Hohe Summen stehen für die Abmilderung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise bereit. Aber wie kann Künstlern, Selbstständigen oder Kleingewerbetreibenden rasch und unbürokratisch geholfen werden? Ein Vorschlag.

Die Bundesregierung hat über eine halbe Billion Euro (550 Milliarden) bereitgestellt, um die Krise abzumildern. Um die Wirtschaft zu stützen.
Aber: Besonders Menschen in prekären Verhältnissen (Selbstständige, Künstler, Minijobber, Kleingewerbetreibende etc.) durchleben im Augenblick große Ängste. Viele wissen nicht, wie es weitergehen soll. Ihre häufig bescheidenen Einkünfte sind weggebrochen bzw. brechen gerade weg.

Könnte diesen Menschen nicht jetzt formlos ein bedingungsloses Grundeinkommen gewährt werden? Für die nächsten drei Monate. Also eine überschaubare Größenordnung. Ohne große Formalitäten. Direkt über Banken und Sparkassen. Lokal ganz einfach zu organisieren. Die ohnehin überforderte Verwaltung wäre entlastet.

Ein Modell wie beim Besuchergeld für DDR-Bürger im Herbst 1989. Ausweis, letzte Gehaltsbescheinigung oder Steuererklärung etc. könnten genügen. Bilanz gezogen wird später.

Für viele Menschen würde die Existenzangst verkleinert. Eine solche unbürokratische Hilfe würde zum inneren Frieden in dieser Republik beitragen.

Klaus Hansen

ist Fotograf, Designer und Kommunikationsberater.

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14 Kommentare

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  1. Sehr geehrter anonymer Bensberger, in Ihrem Beitrag vom 20. März zu meinem Vorschlag, Künstler*innen, Solounternehmer*innen etc. ein monatliches Grundeinkommen zu zahlen, warnen Sie davor, dass es zu unkontrollierten Doppelauszahlungen an diese Zielgruppe kommen könnte. Schrecklich. Zur Relativierung: Eine große deutsche Bank ist beteiligt an kriminellen Cum-Ex-Geschäften in Höhe von 43 Tausend Millionen Euro (43 Mrd. €). Dort ist es zu unkontrollierten Geldflüssen gekommen. Mit dieser Summe könnten alle Freischaffenden auf Jahre finanziert werden – von denen bis heute einige noch immer kein Geld gesehen haben.

  2. Lieber Herr Schulte, das ist erstaunlich, dass Ihre Tochter keine Auskunft bekommt – es gibt zahlreiche Infostellen.

    Für wirtschaftliche Hilfe ist das NRW-Wirtschaftsministerium zuständig, dort gibt es eine eigene Seite mit Infos zu Corona-Hilfen: https://www.wirtschaft.nrw/coronavirus-informationen-ansprechpartner

    Aber auch die eigenen Berufsverbände, die Handwerkskammer, der Einzelhandelsverband, die Wirtschaftsförderungsgesellschaft und einige andere erteilen Auskünft, eine Übersicht gibt es hier:

    https://www.wirtschaft.nrw/coronavirus-informationen-ansprechpartner

    Gleichzeitig möchten wir darauf hinweisen, das das Bürgerportal zwar Bürgerportal heißt, aber keine öffentliche Einrichtung ist, sondern ein privates Unternehmen. Es heißt Bürgerportal, weil es die Bürger unabhängig informiert und den Bürgern eine Plattform bietet.

  3. Es würde gerade für Selbstsändige hilfreich sein, wenn irgendjemand sich dazu äußern würde WO bzw. WIE sie Hilfe erhalten könnten. Beispiel meine selbstständige Tochter mit Heilprktikerpraxis bekommt keine Kunden merh. ABER weder Ordnungsamt, Gesundheitsamt noch sonst eine angesprochene Behörde weiß zu helfen bzw. verweist immer auf den Anderen.

    Vielleicht würde es dem „Bürgerportal“ zur Ehre gereichen, wenn nicht nur Wünsche, wie oben, vermeldet würden, sondern KONKRETE Ansprechpartner genannt würde.

  4. Ich finde diese Idee sehr gut und mit überschaubarem bürokratischem Aufwand. Viele Künstler*innen sind bei der Künstlersozialkasse gemeldet, über die diesen teilweise prekär arbeitenden Menschen einfach zu helfen wäre.
    Natürlich haben sicherlich so gut wie alle aus dieser Zielgruppe ein eigenes Konto. Und wenn dann Geld geflossen ist, lässt sich das rückverfolgen. Barauszahlung macht da keinen Sinn.

  5. Über den Sinn von „Helikoptergeld“ lässt sich sicher streiten, die praktischen Probleme sollte man aber nicht vergessen.

    „Einfach“ Geld durch die Banken auszahlen zu lassen klingt einfacher als es in der Tat ist. Es muss ja geprüft werden, dass niemand das Geld doppelt erhält. Sollte es bar ausgezahlt werden, dann muss dieses Geld auch physisch zunächst zu den Ausgabestellen/Banken gelangen. Die Summen, die sich die meisten vorstellen, liegen in der Regel nicht für 100% der Bevölkerung „auf Vorrat“ vor Ort. Das Geld zu überweisen, ist auch nicht einfach, denn viele haben mehr als ein Konto, andere gar keines. Und die Kapazitäten, um solche Prüfungen vorzunehmen, sind auch nicht einfach vorhanden. Außerdem braucht es für ein solches Vorhaben einen rechtlichen Rahmen.

    (Ich arbeite bei einer Zentralbank, ich äußere aber hier nur meine persönliche Meinung!)

  6. Eine kleine Ergänzung zu meinem Artikel: Bei dem Vorschlag, Menschen in prekären Verhältnissen zu helfen, geht es um eine unbürokratische, formlose, direkte finanzielle Hilfe für die nächsten Wochen.

    Es geht nicht nur um Künstlerinnen und Künstler, es geht um alle, die in Not geraten, weil ihre Einnahmen wegbrechen: Vom Taxifahrer über den Kioskbetreiber, die kleine Boutique bis hin zum Start-up, es geht um alle Solounternehmer. Es geht in erster Linie nicht um die Menschen, die Arbeitslosen- oder Kurzarbeitergeld, Hartz4 oder Grundsicherung bekommen.

    Und formlos heißt für mich auch ohne Formulare, ohne Anträge, die ja irgendjemand bearbeiten müsste (Mo-Fr, 9-17?!). Auszuzahlen über Banken und Sparkassen gegen Vorlage des Ausweises.

    Liebe Politiker aller handlungsfähigen Parteien: Nennt diese Hilfe semantisch wie ihr wollt – Bürgergeld, Bedingungsloses Grundeinkommen, Lebensfonds, Sicheres-Leben-Gesetz, Helikopterscheck. Egal. Nur schnell sollte es gehen. Es nützt nichts, Geld auszuzahlen, wenn Menschen schon in die Insolvenz abgestürzt sind. Menschen aus einer überschaubaren Gruppe, für die nächsten Monate.

  7. Ich denke, ausser den KünstlerInnen gibt es viele andere Menschen, die auch unter finanziellen Einbussen zu leiden haben. Ein „Helikoptergeld“ für alle, für jede Bürgerin und jeden Bürger halte ich für am gerechtesten.

  8. Guten Morgen, ich hoffe Alle sind heute schon mal vor die Tür und haben frische Luft geatmet und die Sonne für eine Minute genossen …. das stärkt die Abwehrkräfte!
    Zur Sache: Der Vorschlag wurde gestern auch bei Lanz (Marcel Fratscher – https://www.institutional-money.com/news/maerkte/headline/diw-chef-marcel-fratzscher-plaediert-fuer-helikoptergeld-196164/) vertreten und hat wohl keine schlechte Chance. Die Frage ist, was machen wir als Kommune. Der KStA berichtet heute, dass der online-handel profitiere und die Chance bestehe, dass dies dauerhaft so bleibt. Liebe GLer:innen, das heisst weniger Läden, mehr Ketten, leerere Innenstadt. Wir sollten überlegen, wie der lokale Handel gestärkt werden kann! Kauft jetzt nicht aus langeweile online, sondern hebt es Euch auf, für die Zeit, wenn die Läden wieder aufmachen.

  9. Das ist eine der wirklich interessanten kreativen Ideen in der Krise. Ich bin dafür, ohne irgend etwas davon zu verstehen, was es finanziell heissen würde

  10. Hallo, eine sehr gute Idee. Aber noch unbürokratischer ist, wenn man das über den künstlerszosialkasse organisier. Etwa 190.000 Künstler sind da Mitglied, die nachweislich selbständige Künstler sind. man könnte, sagen wir mal, drei Monate lang, 1000 € pro Monat über weisen und für diese drei Monate die Versicherungen Beiträge aus setzen. Und das alles würde weniger als 741.000.000 € Kosten.
    Da ist alles dekomprimiert, Name, Adresse, Einkommens Höhe und die Kontonummer.
    Das ist definitiv, schnellstmöglich weg.

  11. Sehr gute Idee. Allerdings bitte nicht vergessen dass es auch im Aufbau befindliche Selbständige gibt. In der ersten Phase ist meistens ausser Spesen nichts gewesen.
    Wenn also lediglich die letzte Steuererklärung ausschlaggebend wäre, würden viele Bedürftige nichts erhalten. Hier muss breiter gedacht werden.

    Die Idee des zeitlich beschränkten bedingungslosen Grundgehalts wird übrigens in Singapur, Hong Kong und jetzt auch USA umgesetzt.

    – Singapur 100$-300$ für jeden über 21 Jahre alt. Bedürftige eventuell mehr.
    Quelle:https://www.straitstimes.com/singapore/singapore-budget-2020-64-billion-set-aside-to-support-businesses-families-and-agencies
    – Die USA wollen der Bevölkerung pro Person 1000$ oder mehr zukommen lassen.
    Quelle: https://www.bloomberg.com/news/articles/2020-03-17/mnuchin-says-trump-wants-money-sent-to-americans-in-two-weeks
    – In Hong Kong sind es 1200$ pro Einwohner.
    Quelle: https://www.bbc.com/news/world-asia-china-51640456

  12. Durch die Umsetzung dieser einfachen aber effektiven Idee könnte die Bundesregierung schnell und beherzt Bürgernähe unter Beweis stellen.

  13. Dieses Grundeinkommen, unbürokratisch und schnell, wäre ein Segen. Als freischaffende Malerin und Grafikerin entfallen momentan fast alle Möglichkeiten, Einnahmen zu machen, Geschäfte und Galerien zu, Märkte abgesagt…ein Bruchteil von Auftragsarbeiten ist noch möglich, aber die Rechnungen können davon nicht ansatzweise bezahlt werden, was sonst gut klappt, aber was nun? Wo bekommt man nun tatsächlich Hilfe, wo kann man Anträge stellen?