Vom Papiermuseum Alte Dombach führt der Pflanzenpfad nach Osten zum Maschinenfreigelände und zur rund zweihundert Meter entfernten Maschinenhalle der Neuen Dombach. Hier werden die Rohstoffe gezeigt, die seit über 2000 Jahren zur Papierherstellung genutzt werden, hier kann man sehr viel Hintergrundwissen im Vorübergehen einsammeln. Der sechste Teil unser reich bebilderten Serie zum LVR Industriemuseum.

Ein Dutzend Schautafeln erzählen detailliert von den Rohstoffen zur Herstellung von Papier in den verschiedenen Kulturen über zwei Jahrtausende: Mit jeweils einem Steckbrief zur Pflanze, zur Bedeutung für die Papierindustrie, für die Umwelt, ihre Nachhaltigkeit, ihre Eigenschaften als kurz- oder langfaserigen Rohstoff im Papier, für die Verwendung. 

Hinter einigen Schautafeln sind auch die Pflanzen im Original zu bewundern, wie zum Beispiel Bambus, der vor allem in China seit dem 8. Jahrhundert genutzt wird. 

Das erste Papier wird im Reich der aufgehenden Sonne allerdings schon lange vor unserer Zeitrechnung aus Hanf hergestellt. Das älteste der Menschheit bekannte Papier – über 2.100 Jahre alt – fanden Archäologen Mitte des vorigen Jahrhunderts in einem Grab nahe Xian. 

Hanf: Auch wer jetzt vielleicht die Hoffnung hegt, hier ein wenig Cannabis für den Hausgebrauch ernten zu können, wird enttäuscht. Es gibt nur eine Abbildung, keine echte Pflanze. Die müsste wohl sonst auch bewacht werden.

Schautafel ‚Flachs’ mit Lumpensammlerin im 19. Jahrhundert

In unseren Breiten ist Flachs – eine unserer ältesten Kulturpflanze – lange Zeit der Hauptrohstoff. Aus den Bastfasern des Stengels werden – vereinfacht gesagt – Textilien gewebt: Das Leinen. 

Papierbrei wird ursprünglich aus abgenutztem Leinengewebe angerührt. Aus Lumpen. Doch Lumpen sind knapp. Also wird experimentiert und nach weiteren geeigneten Materialien gesucht.

Der Forscher und Geistliche Jakob Christian Schäffer (1718-1790) erkannte 1760, „dass fast keine Pflanze an sich zum Papiermachen untauglich ist; und dass alles nur auf gewisse Kunstgriffe und die Übung ankommt, um aus jeder Pflanze diejenige Art eines brauchbaren Papiers zu verfertigen, welche ihrer Natur und Eigenschaft gemäß ist.“

Jakob Christian Schäffer

Heute stehen der Papierindustrie viele verschiedene Pflanzen als Rohstoff zur Verfügung. Aber der Kern bleibt: Papier besteht aus Zellulosefasern, dem Grundstoff fast aller verwendeten Pflanzen:

Bambus, Baumwolle, Birke, Buche, Fichte, Flachs, Getreide (Stroh), Hanf, Kiefer, Eukalyptus, Espartogras. 

Zwei Beispiele: Eukalyptus und Waldkiefer

Eukalyptus kommt ursprünglich aus Australien. Er wird vor allem in Südeuropa, Südafrika und Südamerika kultiviert, weil er außerordentlich schnellwüchsig ist. Dieser Kurzfaserzellstoff wird in den letzten Jahrzehnten immer wichtiger für die Papierherstellung. 

Ökologisch allerdings ist Eukalyptus problematisch, denn jeder ausgewachsenen Baum braucht täglich rund 500 Liter Wasser. Und nach wenigen Baumgenerationen sind die Böden fast vollständig ausgelaugt.

Kiefernzweig am Pflanzenpfad

Ganz anders die Kiefer: Sie ist vorwiegend auf der nördlichen Erdhalbkugel zu Hause. Die Waldkiefer ist als wichtigste Kiefernart  anspruchslos, sie gedeiht auch auf nährstoffarmen Böden. Und sie ist als Langfaserzellstoff geeignet. 

Das harzreiche Holz muss vor der Verarbeitung chemisch behandelt werden. Früher führte das in der Umgebung der Papierfabriken zu starker Geruchsbelästigung. Heute werden fast 90 Prozent des gesamten Zellstoffbedarfs der Papierindustrie durch die Kiefer gedeckt.

Nachhaltigkeit: Die in den 90er-Jahren durchgesetzte umweltgerechte Forstwirtschaft mit naturnahen Kriterien gerät durch den Klimawandel und die Folgen erheblich unter Druck.

Angefüllt mit neuem Wissen blicke ich künftig auf das Papier um mich herum, auf meine vielen Notizzettel und das Briefpapier, auf meine Bücher und Kataloge, auf die vielen Werbesendungen in meinem Briefkasten und die großen Plakate im Stadtbild. 

Im Café wartet die in Kunststoff eingeschweißte papierene Speisekarte auf mich.

Diese Serie wird fortgesetzt. Die bisherigen Folgen finden Sie weiter unter. 

Anreisetipps (falls Sie nicht mit dem Auto fahren wollen)
Zu Fuß, aus der Innenstadt zum Papiermuseum
Mit dem Bus: Linie 426 nach Spitze/Kürten, wochentags alle 20 Minuten, samstags alle 30 Minuten, sonntags jede Stunde

LVR-Industriemuseum Papiermühle Alte Dombach
Alte Dombach, 51465 BGL
Dienstag bis Freitag 11 – 17 Uhr
Samstag, Sonntag, Feiertage 11 – 18 Uhr
Auf den Internetseiten „Papiermühle Alte Dombach“ finden Sie weitere wichtige Informationen für einen Besuch: Führungen, Eintrittspreise oder freie Tage, Veranstaltungen, Sonderausstellung, Busverbindungen etc.

Klaus Hansen

ist Fotograf, Designer und Kommunikationsberater.

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