Mit dem Entwurf für die Neugestaltung der Schlossstraße in Bensberg hat die Stadtverwaltung zum ersten Mal im Detail offen gelegt, wie die Einkaufsstraße in Zukunft aussehen wird. Dabei gab es ein paar Veränderungen und einige Überraschungen. 

Die Stadtplaner hatten zunächst den Stadtrat, Anlieger und Geschäftsleute informiert, am Dienstagabend waren dann auch die Bürger dran. Gut 150 Bensberger waren ins Rathaus gekommen, zum Teil mit Skepsis, Unmut und – vielen Fragen. Die wurden alle beantwortet, von Wolfgang Honecker (Stadtplanung), Christian Nollen (StadtGrün), Martin Hardt (Verkehrsflächen) und vor allem von Frank Flor, der mit dem Kölner Architektenbüro Club L 94 den Wettbewerb für das Projekt gewonnen hatte.

Die Bensberger zeigen starkes Interesse. Foto: Helga Niekammer

Wir dokumentieren die zentralen Fakten, Fragen und Antworten. Alle Karten und Fotos stammen aus der Präsentation des Club L 94, die komplette Präsentation finden Sie auf der Website der Stadt.

Warum wird die Schlossstraße umgebaut?
Die Straße ist in die Jahre gekommen, wird von Autos dominiert, die Bäume sind weithin marode, der Einzelhandel leidet. Mit der grundlegenden Sanierung soll die Aufenthaltsqualität deutlich erhöht werden – was nicht zuletzt durch die starke Förderung aus Landesmitteln möglich ist.

Welches Potenzial in der Straße steckt, machen die Planer durch die Gegenüberstellung des grauen Ist-Zustands (an einem Regentag) mit der Zukunftsvision (an einem Sonnentag) deutlich:

Welche Bäume bekommt die Schlossstraße?
Das Wettbewerbskonzept von Club L 94 sah eine einheitliche Baumreihe auf der Südseite der Straße vor. Die alten Bäume sollten zum größten Teil verschwinden, weil sie nicht ins Konzept passten bzw. ohnhin nicht mehr zu retten waren. Das führte zu Protesten – und mehreren Anpassungen durch die Planer.

Im Entwurf findet sich nach wie vor die Baumreihe, als wichtiges Gestaltungsmerkmal der Straße mit historischem Vorbild. Allerdings sind es nun nicht mehr Zierkirschen, sondern wahrscheinlich die gefülltblühende Vogel-Kirsche. Als Alternativen werden der Amberbaum und der Lederhülsenbaum genannt, die sich durch eine besonders schöne Färbung im Herbst auszeichnen.

Außerdem soll es auf der Nordseite der Straße einige einzelne große besondere Bäume geben, sogenannte Solitäre der verschiedensten Sorten: Japanische Zelkove, Purpur-Esche, Blauglockenbaum, Elsbeere, Japanischer Schnurbaum, Tulpenbaum und eine Boulevard-Eiche.

Dabei wurden einige der alten Bäume, sofern sie überlebensfähig sind, integriert. Darunter auch die einzige Robine, die als überlebensfähig gilt und gerade aufwendig untersucht wird.

Im Ostteil der Schlossstraße bleibt es bei einer Doppelreihe von gestutzten Kopflinden, als Weiterführung der historischen Allee zum Schloss.

Die Fläche hinter der Stützmauer zwischen Schlossgalerie und Goethhaus wird mit Feldahorn und Rosen bestückt.

Am Ende werden 32 alte Bäume gefällt und 56 neu gepflanzt, unter dem Strich kommen also 24 Bäume hinzu.

Wieviel Schatten geben diese Bäume?
Von den Einzelhändlern und anderen Kritikern wird eingewandt, dass die Bäume auf der falschen Seite stehen und schon ab elf Uhr keinen Schatten mehr spenden, sondern selbst im Schatten der Gebäude auf der Südseite der Schlossstraße stehen.

Dem widersprechen die Planer vehement. Zudem haben sie sich – wahrscheinlich auch als Reaktion auf die Kritik – für deutlich größere Bäume als  zunächst geplant entschieden.

Aktuell werden von den Bestandsbäumen auf der Schlossstraße nur 650 Quadratmeter beschattet, hatte StadtGrün-Chef Nollen akribisch ausgerechnet. Mit dem noch zu erwartenden Wachstum können diese Bäume eine Beschattungsleistung von 950 Quadratmetern erbringen.

Die neuen Bäume dagegen, so Nollens Rechnung, können insgesamt auf fast den dreifachen Wert anwachsen und dann für eine Beschafftung von knapp 2000 Quadratmetern sorgen.

Was bringen die neuen Bäume für das Klima?
Die nachträgliche Auswahl größerer Bäume hat auch Auswirkungen auf die Klimabilanz. Zunächst war davon ausgegangen worden, dass es rund zehn Jahre dauert, bis die neuen Bäume eine Klimaleistung erbringen, die dem jetzigen Stand entspricht. Das soll nun in fünf bis acht Jahren geschafft werden.

Wieviele Parkplätze gibt es?
Zunächst hatten die Planer den Bestand der Parkplätze drastisch von 160 auf 60 reduzieren wollen. Das war auf heftigen Widerstand der Einzelhändler gestoßen – und wäre auch zu wenig gewesen, wie jetzt Planungschef Honecker einräumt.

Daher soll es nun im Winter 100 Parkplätze geben, im Sommer fallen vier zugunsten der Außengastronomie weg. Auch später noch können Parkplätze in Außengastronomie umgewidmet werden. Für Cafés und Restaurants gibt es aber auf der Nordseite der Straße noch viel Platz.

Was passiert mit dem Emilienbrunnen?
Der Emilienbrunnen soll im Prinzip an seinem Platz bleiben – aber der mit ihm verbundene Hügel wird abgetragen und die Wasserschalen des Brunnens wandern an die Rückwand des dortigen Trafohäuschens. Die Wand soll entweder als grüne Mauer oder als Bruchsteinmauer gestaltet werden.

Damit wird Raum geschaffen, für eine Öffnung der Platzes – und damit für ein echtes Emilienplätzchens mit einem Baum und Bänken, die Begegnungen zulassen.

Das lobt auch Denkmalschützer Michael Werling als guten Ansatz, allerdings müsse auch der Muschelkalk des Brunnens erhalten bleiben; die Tür zur Trafostation könne man als Info-Station zu Ehren von Emilie Schmitz nutzen.

Wie wird die Straße selbst aussehen
Am Grundkonzept hat sich seit dem Wettbewerb nicht viel geändert. Die gesamte Straße, mit Bürgersteigen und Fahrbahn erhält einen Belag aus Natursteinen in einem hellbraunen Farbton. Die ganze Straße ist barrierefrei, die einzelnen Bereiche (Fußgänger, Parkplätze, Fahrbahn) werden nur durch leichte Absätze voneinander getrennt. Alle Ausstattungselemente (Lampen, Bänke, Fahrradständer, Mülleimer) werden in einem braun-graunen Ton gehalten, der an das früher in Bensberg mal geförderte „Bleiglanz” erinnern soll.

Was ist aus der Mauer geworden?
Die Stützwand an der Treppenanlage neben der Schlossgalerie bleibt eine Betonwand. Aber auch reagierten die Planer auf Kritik: ein Teil der Mauer wurde zu großen Sitzstufen umgewandelt.

Trotz ihrer Höhe werde die Mauer keinen bedrohlichen Charakter einnehmen, betonen die Planer. Weil sie nur ein Drittel der Höhe der gegenüberliegenden Schlossgalerie habe und der Treppenanlage sehr viel offenen Raum lasse.

Gibt es einen Platz für Markt und die Stadtfeste?
Der Wochenmarkt findet vor der Schlossgalerie auf der Nordseite der Straße seinen Platz. Dort können auch die Stadt- und Straßenfeste stattfinden.

Der „kleine Stadtplatz” zwischen der großen Treppenanlage und einer weiteren kleineren Treppe hin zu Schlossstraße könne ebenfalls für Stadtfeste oder den Weihnachtsmarkt genutzt werden. Zwar gebe es hier einen Lieferverkehr für die Geschäfte im ersten Stock der Schlossgalerie – aber die Stadt könne die Anlieferung (zum Beispiel auf wenige Stunden am Morgen) zeitlich begrenzen. Wenn der Platz für Feste genutzt werden, müssen die Waren ohnehin über die Aufzüge angeliefert werden.

Was passiert mit der kleinen Treppe?
Diese von Anfang an misslungene Treppenanlage rechts der Schlossgalerie hinauf zur Engelbertstraße vorbei am Bistro wird abgebaut und durch eine moderne Spindeltreppe in Form eines lichtdurchlässigen Turms ersetzt.
Gibt es Spielplätze?
Das „Spielplätzchen” vor der Buchhandlung Funk wird ausgebaut; es bekommt durch den Umbau der Treppenanlage zur Spindeltreppe deutlich mehr Platz.

Darüber hinaus gibt es drei sogenannte Spielpunkte entlang der Straße – und vor der Schlossgalerie ein Fontänenfeld, das im Sommer zu einem Anziehungspunkt für Kinder zu werden verspricht.

Lassen sich Mauer und Straße sauberhalten?
Gegen Graffiti und Kaugummi, das räumen die Planer ein, ist man machtlos. Die Betonmauer bekommt eine Imprägnierung, damit Farbschmiereien leichter zu entfernen sind. Zudem hoffen die Planer, dass die neue, schön gestaltete Schlossstraße zu einer hohen Identifizierung und einem gewissen Respekt führt, der Graffitis verhindert.

Der Naturstein-Belag der Straße sei gegenüber Kaugummis nicht empfindlicher als Betonsteine.

Lässt sich die Planung noch verändern?
Nicht durch die Bürger. Bis auf wenige noch offene Punkte (Auswahl der Bäume, Gestaltung der Mülleimer, …) steht der Entwurf und wird jetzt so dem Fördermittelgeber und dem Stadtrat vorgelegt. Die Politik könnte den Entwurf ablehnen, dafür gibt es aber keinerlei Anzeichen.

Da die Schlossstraße im Rahmen des Integrierten Handlungskonzeptes (InHK) Bensberg vom Land gefördert wird, ist der Planungsprozess eng reglementiert. Die Bürgerbeteiligung hat ganz zu Anfang statt gefunden, die entscheidenden Weichen wurden mit der Ausschreibung und Entscheidung des Wettbewerbs gestellt.

Diese Entscheidung hatte eine breit besetzte Jury getroffen, der Fachleute, Vertreter der Bezirksregierung, des Stadtrats, der Verwaltung, des Einzelhandels und der Immobilienbesitzer angehörten. Der Rat hatte mit großer Mehrheit zugestimmt.

Stadtplaner Wolfgang Honecker und Architekt Frank Flor erläutern den Prozess

Wo kommt das Geld her?
Das gesamte InHK Bensberg ist mit 60 Millionen Euro finanziert; 70 Prozent davon kommen aus der Städtebauförderung des Landes. Der Rest wird aus der Stadtkasse bezahlt.

Die Verantwortlichen in der Stadtverwaltung und im Architektenbüro

Wann ist die Schlossstraße fertig?
Mit dem 1. Bauabschnitt (Treppe und der Bereich vor der Schlossgalerie) wird gerade begonnen, die anderen Bauabschnitte werden aber voraussichtlich erst in der zweiten Hälfte 2020 ausgeschrieben. Sollte die Ausschreibung erfolgreich sein, ist ein Baubeginn erst Anfang 2021 realistisch- und bei einer geschätzten Bauzeit von 1,5 Jahren kann ab Mitte 2022 mit der Fertigstellung gerechnet werden.

Sind jetzt alle zufrieden?
Die Infoveranstaltung war mit einer kritischen Stimmung im Zuschauerraum gestartet. Doch die machte immer mehr einer positiven Überraschung Raum. Wiederholt bekamen die Planer für ihre Ausführungen Applaus und zustimmende Rückmeldungen.

Nach wie vor gibt es in einigen Punkten deutliche Interessensgegensätze, Unverständnis für einzelne Details die Pläne, aber damit muss die Stadt leben. „Die Kunst der Stadtplanung ist die Abwägung aller Interessen”, sagt Stadtplanungschef Honecker.

Bestes Beispiel ist der Streit um die Zahl der Parkplätze. Als ein Bürger fordert, alle Parkplätze zu verbannen und die Straße zur Fußgängerzone zu machen, bekommt er Szenenapplaus. Genausoviel Beifall erhält Honecker für sein Eingeständnis, dass die anfangs geplanten 65 Stellplätze für den Einzelhandel wohl doch zu wenig gewesen wären. 

Weitere Infos: Alle Beiträge zur Schlossstraße

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

4 Kommentare

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. Wie so oft kann man bei solch auseinander driftenden Meinungen Brauchbares dazwischen finden. Natürlich möchten die Händler ihren Kunden möglichst Parkplätze vor dem Geschäft bieten. Wenn nun aber Herr Eversheim (mangels anderer Argumente?) auf die Menschen abhebt, die darauf angewiesen sind, so wenig wie möglich laufen zu müssen, hätten sicher 60 Parkplätze gereicht. Das also zieht nicht. Nur 60 Parkplätze werden andererseits einer Einkaufsstraße, wie die Schlossstraße mal werden soll – die Hoffnung stirbt zuletzt – nicht gerecht. Allerdings muss dann, wenn die Parkplätze überhaupt angefahren werden sollen, die Händler der Schlossstraße in Summe schon attraktiver werden, als sie jetzt sind und in Ihren Geschäften Kauf – ERLEBNISSE bieten und nicht nur Ware gegen Geld.

    Sie, Herr Thimme, wünschen sich eine Einkaufs- und Flaniermeile, wie das ja als „Straße der Begegnungen“ geplant war. Nur mag vielleicht kein/e Flanierer/in mehr kommen, wenn man nicht auch nach dem Schaufensterbummel einkaufen und Kauferlebnisse (hoffentlich!) vorfinden kann. Wenn dann die in die neue Schlossstraße eingebundenen Parkplätze existieren, kann man sicher nicht von Zumüllen etc. reden. Ob sich im Verhältnis zu den durchströmenden Passanten und Touristen viele Menschen mit Bewegungsnachteilen in Schildergasse und Hohestraße bewegen, halte ich für zweifelhaft.

  2. Lieber Herr Eversheim,

    ich würde es persönlich sehr begrüßen, wenn sich die Einzelhändler dem Wettbewerb stellen würden und attraktive Produkte anbieten, die sehr vielen Menschen den Anreiz dazu geben, sehr gerne in Bensberg einzukaufen. Wenn das einzige Argument ist, nach Bensberg zu fahren, da ich da mit dem SUV direkt vor dem Geschäft parken kann, so halte ich dieses Geschäftsmodell für wahrlich zu kurz gesprungen, auch wegen der Tatsache, dass die XXL Stellplätze ja nicht von den Einzelhändeln sondern den Eigentümern und Steuerzahlern bezahlt werden.

  3. Sehr geehrter Herr Timme, Ihr Vergleich der Schlossstraße in Bensberg mit der Hohestraße und Schildergasse in Köln unterstreicht Ihre Expertise in Qualität und Sachkenntnis. Es ist immer einfach die Welt so zu gestalten, wie sie einem gefällt. Es gibt aber auch Menschen, deren Existenz von Veränderungen nicht nur betroffen, sondern auch abhängig ist. Sicher haben die vielen Gespräche, die Sie mit Kunden der Einzelhändler auf der Schlossstraße geführt haben, Sie zu Ihrem Kommentar bewegt.
    Viel schlimmer ist die zeitliche Komponente. Warum wird erst im 2. Halbjahr 2020 eine Ausschreibung veranlasst? Diese extrem langen Realisierungszeiten führen dazu, dass der Einzelhandel so nachteilig tangiert wird, dass die Händler aus kaufmännischer Verantwortung heraus gezwungen werden, ihre Geschäfte aufzugeben. Das hat nicht zuletzt auch die Neugestaltung der Hauptstraße gezeigt. Schade, dass hieraus keine Lehren gezogen werden.

  4. Insgesamt ist das InHK Bensberg sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung und der Zustand der Neugestalten Schlossstr. wird sicherlich anschließend nicht schlechter sein als aktuell. Schade nur, dass die Politik sich da einer handvoll engstirniger Einzelhändler gebeugt hat und nun plant, statt 60 sogar 100 Parkplätze zu bauen obwohl in den fußläufig vorhandenen Parkhäusern hinreichend nicht ausgelastete Parkplätze zur Verfügung stehen.

    Das Politik und Stadtverwaltung diesen Kniefall des Zumüllens von Parkplätzen zulasten der Aufenthaltsqualität auf der Schlossstr. vornimmt ist völlig unbegreiflich. Die Schildergasse und HoheStr. In Köln zeigen doch wohl eindrucksvoll, dass die Eindämmung des Autoverkehrs und die Förderung des Einzelhandels nicht im Widerspruch stehen.

    Das scheint aber bei den kleingeistigen bergischen Entscheidungsträgern noch immer nicht angekommen zu sein.