Für einige ist sie ein Ärgernis, für viele ein sinnvoller Schutz – und für immer mehr Personen auch ein Statement: Die Maske – oder korrekt „der Mund-Nase-Schutz“ ist in der Stadtgesellschaft angekommen. Und treibt manche Blüte.

Seit gut einem halben Jahr ist sie unsere ständige Begleiterin, die Maske. Ob in edlem Schwarz – mit Perlen drapiert – daherkommend, ob nur einmal getragen oder zur Wiederverwertung kreiert, ob mit kleinen Fußbällen verziert, einem Kussmund gestylt, bunt gemustert oder schlicht gehalten – der Mund-Nase-Schutz kommt mit immer neuen Varianten daher.

Waren es ehedem die Augen, der Gesichtsausdruck, das Lächeln, die die Blicke auf sich zogen, heißt es jetzt: Zeig mir deine Maske, und ich sage dir, wer du bist!

Die Maske ist schon jetzt für mich das Symbol des Jahres 2020. Nur logisch, dass unser aller Begleiterin unter der Schlagzeile „Das Masken-Drama“ Titelstory in der August-Ausgabe 34  des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ wurde.

Einigen ist das verpflichtende Tragen dieses Corona-Abwehr-Utensils ein Ärgernis, das den Protest hervorruft. Eine große Mehrheit glaubt hingegen fest an einen Schutz gegen Ansteckung, den das Anlegen der Masken in Supermärkten und Geschäften  garantiert, wie es in zahlreichen wissenschaftlichen Studien heißt.

Immer mehr setzt sich die Überzeugung durch, dass die Maske noch auf lange Zeit unser Zusammenleben mitbestimmen wird. Darauf stellen wir Menschen uns notgedrungen ein.

Szene in  einem Modegeschäft: Eine ältere, geschmackvoll gekleidete Dame sieht sich konzentriert die reichhaltige Stoffmasken-Auslage an. Die Preise sind nicht ohne. Sie wägt ab, hält ihren neu erworbenen Kaschmirpullover an die Masken und trifft dann ihre Wahl.

Gleich für drei Exponate entscheidet sie sich: Eine mit buntem  Blumenmuster, eine aus dunkelblauem Seidenstoff, das dritte Schutztuch wirkt schillernd wie ein Pfauenauge. „Wenn wir schon die Masken tragen müssen, dann sollen sie wenigstens modisch sein und gut aussehen und zu meinem Pulli passen“, sagt sie an der Kasse.

Modische Kreationen

Agapi Holbeck, Besitzerin eines Second-Hand-Geschäftes in Köln-Dellbrück, bestätigt diesen Trend, der da heißt:  Modische Masken haben eine magische Anziehungskraft. Auch sie bietet – auf einer schmalen Theke hübsch drapiert –  Stoffmasken an, „die mir eine langjährige Kundin perfekt näht – mit Nasenbügel, mit sanft sitzenden Gummizügen, aus tollen Stoffen gemacht“.

Neben den normalen Einkäufen in ihrer Boutique würden die Frauen meist  noch die eine oder andere Maske mitnehmen, sagt die aus Griechenland stammende Geschäftsfrau. „Jedenfalls brauche ich ständig Nachschub in immer neuen Kreationen.“

Masken für den Mann zu kleinen Preisen – sie  gibt es auch. Die Zeiten, da es zu Beginn der Corona-Pandemie einen regelrechten Masken-Notstand in Deutschland gab, sind längst vorbei.

Inzwischen scheint vor allem der Einmal-Mund-Nase-Schutz – ähnlich wie der Plastikbecher oder die leere  Zigarettenschachtel – zur Gattung der Wegwerfprodukte zu gehören: Nur kurz gebraucht, unterwegs nicht mehr benötig – und fort damit, ab in den Graben. Auf dem Weg zu Fuß von der Paffrather St. Clemens-Kirche zu Gladbachs Konrad-Adenauer-Platz haben meine Frau und ich entlang nur einer Straßenseite 16 dieser Einweg-Schutzmasken in den bekannten Farben himmelblau, lindgrün und fliederviolett an den Bordsteinkanten, Radstreifen oder am Rand der Fußwege gezählt. Hinzu sichteten wir noch drei dahingammelnde Stoffmasken.

Mit der Maske gegen die Maske

Szene Fußgängerzone: In einem Laden, der vor allem für sein reichhaltiges Handy-Schutzhüllen-Sortiment bekannt ist, gibt es beste Studienmöglichkeiten über die kreative Vielfalt von Masken-Aufdrucken. Die Auswahl ist gigantisch. Da baumeln zum Beispiel Masken als Grusel-Fratzen oder solche mit einem Totengebiss oder wieder andere als garstige Clowns an einer Leine. 

Frage: Wer trägt denn sowas? Antwort: Vielleicht ein Mensch, der mit diesem abstoßenden Äußeren seine Umgebung schlichtweg nur schocken will – der Abstand ist ihm sicher. Oder er bringt seinen Protest gegen die Maske mit dieser Maske zum Ausdruck.

Der Laden bietet jedenfalls zahlreiche Möglichkeiten, womit die Maskenträgerin/der Maskenträger ein Statement setzen kann. Hier findet der Musiker oder die Kunstschaffende ebenso ein Motiv wie der Fußballfan oder die Friedensaktivistin. Mit Fantasie gegen die Corona-Dauerkrise? Warum nicht!

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5 Kommentare

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  1. @Herr Schreiner,
    wenn man einen Beruf wählt, hat man normalerweise Kenntnis über die Verwendung von Masken bei der Ausübung und kann sich vorher überlegen, ob man das akzeptiert. Das ist zur Zeit in vielen Bereichen nicht möglich … man hat keine Wahl und wird dazu gezwungen. Außerdem werden berufliche „Maskenträger“ auch arbeitsmedizinisch untersucht und die Eignung zum Maskentragen festgestellt. Es gibt auch Richtlinien für die Tragedauer und Wechselintervalle.
    Leider werden immer häufiger Menschen, die gesundheitliche Probleme beim Maskentragen haben, beschimpft und erleben Ausgrenzung. Das ist furchtbar und erinnert mich an ganz dunkle Zeiten in der deutschen Geschichte.

  2. Zu schade das die Masken im Straßengraben landen. Mitzunehmen der Pandemie nimmt man auch die Häufigkeit der Einwegmasken im Straßengraben war was für eine Umweltverschmutzung. Leider gibt es dafür kein Pfand.

  3. Herr Förster,

    Was machen nur all die Ärzte den ganzen Tag? Oder Bauarbeiter, Handwerker etc, die den ganzen Tag diese Masken tragen, da sie mit gefährlichen Stoffen arbeiten.

    Das muss man sich mal vorstellen ;)

    Generell sollte man überlegen, ob man die Masken nicht generell während einer Grippewelle im ÖPNV verpflichtend macht.

  4. Mund Nasenschutz hin oder her. Für mich ist es eine Last. Ich gehe nicht damit Spazieren sondern muss ich damit Arbeiten. Mann muss sich das mal vorstellen. Nach einer halben Stunde kann ich die Maske in den Müll werfen.

  5. Masken sind tatsächlich ein Modeartikel geworden. Mich würde interessieren, ob die genannten Teile, besonders wenn sie aus anderen Ländern kommen, auch bei mindestens 60 Grad waschbar sind. Ich selbst habe inzwischen 600 Stück genäht und verschenkt bzw. Gegen Spende für die Caritas abgegeben. Habe Kindern mit Glitzer und Perlen bestickte zur Erstkommunion gemacht und sogar eine Braut ausgestattet. Warum soll man sich nicht hübsche leisten, man schaut einem ja sofort auf „die Maske“, nicht mehr ins Gesicht.