Vor allem die Grundschulen (im Bild: Frankenforst) sollen Luftfilter erhalten; aber auch die Klassen 5 und 6 der weiterführenden Schulen. Foto: Thomas Merkenich

Mit einem Dringlichkeitsbeschluss haben Bürgermeister und Stadtrat entschieden, nun doch mobile Luftfilter für die Klassen zu kaufen, in denen Schüler:innen unter 12 Jahren unterrichtet werden. Die Anschaffung zum Schutz der Schulen in der vierten Corona-Welle wird allein aus dem städtischen Haushalt finanziert.

In der letzten Sitzung vor den Schulferien hatte der Stadtrat lange und am Ende ohne Ergebnis über die Anschaffung mobiler Luftfilter für die Schulen diskutiert, erst in den Ferien kam Bewegung in das Thema – die Ampelfraktion beantragt die Anschaffung wenigstens für die Klassen 1 bis 6, auf städtische Kosten. Dem schlossen sich CDU, Freie Wähler und Bürgerpartei jetzt an, lediglich die AfD positionierte sich dagegen.

Bürgermeister Frank Stein und die Spitzen der Fraktionen von CDU, Grünen, SPD, FDP, Freie Wähler und Bürgerpartei hätten entschieden, dass für Klassenräume an den 20 Grundschulen und zwölf weiterführenden Schulen Luftfilteranlagen angeschafft werden, teilte die Stadt am Freitag mit. Die Gesamtzahl der Luftfilter bliebt dabei offen, in einem ersten Schritt sollen es 150 sein.

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Dringlichkeitsbeschlüsse können von Bürgermeister Frank Stein gemeinsam mit mindestens einem Fraktionschef gefasst werden und müssen später vom Stadtrat bestätigt werden.

In der letzten Ratssitzung im Juli hatte die Stadtverwaltung erläutert, dass die Förderprogramme von Bund und Land für Luftfilter auf die eigenen Schulgebäude kaum anwendbar seien, da die Voraussetzungen nicht erfüllt seien. Die meisten Räume seien gut zu lüften, die Wirksamkeit der Filter sei umstritten – und die Stromnetze der Schulen reichten für die Aufrüstung aller Räume nicht aus.

Nun überwog aber ein anderes Argument, berichtet die Stadtverwaltung: Schülerinnen und Schüler unter zwölf Jahren besitzen keine Möglichkeit, sich mit einer Impfung zu schützen.

Stein begrüßte den Beschluss: „Die von der Landesregierung als ausreichend und daher nur als förderfähig bewerteten Maßnahmen für die Schulen reichen nicht aus. Deshalb werden wir jetzt die Beschaffung von mobilen Raumluftreinigungsgeräten für Räume, in denen Schülerinnen und Schüler unter zwölf Jahren unterrichtet werden, veranlassen. Da das Land NRW dies nicht finanzieren will, geht das komplett zu Lasten des städtischen Haushalts.“

In der Ratssitzung im Juli hatte die Stadt die Kosten in einer ersten Schätzung auf 2,5 bis 5 Millionen Euro geschätzt.

Ausschreibung läuft jetzt an

Allerdings können die Fachabteilungen erst jetzt mit der Ausschreibung beginnen. Zudem müsse an den Gebäuden untersucht werden, wieviel Stromlast möglich ist. Schon jetzt sei klar, dass nicht alle 700 Räume, die in Frage kommen, mit den Elektrogeräten bestückt werden können.

„Die Corona-Pandemie zeigt uns immer wieder, dass Theorie und Praxis nicht direkt zusammenpassen, daher benötigt das Projekt Zeit“, erläutern die für Schule, Hochbau und Finanzen zuständigen Dezernenten Ragnar Migenda und Thore Eggert. Auch das Prozedere der Ausschreibung sowie die Finanzierung müssen jetzt von der Verwaltung ausgearbeitet werden.

In einem ersten Schritt will die Stadt 150 Geräte anschaffen und damit erste Erfahrungen für weitere Maßnahmen sammeln.

Nach wie vor gilt, dass die Klassenräume in Bergisch Gladbach nach den Kriterien der Landeregierung auch in der Pandemie keine akute Gefährdung darstellen – weil die Fenster für eine Lüftung ausreichend geöffnet werden könne. Aber gerade dieses permanente Lüften will die Stadt in der kalten Jahreszeit vermeiden, weil es den Unterricht beeinträchtige.

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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2 Kommentare

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  1. Selbst wenn die Verwaltung es in den kommenden Wochen hinbekommt, eine Ausschreibung loszutreten, auf dem Markt müssen die 150 Geräte auch vorhanden sein, vermutlich werden nun immer mehr Kommunen selbst aktiv werden und den Markt für Mobile Luftfilter leerkaufen.

    Und beim Thema Luftfilter hat wohl jeder bereits seit Anfang des Jahres gesagt, dass die Politik aktiv werden muss, dieses mal gibt es keine Ausrede.

  2. Zitat:
    „Die Corona-Pandemie zeigt uns immer wieder, dass Theorie und Praxis nicht direkt zusammenpassen, daher benötigt das Projekt Zeit“, erläutern die für Schule, Hochbau und Finanzen zuständigen Dezernenten Ragnar Migenda und Thore Eggert.

    Zeit? Haben wir die jetzt nach den vielen Monaten der Pandemie noch? Werben für „Zeit“ als eines der Statements macht mich wahnsinnig – DAS Entschuldigungsmittel schlechthin… Wahrscheinlich kommen dann die Geräte kurz nach dem Winter in die Schulen. Die Verwaltung muss dringend reformiert werden, damit sie die Gesellschaft nicht ausbremst. Alle rechtlichen Möglichkeiten für eine schnelle Umsetzung des Beschlusses müssen genutzt werden, da erst jetzt mit der Evaluierung begonnen wird (18 Monate nach Beginn der Pandemie).