Christian Schulz ist Hausarzt in Schildgen. Im Bürgerportal-Interview sagt er, wie sich seine Praxis auf das Coronavirus vorbereitet, was ältere Menschen, Eltern und Schwangere beachten sollten und warum die Informationslage bislang so dünn ist. Er selbst hat übrigens keine Angst vor dem Virus.

Herr Schulz, erwarten Sie das Coronavirus bald auch in Bergisch Gladbach?

Definitiv. Ich rechne damit, dass das Virus im nächsten Monat rapide um sich greifen wird. Gerade der Karneval könnte eine große Erreger-Tauschbörse gewesen sein. Wir haben danach jedes Jahr viele Kranke in der Praxis, diese Woche waren schon ein paar mit Influenza dabei, also der echten Grippe. Ob sich auch das Coronavirus verbreitet hat, werden wir bald feststellen.

Muss man nun in Panik verfallen?

Ich bin überhaupt nicht in Panik und versuche, auch auf meine Patientinnen Zuversicht auszustrahlen. Um mich sicher zu schützen, müsste ich mich in meiner Wohnung einsperren, aber das ist ja keine realistische Option. Als Arzt habe ich ein erhöhtes Infektionsrisiko, aber ich baue darauf, dass mein Immunsystem mit dem Virus umgehen könnte. Gefährlich ist es allerdings, wie bei allen Viren, für Ältere, chronisch Kranke und Menschen mit einer Immunschwäche.

Was können besonders gefährdete Personen tun, um sich zu schützen?

Sie können nicht mehr tun, als alle anderen auch: Händewaschen, unterwegs zumindest Desinfektionsmittel benutzen, Menschenansammlungen meiden. Letzteres würde ich ihnen noch mehr empfehlen als anderen. Vielleicht können zum Beispiel Kinder für ihre alten Eltern einkaufen gehen.

Was ist mit Arztbesuchen?

Jeder, aber vor allem gefährdete Personen sollten sich gut überlegen, ob es wirklich notwendig ist zum Arzt zu gehen. Vieles lässt sich telefonisch regeln. Die Ansteckungsgefahr unter kranken Menschen ist einfach erhöht.

Wie gehen Sie in Ihrer Praxis damit um?

Wir geben allen, die mit Erkältungssymptomen zu uns kommen, einen Mundschutz. Wie gesagt, es gibt keinen Grund in Panik auszubrechen, aber wir müssen tun, was wir können, um eine mögliche Verbreitung zu unterbinden.

Hatten Sie schon PatientInnen, die mit einem vermeintlichen Coronavirus zu Ihnen kamen?

Wir hatten schon ein paar, die kamen und sich auf Verdacht testen lassen wollten. Denen mussten wir dann sagen: Wir können den Test gar nicht machen, dazu müssten sie ins Krankenhaus gehen. Vor allem aber können sich nicht alle einfach testen lassen. Wer für die Testung zuständig ist und welche Labore das durchführen können, ist mir aktuell noch nicht klar.

Was tue ich, wenn ich glaube, das Virus zu haben?

Rufen Sie als erstes in Ihrer Hausarztpraxis an. Bitte nicht einfach hingehen! Die MitarbeiterInnen versuchen dann am Telefon, die Wahrscheinlich einer Erkrankung zu erörtern: Hatten Sie mit Menschen Kontakt, die kürzlich in einem Risikogebiet waren? Oder mit jemandem, bei dem das Virus nachgewiesen wurde?

Und was machen Sie dann?

Wenn sich der Verdacht auf Coronavirus erhärtet, verweisen wir ans örtliche Gesundheitsamt oder ans Krankenhaus. Dazu wurden wir gestern in einer Handlungsempfehlung der Kassenärztlichen Vereinigung angewiesen. Allerdings ist das gar nicht so einfach: Die Symptomatik ist so diffus, dass sie schwierig von der Grippe oder einer schweren Bronchitis zu unterscheiden ist. Wenn es am Telefon unklar bleibt, bestellen wir die PatientInnen am Ende der Sprechstunde ein, um Kontakt zu anderen Kranken zu vermeiden.

Als Erwachsene kann ich ja halbwegs einschätzen, wie es mir geht. Was aber mache ich, wenn das Kind hustet und Fieber entwickelt?

Bei Kindern gilt das gleiche: erst anrufen, nicht direkt in die Praxis gehen. Ich bin kein Kinderarzt, aber soweit ich weiß sind Kinder nicht anders gefährdet als Erwachsene. Nach meinem Kenntnisstand, waren bislang Kinder nicht häufiger betroffen als Erwachsene. Kinder, vor allem ab dem Grundschulalter, haben ein relativ robustes Immunsystem. Sie werden zwar häufiger krank, aber auch schneller wieder gesund.

Um es nicht darauf ankommen zu lassen, sollte ich mein Kind vorsorglich aus dem Kindergarten oder der Schule nehmen?

Nein. Ich wäre aber zurückhaltend bei Tanzveranstaltungen, beim Schwimmkurs, eventuell auch bei Sportvereinen.

Wie ist es mit Schwangeren?

Mir sind keine Infektionsbeschreibungen von Schwangeren mit dem Coronavirus bekannt – das Infektionsrisiko ist aus meiner Sicht nicht anders. 

Aber wenn man sich doch infiziert, kann man dann richtig behandelt werden? Schwangere dürfen ja viele Medikamente nicht nehmen.

Ähnlich wie bei der Grippe besteht die Behandlung des Coronavirus ja in einer Symptomkontrolle. Die meisten dafür nötigen Medikamente können auch Schwangeren verabreicht werden. Wie häufig ist das aber immer eine individuelle Therapieentscheidung. Wie die Behandlungsverläufe der in Deutschland erkrankten Patienten genau aussahen, entzieht sich bislang meiner Kenntnis. 

Wie meinen Sie das?

Ich habe bis jetzt nicht herausfinden können, was genau so kompliziert an der Erkrankung ist. Es heißt immer nur: fieberhafter Infekt mit Lungenbeteiligung. Was bedeutet das? Eine schwere Lungenentzündung? Wasser in der Lunge? Werden die PatientInnen asthmatisch? Die schlechte Informationslage gilt für uns ÄrztInnen ebenso wie für alle anderen Menschen auch.

Woran liegt das?

Wie kooperativ die einzelnen Länder ihre Erfahrungen mit den Erkrankten austauschen ist sicher sehr unterschiedlich. Ob und wieweit China seine Daten zum Beispiel mit der WHO teilt ist sicher fraglich. In Europa ist das Virus gerade erst angekommen, daher gibt es bislang zu wenig Erfahrung.

Ist das ein Grund für die Panik in der Bevölkerung?

Ja, mit Sicherheit. Ich denke, was den Menschen Angst macht, ist vor allem die Diskrepanz zwischen Aussagen wie „Das Coronavirus ist nicht schlimmer als die Grippe“ und der Tatsache, dass dennoch Flüge eingestellt und Menschen isoliert werden. Warum, wenn das Virus doch harmlos ist?

Was empfehlen Sie den Menschen, um sich möglichst aktuell zu informieren?

Die Webseite des Robert-Koch-Instituts. Dort lese ich auch selbst regelmäßig nach, was es Neues gibt.

Laura Geyer

Journalistin. Geboren 1984, aufgewachsen in Odenthal und Schildgen. Studium in Tübingen, Volontariat in Heidelberg, ein Jahr als freie Korrespondentin in Rio de Janeiro. Jetzt glücklich zurück in Schildgen.

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10 Kommentare

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  1. bin 84 Jahre darf noch nach draußen oder muss ich ganz zu hause bleiben und wie schütze ich mich kann ich mit Mundschutz raus wenn keine Menschen in der Nahe sin

  2. Wir geben keine medizinischen Auskünfte. Wenden Sie sich an Ihren Arzt das Bürgertelefon des Gesundheitsamtes des Kreises, hier finden Sie alle Telefonnummern:

    https://in-gl.de/2020/03/18/corona-ansprechpartner-fuer-fast-alle-fragen/

    Und was Ibuprofen angeht hilft auch eine Google-Recherche weiter. Dann finden Sie zum Beispiel diesen Beitrag in der Apotheker-Zeitung:

    https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2020/03/18/who-ibuprofen-nicht-ohne-aerztlichen-rat

  3. hallo ich wollte fragen wie sieht es aus mit Medikamente.
    man sagt ,Corona und Ibuprofen: In vereinzelten Fällen Verschlimmerung der Krankheitsverläufe, also ibuprofen weck lassen kann man den Gripposstad C . einnehmen ???

  4. Das Virus hat alles in unseren Ländern geändert, weil es unglaublich schnell sich verbreitet. Wenn man es hat bzw. Symptome soll man erstmal das Hausarztpraxis anrufen. Ich würde auch zuhause bleiben, damit ich andere nicht anstecke. Danke für den Beitrag über Tipps zu Corona.

  5. Ein überwiegender Teil der Kommentare ist leider Panikmache vor der von den qualifizierten Personen aus Ärzteschaft und Politik gewarnt wird. Ich stelle mich auf die Empfehlungen z.B. Großveranstaltungen oder Kinobesuche unterlassen ein. Auch rase ich nicht zum Discounter und unterliege nicht der Hamsterkäufemanie. Hygiene ist angesagt. Panik hat noch nie zum Erfolg geführt. Ich fühle mich wohl, unterlasse dieses Jahr meine Urlaubsplanung, steige in kein Flugzeug in andere Länder und unternehme keine Kreuzfahrt. Lassen wir unser Geld in Deutschland, somit transferieren wir es nicht in fremde Länder und unterstützen somit den innerländischen privaten Konsum.

  6. Der Virus greift um sich aber man darf sich in Deutschland nur testen lassen wenn man nachweislich in einem der krisengebiete war oder mit einem Infizierten näheren Kontakt hatte. Gleichzeitig werden Clubs, Theater, öffentliche Veranstaltungen abgesagt. Die U bahn aber darf weiterhin Millionen Menschen täglich befördern, in Berlin darf man als Massnahme ab heute nur noch hinten im Bus einsteigen, damit sich der Busfahrer nicht ansteckt während unsere Nachbarländer schon längst alle Schulen , Kindergärten Unis sperren obwohl sie weniger Infizierte haben. .ich verstehe die Politik nicht die hier betrieben wird. 11

  7. Sehr geehrte Damen und Herren,

    wir haben nur das Problem, dass uns erklärt wurde wir seien „Verdachtsfälle“ durch meinen frisch aus China eingereisten Schwager.

    Mein Mann und ich weisen Symptome auf – aber es sei kein Test mehr übrig.

    Das Gesundheitsamt hatte uns kontaktiert und darum gebeten, dass wir zuhause bleiben, man würde versuchen Test-Röhrchen zu besorgen.

    Unser Hausarzt ist da gerade machtlos.

    Wir versuchen das entspannt zu sehen…

  8. Sehr geehrte Frau Geyer,

    vielen Dank für das Interview mit Herrn Schulz, das mir aufzeigt, dass es in Deutschland oder zumindest in NRW keine einheitliche Regelung gibt, wie
    in Verdachtsfällen zu verfahren ist. Die von Herrn Schulz beschriebene Vorgehensweise im Verdachtsfall, empfinde ich als einen ausreichenden und verantwortungsvollen Umgang mit Patienten und zum Schutz anderer Patienten.

    Aber es geht auch anders!!!

    Ich bin von Dienstag auf Mittwoch abrupt erkrankt und hatte am nächsten Morgen Husten, Gelenkschmerzen, Fieber, Ohrenschmerzen und war von Müdigkeit befallen, dass ich 48 Stunden geschlafen habe. Dann habe ich bei der Praxis meiner Hausärztin in Bornheim angerufen und meine Beschwerden und Symptome mitgeteilt. Dabei wurde mir trotz verfügbarem Behandlungszeitraum am Donnerstag von 17 – 19:00 Uhr, erst ein Termin um viertel vor acht am nächsten Morgen angeboten. Wie gesagt, die Dame an der Rezeption hat das alles entschieden! Es gab keine weiteren Rückfragen, keine Empfehlungen zu einer besonderen Verhaltensweise, nichts! Und das alles ohne ein Zutun der eigentlichen Ärztin!!!
    Am nächsten Morgen habe ich mich dann zur Praxis geschleppt, durfte ganz normal im Wartezimmer Platz nehmen, habe keinen Mundschutz bekommen und natürlich auch keinen Hinweis darüber, dass ich mir bitte die Hände desinfizieren möchte. Bei der Behandlung durch die Ärztin, wurden nur die Symptome betrachtet und die Frage gestellt, ob ich Kontakt mit Leuten aus Wuhan, oder anderen Krisengebieten hatte? Diese Frage lässt sich doch nur im engsten Familienkreis beantworten! Je nach Firmengröße, hört die sichere Beantwortung der Frage bereits auf der Arbeitsstelle auf und verliert sich dann ganz aber ganz sicher im Alltag.

    Meine Frage jetzt: Was ist wenn ich jetzt mit dem Corona Virus infiziert bin?

    Aus meiner Sicht heraus sind keine Vorkehrungen getroffen worden, kein Schutz, keine Maßnahmen, andere Menschen vor einer eventuelle Infektion zu schützen. Wie kann das sein?

    Und wie kann Herr Spahn als Bundesgesundheitsminister sagen, „Die Lage ist ernst, aber wir haben sie im Griff“, wenn noch nicht einmal die operativen Einheiten in vorderster Front, also die Arztpraxen (!) so unterschiedlich verfahren.

    Wenn es eine allgemeine Handlungsempfehlung der Ärztekammer in Richtung Hausarztpraxen gibt, dann würde ich mir wünschen, dass das auch überwacht und eingehalten wird. Also ganz ehrlich – ich sehe hier gar nichts im Griff und bin nach
    dieser eigenen Erfahrung, mehr als verunsichert!

    Mit freundlichen Grüßen
    BVF

  9. Danke für das Interview.
    Interessant dass Ärzte auch nur rudimentäre Informationen erhalten.