Die Papierfabrik Zanders gibt es nicht mehr, nun soll das ganze Areal einer Konversion unterzogen werden. Foto: Thomas Merkenich

Das Wirtschaftsgremium Bergisch Gladbach der IHK Köln hat mit der neuen Stadtspitze über die Zukunft der Mobilität und die Zukunft des Zanders-Gelände diskutiert. In beiden Punkten warnen die Unternehmensvertreter vor zu viel Wandel.

Bürgermeister Frank Stein ist bei den Sitzungen des Wirtschaftsgremiums immer dabei, bei der jüngsten virtuellen Sitzung stellte sich auch der neue Beigeordnete Ragnar Migenda vor, der unter anderem für den Klimaschutz und die Stadtentwicklung verantwortlich ist.

Man sei sich einig gewesen, dass in Bergisch Gladbach eine Verkehrswende notwendig sei, berichtete die IHK im Anschluss. Pressevertreter sind bei diesen Sitzungen nicht zugelassen.

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Allerdings dürften die Wirtschaftsverkehre nicht eingeschränkt werden, argumentierte Fabian Rensch, Vorsitzender des Gremiums und Geschäftsführer der DEUTA Group GmbH: „Unsere Unternehmen sind auf eine leistungsfähige Infrastruktur angewiesen, um sowohl für den Güterverkehr als auch für die Mitarbeitenden erreichbar zu sein.“

Warenverkehr auf leistungsfähige Straße angewiesen

Durch den Trend zum Homeoffice könne zwar ein Teil des Verkehrs vermieden und auf dem Weg zum Arbeitsplatz vermehrt alternative Verkehrsträger genutzt werden. „Beim Warenverkehr sind unsere Unternehmen aber weiterhin auf leistungsfähige Straßen angewiesen,“ betonte Rensch.

Um das Thema zu vertiefen das Wirtschaftsgremium einen Arbeitskreis Mobilität gegründet. „Der Arbeitskreis soll im Dialog mit der Stadtverwaltung die Belange der Wirtschaft in die Mobilitätsplanung der Stadt einbringen und gleichzeitig die Unternehmen für innovative Mobilitätsangebote begeistern“, sagte Eva Babatz, Leiterin der IHK-Geschäftsstelle Leverkusen/Rhein-Berg.

Unterstützung für Zanders-Beschäftigte

Bürgermeister Frank Stein habe das Gremium über die aktuelle Situation bei Zanders informiert. Er die Unternehmer:innen um Unterstützung bei der Übernahme der freigestellten Zandrianer. Die Stadt organisiere zusammen mit weiteren Institutionen eine Jobbörse, um möglichst viele aus der gut ausgebildeten Zanders-Belegschaft in der Stadt zu halten.

Die IHK Köln unterstützt die Auszubildenden des Unternehmens bei der Suche nach Betrieben, in denen sie ihre Ausbildung fortsetzen können.

„Größen Teil des Areals für Gewerbe vorsehen“

Das IHK-Gremium forderte, dass bei der Entwicklung des 35 Hektar großen Zanders-Geländes auch wirtschaftliche Belange berücksichtigt werden. „Vergleichbar mit dem innenstadtnahen Steinmüllergelände in Gummersbach oder der Neuen Bahnstadt in Opladen können wir uns in einem Teilbereich sehr gut einen Mix aus Wohnen, Arbeiten und Freizeit vorstellen“, sagte Rensch.

„Der größte Teil sollte aber weiterhin für gewerbliche Nutzungen vorgesehen werden, um expansionswilligen Bergisch Gladbacher Unternehmen Perspektiven aufzeigen zu können,“ betonte der Vorsitzende des IHK-Gremiums.

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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8 Kommentare

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  1. Kleingewerbe gemischt mit sozialer Wohnbebauung wäre doch denkbar. Dabei sollte man bedenken, dass durch Betriebe ein An- und Abfahren erforderlich wird und zwar über den Tag. Die Möglichkeit einer Bebauung des Neuborner Busches sollte man nun nicht dem ausgeschiedenen Bürgermeister allein zuordnen. Daran war die Koalition außer den Grünen, welche sich ziemlich kleinlaut enthielten, mit getragen.

  2. Es wird höchste Zeit, eine zukunftsbezogene, menschen- und klimagerechte Stadtplanung für eine lebenswerte Stadt in diesem Jahrzehnt voranzutreiben. Und viele waren froh, das an die Stelle eines unkreativen Geistes neue Köpfe Einzug halten, schon kommt die an alten Modellen orientierte Verwaltungsmentalität über die Bezirksregierung wieder zurück.

    Armes, gebeuteltes Bergisch Gladbach.

  3. Die IHK bzw. ihr Ableger „Wirtschaftsgremium für Bergisch Gladbach“ trauen sich was. Selbst in großen Nöten steckend, was Vorstand, Geschäftsführung, Immobilie etc. anbelangen, von vielen Unternehmern ob der Zwangseintreibung von Beiträgen ohne nennenswerten Gegenwert schon lange kritisiert, ein um sich selbst drehender Koloss will GL vorschrieben, wie die Entwicklung auf dem Zandergelände auszusehen hat. Die Herrschaften scheinen immer noch auf einem Trip zu sein, der sich im Zuge der Pandemie als falscher Weg erwiesen hat. Wirtschaft und motorisierter Individualverkehr haben da immer noch Vorrang, Wirtschaftlichkeit vor Gemeinwohl, die Zeichen der Zeit negierend, Mammon ist Gott.

    Diese der Bevölkerung nicht geneigte Selbstinitiation will den Bahndamm als LKW-begünstigte Straße, das Zanders-Gelände im Wesentlichen als Gewerbegebiet und am liebsten alle im Flächennutzungsplan verschwundenen Industrie- und Gewerbegebiete wiederbeleben. So also sieht es aus, wenn die IHK meint, für die Millionen, die sie zwangseintreibt, etwas zu tun.

    Besonders pikant taucht dann unser ehemaliger Bürgermeister auf, der, wehe dem, der Böses dabei denkt, zukünftig in diesen Besprechungen mitreden wird. Als Kenner GLs wird er der Wirtschaftsförderung Tipps geben können, die diese Herrschaften nicht kennen können. Dabei fällt mir ein, dass z.B. der Trick der Firma Krüger, mit einem Seiteneinsteigerantrag, im Neuborner Busch ein riesiges Gebäude zu setzen, den FNP zu umgehen, immer noch auf dem Tisch liegt. Sicher für die IHK auch der Unterstützung wert.

    Was wird noch aus dieser Richtung kommen? Herr Molitor betrachtet ja das Perlenband rund um Köln, in dem die dort ansässigen Kommunen die Perlen sind, als zwingend verantwortlich, die Fehler, die Köln in 50 Jahren hinsichtlich Mobilität und Wohnungsbau machte, zu heilen. All diese Bestrebungen dürfe wir nicht zulassen.

  4. Fast möchte man meinen, die Damen und Herren des Wirtschaftsgremiums haben den verkehrten Kompass hier im Dorf.

    Die größte Veränderung in der Stadt seit der kommunalen Neuordnung, auf der einen Seite mehr als schmerzlich vor allem für die direkt betroffenen Mitarbeiter und Zulieferer, aber auf der anderen Seite auch nach mehr als 30 Jahren Leidensweg für diese Stadt wie ein Befreiungsschlag.

    Ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt grundlegender Veränderungen in dieser Stadt, da warnen die Unternehmensvertreter sowohl in der Mobilität, als auch für die Zukunft des Zanders Geländes vor zu viel Veränderung. Wie glaubwürdig ist das denn? Da muss man sich fragen, von welcher Angst sind sie getrieben? Die Sorge, dass Pfründe verloren gehen, die kann es eigentlich nicht sein.

    Stattdessen sollte hier im Zentrum Aufbruchsstimmung die Tristess der vergangenen Jahre ablösen. Dann müsste die Botschaft aber deutlich anders aussehen, es müssten sich Konturen im nachhaltigen Handeln ablesen lassen. Es gab Zeiten in dieser Stadt, da waren die Unternehmensvertreter mit Ideenreichtum, Innovationen, Risikobereitschaft und wirtschaftlicher Kraft Treiber der zukunftsorientierten Veränderung.

    Das Gefühl ist seit längerem mehr als gedämpft und findet hier erneut Bestätigung. Warum ist das so?

  5. Am Fell des Bären wird gezerrt, bevor er ganz kalt ist. Die Anteil nehmenden Worte sind umgehend verklungen.

    Dabei gilt aus Sicht von Industrie und Handel offensichtlich: Nur keine zu große Veränderung! Vorsorglich schon einmal Flächen sichern.

    @Herr Puijn: Ja, mit Herrn Urbach in der Bezirksregierung wird unser Umfeld nicht bürgerfreundlicher und nicht klimabewusster. Als unser Stadtrat ihn im März zum Ehrenbeamten ernannt hat, wurde diese Entwicklung schon sichtbar. Die Rolle als sog. Fachkundiger Bürger der CDU im Stadtrat von Bergisch Gladbach hatte Herr Urbach da ja bereits.

  6. Die fast 400 neue Arbeitslose, die jetzt um ihre Existenz bangen, werden die Steuerzahler*innen sehr sehr viel Geld kosten. Das ist ein massiver Einschnitt.

    Aber auch die fast 1 Mio € jährlich Mietausfall für die Papierfabrik Zanders. Genau sind es 12×80.000 € monatliche Miete und damit 960.000 € jährlich, die der Stadt jetzt bei der Kalkulation fehlen. Bis da ein neuer Mieter und neues Gewerbe für das Gelände gefunden ist, können Jahre oder Jahrzehnte vergehen!

    Woher kommt die Kohle jetzt, liebe Stadtspitze?

  7. Die IHK ist seit je her Treiber für den Bahndamm. Als Beisitzer im Vorstand Autobahnzubringer e.V. ist ein langverdienter IHK Mitarbeiter, seit kurzem im wohlverdienten Ruhestand, aktiv am unterstützen. Über die Regionale 2025 wird das Projekt Zanders-Areal über die Bezirksregierung Köln begleitet und plötzlich taucht unser Altbürgermeister Urbach in neuer Funktion als Abteilungsdirektor zuständig u.a. für die Landesplanung, die Regionalentwicklung sowie für die Kommunalaufsicht u.a. für den Rhein-Bergischen-Kreis auf. Dafür hat er sogar einen Karriereknick nach seiner Amtszeit als Bürgermeister auf sich genommen. Wie ich finde, eine sehr interessante Konstellation, die von der Bürgerschaft sehr aufmerksam verfolgt werden sollte. Das Zanders-Areal ist für die Zukunft von Bergisch Gladbach von entscheidender Bedeutung und da ist doch klar, dass die Opposition ihren Einfluss ausbauen und sichern möchte.

  8. [Es schreibt der Mensch, der dieses Pseudonym seit mehreren Jahren nutzt und dessen Name der Redaktion vorliegt…]

    Vermutlich ist man in der IHK ganz froh, dass keine Medienvertreter anwesend waren. Schließlich möchte man in Ruhe u.a. für den Umbau des Bahndamms zu einer Verkehrsstraße und damit der Zerstörung von Naherholungsgebieten und einer ernomen Zusatzbelastung vieler Wohngebiete werben.

    Zur Wahrheit der Zanders-Insolvenz gehört aber auch, dass nun ein massiver Rückgang des Transportvolumens durch LKW in unserer Stadt erfolgt. Wenn nun bei der Konversion der Flächen umsichtig geplant wird, z.B. durch autofreie Wohngebiete in der Nähe der S-Bahnstrecke und des Busbahnhofes, können auch die heute vom Verkehr stark belasteten Stadtteile profitieren. Die Fehler der Vergangenheit, also die Entwicklung von Produktionsstandorten fernab der Autobahnen und Rückbau der Gleisanschlüsse, sollten nicht wiederholt werden.