Das Programm „Kultursommer 2021″ beinhaltete im Rheinisch-Bergischen Kreis eine bunte Palette von Veranstaltungen rund um Musik, Malerei, Theater. Eine Performance an der Treppenanlage der Schlossgalerie verwirrte die Gäste mit unsichtbaren Kunstobjekten. Performancekünstler Rolf Hinterecker erklärte das Nichts im Atelier.

Zum Abschluss des Kultursommers in Stadt und Kreis war für den 16. Oktober eine Performance im öffentlichen Stadtraum von Künstlerinnen und Künstler der freien Szene aus der Region. Fünf Künstlerinnen und Künstler enthüllen an der breiten Treppenanlage an der Schlossgalerie in Bensberg ihr „Meisterwerk“.

Es blieb jedoch für die „Betrachter“ unsichtbar, was zu einer gewissen Verunsicherung der Gäste führte. Die Bilder „enthüllten“ Jutta Dunkel, Rolf Hinterecker, Hiroko, Veronika Moos, Michael Wittassek in ihrem Projekt der Galerie im Wiesengrund.

Doch für das „Nichts“ gab es Erklärungen, eine Auflösung, wie Performance-Künstler Rolf Hinterecker offenbart. Er erwartete die Gäste am folgenden Sonntag (17.10.) in seinem Atelier. Hier konnte Kunst sichtbar werden für diejenigen Betrachter:innen, die weiter blicken wollten.

Zuerst also hieß es: „Verborgenes tritt langsam an die Oberfläche, Unbekanntes kann ausfindig gemacht werden, da es über Sprache enthüllt wird. Die Qualitäten eines Werkes, die sonst unsichtbar blieben, offenbaren sich: Ein Meisterwerk, eben weil es nicht gesehen wird. Frei nach Balzacs Novelle „Das unbekannte Meisterwerk“.

Für Rolf Hinterecker ist Performance-Art eine seiner wichtigsten Werkgruppen und so lag der Gedanke, dass unsichtbar auch unsichtbar bedeutet, nicht fern. Wie dieses „Nichts“ an eigentlich präsentierter Kunst die Zuschauerinnen und Zuschauer erreicht, wollte Rolf Hinterecker nicht einordnen.

Vielmehr öffnete er am Sonntag die Pforte zu seinem Bergisch Gladbacher Atelier. Hier gab es „die Auflösung“.

Die Ideenschmiede in der eigenen Phantasie anwerfen, hieß es an diesem Tag. Auch wenn im Atelier kein Sternenmeer zu sehen war, kein Vogelschwarm die Geschichte beschleunigte, gab es kleine und größere „Zeichen/Dinge“, die sich den Betrachter:nnen zu nähern schienen.

Die sich zusammenfügen konnten zu einem Bild/Objekt, Gedankengang. Figuren, Pflanzen, Alltagsgegenstände, Verpacktes mit vielfältigem Inhalt, Köpfe und überall „ganz viel“ für ein Zusammenspiel von Gedanken zum jetzt möglichst sichtbar werdenden – einzigartigen – im Kopf „geparkten“ Kunstwerk. (Materialien, siehe Fotos aus dem Atelier)

Was Rolf Hinterecker hier „eingefangen“ hat wartet still und leise darauf, wieder ins öffentliche Geschehen zu kommen. Die Aussichten sind nicht so schlecht, sagt der Künstler. Er hat mit den nachfolgenden Worten ins Atelier eingeladen. An dem Tag nach der Präsentation des unsichtbaren Kunstwerkes – was er wörtlich genommen hatte.

„Morgen könnt ihr in meinem Lager – das ich für dieses Projekt zu einem temporären Atelier umgebaut habe – in diesen unaufgeräumten Kosmos schauen. Es gibt hier kein Meisterwerk. Aber vielleicht schier endlose Möglichkeiten eins zu schaffen. Ich hoffe immer, es findet sich etwas zusammen. Ich muss nur warten und die richtigen Dinge zusammenbringen. Das ist auch ein Wettlauf mit der Zeit. Und wenn ich sterbe, wer kümmert sich dann um diese Dinge, bevor sie irgendwann mit unserem Erdball in 1 oder 2 Milliarden Jahren verglühen? So ganz genau weiß man es noch nicht. Aber einige kluge Menschen forschen daran. Allerdings: kurzfristig geht eh nichts verloren, es wechselt allenfalls den Aggregatzustand – bestenfalls von Müll zur Kunst!“

Der Kultursommer

Der Kultursommer 2021 wird im Programm Kultursommer 2021 durch die Beauftrage der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) mit Mitteln aus NEUSTART KULTUR gefördert.

Helga Niekammer

ist freiberufliche Journalistin (Text und Bild), weitere Berichte und Fotos finden Sie auf bensberg-im-blick.de.

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