Das geht sehr gut. Die Dienstzeiten sind gut planbar, ich habe viel Zeit für meine Familie und auch noch für den Sport. Ich mache auch gerne Überstunden, das gibt mir in der Freizeit mehr Flexibilität.

Was wünschen Sie sich für die Feuerwehr in Bergisch Gladbach?
Noch mehr Akzeptanz in der Bevölkerung, aber auch mehr Verständnis bei der Stadtverwaltung. Wir sind ja ein Teil von ihr – aber manchmal merkt man schon, dass einige gar nicht wissen, was die Aufgaben der Feuerwehr sind, wie wir arbeiten. Wenn da etwas mehr Brücken geschlagen werden, würde das der Feuerwehr noch mehr helfen.

Hintergrund: Die Feuerwehr in Bergisch Gladbach ist eine der größten Freiwilligen Feuerwehren mit hauptamtlichen Kräften in NRW. Der Brandschutz in Bergisch Gladbach wird durch haupt- und ehrenamtliches Personal sichergestellt.

Sie beschäftigt 106 Beamte im mittleren, 10 Beamte im gehobenen, einen Beamten im höheren feuerwehrtechnischen Dienst sowie 6 Feuerwehrbeamte in der Ausbildung. Hinzu kommen rund 200 ehrenamtliche Angehörige der Feuerwehr. 25 Tarifbeschäftigte werden ausschließlich in der Notfallrettung und im Krankentransport eingesetzt, sowie wie 6 Mitarbeiter in der Verwaltung. Die Jugendfeuerwehr besteht aus rund 120 Mädchen und Jungen in 5 Gruppen im Alter zwischen 10 und 18 Jahren.

In der Stadtmitte und in Bensberg befindet sich je eine ständig besetzte Feuer- und Rettungswache und in Refrath eine Rettungswache. Die fünf ehrenamtlichen Einheiten sind teils in den Feuerwachen und teils in eigenständigen Feuerwehrhäusern untergebracht. Die Feuerwehr Bergisch Gladbach betreibt eine eigene Feuerwehrschule.

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Redaktion

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