Der dramatischste Teil der Geschichte von Gut Beningsfeld spielt sich im Zweiten Weltkrieg ab, als die damalige Pächterfamilie gleich zweimal getroffen wurden und sämtliche Stallungen abbrannten. Im zweiten Teil der Serie „Reise durch Refraths Historie“ geht es aber noch um viel mehr. 

Vor hundert Jahren gab es in Refrath noch sieben Bauernhöfe mit ungefähr 350 Kühen. Drei Höfe waren besonders groß, hatten große Ackerflächen und Wiesen. Sie wurden auch Güter genannt:

Welches Gut das älteste ist, lässt sich heute nicht mehr feststellen. Allen gemeinsam ist, dass sie in der Nähe eine Motte hatten. Daher darf man annehmen, dass dort jeweils vor ungefähr tausend Jahren zum ersten Mal gesiedelt wurde. Leider steht nur noch eines der Güter, nämlich der Reiterhof im Beningsfeld.

Was ist eine Motte? Eine Motte ist ein Burgtyp, der sich in der Regel in zwei Bereiche gliedert: die auf einem künstlichen Erdhügel errichtete Hochburg sowie eine oder mehrere Vorburgen. Die ersten Motten entstanden zwischen 900 und 1000 n. Chr.. Die meisten waren Machtsymbole des neu entstandenen niederen Dienstadels der Ministerialen. Mehr dazu in Teil 1 der Serie.

Der Name: von Binsen und Pfenningen

Der Abreitplatz gegenüber des Hofes Beningsfeld – hier stand vermutlich eine Motte. Foto: H. P. Müller

Gegenüber dem heutigen Reiterhof liegt an der Straße „Beningsfeld“ ein Reitplatz umgeben von einem Bretterzaun. Auf diesem Gelände gab es vermutlich eine Motte.

Über die Motte und ihre genaue Lage wissen wir nichts, denn dort ist bisher nicht ausgegraben worden. Allerdings ist sie in der Denkmalliste der Stadt als Bodendenkmal unter der Nummer 05378004-B0020 eingetragen.

Das früher sumpfige Gebiet bot sich dafür an, einen von einem Wassergraben umgebenen Zufluchtsort anzulegen. Binsen, die dort wuchsen (Westgermanisch „binut“, ahd. „binuz“), haben dem Hof Beningsfeld vermutlich seinen Namen gegeben.

Eine andere Namensdeutung verweist auf eine Zinsabgabe in „Penningen“ (Pfenningen). In alten Gladbacher Urkunden findet sich wiederholt die Schreibweise „Pfenningsfelt“. Bis 1929 schrieb man „Penningsfeld“.

Auf der Bensberger Seite wurde damals die Bezeichnung „Beningsfeld“ festgelegt, auf Kölner Gebiet heißt die Straße heute noch „Penningsfeld“.

Das Gut und seine Eigentümer

In einer Urkunde von 1166 n. Chr. wird ein Sibido von Hoingen genannt, der dort gewohnt haben soll. In den folgenden Jahrhunderten war dieser Hof, ebenso wie die Saaler Mühle, immer Eigentum adliger Familien.

Diese haben aber nie auf dem Hof gewohnt, sondern ihn verpachtet. Auch von den Pächtern kennen wir viele Namen, weil sie auf dem Kirchhof an der Alten Kirche begraben wurden. Einige Grabsteine sind noch vorhanden.

Im 14. Jhd. war der Hof nachweislich im Besitz der Familie von Hompesch.  Eine Sophia von Harf heiratete um 1450 Johann von Stommeln. Er und sein Bruder Dietrich sind uns bekannt, weil sie auf ihre Kosten eine Baumaßnahme an der Alten Kirche durchführen ließen.

Die Familie Stommel war ein jüliches Rittergeschlecht, dessen Name auf den Ursprungsort Stommeln hinweist. Nach ihnen war der Weg zur Alten Kirche benannt: „Stumps Gasse“. Das ist die heutige „Bernard-Eyberg-Straße“.

Der 1831 als Eigentümer geführte Wilhelm Blum von der Hüttenstraße war es wohl, der dem Ackerer Simon von seinem Land im Lehmbroich zwei Morgen im Tausch für die zwei Morgen auf dem Simonsberg (Straße „Simonswiese“) anbot, wo Pfarrer Dolman gerne die neue Pfarrkirche gebaut hätte. Da der Tausch nicht zustande kam, steht die Kirche heute am Siebenmorgen.

Das Drama der Familie Borsbach

Der Hof Beningsfeld vor dem Zweiten Weltkrieg. Foto: Familie Borsbach

1915 pachteten Hermann Borsbach und Frau Maria aus Bülsberg bei Altenberg den Hof. Sohn Hermann jun. kaufte ihn 1934. Im Zweiten Krieg wurde der Hof zweimal getroffen.

Am 14. Oktober 1944 bombardierten englische Bomber das Waldgelände zwischen dem Hof und dem heutigen Klärwerk, wohl in der Absicht, die Flak am nahen Waldrand des „Lüh“ zu treffen. Dabei wurde die Familie im bunkerähnlichen Keller verschüttet.

Man befürchtete, niemand habe überlebt. Doch alle Familienmitglieder wurden lebend geborgen. Die Stallungen samt Vieh brannten jedoch nieder, nur eine Kuh überlebte.

Am selben Tag traf eine englische Luftmine ein Haus auf der Ecke Bernard-Eyberg-Straße / Steinbrecher Weg. Im Keller des Hauses kamen die Witwe Christine Werheid und eine zweite Frau ums Leben. Von einer in der Nähe stationierten Radfahrerkompanie starben einige Soldaten, die vorbeifuhren, während ein anderer Teil zum Schwimmen unterwegs war.

Ein französischer Zwangsarbeiter, der gerade einen hohen Heuwagen vorbei kutschierte, verlor beide Beine und verblutete. Das Pferd wurde noch auf der Straße von Anwohnern getötet und „zerlegt“.

Damals herrschte schon eine strenge Rationierung von Lebensmitteln – und Fleisch war knapp. Für einen Landwirt war der Verlust des einzigen Pferdes ein harter Schlag. Die meisten Pferde waren „eingezogen“, Ackerpferde z.B. bei der Artillerie als Zugpferde, Traktoren waren noch ein seltener Luxus.

Am 7. März 1945 hatten amerikanische Truppen den Rhein bei Remagen erreicht und die Eisenbahnbrücke intakt vorgefunden. Weder dem Sprengkommando der deutschen Wehrmacht noch Marinetauchern war es gelungen, sie beizeiten zu sprengen. Daher versuchte man, sie mit Hilfe der V2-Rakete, Hitlers Wunderwaffe, zu zerstören.

Insgesamt wurden 11 Raketen abgeschossen, aber keine traf die Brücke – eine stattdessen am 17. März 1945 das Anwesen der Familie Borsbach. Wieder waren Hofgebäude und Stallungen betroffen. Auch dieses Mal kam die Familie mit den Schrecken davon. Die Stallungen samt Vieh brannten jedoch erneut nieder.

Der Beningsfelder Hof 1968. Rechts der vermutliche Standort der Motte. Foto: Familie Borsbach

Nach dem Tode Hermanns 1957 übernahm der älteste Sohn, auch ein Hermann den Hof. 1969 erbte Josef, der jüngste Sohn, mit Frau Elisabeth den Hof.

Meine eigene Familie

Die Wiesen zwischen dem Hof und dem Waldrand im Westen sind nicht alle Eigentum der Borsbachs, sondern Pachtland. Sie gehören zu den sechs Morgen. „Auf den sechs Morgen“ ist eine alte Gewannbezeichnung.

Quelle: Geoportal Bergisch Gladbach, BGK 5

Das Gebiet wird auch „Penningsfelder Wiesen“ genannt. Sie stellen einen Teil der Iddelsfelder Hardt dar, die wiederum zur Bergischen Heideterrasse gehört. In der Dikussion um den Flächennutzungsplan spielten sie eine Rolle als Baulandreserve. Im Westen Refrath bildete sich daraufhin eine Bürgerinitiative.

Auch meine Großeltern hatten an der heutigen Straße „Auf dem Kamm“ Ackerland an Hermann Borsbach verpachtet. Dafür erhielten sie im Herbst Einkellerkartoffeln und im Frühjahr Stallmist für den großen Garten.

Als es  Ende der 1950er-Jahre zur Erbteilung in der Familie kam, wurde ein Teil der Parzellen verkauft. Der Preis lag damals bei fünf bis sechs DM. Heute könnte man zwei Nullen dahinter schreiben – und dann noch Euro!

Nichts macht die Entwicklung Refraths deutlicher als die enorm gestiegenen Bodenpreise.

Das Gut Beningsfeld heute

Der Reiterhof Beningsfeld heute. Foto: H. P. Müller

Die Familie Borsbach hat bis 1990 Landwirtschaft betrieben. Aber ihre Felder und Wiesen wurden immer mehr bebaut. Damals hatten Borsbachs bereits Pferde in Pension. Sie züchten seither Fjord-Pferde und betreiben einen Reitstall.

Anfang November 2019 war im Stadtanzeiger zu lesen, dass ein Investor auf der „Pferdewiese“ 26 Einfamilienhäuser bauen will. Die Anwohner protestierten wieder. Wieder, denn 2013 war der Versuch, dort zu bauen, schon einmal unternommen worden und im Planungsausschuss der Stadt Bergisch Gladbach knapp gescheitert.

Weitere Beiträge aus der Serie:

Hans Peter Müller

ist Lehrer im Ruhestand und war lange Jahre Vorsitzender des Bürger- und Heimatvereins Refrath. Als Heimatforscher und Autor arbeitet er die Geschichte des Ortsteils auf.

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