Ein Schüler führt einen Corona-Schnelltest aus. Foto: Stadt Bergisch Gladbach

Für die Grundschulen kam die Schnelltest-Initiative der Stadt Bergisch Gladbach zu kurzfristig – doch die weiterführenden Schulen haben mit nur wenigen Ausnahmen heute umfangreich getestet. Gerade rechtzeitig zur Rückkehr in den Präsenzunterricht. Die Stadt registrierte in der Schüler- und Lehrerschaft auch Verweigerer mit unterschiedlichen Motiven, zieht aber dennoch eine erste positive Bilanz. 20 Verdachtsfälle wurden aufgespürt.

Elf der 14 weiterführenden Schulen in Bergisch Gladbach haben am Montag zu Unterrichtsbeginn der Lehrerschaft, den Schüler:innen und dem sonstigen Personal Corona-Selbsttests angeboten, die von 70 bis 80 Prozent der Anwesenden wahrgenommen worden seien, teilte Fachbereichsleiter Dettlef Rockenberg am Mittag mit. Das seien schätzungsweise 2000 Personen gewesen.

Dabei seien an acht Schulen insgesamt 20 Schnelltests positiv ausgefallen, die nun durch reguläre PCR-Tests überprüft werden. Für die Grundschulen sei die Vorbereitungszeit zu kurz gewesen; sie wollten die Tests jedoch in den kommenden Tagen einsetzen.

Das Zusammentreffen einer sich abzeichnenden dritten Corona-Welle mit dem Neustart des Präsenzunterrichts und der Verzögerung der Testlieferung durch das Land habe die Stadt zu dieser Initiative animiert, begründet Bürgermeister Frank Stein. Ziel sei es, die positiven Fälle zu entdecken, bevor weitere Infektionen in den Klassen möglich sind – und damit zu verhindern, das ganze Klassen in Quarantäne müssten.

Zudem hoffe die Stadt, durch die massenhafte Testung mehr Licht ins Dunkel des Infektionsgeschehen in Schulen zu bringen: „Wir haben jetzt erstmals ein mit Fakten untermauertes Gefühl, wie relevant oder irrelevant die Schulen für die Ausbreitung der Pandemie sind. Je mehr Fakten, desto besser können wir agieren,“ betonte der Bürgermeister. Immerhin 17.000 Tests hatte die Feuerwehr in die Schulen gebracht.

Bürgermeister Frank Stein, derzeit selbst in Quarantäne, bei der virtuellen Pressekonferenz. Foto: Screenshot Stadt Bergisch Gladbach

„Einen Teil der Bauchschmerzen weg genommen”

Ein Haltung, die von einer Reihe von Schulleiter:innen einhellig gegrüßt wurde. Angelika Wollny von der IGP und Sven Hees vom NCG bedankten sich bei der Pressekonferenz bei der Stadt sowie bei der Feuerwehr für die Initiative und die sehr gute Vorbereitung. „Sie haben uns eine Menge der Bauchschmerzen genommen, mit denen wir sonst heute in den Unterricht gestartet waren“, sagte Wollny.

Gegenüber dem Bürgerportal äußerten sich auch Vertreter:innen des Gymnasiums Herkenrath, des Albertus-Magnus-Gymnasiums und der Otto-Hahn-Realschule sehr positiv.

Bei den weiterführenden Schulen blieb u.a. die Realschule im Kleefeld außen vor; zu den Gründen äußerte sich die Schulleitung auch auf Anfrage nicht. Die Freie Waldorfschule (nicht in städtischer Trägerschaft) war am Freitag nicht mehr zu erreichen gewesen, dort lieferte die Feuerwehr die Tests am Montag früh nach.

Am Berufskolleg Kaufmännische Schulen hatte es im Kollegium Vorbehalte gegeben; daher waren die Studiendirektoren vorangegangen und hatten die Tests in ihren eigenen Klassen durchgeführt, als Testlauf. Das habe in den 13 beteiligten Klassen gut geklappt, teilt das Berufskolleg mit. Der Lehrerrat will nun den Testablauf optimieren, alle Lehrer:innen (mit Ausnahme von Risikopatienten) machen mit, berichtet Schulleiterin Nicole Schuffert.

Großes Medieninteresse: Jörg Köhler, Chef der Feuerwehr und des städtischen Krisenstabs, erläutert die Aktion vor dem NCG

Einverständniserklärungen ein Problem

Die Schulleitungen hatten zwar sehr kurzfristig reagieren müssen; erst am Donnerstag war klar geworden, dass das Land entgegen vorherigen Angaben zum Wochenstart nicht liefern kann. Daraufhin hatte die Stadt die eigenen Reserven eingesetzt und sie noch am Freitag zusammen mit ausführlichen Instruktionen und Formularhilfen ausgeliefert.

Ein Problem waren die notwendigen Einverständniserklärungen der Eltern, räumt Fachbereichsleiter Rockenberg ein. Einige Familien verfügen über keine Drucker, andere haben es einfach vergessen.

Zur Sache: Die Landesregierung kündigt in einer weiteren Schulmail heute den Start der eigenen Testaktion an, allerdings mit nur einem Test pro Schüler und nur für die weiterführenden Schulen. Laut Schulministerium sind die Tests freiwillig, es ist aber keine Einverständniserklärung notwendig. Wer sich nicht testen lassen will, muss einen Widerspruch einlegen. Zudem habe die Schule keine Meldepflicht gegenüber dem Gesundheitsamt, ihnen wird sogar untersagt, das Gesundheitsamt zu informieren. Zunächst sollen positive Schnelltests durch einen PCR-Test beim Hausarzt bestätigt werden.

Daher konnten von den Schüler:innen, die am Montag im Wechselunterricht in den Schulen an der Reihe waren, „nur“ zwischen jeweils 70 und 80 Prozent getestet werden. Am Dienstag kommt die andere Hälfte der Schüler dran, am Mittwoch und Donnerstag können dann noch Nachzügler getestet werden.

Einzelne Testverweigerer – auf beiden Seiten

Es habe an fast allen Schulen einzelne Testverweigerer gegeben, berichtet Rockenberg weiter. Mit unterschiedlichen Begründungen. Bei den Lehrer:innen sei es oft um Hygienefragen, aber auch um Kompetenzgerangel gegangen.

Einige Schüler:innen hätten den Test aus Angst vor einen positiven Ergebnis verweigert: weil sie vor wichtigen Klausuren bzw. in der Abi-Vorbereitung stehen, oder ganz grundsätzlich eine Quarantäne vermeiden wollen.

Negativer Test kein „Freifahrtschein”

Umgekehrt, das berichten die Schulleitungen, hätten Schüler:innen negative Testergebnisse als „Freifahrtschein“ gefeiert. Daher sei es wichtig, immer wieder daraufhin zu weisen, dass auch ein negativer Test nur eine Momentaufnahme sei – und auch danach das Tragen der Masken und die Einhaltung der Kontakt- und Hygieneregeln extrem wichtig seien.

Vorbehalte, die Spucktests seien für jüngere Schüler:innen zu kompliziert, wiesen Stadt und auch Schulleitungen zurück. Die Lehrer:innen seien das Verfahren in den unteren Jahrgängen Schritt für Schritt durchgegangen, das habe problemlos funktioniert, berichtet IGP-Direktorin Wollny.

Grund- und Förderschulen sollen nachziehen

Die Stadt hofft nun, dass auch die Grundschulen das Verfahren in den Schulkonferenzen klären und die Tests in den kommenden Tagen einsetzen. Da der Präsenzunterricht hier ohnehin schon seit drei Wochen laufe habe es in den Grundschulen auch keinen Druck gegeben, ab Montag zu testen. Nach wie vor befinde sich Bergisch Gladbach hier um Wochen vor den Plänen der Landesregierung, die in den Grundschulen erst nach den Osterferien testen wollen.

Die GGS Heidkamp teilte zum Beispiel mit, dass sie durch die gerade laufende Impfung unter Personalengpässen leide und bei den Tests daher Eltern auf freiwilliger Basis einbeziehen will. Dort sollen die Tests am Donnerstag und Freitag stattfinden.

Auch in den beiden Förderschulen im Stadtgebiet ist bislang nicht getestet worden. Dort ist der Kreis der Schulträger; dieser steht dem Testangebot der Stadt zwar positiv gegenüber, hatte sich aber mehr Zeit erbeten – weil die Testung bei Menschen mit einer körperlichen oder geistigen Behinderung besonders gut vorbereitet werden müsse.

Grundsätzlich begrüßte der Rheinisch-Bergische Kreis die Initiative der Stadt. Allerdings gibt es auch Sorgen, dass ein sprunghafter Anstieg der positiven Testergebnisse das Gesundheitsamt erneut an den Rand seiner Kapazitäten bringt. Denn über die Tests in den Schulen hinaus sollen in dieser Woche auch die kostenlosen sogenannten Bürgertests in großer Zahl zur Verfügung stehen.

Immerhin – die Quarantäne für die Mitarbeiter des Lagezentrums der Kreisverwaltung, das vor zwei Wochen selbst von einer Corona-Infektion betroffen gewesen war – ist beendet, alle Mitarbeiter:innen sind wieder im Einsatz.

Mitarbeit: Holger Crump

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

7 Kommentare

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. Wir können nicht für Pufpaffs Zahlen sprechen, sondern nur für die, die wir veröffentlich haben – und die stimmen.

    Sie kommentieren hier einen Beitrag vom 15. März mit den Ergebnisses des ersten Testtags, mit rund 2000 Teilnehmern und 20 positiven Schnelltests (die da natürlich noch nicht überprüft waren).

    Am 17.3. haben wir erneut berichtet, dort geht es um bereits 5702 Tests (die die Stadt großzügig auf 6000 aufgerundet hat). Die Quote der positiven Tests können Sie dabei noch nicht berechnen, weil die Ergebnisse der PCR-Tests noch nicht vollständig sind.

    https://in-gl.de/2021/03/17/5702-personen-an-zehn-schulen-getestet/

    Unser Tipp: gründlich lesen, auf das Datum achten und auf eine vernünftige Datenbasis warten, bevor Sie falsche Rechnungen anstellen und hier anonym veröffentlichen. Das weckt den Verdacht, dass gerade die Verunsicherung Ihr Ziel ist. Bitte stehen Sie beim nächsten Kommentar mit Ihrem eigenen Namen ein.

  2. Hallo zusammen,
    die Eigeninitiative der Stadt halte ich für sehr nachahmenswert angesichts des schleppenden Vorgehens der Landesregierung. Dennoch stutze ich über die sehr unterschiedlichen Berichterstattungen über die Ergebnisse.
    • Hier ist die Rede ca. 2000 Tests, davon 20 positiv (1,00 %).
    • Die Stadt hat dagegen folgende Daten veröffentlicht: 6000 Test, davon 32 positiv (0,53 %). Bei anschließenden PCR-Tests dieser Positiven waren dann nur 2 positiv (0,03 %) – bisher, 18 PCR-Ergebnisse stehen noch aus. [www.bergischgladbach.de/news/32019/zwischenstand-der-schnell-testaktion-an-den-schulen]
    • In »Noch nicht Schicht« berichtet Sebastian Pufpaff von 600 Tests an einer Schule mit 70 positiven Ergebnissen (11,67 %) – ohne allerdings seine Quelle zu nennen. [www.youtube.com/watch?v=sDvVz1ztnjY ab 3:15]
    Das sind extrem unterschiedliche Zahlen! Was stimmt denn nun?

  3. Sehr geehrter Herr Jacobs,
    es wurden seitens der Stadt alle Schulen, also auch die Grundschulen, mit den Tests beliefert und im Vorhinein über die Lieferung informiert.
    Die Entscheidung, die Testungen (in den meisten Fällen wohl um vier bis sieben Tage) zu verschieben, haben die Grundschulen selbständig getätigt. Die Begründungen dazu können Sie dem Artikel entnehmen.

  4. Sehr geehrte Damen und Herren,
    die Initiative der Stadt Bergisch Gladbach, alle Schulen zum Wochenbeginn, also zum Beginn des Präsenzunterrichts an den weiterführenden Schulen, mit Schnelltests zu versorgen ist, aller ehren wert.
    Eine differenzierte Darstellung, wie diese “Vorbildaktion” für Grundschulen umsetzbar ist, wäre wünschenswert gewesen. Hier findet seit 2 Wochen der Schulbetrieb im wechselndem Präsenzunterricht statt. Ich kann nicht erkennen, dass dies in gleichem Maße von der Stadt unterstützt oder wertgeschätzt wurde.
    Das ist sehr schade.
    Mit freundlichen Grüßen
    Michael Jacobs

  5. Warum das Risiko von Grundschüler höher sein soll verstehe ich nicht. Hier glaubt doch nicht wirklich einer das alle Jugendlichen seit Januar brav zuhause bleiben und wenn Sie sich mal aus dem Haus wagen immer vorbildlich sich an die bestehenden Regeln halten.

    Die Schnelltest sind schon lange überfällig und ich hoffe, dass es nicht bei einer Einmalaktion bleibt.

    Mit freundlichen Grüßen

    Zwar kein Physiker aber einen Realschulabschluss kann ich vorweisen ;)

  6. Bitte nicht abheben liebe Frau Anna Steinmetzer, es braucht wirklich keinen promovierten Physiker, ein “durchschnittlicher Bürger” reicht da schon. Nach einem Jahr mit Corona sollte das Problem verstanden sein und falls nicht, keine Nachprüfung. Aber ob ich das (Frage: welches?) Risiko tragen kann???

    Corona fragt nicht.

  7. Ich frage mich allen Ernstes, wie man als Grundschulleiter:in zu folgender Erkenntnis kommen kann:
    “Die Stadt hofft nun, dass auch die Grundschulen das Verfahren in den Schulkonferenzen klären und die Tests in den kommenden Tagen einsetzen. Da der Präsenzunterricht hier ohnehin schon seit drei Wochen laufe habe es in den Grundschulen auch keinen Druck gegeben, ab Montag zu testen.”
    Als promovierte Physiker weiß ich, dass das Risiko der Grundschüler, nachdem sie nun schon seit drei Wochen im Wechselunterricht sind, eine Corona-Infektion zu haben, deutlich höher ist, als das Risiko derjenigen Schüler:innen, die bis heute keinen Präsenzunterricht genießen konnten. Demzufolge ist es umso dringlicher, schnellstmöglich die Grundschüler testen zu können.
    Aus eigener leidlicher Erfahrung muss ich sagen, wir haben bis zu dieser Minute keinerlei offizielle Informationen über die Testungen an der Grundschule unseres Kindes.