Beim Wettbewerb der fahrradfreundlichsten Städte Deutschlands bleibt Bergisch Gladbach weit abgeschlagen. Das ist die Quittung dafür, dass die Stadt das eigene Mobilitätskonzept nicht durchgesetzt hat, urteilt der ADFC.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hat heute gemeinsam mit dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) die fahrradfreundlichsten Städte Deutschlands ausgezeichnet. Bergisch Gladbach zählte, wie schon erwartet, nicht dazu.

Dreimal war die Stadt bei dem ADFC-Fahrradklimatest unter den Städten zwischen 100.000 und 200.000 Einwohnern auf dem vorletzten Platz gelandet. Diesmal bekam sie, weil neben Hagen nun auch Remscheid noch schlechter ist, den Relegationsplatz. Und dies erspart schlechte Presse deutschlandweit. 

Seit 2012 hat sich bei der Bewertung Bergisch Gladbachs als Fahrradstadt trotz aller Bemühungen nichts getan. Siehe auch Dokumentation unten. Quelle: ADFC Fahrradklimatest 2018

Die Stadt hat ihre Chance vertan. Das Mobilitätskonzept (MobiK), in 2016 beschlossen, war eine Steilvorlage. Bergisch Gladbach hätte Fahrradstadt werden können, ein komplettes Hauptroutennetz war geplant. Daraus ist nichts geworden, weil das ganze Klima nicht stimmt.

Vom MobiK sind ein paar hundert Meter Fahrradstreifen auf der Kölner Straße übrig geblieben. Dann gab es die Blockadehaltung der Politik, die dem Auto Vorrang einräumte und die Verwaltung mit sinnlosen arbeitsintensiven Anträgen überhäufte.

Seitdem plant unser Mobilitätsmanager nur noch Autoverkehr. Er wird keinen Stau verhindern, aber so verhindert man, dass die Vorgaben vom MobiK in die Ausschüsse kommen. Ohne Investitionen in die Fahrradinfrastruktur wird der Wunschgedanke an weniger Autoverkehr nicht funktionieren.

Bernhard Werheid, Vorsitzender vom ADFC RheinBerg-Oberberg e.V., sagt dazu. „Zwei verlorene Jahre, jetzt reicht es. Wir sind nicht nur Radfahrer sondern auch Wähler. Wenn die Kooperation keine Verkehrswende denken will, wird sie mit Sicherheit die kommende Kommunalwahl nicht überstehen“.

Mehr als die Hälfte der 432 teilnehmenden Bürger und Bürgerinnen unserer Stadt haben von dem Angebot Gebrauch gemacht, eigene Anmerkungen zur Fahrradsituation zu verfassen. Dafür dankt der ADFC ausdrücklich. Herausgekommen ist ein bewegendes Dokument, welches der ADFC dem Ausschuss für Anregungen und Beschwerden vorstellen wird. Nur allzu häufig werden Radfahrer Teil einer schlechten Presse. Hier soll die Sicht der Rad fahrenden Bevölkerung dargelegt werden.

Hintergrund: Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. (ADFC) ist mit mehr als 175.000 Mitgliedern die größte Interessensvertretung der Radfahrerinnen und Radfahrer in Deutschland und weltweit. Der ADFC-Kreisverband RheinBerg-Oberberg setzt sich insbesondere für die beschlossenen Pläne des MobiK GL wie z.B. die Öffnung der Fußgängerzone. 

Dokumentation

ADFC

Der ADFC ist ein Verband von RadlerInnen, die das Ziel verfolgen, den Verkehr fahrrad- und fußgängerfreundlicher zu gestalten. Neben seinem Engagement für eine umweltbewusste und damit nachhaltige Mobilität berät der ADFC in allen Fragen rund ums Fahrrad. Eine Vielzahl von geführten Radtouren läßt...

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4 Kommentare

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  1. Was sagen eigentlich die in der Stadt verantwortlichen dazu? Ah stimmt, 400 und nochwas ist ja kein aussagekräftiger Durschnitt,also kann man das Thema getrost in der Verwaltungsschublade weiter pennen.Und die Arbeiter der Stadt können als Arbeitsbeschaffungsmassnahme neue”Achtung Radwegschäden” Schilder aufstellen.So kürzlich auf dem Weg von Herkenrath nach Moitzfeld geschehen.Zwei Stück.Was kostet ein Schild plus Montage?Dafür hätte man bestimmt den ein oder anderen Wurzelhubel mal glattfräsen können.Ging ja auch, als deswegen ein Unfall passiert ist.Diese Stadt ist ein Spiegelblick der Republik.Ich gebe meinem Vorredner recht.Da hilft nur noch ziviler Ungehorsam.Natürlich der nette….Schönen Tag Heike Häusler

  2. Mit einigen, wenigen Handgriffen könnte man die Situation für Radfahrer bedeutend verbessern. Einbahnstraßen grundsätzlich für Radfahrer freigeben wäre so eine Möglichkeit. Bestes Beispiel ist die Laurentiusstraße – breit genug. Überhaupt kein Ding. Warum wird das nicht umgesetzt?

    Es lässt sich zwar insgesamt feststellen, dass es nicht schlechter wird (Turbokreisel mit dem Rad – klappt ganz gut, Fußgängerzone teiloffen, Radschnellweg nach Köln beschlossen), aber wie auch schon beim großen Nachbarn und Tabellenletzten einfach viel zu wenig passiert. Generell scheint mir das aber ein Problem zu sein, dass insbesondere in NRW beheimatet ist. In BW passiert da bedeutend mehr. In Karlsruhe wurde eine Tiefgarage am Bahnhof für wenige Autos zu einer Radgarage inkl. Umziehmöglichkeiten umgebaut. Eine von vielen Maßnahmen, die dazu geführt hat, dass Karlsruhe jetzt auf Platz 1 steht.

  3. Sehr geehrter Herr Havermann,
    Sie schreiben immer so schön aus der Perspektive des Autofahrers. Kommen Sie doch mal mit dem Fahrrad die Stadt erkunden und ganz normale Wegebeziehungen ausprobieren. Dann werden Sie feststellen, dass diese oft weder sicher noch fair sind, von halbwegs effizient ganz zu schweigen. Auch scheinen Sie sich Sorgen um Fussgänger zu machen. Nur, so verstehe ich die Statistiken der Ordnungsbehörden, gibt es objektiv gar kein Problem für diese und daher pflegen Sie also nur das Bild des rüpelhaften Radfahrers, der eher Täter als Opfer in einer verfehlten, das Stadtbild und die Umwelt schädigenden Verkehrsplanung ist. Wer die Verkehrswende verschläft und an der Priorisierung des Autoverkehr de facto festhält, der versündigt sich deutlich mehr an der Zukunft als ein Verkehrsteilnehmer, der in zivilem Ungehorsam die StVO etwas weiter auslegt.

  4. Der ADFC bedient natürlich sämtliche Forderungen des Fahrradfahrer, die in den meisten Fällen absolut berechtigt sind. Ich wünsche mir nur, dass die Fahrradfahrer, so wie sie sich die Veränderungen im Verhalten der anderen Verkehrsteilnehmer vorstellen, sich an die eigene Brust klopfen.

    Fährt man in den Rush Hours durch unsere Stadt und nähert sich etlichen Fußgängerüberwegen, stellt man fest, dass Fahrradfahrer, selten mit Rücksicht auf Verluste, Bürgersteige als Radwege missbrauchen und in der Folge auch über Zebrastreifen rasen, die ausschließlich Fußgängern vorbehalten sind. Mehrfach blieb mir nur ein Vollbremsung, wenn ein Pulk Fußgänger auf einem Zebrastreifen vorübergegangen war. ich anfuhr, um dann wegen eines zwischen weiteren Fußgängern heranbrausenden Radfahrers erneut in die Eisen musste. Anschließend ist auch eine rote Ampel oft kein Hindernis für den Radfahrer.

    Viel mehr Disziplin gehört in alle Bereiche des Straßenverkehrs und gegenseitige Rücksichtnahme, aber bitte für alle Teilnehmer.