Obwohl es noch fünf Wochen bis zur Kommunal- und Integratiosratwahl sind, geht der Wahlkampf in die heiße Phase. Im wörtlichen Sinne: Bei über 30 Grad haben wir im zweiten Teil unseres Tests die Stände von CDU und FWG besucht – und eine überraschende Erkenntnis gewonnen.

Samstagmorgen in der Innenstadt: Während auf dem Marktplatz NRW-Innenminister Herbert Reul zur Situation der Schausteller während der Corona-Pandemie spricht, geht in der Fußgängerzone der Straßenwahlkampf in eine neue Runde. Auch die Bürgermeisterkandidaten von CDU und der Ampel, Buchen und Stein, sind in der Stadt unterwegs.

Schwarze Limousinen mit Blaulicht, Herren mit Sonnenbrille und schlecht sitzenden Sakkos sowie Sondereinheiten der Polizei lassen in den Innenstadt etwas landespolitischen Flair aufkommen. Die Arbeit der Kandidaten für die anstehende Kommunalwahl geht davon unbeeindruckt ihren gewohnten Gang. Stadträte kommen ohne Bodyguards aus.

CDU

Der Platz am Eingang der Fußgängerzone, gegenüber der Bushaltestelle, scheint begehrt zu sein. Letzte Woche war hier die SPD präsent. Heute hat die CDU ihren Stand aufgebaut. Stehtische, das obligatorische Zelt. Flyer der Kandidaten sowie das Wahlprogramm: Nahversorgung, Verkehrsführung der Innenstadt, Wirtschaft, Sicherheit, Stadtentwicklung und Bildung sind hier die Themen. Und natürlich der Spitzenkandidat.

Man gehe absichtlich nicht in den Strom der Passanten, um Flyer zu verteilen, erklärt Oliver Renneberg, Ratsmitglied und Kandidat für Stadtmitte-Ost. Die CDU habe sich wegen der Pandemie dagegen entschieden. Er gesellt sich zu mir, als ich mir die Angebote näher anschaue. Sympathisch und unaufdringlich, ein Plausch über die Verkehrssituation in Bergisch Gladbach entsteht.

Praktisch: Zur konkreten Frage, was man tun müsse um bei der Stadt Zebrastreifen oder Ampeln an verkehrskritischen Stellen anzuregen, entspannt sich nicht nur eine praxisbezogene Debatte. Oliver Renneberg hat auch gleich einen Ansprechpartner in der Verwaltung parat, der für diese Themen zuständig ist. So konkret hat mir bislang noch kein Politiker weitergeholfen.

FWG Bergisch Gladbach

Ein paar Meter weiter wirbt die Freie Wählergemeinschaft FWG Bergisch Gladbach um die Gunst der Wähler. Auch hier wird man freundlich bei der Frage nach Flyern empfangen und mit Papier versorgt, dass – so erfahre ich – aus der eigenen Tasche finanziert wird. Die FWG trete mit Absicht nicht als Partei sondern als eingetragener Verein zur Wahl an.

Dies solle auch im Falle des Einzugs in den Stadtrat so bleiben, erfahre ich vom 1. Vorsitzenden Benno Nuding, der gemeinsam mit dem 2. Vorsitzenden Rainer Röhr Rede und Antwort steht. Ohne parteipolitischen Überbau durch Regional- und Landesverbände habe man als e.V. die Chance, Politik zugeschnitten auf die Stadt machen zu können.

Entstanden aus einer Initiative zur Auseinandersetzung mit dem Flächennutzungsplan, will sich die FWG u.a. für die Wohn- und Lebensqualität der Stadt einsetzen, Bürgerbeteiligung stärken und die Kommunalpolitik transparenter machen. Die Herren sind engagiert bei der Sache und sprechen mit Sachkenntnis und Herzblut über ihren Vorschlag zur Belebung der Innenstadt.

Fazit

Beim zweiten Teil unseres Wahlkampftests habe ich einige mir noch unbekannte Politiker getroffen. Überrascht war ich von dem Engagement, mit dem sie für ihre Sache einstehen und kämpfen. An Fragen und Gedanken knüpfte sich meist ein gutes Gespräch an. Das hatte ich nicht erwartet und ist eine positive Überraschung.

Wähler:innen sollten die Gelegenheit nutzen und während des Wahlkampfs den Kandidat:innen auf den Zahn fühlen. Besser kommen Sie an die (potentiellen) Ratsfrauen und Ratsherren nicht ran.

Hinweis der Redaktion: Ein weitere Gelegenheit, die Kandidaten für das Bürgermeisteramt, den Stadtrat und den Integrationsrat kennen zu lernen, bietet die „Wahlarena” des Bürgerportals am 3. September ab 16:30 Uhr im Bergischen Löwen. Eine Einladung folgt – merken Sie sich den Termin schon mal vor!

Holger Crump

ist freier Journalist und vielseitig interessierter fester Mitarbeiter des Bürgerportals.

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