Galeristin Ursula Clemens-Schierbaum mit Detlev van Ravenswaay

Vor 50 Jahren ist die Apollo 11 auf dem Mond gelandet. Ein Jahrhundertereignis und Auftakt zu einer weltweiten Faszination. Kaum jemand hat unser Bild vom Weltraum so stark beeinflusst wie Detlev van Ravenswaay – seine Werke sind jetzt in der Galerie Partout in Herkenrath zu sehen. 

„Mondsüchtig” lautet der passende Titel der Ausstellung, die zum Apollo-Jubiläum eröffnet wird und viele Ikonen der Space-Art zeigt. Diese Ausstellung eröffnet neue Perspektiven auf sein Werk zwischen Kunst und Wissenschaft.

Die übertragenen Bilder der Apollo 11 waren unscharf, als Neil Armstrong und Buzz Aldrin als erste Menschen ihren Fuß auf den Mond gesetzt haben. Sie haben unseren Blick auf uns als Erdenmensch und damit auch unser Weltbild tief geprägt.

Mit den gewachsenen technischen Möglichkeiten der Bilderproduktion und mit der Verbreitung durch die Medien ist heute das Interesse an der Wissenschaft nur noch größer geworden. Detlev von Ravenswaay hat diese Bilder nicht nur mitgestaltet,  er hat sie zum Teil erfunden.

Denn er hat unzählige Illustrationen für internationale Raumfahrtprojekte und Wissenschaftsmagazine angefertigt. Wie ein Wissenschaftler hat er Daten übersetzt und Zahlen, Fakten, Informationen von einem Medium ins andere transformiert. Wo die Information fehlt wird interpretiert und intuitiv visualisiert.

Ausstellung „Mondsüchtig”
Vernissage: 20.7., 19 Uhr, Einführung: Anton Breuer
Ausstellungsdauer: 20.7. bis 2.8.2019
Sonderöffnungszeiten: dienstags bis samstags von 16 – 19 Uhr
… und nach persönlicher Vereinbarung
Ansprechpartner: Dr. Ursula Clemens-Schierbaum
Parallel läuft die Ausstellung Sommerfrische
Partout Kunstkabinett, Straßen 85, 51429 Bergisch Gladbach

Eine Herangehensweise eines Künstlers, der sich Zeit seines Lebens damit befasst hat. Wie kaum ein anderer ist er ist tief in die Materie getaucht. „You clearly have found the place where you should be. Few people have the kind of talent to do the things you do”, schrieb ihm Neal Armstrong im Jahr 2000.

Die aktuelle Sonderausstellung zeigt jetzt in Herkenrath Meilensteine seiner künstlerischen und gestalterischen Arbeit und findet überraschende technische Parallelen und ideologische Schnittflächen zwischen Kunst und Wissenschaft.  Wir haben im Vorfeld der Ausstellung mit Detlev van Ravenswaay und der Galeristin Ursula Clemens-Schierbaum gesprochen.

Am 20.7. 1969 verfolgten 600 Millionen Menschen die Mondlandung live im Radio und im Fernsehen. Der Jugendliche Detlev van Ravenswaay verfolgte die Berichterstattung mit seiner Mutter. Dieser Tag hat ihn geprägt – eine Initialzündung aus heutiger Sicht.

Er hat ihn gemalt, ähnlich verschwommen und mit Störfaktoren, wie die damals gesehenen Bilder der Mondlandung aus dem Schwarz-Weiß Fernseher.  Ab diesem Tag habe er exzessiv wissenschaftliche Texte zur Raumfahrt gesammelt, akribisch abgetippt und gestalterisch zusammengestellt – der Beginn einer Designer Karriere aus dem Bilderbuch. Weil damit seine Deutschnoten besser wurden, war auch die Mutter bald überzeugt und „sah schließlich über das zeitfressende Hobby hinweg” schmunzelt der Künstler, sichtlich in Erinnerungen an seine Mutter schwelgend.

Alles begann als van Ravenswaay 1983 das Logo für die “German Spacelab Mission” entworfen hat. Sein Wettbewerbsentwurf hatte den Astronauten Messerschmid auf Anhieb begeistert. Später durfte van Ravenswaay 84 Experimente des Fluges dokumentieren und auch das Lehrbuch gestalten.

„Wenn der Rezipient meine Arbeit versteht, ist das Optimum erreicht“. Dazu gehört mehr als gestalterische Fähigkeiten – „Kunst ist Kommunikation” betont der Designer van Ravenswaay. Vier Sonderstempel wurden anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Mondlandung für die amerikanische Post in Auftrag gegeben.

Drei Stempel habe er gestaltet, sagt van Ravenswaay  – gerade erhiellt er eine E-Mail aus Amerika: „Der dritte Stempel erscheint am Samstag, am Tag der Mondlandung”.  Für Californien habe er Alameda ausgewählt, dort liegt das Bergungsschiff der Apollo 11, die USS Hornet, vor Anker. Es wurde als Museum umgebaut.

Den Schriftzug „Hornet plus 3“ habe er bewusst aufgegriffen, er drücke sinnblidlich den nationalen Stolz darüber aus, die drei Astronauten an Bord geholt zu haben. Für Housten und für das Washingtoner Luft- und Raumfahrt Museum hat van Ravenswaay andere, in seinen Augen legendäre, Szenen der Raumfahrt  in Tusche verewigt.

Van Ravenswaays Illustrationen gelten auch unter den Wissenschaftlern als wahrheitsgetreue Abbildungen nach allen Erkenntnissen der Wissenschaft. Aber seine Landschaften sind gänzlich künstlich, geboren aus künstlerisch angelegten Grautönen, digital übersetzt in Höhen, Tiefen und in den Eindruck von Räumlichkeit.

Er habe das Hubbleteleskop digital konstruiert und auch schon mal ein Mondfahrzeug erfunden – einfach, weil es das Bild gebraucht habe. Um die Illusion einer realen Fotografie noch zu verstärken, habe er im Nachhinein Windeffekt und Oberflächen hinzugefügt – das würde nicht einfach digital erstellt, sondern fotografiert und nachbearbeitet. „Sonst wirkt es zu künstlich.”

Van Raveswaay arbeitet seit 18 Jahren mit der gleichen Software.  In der Welt der steten Updates mag das ungewöhnlich sein. Aber in der Verwendung einer „Software ohne Gebrauchsanweisung”, wie er diese Arbeitsweise nennt, geht es um etwas anderes.

Van Ravenswaay war Programmierer in den 70ern, „als Computer noch Kilobyte-Speicher hatten”. Mit der Software habe er diese eine Welt studiert, seine eigenen Techniken weiterentwickelt, ja eigene Naturgesetze erschaffen.  In dieser Welt könne er beliebig den Standort wechseln, die Sonne absenken oder aufgehen lassen.

Im Video „ExoPlanets” sieht man fremde Planeten – typisch utopische Ravenswaay- Grafiken, musikalisch untermalt mit eigens komponierten elektronischen Klängen.

Die Welt ist mondsüchtig, mehr denn je, vielleicht auch, weil die Welt heute eine andere ist, als damals 1969. Das liege zum einen am Selbstverständnis der Raumfahrt und der Wissenschaft im allgemeinen.

Alexander Gerst, Ernst Messerschmidt, Thomas Reiter und der neue Astronaut Matthias Maurer, sind heute Botschafter, „sie besitzen die nötige Mischung aus Konsequenz und Sympathie, um das Thema Raumfahrt an ein breites Publikum zu vermitteln”.

Heute referiere Gerst live aus dem Weltraum darüber, wie dramatisch sich die Erde verändert hat.  Er zeigt Fotos, die er vom Spaceshuttle von Köln aufgenommen hat und „man sieht, dass man nichts sieht”. Die grauen Häuser müssen mit Photoshop nachbearbeitet werden, weil es keine farblichen Kontraste mehr gibt, sagt der van Ravenswaay.

In den 60er Jahren waren die Bilder noch ästhetisch und kontrastreich, einfach weil sie bunter waren.„Blue Planet Earth 1970″ ist eine digitale Illustration, aber noch ohne großartige Manipulation, kreiert aus Fotos und Karten der Erdatmosphäre aus dem Jahr 1970.

„Heute ist der Aralsee nicht mehr da, er ist total ausgetrocknet.” Auch auf dem Schild kann man seine Haltung zur Klimaerwärmung herauslesen: „Heute sind die Farben blasser, nicht mehr strahlend, eher graublau. Der Mensch hat die Atmosphäre des Planeten verändert. Die Folgen sind jetzt und in Zukunft spürbar – die Schönheit des Planeten droht zu schwinden.”

Auf einem weißen Sockel liegen zwei Steine – drapiert wie ein Kunstwerk. Sie stehen für ein Ereignis das Mond und Erde verbindet. Lange wurde das Gestein Suevit für Vulkangestein gehalten. Seit 196o ist nachgewiesen, dass es sich um Überreste eines Metoriteneinschlags handeln muss.

Vor 14,6 Millionen Jahren schlug er im Grenzgebiet zwischen Schwäbischer und Fränkischer Alb ein und hinterliess einen gigantischen Krater. Dieser natürliche Wall löst die Wolken am Rand auf und macht Nördlingen so zur Stadt mit den meisten Sonnenstunden. Die dort heimischen Gesteine sind also Steine, wie sie auch auf dem Mond zu finden sind. Sie  sind eine bunte Mischung aus Trümmermassen, gebacken aus vielen Gesteinen – durch den Aufprall hochgeschleudert, abgesenkt und verdichtet.

Er sammelt, er experimentiert, er gestaltet, er malt – bei van Ravenswaay lässt sich das eine vom anderen nicht trennen. Oder vielleicht doch: Die Malerei mache er nur für sich. „Das digitale ist die Pflicht und die Malerei ist die Kür.”

Ursula Clemens-Schierbaum betont, dass sich die typisch  freie künstlerische Arbeit vor allem in seiner Malerei ausdrücke.  In der Serie „Signale aus dem Weltraum“ verarbeitet er die Grenzen der Technik zu einer künstlerischen Ästhetik.  Er nimmt Pressematerial und Archivfotos von der Raumfahrt als Ausgangsmaterial, um es manuell zu verfremden, ihm malerische Störungen hinzuzufügen.

„Bei der Übertragung der Bilder aus dem Weltraum hatte man immer Verluste“, sagt der Künstler, und er spricht von den fehlenden Bildzeilen, die man aus alten Fernsehaufnahmen kennt. „Motive werden interessanter, wenn sie eine Zerstörung haben. Dann guckt man zwei mal hin“.

Als digital arbeitender Grafiker simuliere er sogar den Fokus der Kamera, erst dann sei die Illusion der Realität eindrücklich. Unser Auge ist den punktuell schärfenden Fokus einer Kamera gewöhnt. Bei zu perfekter Bilderstellungs-Technik müssen Fehler oftmals eingearbeitet werden, sonst wirke jede Welt künstlich. Auch malerisch experimentiert er mit ungewöhnlichen Materialien und Stilrichtungen, um damit ganz neue Techniken zu erfinden.

Viele Erfindungen, neue Materialien und Techniken entstammen der Weltraumforschung. Kein Wunder also, dass ein Künstler wie Ravenswaay davon fasziniert ist. Dieses Artefakt trägt einen komplizierten Titel, “Space Shuttle Hitzeschutz-Flügelstruktur”, er benennt ein original Bruchstück des Spaceshuttle Columbia. Van Ravenswaay hat damit ein persönliches Sammelobjekt zum Kunstobjekt erhoben, indem er es auf einem Sockel stehend inszeniert.  Dadurch wird das Weltraum-Objekt beinahe zur Reliquie, zum Kultobjekt einer legendären Raumfahrtsgeschichte. 

Kunst und Wissenschaft verbinden sich in Ravenswaays Space-Art – oder Weltraumkunst – zu einer ästhetischen Sinneinheit. Diese Ausstellung zeigt, dass sie mehr verbindet als man glaubt. Wie auch die Wissenschaft befasst sich Kunst mit den Themen Original und Fake, Wahrheit und Interpretation.

Van Ravenswaay ist ein Mittler zwischen diesen Welten. Er kann Anekdoten erzählen und Mythen wie beispielsweise die berühmte Verschwörungstheorie der inszenierten Mondlandung aufklären.  Er kennt viele Wissenschaftler und Astronauten persönlich und bei den meisten Sternstunden der Raumfahrt war er live dabei.

Diese Ausstellung ist also eine großartige Gelegenheit die Monlandung gebührend zu feiern. Seien Sie live dabei, lernen Sie einen sympathischen Künstler kennen und lassen Sie sich den Ausstellungskatalog unbedingt heute (oder an einem der unten genannten Termine) signieren.

Mehr Bilder und Informationen finden Sie auf der Webseite des Künstlers.

Der Künstler ist anwesend am: 20.07., 33.07., 27.07., 31.07., und am 2.08.2019

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