Kaum zu glauben: Vier Brunnen befinden sich auf oder an unserem Marktplatz. Sie werden sie sicher nicht alle kennen. Lesen Sie dazu weiter, und Sie erfahren teilweise erstaunliche, auch traurige Details.

Unser schöner Marktplatz wird entscheidend durch den Anblick eines Brunnens geprägt, direkt vor der Fassade des historischen Rathauses. (Foto oben)

Sein Erbauer, der deutsche Bildhauer Albert Sous, schuf ihn 1980. Er bildete in ihm ein Papierschöpfersieb nach und stellte somit ein Symbol für die industrielle Geschichte unserer Stadt dar. Seit einigen Jahren ist er wieder in Betrieb und erinnert zusammen mit dem Pflaster des Marktplatzes an die „fleißige“ Strunde, die die Basis des früheren Reichtums unserer Papiermacherstadt bildete.

Früher stand vor dem Rathaus ein anderer Brunnen: Der Löwenbrunnen, damals Rathausbrunnen genannt.

Richard und Anna Zanders spendeten 1894 10.000 Mark für ihn. Für die stolze Summe wurden Entwurf und Gestaltung des Brunnens in Auftrag gegeben, bei einem der bekanntesten Bildhauer seiner Zeit, Professor Adolf von Hildebrand. 1900 wurde er zunächst vor dem Rathaus aufgestellt.

Heute steht er zwischen der Villa Zanders und dem Bürgerhaus „Bergischer Löwe“.

Aber leider: ohne Wasser!

Warum? Nur vorübergehend? Aber warum? Der stolze bergische Löwe ohne Wasser! Durch die Regionale 2010 sollten regionale Eigenarten erhalten und gefördert werden. Gehört der Löwenbrunnen nach der Ansicht der Verantwortlichen nicht dazu? Auf jeden Fall speit er augenblicklich keinen Strahl mehr, im Trog befindet sich kein Wasser. Wenn das Maria Zanders wüsste!

Ein weiterer Brunnen gehört architektonisch der Moderne an. Meines Erachtens handelt es sich hier um den schönsten Gladbacher Brunnen. Der weltberühmte Architekt Gottfried Böhm schuf 1980 die Modernisierung des Bürgerhauses.

Im Inneren entstand dabei der wunderschöne Brunnen, am Eingang zum Großen Saal.

Er fasziniert durch den Dreiklang von grün glasierten Kacheln in organischen Formen, den matten rotorange Fliesen von Wand und Boden und einer glitzernden Spiegelfläche und bildet somit einen der architektonischen Höhepunkte des Bergischen Löwen. Doch er ist leer und trocken, seit Jahrzehnten.

Das wichtigste Element, für den er gebaut wurde, fehlt: das Wasser. Nach Gottfried Böhm, zu dem ich für diesen Artikel brieflich Kontakt aufgenommen habe, „Wasser, mit seinem belebenden und anziehenden Charakter“.

Leer und trocken! Zumindest habe ich den Brunnen immer so erlebt. Warum? Gottfried Böhm (Foto) wollte also unsere Stadt offensichtlich mit seiner Architektur beleben und anziehend gestalten. Nächstes Jahr wird der Architekt, der den Pritzker-Preis erhielt, 100 Jahre alt. Könnte man ihm die Wiederbelebung des Brunnens nicht zum Geschenk machen? Und zum Geschenk natürlich insbesondere uns Bürgern allen – und dem Ruf unserer Stadt.

„Trocken, vernachlässigt, ohne Leben“. Mehrere Brunnen unserer Stadt. Der Ruf unserer Stadt? Der Ruf, für dessen Aufpolierung an vielen Stellen viel Geld ausgegeben wird. Wäre dies nicht die richtige Stelle zum Aufpolieren?

Unser Bürgermeister sitzt im Aufsichtsrat des Bergischen Löwen. Was sagt er eigentlich dazu? „Kein Geld“?

Gott sei Dank fließt im Brunnen vor dem Rathaus seit ein paar Jahren wieder Wasser. Oder muss ich sagen „Krüger sei Dank“? Denn dies wurde ermöglicht mit dem Geld der Firma Krüger, wie man lesen konnte.

Vielleicht könnte die ja auch die anderen Brunnen wieder „flüssig machen“. Sie würde sicher nicht dafür verlangen, dass der Marktplatz in „Krüger-Nationalpark“ umgetauft würde, oder?

Und dann gibt es tatsächlich noch einen zweiten Löwenbrunnen. Ich gebe zu, dass ich ihn auch erst vor kurzem entdeckt habe. Etwas versteckt, an intimer Stelle sozusagen, hinter der Villa Zanders. Aber sicher eine angenehme Überraschung für Bürger, die sich einen angeblichen Angstraum zurückerobern wollen, das Zentrum unserer Stadt, den Park an der Villa Zanders.

Von CDU und SPD wurde er im Dezember zum Angstraum ernannt. Statt sich mit Plänen zur Beseitigung des Grüns herumzuschlagen, sollten sie einmal einen Spaziergang um die Villa herum machen. Es lohnt sich nämlich, da man hier verschiedene charmante Ausblicke gewinnen kann und dabei den herrlichen Schatten der alten Bäume genießen. Sogar bequeme Bänke stehen hier, mit Rückenlehne! Und plötzlich dieser Brunnen:

Doch leider, leider auch dieser ohne Wasser!

Obwohl Leitung und Ablauf vorhanden zu sein scheinen. Aber der Abfluss verstopft, wie man sieht. Warum?

Vor kurzem konnte man übrigens die Annehmlichkeiten dieses „Angstraums“ erleben, während des Jazzkonzerts, dem das Publikum auf der Wiese unter hohen Bäumen lauschte, im Angesicht eines kleinen Sonnenglitzerns, das durch die Blätter der hohen Linden fiel, zusammen mit den Kreiseln der fallenden Lindenblüten.

Das Motto heißt also: Unsere eigene Innenstadt beleben, durch unsere eigene Anwesenheit, durch entsprechende volksnahe Veranstaltungen in angenehmer Atmosphäre, durch Erhalt und Pflege der Schätze, die unsere Stadt besitzt.

Und dazu gehört ein lebendiges Fließen, nicht nur in der Kehle, sondern in Auge und Ohr und im eigenen Herzen. Unter anderem durch funktionierenden Brunnen.

Engelbert M. Müller

ist pensionierter Lehrer, Mitglied von Wort und Kunst, Verfasser von "Der letzte Lehrer"

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

4 Kommentare

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. Schade das für so was kein Geld da ist.In einigen Städten gibt es,ich nenne es mal Verschönerungsverein, die das in die Hand nehmen.Eine Spende wurde schon angeboten,sicher kämen noch weitere Spenden dazu.Viel kleines macht ein großes,ich wäre dabei.

  2. Gibt es denn eine Reaktion der Stadtverwaltung auf das Spendenangebot und eine Stelle oder Person, die das in die Hand nehmen würde? Mir ist bisher dazu nichts bekannt.

  3. Wie weit käme man mit einer Spende von 1000 EUR?
    Wer macht sonst noch mit?
    Welcher Offizielle nimmt’ s in die Hand und meldet sich bei mir für die Anfordeung der Spende?

  4. In anderen Ländern, südlichen, beleben Brunnen das Stadtbild. Auch ich würde mich freuen, wenn in Bergisch Gladbach, besonders im Sommer, wieder die Brünnlein fliessen würden.