Hofgebäude der Saaler Mühle kurz vor dem Abriss 1969. Foto: H. Forst, BHV-Archiv

Der erste Hof an der Saaler Mühle geht wohl bis auf das 9. Jahrhundert zurück. Seither ist viel passiert: Der Hof wurde Rittersitz und brannte fast vollständig ab. Der Saaler Weiher wurde geflutet, ein Hallenbad gebaut und schließlich in das „Mediterana“ umgewandelt, wie wir es heute kennen.

Mit diesem Beitrag starten wir unsere neue Serie „Reise durch Refraths Geschichte“. 

Als 1969 die letzten Gebäudereste des Hofes Saaler Mühle abgerissen wurden, um ein Hallenbad zu bauen, verschwand eine tausendjährige Hofstelle – eine der ältesten, die wir in Refrath kannten.

Der letzte Pächter, Josef Schülter, hatte keine Zukunft mehr auf dem Hof gesehen und war  mit seiner Familie 1968 nach Moitzfeld gezogen. Den letzten Mühlstein brachte er nach St. Maria Königin in Frankenforst, wo er noch heute im Innenhof liegt.

Der letzte Mühlstein an St. Maria Königin. Foto: H.P. Müller

Bevor der ohnehin baufällige Hof abgerissen wurde, war er übrigens bei einer Übung der Bensberger Feuerwehr fast vollständig abgebrannt. Nur die alte Eiche, die noch Bernard Eyberg gepflanzt hatte, war stehen geblieben. Sie blieb lange Jahre am Ufer des neuen Saaler Weihers stehen, bis ihr die ständig nassen Füße wohl zu viel wurden.

Doch blicken wir noch einmal zurück auf die Anfänge der Saaler Mühle.

Der Anfang: Kirche, Mühle, Motte

Die Frage, wann und wo sich in Refrath zuerst Menschen niederließen, lässt sich nicht eindeutig beantworten, da es keine schriftlichen Zeugnisse aus der frühesten Siedlungsphase gibt. Hier kann uns nur die Archäologie weiterhelfen.

Wenn Siedler im 9./10. Jh. ein Gebiet neu erschlossen, durften drei Anlagen nicht fehlen: Kirche, Mühle und „Motte“ (Burganlage, ausführliche Erklärung: siehe unten). Für unser Gebiet ist eine Kirche vorhanden, die Alte Kirche. Sie ist nach Ausgrabungsbefund im 9. Jh. als Holzkirche errichtet worden.

Eine Mühle stand bis 1960 im Bereich des heutigen Saaler Weihers. Nach der Quellenlage ist sie wiederholt stillgelegt bzw. neu erbaut worden. Ihr genaues Gründungsdatum ist nicht bekannt.

Und die Burganlage? Hier wird es schwierig.

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Eine Motte ist ein Burgtyp, der sich in der Regel in zwei Bereiche gliedert: die auf einem künstlichen Erdhügel errichtete Hochburg sowie eine oder mehrere Vorburgen. Die ersten Motten entstanden zwischen 900 und 1000 n.Chr.. Ihre Ursprünge vermutet man in normannischen Anlagen in Westfrankreich. Die meisten waren Machtsymbole des neu entstandenen niederen Dienstadels der Ministerialen.

Die überlieferte lateinische Bezeichnung für diese Burganlagen ist mota. Ihre Erforschung begann in Frankreich, daher bürgerte sich der Begriff Motte ein: von französisch „motte“ für Erdklumpen oder Rasensode.

Motten finden sich am häufigsten als Niederungsburgen: Man hob einen Ringgraben aus und schichtete den Aushub in der Mitte auf. Mit zusätzlich herangeschaffter Erde konnte der Hügel ggf. noch erhöht werden. Die nun angelegte Fläche wurde zunächst von einem einfachen Weideflechtzaun bzw. einer Palisade aus Pfählen umgeben.

Die Bauweise mit Holz und Erde ermöglichte einen raschen Aufbau. Dies war besonders in der ersten Besiedlungsphase wichtig. Später wurde vor allem die Hochburg durch steinerne Mauern geschützt und ein Turm und Gebäude aus Stein errichtet.

Der Turm der Hochburg war in der Regel der Wohnturm des Burgherrn. Die Wohntürme wurden mitunter „eingemottet“, d.h. man baute zuerst den Turm und schüttet um ihn herum die Motte auf. Dieses Verfahren verbesserte die Statik, und das Untergeschoss diente dann als Kellerraum.

Der Zugang zur Hochburg erfolgte über eine hölzerne Brücke oder Rampe. Zugbrücken gab es erst im Spätmittelalter.

Die Vor- oder Niederburg einer Motte umfasste eine deutlich größere Fläche als die Hochburg, denn sie beherbergte den bäuerlichen Betrieb der Gesamtanlage. Sie bot Platz für Wirtschaftsgebäude, Gesindewohnungen, Ställe und Scheunen und war von einem eigenen Graben mit Wall und Palisaden umgeben. Zur Hochburg hin war sie offen, damit eingedrungene Feinde ggf. von der Hochburg aus bekämpft werden konnten.

Vor der Flutung des Saaler Mühlenweihers (siehe unten) fand 1969 eine Untersuchung des Geländes durch Archäologen des Rheinischen Landesmuseums statt. Dabei wurden mehrere von Gräben umgebene Aufschüttungen als wahrscheinliche Reste einer mittelalterlichen Anlage gedeutet.

Eine genaue Festlegung war aber durch die ehemaligen Tagebaue und Halden der Braunkohlegrube Consolidation Alfred nicht möglich. Weitere archäologische Untersuchungen hat es seither nicht mehr gegeben. Von der ursprünglich Burganlage ist lediglich noch ein etwa 15 × 20 m großer und 5 m hoher Hügel sichtbar, der als Insel aus dem See ragt.

Vermutlicher Mottehügel gegenüber des Parkplatzes der Eissporthalle. Foto: H.P. Müller

Erste SiedlerInnen

Von diesen Hinweisen ausgehend ist zu vermuten, dass der erste Hof an der Saaler Mühle im 9. Jahrhundert gegründet wurde. Wir wissen nicht, wer die ersten Siedler an der Saaler Mühle waren, doch der Name „Sal“ verrät ein hohes Alter. Ein Salhof war nach salischem Recht (Lex salica) ein Herrenhof, ursprünglich königliches Land. Durch Rodung von einem Herrenhof aus entstand Allodialbesitz (Eigenbesitz) eines rodenden Grundherren. Das hatte für das Mittelalter weitreichende rechtliche Folgen.

Für unseren Raum kommen als rodende Grundherren die Herren von Meer und Liedberg (Meerbusch bei Neuss) in Frage. Der Salhof im Frankenforst gehörte zum Meerer Höfeverband, für den unsere Alte Kirche Eigenkirche war.

Im Erbteilungsvertrag von 1166 zwischen den Schwestern Hildegund von Ahr und Meer und Elisabeth von Randerath erhielt Hildegund u.a. den Höfeverband, der auch die Höfe in Refrath umfasste.

Sie schenkte ihr Erbe dem Kölner Erzbistum unter der Bedingung, das „castrum mare“ in Meerbusch in ein Kloster für Prämonstratenserinnen umzuwandeln. Sie selbst trat dort ein. Wir dürfen uns das „castrum“ als eine befestigte Wohnanlage von Holzhäusern an einer damals noch schiffbaren Altrheinschlinge vorstellen. Erst später entstanden Steinbauten ähnlich wie bei unserer Kippekausener Motte.

Foto: Olschweske, BHV Archiv

Der Höfeverband wurde  Klosterbesitz, und die Grafen von Berg erhielten die Vogteirechte, d.h. sie waren für die wirtschaftlichen Belange und die Gerichtsbarkeit zuständig.

Es ist davon auszugehen, dass der Hof in den folgenden Jahrhunderten Rittersitz freiadeliger Familien wurde, denn es finden sich keine Eintragungen in den Zehntlisten des Amtes Porz. Freiadelig bedeutet, dass der Grundherr für seinen festen Wohnsitz keine Abgaben zu entrichten hatte, da er ja zur Heeresfolge verpflichtet war. Ab dem 18. Jahrhundert übernahmen verschiedene bürgerliche Eigentümer.

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1229 wird ein Haimo von Saile erwähnt, 1285 Heinrich Beyger, der Sohn des Ritters Sibido von Blegge. Sie waren Lehnsmänner auf dem Hof Saal und damit abgabenpflichtig gegenüber dem Kloster Meer.

1316 hat Kloster Meer Teile seiner Refrather Besitzungen anscheinend doch verkauft, zwar nicht den Frankenforst, aber den abgetrennten Hof Saal. Da ein Verkauf gegen die Schenkungsurkunde des Klosters verstieß, beauftragte Papst Johannes XXII. den Dekan von Kaiserswerth mit der Prüfung der Verträge. Sie sind aber nicht überliefert, daher auch keine Käufer bekannt.

Vom 14. bis ins 18. Jh. lassen sich die Familien von Zweiffel, Raitz zu Frentz und von Reuschenberg nachweisen. Der Hof war an Halfmänner verpachtet. Der Name „Halfmann“ erklärt sich aus der Abgabe an den Grundherren. Der Grundherr überlässt einem Pächter das Gut mit dem gesamten Zubehör und erhält dafür die Hälfte des Ertrages – Halbpacht.

Obwohl der Hof zum Kirchspiel Bensberg gehörte, haben die Bensberger Pfarrer mehrfach ohne Erfolg versucht, Abgaben einzutreiben. Noch für das 19. Jh. findet sich in Pfarrer Körners Aufstellung der „zehntfreien Gründe in Refrath“ gleich am Anfang die Bemerkung: abgabenfrei seien „Alle Felder, die zum Haus Saal gehören…“.

1744 verkauften die Reuschenbergs Gut Saal an den Kölner Bürgermeister Melchior Rutger von Kerich, der 1747 vom Kurfürsten Carl Theodor die Genehmigung zum Bau einer neuen Mühle erhielt. Auf Melchior folgt sein Sohn Philip Jacob Joseph von Kerich.

1779 werden aber schon die bekannten „drei Juffern“ von der Steinbreche als Eigentümerinnen genannt. Der Sohn ihrer ältesten Schwester, Bernard Eyberg, verwaltete ihre Güter im Refrather Raum bereits seit 1808. Er beerbte sie.

Zu dieser Zeit war der Hof an Paul Koch verpachtet. Dieser ließ sich in Urkunden Ackerer und Müller zu Saal nennen. Nach dem Tode Bernard Eybergs, der ledig und ohne Kinder war, wurde sein Besitz unter 22 Erben aufgeteilt. Von ihnen kaufte Paul Josef Koch 1847 Gut Saal mit der Mühle.

Der Heimatforscher Ferdinand Schmitz schildert in einem Bericht von 1936, dass man beim Neubau des großen Fachwerkhauses auf dem Hof Saal den alten Gewölbekeller erweitert habe. Für den Eingang habe man meterdickes Bruchsteinmauerwerk  durchbrechen müssen.

Das Mühlengebäude in den 30er Jahren. Foto: BHV-Archiv

Als im Winter 1917 Wasser in diesen Keller eingedrungen sei, habe man auch die 1,50 m starke Kopfwand zum Weg hin durchbrochen und sei auf einen ähnlichen Kellerraum getroffen. Der ursprüngliche Bau stand also auf einem massiven Kellergewölbe von ca. 14 m Länge, 3,50 m Breite und einer Scheitelhöhe von 1,90 m.

Das Haus selbst wird in seinem Untergeschoss aus Bruchsteinen bestanden haben. Man fand damals auch mächtige Eichenpfosten, die auf einen Fachwerkausbau schließen ließ und turmartige Mauerreste zum Weg hin. Leider hat niemand diese Ruinen genauer untersucht, auch nicht vor dem Abriss 1969.

Schwimmbad und Saaler Weiher

Im März 1966 erwarb die Stadt Bensberg das gesamte Gebiet. Sie – vor allem Stadtdirektor Wagener – verhinderte, dass das Waldgelände zwischen Kippekausen und Bahndamm zu Bauland wurde. Als man 1961 das Mühlengebäude abriss, sollten der Hof und die alte Eiche erhalten bleiben.

Von 1967 bis 69 wurde das lang ersehnte Hallenbad für den Bensberger Raum gebaut und später im Außenbereich um ein Wellenbad bereichert – eine Attraktion, die viele Besucher anlockte.

Das Schwimmbad in den 80er Jahren. Foto: D. Wagner, BHV-Archiv

In der großen Senke unterhalb des ehemaligen Mühlengebäudes war ein Kahnweiher vorgesehen. 1972 erteilte der Regierungspräsident die wasserrechtliche Genehmigung zur Anlage des heutigen Saaler Weihers, der aber erst nach Fertigstellung der Schulen in Angriff genommen wurde.

Dort, wo jetzt die Wasserfläche ist, war früher sumpfiges Gelände. Der Saaler Mühlenbach durchlief in Schlingen den Talgrund und veränderte immer wieder seinen Lauf. Die Planung der Wasserfläche erforderte daher umfangreiche geologische und wasserrechtliche Untersuchungen.

Die Stadt Bensberg beauftragte die Firma Rhein-Braun, das Gelände zu kartographieren und Probebohrungen vorzunehmen. Es sollte geklärt werden, ob der Bach einfach gestaut werden könne oder der Boden zuvor befestigt werden müsse. Zwar hat dieses Gebiet ausgesprochene Sandböden, aber auf eine zusätzliche Auskleidung der Wanne konnte verzichtet werden.

Des Weiteren war zu klären, ob der Milchbornbach überhaupt genügend Wasser führt, um den entstehenden Teich zu speisen. Der Planungsentwurf wurde zusammen mit dem Wasserwirtschaftsamt in Bonn angefertigt und am 30.8.1972 vom Regierungspräsidenten genehmigt. Der Aushub konnte beginnen.

Aushub des Saaler Weihers 1973. Foto: F. Wagner, BHV-Archiv

1977 war der Weiher in seiner heutigen Größe vollgelaufen. Er hat mit seinen beiden Inseln eine Wasserfläche von rund 70.400 m², ein durchschnittliches Wasservolumen von ca. 100.000 m³ und ist zwischen 1,50 und 3 Meter tief.

Die Inseln wurden wegen unvorhergesehener geologischer Verhältnisse größer belassen als ursprünglich geplant. Sie umfassen ca. 1,5 ha und dienen als Vogelschutzinseln. Schwimmen ist wegen der vorhandenen Wasserqualität, bedingt durch das Einzugsgebiet des Baches, verboten.

Hallenbad wird Mediterana

Im Juli 2000 übernahm Siegfried Reddel das Bensberger Hallenbad und baute es schrittweise zum „Mediterana“ der heutigen Größe aus. Anfänglich sah ein Vertrag mit der Stadt vor, dass für 800.000 € Zuschuss Schulen und Schwimmverein Bahnen im Bad benutzen durften.

Das Mediterana wurde im Juni 2000 eröffnet. Foto: H.P. Müller, BHV-Archiv

Da die Stadt sich zu dieser Zahlung nicht mehr in der Lage sah, entfiel diese Möglichkeit. So ist gerade für Kinder eine ortsnahe Gelegenheit zum Schwimmen verloren gegangen.

Aktuell lebt die alte Idee eines Hotelbaues durch die Betreiber des „Mediterana“ wieder auf, wofür eigens der Bebauungsplan geändert wurde.

Quellen: Refrath, gestern und heute, Bd.3/I,  und  Wanderführer zum Hist. Rundweg, hrsg. BHV, Autor H.P. Müller

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Hans Peter Müller

ist Lehrer im Ruhestand und war lange Jahre Vorsitzender des Bürger- und Heimatvereins Refrath. Als Heimatforscher und Autor arbeitet er die Geschichte des Ortsteils auf.

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3 Kommentare

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  1. Da werden Erinnerungen wach. Der Hof (Gut) und die schöne Eiche sind mir im Gedächtnis geblieben. Wie sind Sonntags mit unseren Eltern dort oft spazieren gegangen. Schade das es nur noch Fotos davon gibt.

  2. So weit ich mich erinnere war es Bedingung, um das Schulzentrum Saaler Mühle überhaupt bauen zu dürfen, einen See auszubaggern, der den Grundwasserspiegel auf dem sumpfigen Gelände der Baustelle senken sollte.
    Das hat nicht ganz funktioniert, irgendwann (Ende 80er, Anfang 90er Jahre?) versanken die Fundamente des Schulzentrums Zentimeter für Zentimeter im Sumpf, im Kellerbereich wurde daraufhin sehr viel betoniert.

    Als ich 1973 als Schüler des Otto-Hahn-Gymnasiums von Moitzfeld zur Saaler Mühle umzog, waren die Erdarbeiten am See schon in vollem Gange.

    Ich danke ihnen für die ganze Arbeit mit der Recherche und ihre neutrale Position.

  3. Die Fam. Schülter ist 1969 nach Herkenrath gezogen, wo auch heute noch 2 der 5 Kinder leben.