Was macht die Motte in Refrath? Was hat es mit dem Pferd in Kippekausen auf sich? Und wieso heißt der Zaubersee Zaubersee? All das erklärt Hans Peter Müller in seinem neuen Buch „Unser Refrath für kleine und große Kinder  – Refrath gestern und heute“.

„Das Buch soll Kindern die Geschichte Refraths näher bringen“, sagt der Autor, „so wie ich es bei Führungen für Schulklassen immer wieder versuche.“ Herausgeber ist der Bürger- und Heimatverein Refrath.

Die fünf Grundschulen, die Waldorfschule und die Verbundschule Nord haben je einen Klassensatz der Bücher für den Unterricht erhalten. Für 12 € ist der Band auch in der Buchhandlung Siebenmorgen erhältlich.

Wir dokumentieren das erste Kapitel des Buches:

Unser Heimatort Refrath

Refrath und Frankenforst 2016. Am unteren Rand fehlt noch das Kinderdorf.

Liebe Kinder,

Refrath ist ein Stadtteil der Stadt Bergisch Gladbach. Wenn man die Lage eines Ortes genau bestimmen will, benutzt man sogenannte Koordinaten. Das Modell unserer Erde nennen wir Globus. Er ist mit einem Netz von Linien überzogen, den Längen- und Breitengraden. Eure Lehrerin oder euer Lehrer kann euch das sicher an einem Globus oder auf einer Landkarte zeigen. Für Refrath heißen die Koordinaten: 50° 57′ 24″ nördlicher Breite und 7° 6′ 59″ östlicher Länge. Gemessen wird in Grad, Minuten und Sekunden. Warum das so ist, wirst du im Erdkundeunterricht (Geographie) lernen.

Refrath und Frankenforst hatten am 31. Dez. 2017 zusammen 23.599 Einwohner. Wahrscheinlich wird die Zahl in nächster Zeit noch ansteigen, weil zur Zeit viel gebaut wird und immer mehr Menschen zu uns kommen.

Die Lage

Refrath liegt, von der Fließrichtung des Rheins aus gesehen, rechts des Rheins. Man sagt auch, wir liegen auf der „Schäl Sick“. Der Name erklärt sich so: Früher wurden die Schiffe stromaufwärts von Pferden gezogen. Das geschah auf unserer Seite. Damit die Pferde nicht von den grünen Wiesen und Feldern abgelenkt wurde, hatten sie über dem linken Auge eine Scheuklappe.

Wenn du von Köln Richtung Bensberg mit dem Fahrrad fährst, merkst du, dass es stetig bergauf geht. Dabei gibt es zwei deutliche Stufen: eine bei Höhenberg und vor allem eine am Mauspfad in Brück. Unser Ort liegt auf der Mittelterrasse. Er steigt bis auf ca. 85 m über dem Meeresspiegel an. Du kannst es herausfinden, wenn du vom Fußballplatz am „Heuweg“ zur „Alten Kirche“ in Alt Refrath fährst. Richtig steil wird es, wenn Du zum Freibad im Milchborntal in Bensberg weiter fährst. Bensberg ist das Tor zum Bergischen Land mit seinen vielen Bergen, Tälern, Bächen und Flüssen.

Die Grenze zu Bensberg ist der alte Bahndamm auf dem früher die Eisenbahn von Gladbach nach Bensberg und weiter ins Bergische Land fuhr. Der Bahnhof stand dort, wo heute das Autohaus Gieraths steht. Im Süden begrenzt im Königsforst der Flehbach unseren Ort. Die Grenze im Westen verläuft in den Wiesen am „Rinderweg“. Der eben genannte Fußballplatz liegt genau an der Stadtgrenze zu Köln-Brück.

Im Norden bildet die Schluchter Heide die Grenze, der Golfplatz liegt noch auf Refrather Gebiet. Ursprünglich war Refrath rundum von Wald umgeben. Daran erinnern noch die Namen Frankenforst, Königsforst, Buchen- und Eichenkamp, Mielenforster Wiese, Brandroster und Schluchter Heide.

Ein alter Heimatforscher hat Refrath folgendermaßen beschrieben:

„Mitten im Kranz dieser Wälder liegt, fast den Fuß des Schlossberges berührend, eine freundliche Siedlung. Feuchtsumpfige Wiesenplane im Zentrum, eilige schmale Bächlein dazwischen, hellsandige Äcker, abwechselnd mit Obstgehegen und lockeren Waldflecken, und hier und dort ragen aus den Baumgruppen vereinzelte Höfe im freundlichen Schwarzweiß ihres bergischen Fachwerkes mit großen, abgewalmten Dächern. An die größeren unter ihnen schmiegen sich die kleineren in gleichem Stil und schwesterlichem Bau. Aus der Lage der Höfe und ihren uralten Namen lassen sich die Rodungsinseln erkennen, aus denen im Laufe der Zeiten auf der waldbestandenen, kargen Sandterrasse der Kölner Bucht das Dorf erwuchs, das wir heute R e f r a t h nennen.“

Die Bäche und Weiher rechtsrheinisch

Der Name des Flehbachs im Königsforst kommt von „fließen“. Er ist ein Zusammenfluss von Böttcherbach, Holzerbach, großem und kleinem Wahlbach.  Die Bäche entspringen auf dem Tütberg bzw. am Forsthaus Steinhaus. Der Flehbach fließt durch Brück, vereinigt sich bei Merheim als Brucher Bach mit der Strunde, die von Herrenstrunden kommt und durch Bergisch Gladbach fließt. Als Faulbach münden die vereinten Bäche in Mülheim in den Rhein.

In meiner Kinderzeit floß der „Saaler Mühlenbach“ noch klar erkennbar durch den Ort. Er wurde auch Trassbach genannt, weil er an der Saaler Mühle durch ein Gebiet floss, in dem „Trass“ abgebaut wurde. Das ist eine Art Braunkohle, die die Menschen früher als Heizmaterial und zum Kalbrennen benutzten. Wir nannten ihn auch Milchborntalbach, weil er von der Bensberger Hardt nahe Moitzfeld kommt und durch das Milchborntal fließt, wo er das dortige Freibad mit Wasser versorgte.

Seinen heutigen Namen verdankt er einer alten Mühle, die als Teil eines großen Bauernhofes da stand, wo heute das Schwimmbad „Mediterana“ steht. Als Mitte der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts der alte Hof abgerissen wurde, erhielten Refrath und Bensberg das lang ersehnte städtische Hallenbad. Die weiten Schlingen des Baches wurden ausgebaggert und der Saaler Mühlenweiher aufgestaut.

Als die Parksiedlung Kippekausen gebaut wurde, hat man den Bach begradigt. Nun nimmt er viel Sand mit in den Kahnweiher. Er verlässt den Kahnweiher „Im Letsch“, kommt eingangs der Straße „Hüttenfeld“ unter die Erde und vereinigt sich unter der Brücke, die über die Straße „In der Auen“ führt, mit dem „Frankenforstbach“. Auf alten Karten heißt er noch „Vürfelser Bach“. Er entspringt am „Hundsiefen“ unterhalb Bensbergs, nahe der „Overather Straße“. Im Oberlauf ist er vollständig kanalisiert und tritt erst hinter der Grundschule „Taubenstraße“ wieder ans Tageslicht. Von dort fließt er offen durch Refrath bis zu seiner Vereinigung mit dem Saaler Mühlenbach. Von da an heißt er Brücker Bach.

Viele kleinere Bäche sind in Kanalrohren verschwunden, wie z.B. der „Buschbach“, der an der Alten Kirche vorbei floss und im Brandroster Bruch endete. Ein anderer entsprang nach starkem Regen im Fischteich hinter der Steinbreche. Dort stehen heute die Grundschule Mohnweg und die Waldorfschule. Die Kinder auf dem Schulhof spielen im ehemaligen Teich. Das Bächlein floss fast genau die „Immanuel-Kant-Straße“ entlang durch eine große Wiese, bog nach rechts ab ins Beningsfeld und versickerte etwa da, wo heute das Klärwerk steht.

Die große Wiese ist schon lange bebaut und die Straße „In der Auen“ bis ins „Beningsfeld“ verlängert worden. Diese Bäche hatten oft monatelang kein Wasser, konnten aber sehr schnell ansteigen, wenn es im Bensberger Gebiet viel Regen gab. Manchmal sind sie einfach überbaut worden. Das endete bei mehreren Neubauten der letzten Zeit damit, dass sich die Baugruben über Nacht in Schwimmbäder verwandelten.

In alter Zeit haben die Bauern Bäche aufgestaut, um Felder und Wiesen in heißen Sommern zu bewässern. Es gab auch viele sumpfige Gebiete, in denen das Regenwasser stehen blieb, weil der Boden im Untergrund Ton hat, der wasserundurchlässig ist. Solche Stellen haben wir heute noch am „Alten Trassweg“ oder an der Bahnstrecke von „Kippekausen“ nach „Alt Frankenforst“.

Alte Flurnamen erinnern an diese Gebiete, so z.B. „An der Wolfsmaar“, „Im Bruch“, „In der Taufe“. Wenn Überschwemmungen viel Sand mitbrachten, der nach Abfluss des Wassers liegen blieb, entstand Schlamm, „Lett“ genannt. Daran erinnert der Name „Im Letsch“.

Boden und Pflanzen

Wird in Refrath eine Baugrube ausgehoben, kann man auf meterdicke Sandschichten stoßen wie auf dem Schmillenberg oder auf Kalksteine (Dolomit) und Ton wie im Bereich des Kahnweihers oder Zaubersees. Dort kannst Du heute noch versteinerte Fossilien* (Korallen, Muscheln, Seelilienstengel) finden.

Vor gut 400 Millionen Jahren hätten wir an heißen Tagen im Meer baden können. Das Bergische Land lag zu dieser Zeit nämlich am Meer. Von dieser erdgeschichtlichen Periode zeugt noch der Kalkstein, der aus den vielen abgestorbenen Meerestieren entstanden ist. Er wurde z.B. im Kahnweiher für das neue Bensberger Schloss gebrochen. Erst ab 1900 leitete der Eigentümer der Steinbreche den Saaler Mühlenbach in den Steinbruch, damit Besucher dort Kahn fahren konnten. Leider ist das heute nicht mehr möglich.

Der Zaubersee ist ein noch älterer Steinbruch. Wahrscheinlich haben die frühen Siedler hier schon Steine für die Alte Kirche gebrochen. Aber dazu später mehr in den Texten „Steinbreche“ und „Zaubersee“

Die Refrather Böden bestehen vor allem im oberen Teil vorwiegend aus Sand, auf dem die Bauern nicht viel Getreide anbauen und ernten konnten. Früher wurde Refrath oft als Buchweizendorf bezeichnet („Buchweizenweg“). Diese Weizenart wächst auch auf weniger guten Ackerböden.

Besser war es im Westen. Dort gibt es schwere Lehmböden, die sich besser zum Ackerbau eignen. Auch hier erinnern alte Flur- und Straßennamen an die Vergangenheit, z.B. „Ackerstraße“, „Am Lehmbruch“, „Im Feld“, „Kornstraße“, „Sandbüchel“. Es gibt auch regelrechte Sandhügel wie den „Schmillenberg“, auf denen der Sand sich meterhoch aufgetürmt hat und auf dem nur ein scharfblättriges Gras wuchs.

Ich habe bereits den Kahnweiher erwähnt, der ja ein Kalksteinbruch war. Zwar haben die Menschen früher ihre Häuser aus Holz und Lehm gebaut, was man Fachwerk nennt, aber sie konnten auch Steine brechen für besondere Bauten wie unsere Alte Kirche oder das neue Schloss in Bensberg. Daher rühren die Namen „Steinbreche“, „Steinbrecher Weg“ und „Steinmetzstraße“.

Ein besonderes Kalkgestein nennt man Dolomit. Sie legten Gruben an, um es für den Straßenbau zu gewinnen. Ähnliche Gruben dienten dem Abbau von Sand und Kies, Überresten der Eiszeit. Solche Gruben nennt man „Kaule“, deshalb heißt es heute noch “Auf der Kaule“ oder „Vürfelser Kaule“.

Vom Wald ringsum war schon die Rede. Er bestand hauptsächlich aus Buchen und Eichen. An feuchten Stellen und Bächen wuchsen Erlen und Weiden. Auch verschiedene Sträucher werden immer wieder erwähnt, z.B. Himbeeren, Hasel- und Wacholdersträucher. Die letztgenannten wuchsen auf Heideflächen. Auch daran erinnern Straßennamen wie „Buchenkampsweg“, „Am Eichenkamp“, „An der Refrather Heide“.

So ist in vielen Straßennamen nicht nur festgehalten, wie es bei uns aussah, sondern auch, wie die Menschen nutzen, was sie in der Natur vorfanden.

*Fossilien sind versteinerte Tiere oder Pflanzen, die Millionen Jahre alt sein können.

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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1 Kommentar

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  1. Beim Lesen bin ich in meine Kind- und Jugendzeit ( 1941 ) erinnert worden. Als Refrather, der seit Jahren im Norden an der dänischen Grenze wohnt, ist ein gutes Gefühl, wenn man diesen Text von Herrn Müller liest. Ob er mit mir in der Volksschule „An der wolfsmaar“war? Rektor war Herr Vondermann !

    Herzliche Grüsse Hermann Jobben