Hans-Martin Heider mit Anzeigenleiter Dieter Koch in der Druckerei

Vor 128 Jahren hat Johann Heider das „Volksblatt für Gladbach und Umgegend“ gegründet, jetzt geben seine Urenkel eine neue, ganz andere „Bergische Zeitung” heraus. Damit kehrt das Unternehmen „Heider Druck” ein Stück weit zu seinen Wurzeln zurück.

Am Mittwoch gaben die Brüder Hans-Martin, Roberto und Guido Heider den Startschuss: Innerhalb weniger Stunden wurden in der modernen Zeitungsdruckerei des Traditionsunternehmens an der Paffrather Straße 156.000 Exemplare der Erstausgabe der „Bergischen Zeitung – Bauen Wohnen Leben” produziert.

Die 16-seitige Zeitung im Berliner Format erscheint alle zwei Monate und wird kostenlos an alle Haushalte im Rheinisch-Bergischen Kreis sowie in Teilen des Oberbergischen Kreises verteilt. „Wir wollen unsere Stärken in die Waagschale werfen und selbst die Initiative ergreifen”, sagt Hans-Martin Heider, der für die Zeitung verantwortlich zeichnet. 

Damit deutet der Geschäftsführer auf die Entscheidung des Kölner Verlags DuMont hin, der 2016 die Aufträge des Bergisch Gladbacher Unternehmens gekündigt hatte. Dabei ging es vor allem um das Bergische Handelsblatt, das DuMont seither im eigenen Haus druckt.

Die eigene Zeitung, die seit dem 2. Weltkrieg „Bergische Landeszeitung” hieß, hatte Heider schon 1952 an den Heinen-Verlag abgegeben, der inzwischen auch zur DuMont-Gruppe gehört. Jetzt wird der Glabacher Drucker wieder ein Stück mehr Verleger und erfindet ein Branchen-orientiertes Anzeigenblatt.

Heider konnte bereits zuvor die verlorenen Aufträge zum Teil kompensieren und druckt inzwischen den Düsseldorfer Express (der zur Rheinischen Post gehört) – und nach wie vor die auflagenstarke VdK-Mitgliederzeitung, eine Teilauflage des Kickers und das Bundessteuerblatt. Darüber hinaus baute das Unternehmen eine neue Abteilung für Digitaldruck aus – und war immer als Verleger für regionale Bücher aktiv.

„Weg von der digitalen Überschwemmung”

Die eigentliche Stärke sieht das Familienunternehmen nach wie vor in der traditionellen Drucktechnik – und geht ganz bewusst auf Distanz zur allgegenwärtigen Digitalisierung. „Wir wollen weg von der digitalen Überschwemmung, hin zu entschleunigten Medien”, sagt Heider. Die drei letzten Ausgaben einer Zeitung auf dem Tisch seien viel nachhaltiger als die letzten drei Newsletter im Mail-Postfach, argumentiert er, plädiert aber auch für eine sinnvolle Ergänzung von digitalen und analogen Medien.

Bei der Produktion der neuen „Bergischen Zeitung” setzt Heider ganz auf das eigene Hauses und wenige Kooperationspartner. Die Redaktion wird – zusammen mit der PR- und Eventagentur Elke Strothmann – selbst betrieben, der Druck sowieso, und auch der Anzeigenverkauf unter Leitung von Dieter Koch.

„Wir haben schon lange einen bundesweiten Anzeigenverkauf für die Zeitungen unserer Kunden, jetzt arbeitet diese Abteilung auch hier in der Region”, erläutert Heider. Die Verteilung in alle Haushalte hat das Bonner Unternehmen Habel übernommen.

Ein Anzeigenblatt für die Baubranche

„Bauen Wohnen Leben” richtet sich an Haus- und Wohnungseigentümer sowie Mieter, soll über regionale Bau- und Wohnthemen informieren sowie Anregungen für Bau, Ausbau und Modernisierung liefern. In der Erstausgabe geht es unter anderem um regionale Baustoffe oder den lokalen Immobilienmarkt; die Kreispolizei informiert über die Einbruchsprävention und Oliver Schillings stellt seine Zeitschrift Architura vor. 

Viele Beiträge könnten aber auch in jeder anderen deutschen Stadt erscheinen. Im Aufmacher der Erstauflage geht es zum Beispiel um einen Vergleich von Fertig-, Massiv- und Architektenhaus. 

Damit liefert Heider das Umfeld für Anzeigen aus den angesprochenen Branchen. Ein Konzept, das Heider bereits im vergangenen Jahr mit einer anderen eigenen Zeitung weitgehend unbemerkt umgesetzt hat: Die Fachpublikation „Pflegemanagement” wird ebenfalls an der Paffrather Straße im Zwei-Monats-Takt produziert, allerdings per Post bundesweit vertrieben. Damit hat sich Heider als regionaler und überregionaler Verleger neu etabliert.

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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1 Kommentar

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  1. Das finde ich toll
    Auf diese Art Zeitung habe ich schon sehr lange drauf gewartet
    Sie ist sehr informativ und belichtet viele Bereiche die im öffentlichen Interesse stehen
    An dieser Stelle Vielen Dank
    Margarete Romani -Lenzhoelzer