Die Overather Gruppe Neun zeigt im Kreishaus die sehenswerte Ausstellung „Besondere Orte ins Licht rücken“. Genau das haben die beteiligten Künstler gemacht.

Schon den Sitzungssaal machte die engagierte Künstlergruppe mit der Vernissage zu einem besonderen Ort. Neben der Leinwand Projektion „What art makes“ von Christoph Felder, gab es eine Lesung des Kürtener Schriftstellers Günther Paffrath, Musikbeiträge der Klavierschule Immekeppel und einen Schauspielerbeitrag von Jörg Küster.

Die Reihe „Bergisch Kunst“, die vom Landesprogramm Regionale Kulturpolitik Bergisches Land bereits im zweiten Jahr gefördert wird, beschäftigt sich im Jahr 2019 mit der Frage, was Kunst denn eigentlich ausmacht.

Das geschieht mit Blick auf die Region, in der die Künstlerinnen und Künstler leben und arbeiten, in Overath, aber auch in der umliegenden Region des Bergischen Landes.

Der stellvertretende Landrat Ulrich Heimann fand lobende Worte: Die Zusammenarbeit des Kulturamts des Rheinisch Bergischen Kreises mit der Gruppe Neun sei eine gute Entscheidung gewesen, Qualität, Vielseitigkeit und der künstlerische Anspruch sei bemerkenswert.

Die verantwortliche Kulturreferentin Charlotte Loesch stimmte zu: „Sich mit ungewöhnlichen Orten im Rheinisch-Bergischen Kreis künstlerisch auseinanderzusetzen, aber auch Unsichtbares sichtbar machen, den Blick für Verborgenes zu schulen, ungewöhnliche Perspektiven beleuchten und andere Positionen zu beziehen: All das schien mir eine unglaublich produktive Grundlage für einen künstlerischen Prozess. Die Fragen nach der Kunstproduktion und der Wirkkraft von Kunst schienen mir freilich auch bedeutsam.“

Kunst habe die Fähigkeit, andere Wirklichkeiten zu erzählen und aufzuzeigen und darum könne sie auch tatsächlich die Welt zu einem anderen Ort machen. Es gehe in der Ausstellung also auch um alternative Arten des Weltverstehens und der Welterklärung, um alternative Sichtweisen auf unsere Region und unsere Heimat.

Thematisch zweigeteilt

Die Ausstellung ist thematisch zweigeteilt. Im Foyerbereich gleich vor dem großen Sitzungssaal, die Dokumentation der Reihe „Bergisch Kunst“, was Kunst denn nun eigentlich ausmacht.

Für Kunstinszenierungen ungewöhnliche Orte sind auf den Fotos zu sehen – der Friedhof Kürten in der Delling, ein Klavierkonzert im Jugendheim Immekeppel, eine Fotoausstellung in der ehemaligen Metzgerei Dahl, das Freilichtmuseum Lindlar, die Gärten der Trauer bei Pütz-Roth, oder die Seilbahn Schloss Burg in Solingen. Bei letzterer Aktion waren sogar die Kunstwerke mit dabei und wurde auf große Fahrt geschickt.

„All diese Orte wurden nicht nur zu Stätten der Performance, sie wurden auch neu gesehen und interpretiert. Die Orte haben somit eine Art Verwandlung erfahren und wurden einem neuen Sinn, oft losgelöst von ihrem eigentlichen Zweck, zugeführt. Somit hat die Gruppe beständig Ordnungen, Regeln und Gesetze in Frage gestellt,“ so kommentiert Charlotte Loesch diesen Teil der Ausstellung im Foyerbereich.

Neben der Dokumentation „Bergisch Kunst“ präsentieren sich die Künstlerinnen und Künstler der Gruppe in dieser Ausstellung auch einzeln. Die Arbeiten zeigen unterschiedliche, künstlerische Prozesse und Herangehensweisen.

Reihe von Einzelausstellungen

Die Fotos von Rolf Stolz nähern sich der Stadt Köln in Detailaufnahmen, Isabelle Casel, die auch  Performerin ist, spielt mit verschiedenen Farbschattierungen.

Klaus Felder lässt hingegen keine klare Gegenständlichkeit in seinen Fotos erkennen. Sein Bruder Christoph Felder fängt Augenblicke und Momentaufnahmen ein, die teils sehr persönliche und bewegende Geschichten erzählen.

Ganz gegenständlich arbeitet Jörg Küster, der in seinen Fotos wiederum Details in scheinbaren Momentaufnahmen offenlegt. Ähnliche Motive verarbeitet auch Tessa Ziemssen mit ihren gemalten Gebirgslandschaften.

Mit der Natur setzt sich Christine Kremer in ihren impressionistisch anmutenden Bildern ebenfalls auseinander. Leslie Wist zeigt dem Betrachter mit ihren Werken ein Kaleidoskop ihres künstlerischen Könnens mit Bild, Fahne und Holzobjekten.

Ganz anders Maria Schätzmüller-Lukas: Ihre kleinen, dunklen Särge in der Vitrine lassen dem Betrachter möglicherweise einen Schauer über den Rücken laufen.

Aus dem grauen Alltag heraus

Charlotte Loesch: „So ist ein weiterer Befund der Ausstellung und ein weiteres Resultat der Veranstaltungsreihe BergischKunst, dass Kunst uns dabei hilft, aus dem grauen Alltag herauszukommen und die festgefahrenen Scheuklappen abzulegen. Kunst schult uns, um die Ecken zu sehen und zu denken, sie hilft uns, freigeistig und kreativ zu werden und zu bleiben. Insofern ist Kunst immer gesellschaftsrelevant, ich denke das zu verdeutlichen ist auch ein wichtiges Anliegen der Gruppe.

Diese Ausstellung und Veranstaltungsreihe plädiert für Mut. Mut für den anderen Blick, Mut zum anders sein und denken, Mut zum gegen den Strom schwimmen und Mut zur Offenheit! Vor allem für den Mut, die vermeintliche Wirklichkeit zu hinterfragen und in ein anderes Licht zu rücken.

Die Ausstellung ist gleichsam auch eine liebevolle Hommage an den so wirkmächtigen, wie auch schwer zu fassenden Begriff; sie ist eine Hommage an das, was jeder individuell für sich als Heimat bezeichnet. Das können einem auch ein Sarg, die Vorfahren oder die Natur sein. Heimat, das möchte ich resümierend festhalten, ist letztlich doch auch ein innerer Begriff.“

Die Ausstellung des Rheinisch Bergischen Kreises und der Gruppe Neun „Besondere Orte ins Licht rücken“ im Kreishaus Bergisch Gladbach läuft noch bis zum 27. Oktober. Sie ist von Montag bis Donnerstag, 8.30 Uhr bis 16 Uhr und Freitags von 8.30 Uhr bis 14 Uhr zu besichtigen.

Schirmherrschaft: David Roth, weitere Infos: www.gruppe-neun.jimdo.com

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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