Morgen startet die schrittweise Öffnung der Kitas. Dabei wird der Betreuungsbedarf der Eltern auf die Machbarkeit vor Ort treffen. Wir haben uns einen ersten Einblick verschafft, bei der AWO und in der Kita am Quirlsberg. Dabei wird klar: Kinder kann man nicht auf Abstand betreuen. Und die Notbetreuung hat Vorrang vor den neu nachrückenden Kids.

Ab dem 14. Mai dürfen zum ersten Mal auch Vorschulkinder mit Anspruch auf Leistungen für Bildung und Teilhabe in die Kitas. Und auch die in Kitas betreuten Kinder mit Behinderung können wieder kommen. Sie gesellen sich dann zu den Kindern, die bereits im Rahmen der Notbetreuung vor Ort sind.

Aber auch das ist nur ein kleiner Teil der Kita-Kinder. Viele Eltern fragen sorgenvoll, wann die Betreuung ihrer Kids endlich startet. Dem stehen in der Praxis viele praktische Probleme entgegen.

Notbetreuung: Leere Flure in der Kita auf dem Quirlsberg, wo sonst U3- bis Vorschulkinder langflitzen

Angespannte Personalsituation

„Wir haben Verständnis für die äußerst angespannte Situation, in der sich viele Familien zurzeit befinden und würden uns ebenfalls einen schnelleren Einstieg zurück in den Regelbetrieb wünschen”, erklärt Jenny Göx, bei der AWO zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit.

„Aufgrund verschiedener Faktoren sehen wir dies aber derzeit als nicht realisierbar an.” Göx verweist auf die sehr angespannte Personalsituation in den Einrichtungen.

Zudem gebe es im Moment keine gesicherten Erkenntnisse, welche Rolle die Kitas und auch die Schulen bei der Entwicklung der Corona-Pandemie spielen, macht die AWO-Sprecherin deutlich. Daher sei eine schrittweise Öffnung sinnvoll, um das Infektionsgeschehen weiter zu beobachten.

Zumal in diesem Tätigkeitsbereich die notwendigen Abstandsregelungen in der Arbeit mit den Kindern nicht umsetzbar seien. Auch das Tragen von Masken sei nur sehr bedingt möglich, informiert die AWO.

Abstand ist auch das Thema in der Kita am Quirlsberg

Das heißt im Klartext: Alle weiteren Vorschulkinder gehen erst am 28. Mai in die Kita. Weitere Kinder eventuell im Juni.

Details aus dem zuständigen Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration liegen indes noch nicht vor. Die Hängepartie für viele Eltern geht weiter. Auch für die Zeit nach den Sommerferien gebe es noch keine Hinweise aus dem zuständigen Ministerium.

Keine Betreuung auf Abstand

Die Hygieneregeln gelten – wie bei der Notbetreuung – unverändert weiter, also u.a. Reinigung der Flächen mit entsprechenden Desinfektionsmitteln.

„Die Abstandsregelungen können bei der Betreuung von kleinen Kindern nicht eingehalten werden”, erklärt Sarah Gebauer, Fachberaterin Betreuungsangebote für Kinder der AWO Rhein-Oberberg: „Kleine Kinder kann man nicht mit Abstand betreuen.”

Masken kommen dennoch nicht zum Einsatz: „Das ist den Kindern, mindestens bis vor Schuleintritt, nicht zuzumuten und der sachgemäße Gebrauch ist nicht gegeben”, so Gebauer.

Spiel bleibt Spiel

Abstand ist auch das Thema in der Kita am Quirlsberg. Bei den Minis sei dies schwieriger, bei den größeren Kindern eher machbar. Klar übt man das Händewaschen und setzt beim gemeinsamen Essen auf Abstand. Aber Spiel bleibt nunmal Spiel, das funktioniere nicht auf Abstand, sagt die stellvertretende Leiterin Stefanie Trostmann. Und auch das Anziehen von Jacken u.ä. durch die Erzieher sei nicht aus der Distanz heraus machbar.

Die Gänge in der Kita sind ungewohnt leer. Nur zwölf bis 15 Kinder werden dort in drei Gruppen notbetreut. Die Notbetreuung orientiere sich klar am Betreuungsbedarf der Eltern, zum Beispiel während der Arbeitszeit. Dieser werde sorgsam geprüft. Allerdings gibt es auch Kitas im Stadtgebiet, die alleine schon durch die Notbetreuung ausgelastet sind; einzelne Mitarbeiterinnen beklagen eine Überbelastung.

Eine darüber hinausgehende Betreuung sei nicht machbar, heißt es auf dem Quirlsberg. Auch das Programm für die Vorschulkinder werde knapp gehalten. Nur die wichtigsten Inhalte des Vorschulprogramms würden durchgenommen.

Notbetreuung vor Nachrückern

Für das Spielen wird da angesichts des ohnehin engen Zeitrahmens wenig Zeit bleiben. Wenn es soweit kommt: Denn die Notbetreuung habe Priorität vor den nachrückenden Kindern. Das könnte im Zweifelsfall knapp werden.

Denn am Quirlsberg fallen von zwölf Mitarbeiterinnen im Stammpersonal sechs Mitarbeiterinnen unter die Regelungen für Risikogruppen. Derzeit scheint dies aber kein Problem zu sein. Angekündigt seien lediglich zwei Kinder, die ab morgen zusätzlich in die Kita kämen. Dies sei noch machbar.

Fotos: Holger Crump

Holger Crump

ist freier Journalist und vielseitig interessierter fester Mitarbeiter des Bürgerportals.

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2 Kommentare

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  1. Wie super Erwachsene die Abstandsregeln einhalten können, sieht man ja ganz toll momentan im öffentlichen Leben…

  2. Es ist ja alles gut und schön. Nur alle anderen Eltern hängen mit der Betreuung in der Luft. Normalos wie wir (beide berufstätig) bleiben auf der Strecke und wissen nicht wie sie Kind (ohne Kita Betreuung)und Arbeit unter einen Hut zu bringen ohne die Arbeit zu verlieren. Es ist sehr traurig das die Kinder auf der Strecke bleiben, denn Kinder brauchen nunmal Kinder!