Der Meisterbetrieb Kroppenberg in Bensberg gehört zu den wenigen Familienbetrieben, die sich noch der eigenen Herstellung von Torten, Pralinen und Eis widmen. Hermann und Maria Kroppenberg verbinden feste Grundsätze mit Innovation, setzen auf das Ladengeschäft und auf eine Caféhaus-Atmosphäre in Zeiten der Rastlosigkeit. In dieser Serie stellen wir Handwerker in Wort und Bild vor, die vom Aussterben bedroht sind.

Text: Holger Crump, Fotos: Thomas Merkenich

Gibt es auch Vollkornkuchen? „Wenn einer Kuchen möchte, dann will er kein Knäckebrot!“ Hermann Kroppenberg ist Konditormeister aus Leidenschaft. Und backt seine Kuchen und Torten nach alter Tradition. Mit allem was dazu gehört. Vollkornmehl eher weniger. Und ohne Rücksicht auf Kalorien. Das schmeckt man.

Fast 95 Jahre bewirtet die Familie Kroppenberg bereits Kunden mit ihren Köstlichkeiten. In vierter Generation ist das Familienunternehmen nunmehr aktiv. Mit Tocher Maria steht die Nachfolge bereits fest.

Start mit dem Waldcafé

„Angefangen hat es mit dem Waldcafé Haus Hummelsbroich im Jahr 1927″, erklärt Hermann Kroppenberg. Sein Großvater habe das Haus gekauft und das Café groß gemacht. 600 Plätze und 21 Servierkräfte arbeiteten im „Paradies im Tannenwald“, unweit der heutigen Autobahn A4.

Fotos (C) Kroppenberg

„Die Kölner kamen mit der Bahn zu uns, da wurde am Sonntag noch richtig Kuchen gegessen, und nicht nur ein Stück“, weiß er zu berichten.

Ende der 1970er Jahre war damit Schluss: Das Waldcafé, eine Jugendstil-Villa, musste der heutigen Bundesanstalt für Straßenwesen weichen und wurde abgerissen. „Das gäbe es heute nicht mehr“, sagt Kroppenberg.

Doch die Familie hatte Glück im Unglück: Bereits 1955 hatten sein Vater und dessen Bruder, Konditor und Kaufmann, eine Filiale in der Bensberger Innenstadt gegründet. Da hatte man wenigstens noch ein Standbein in der Innenstadt.

Die Ladentheke im Café Kroppenberg sowie die Gründer des Waldcafés und Großeltern von Hermann Kroppenberg und seine Eltern. Fotos (C) Kroppenberg

300 Jahre am Ort

Seit 1996 befindet sich Café Kroppenberg nun in der Eichelstraße. Das Fachwerkhaus gehört Hermanns Frau Angela, die aus der Konditorenfamilie Allexi stammt. Es befindet sich seit über 300 Jahren im Familienbesitz.

Dort arbeitet Hermann Kroppenberg zusammen mit seiner Frau und der Tochter im Meisterbetrieb Café Kroppenberg. Seit knapp 95 Jahren ansässig in Bensberg. Die Tocher ist ebenfalls Konditormeisterin und wird den Betrieb übernehmen. „Sie hat eh schon die Fäden in der Hand“, schmunzelt der Senior-Chef, „und macht die Backzettel.“ Sie würden gut zusammenarbeiten, hätten sich noch nie in der Wolle gehabt.

Maria Kroppenberg in der Backstube. Foto: Thomas Merkenich

Als Konditor haben sie sich seit jeher den süßen Versuchungen verschrieben. Stellen Eis, Pralinen, Torten und Kuchen her, bieten Schokolade, Marzipan, Stollen und Kekse an. „Die süße Richtung eben“, erläutert Kroppenberg.

Im Gegensatz dazu produzieren Bäcker eher Brot und Brötchen sowie Teilchen. Aber die Grenzen dazwischen sind mittlerweile fließend.

Start am frühen Morgen

So wie auch bei Qualität und Geschmack, auf welche die Kroppenbergs höchsten Wert legen. Werktäglich um 05.30 Uhr geht in der Backstube das Licht an. Dann startet die Tochter gemeinsam mit einem Meister und einer Gesellin die Herstellung ihrer Kreationen. Es geht um Ware die täglich im Laden verkauft wird. Die muss zur Öffnung um neun Uhr parat sein.

Foto: Thomas Merkenich

Er selbst komme mittlerweile etwas später, kümmere sich um die weniger zeitkritischen Produkte, berichtet der Senior-Chef. „Das ist mein Gnadenbrot“, schmunzelt er. Wohlwissend, was er an Erfahrung und Können über die Jahre hinweg gesammelt hat. Und wovon der Betrieb immer noch profitiert.

Vorne im Ladengeschäft und im Café hat seine Frau das Sagen. Es geht zu wie im Taubenschlag, die Kunden geben sich die Klinke in die Hand. Die meisten kennen sich, für jeden gibt es ein persönliches Wort. Es ist eine herzliche und heimelige Atmosphäre, weit weg vom seelenlosen Selbstbedienungs-Charme der Bäckerei-Ketten, welche die Innenstädte fluten.

Über allem schwebt ein verführerischer Duft nach frisch Gebackenem, Café, Gewürzen. Das Auge schweift über prall gefüllte Auslagen mit zahlreichen Torten, Zimtschnecken, dem obligatorischen Piefekääl, Stollen und Plätzchen.

Ladengeschäft statt Webshop

„Es gibt nichts Gutes, das man nicht noch besser machen kann“, heißt es in einer der Kunden-Informationen, welche die Kroppenbergs zu ihren Stollen, Frühstücksangeboten oder dem Marzipan verteilen. Aber sie bleiben „bei ihren Leisten“, wie das alte Sprichwort so schön sagt.

Auch wenn es den ein oder anderen überregionalen Kunden gibt, sehen sie ihren Markt hier in Bensberg. Sie erliegen nicht der Versuchung, größer zu werden oder im Internet neue Vertriebskanäle zu erschließen.

„Ich sitze ohnehin schon genug im Büro“, lautet eines von Kroppenbergs Argumenten gegen das Online-Business. Im Ladengeschäft könne man sich zudem besser um die Kunden kümmern. „Die Kunden finden ein wenig Tratsch schön, man erzählt sich kleine Geschichten, das ist wichtiger und nachhaltiger als das Online-Geschäft.“

Gutes Porzellan

Zudem könne man besser auf Kundenwünsche reagieren, bemerken was gut läuft und was eher liegenbleibt. „So haben wir ein Standard-Angebot entwickelt, das sich eher zäh weiterentwickelt“, sagt der Konditormeister über seine Kaffeetasse hinweg. Klassiker wie die Punschtorte gebe es zum Beispiel seit er denken könne.

Die Kaffeetasse, das merkt man beim Kaffeetrinken, ist noch aus gutem Porzellan. Ihm sei ein schön gedeckter Tisch wichtig. Dazu gehöre eben Porzellan, feines Besteck und auch das Zuckerschälchen. Etwas anderes komme nicht auf den Tisch.

Keine Halbfertigartikel

Reine Konditoreien gibt es immer weniger, antwortet er auf die Frage nach der Zukunft seines Handwerks. Ihm falle aus dem Stand keiner in der Nähe ein. Warum werden sie immer weniger, die Konditoren?

Als erstes nennt er den Aufwand. Er nutze keine „Halbfertigartikel“, keinen Käsekuchen-Mix, den jeder nach Backanleitung ohne Ausbildung backen könne. Man mache hier vor Ort alles von „A bis Z“ selbst, das sei vielen heute zu aufwändig.

Und ja, das habe seinen Preis. Der Markt sei immer weniger bereit für die Ware zu zahlen. Das führe gleichfalls dazu dass die Konditoreien immer weniger würden.

Warum kosten unsere Piefekääls 2,20 Euro? Weil sie es wert sind!

Aus dem Flyer „Der Weckmann, im Bergischen auch Piefekääl“ des Café Kroppenberg
Foto: Thomas Merkenich

Kroppenbergs zehn Gebote

Dagegen setzt Kroppenberg seine zehn Gebote. Darin erklärt er sein Verständnis von Handwerk, Qualität und Service. „Bei uns werden Sie bedient und nicht abgefertigt“, lautet das erste Gebot.

Man produziere alle Waren selbst, so ein weiteres Credo. Das Café setze auf hiesige Produkte, kaufe wenn möglich bei Händlern der Region, das erhalte Arbeitsplätze. Zudem plane man in der Backstube umsichtig und vermeide so, dass Lebensmittel weggeworfen werden müssten. Ruinös niedrige Preise, als Alibi für schlechtere Qualität, oder Abstriche bei der Hygiene, all dies sei tabu.

„Wir sind uns sicher, dass Ihnen diese Grundsätze ein paar Cent mehr wert sind“, heißt es am Ende der zehn Gebote. Vielleicht sind sie der Grund, warum die nächste Generation weiter machen kann und diese Konditorei eben nicht dicht machen muss?

Bemerkenswert: Die zehn Gebote wirken mitunter etwas althergebracht. Aber letztlich formuliert der Familienbetrieb damit auch, was heute als „buy local“ und Nachhaltigkeit heiß diskutiert wird und in der Wirtschaft wieder Fuß fasst.

Kulturtechniken gehen verloren

Kroppenberg bildet aus, legt Wert auf alte Kulturtechniken. „Die werden aber auch immer seltener“, moniert er. Nennt als Beispiel das „Schminken“ von Marzipan: Nachbildungen von Obst, aus Marzipan, die farbenfroh und naturgetreu gestaltet werden.

Foto: Thomas Merkenich

Oder die Herstellung von Baumkuchen, von Pralinen, von Plunder- und Hefeteigen oder Torten. Backmischungen nach Anleitung zusammenrühren und abbacken, das könne jeder. Kroppenberg geht es aber um die Basics, und die würden immer weniger vermittelt. Das sei ebenfalls ein Grund, warum es immer weniger Konditoren gebe.

Azubis schwer zu finden

Auch bei Mitarbeitern tue man sich schwer. „Selbst einfache Dinge wie die Aufbereitung von Obst ist jungen Menschen heute kaum mehr bekannt“, schüttelt er den Kopf. Er fordere Motivation und Spaß an der Arbeit, Verlässlichkeit, Pünktlichkeit, solide Bildung, Teamorientierung. Werte, die wie aus der Zeit gefallen scheinen, für ihn als Arbeitgeber und Ausbildungsbetrieb aber enorm wichtig sind.

„Das sind eigentlich selbstverständliche Anforderungen. Dennoch wird es immer schwieriger, noch gute Auszubildende zu finden.“

Gut, die unattraktiven Arbeitszeiten seien ihm schon bewusst. Wer Samstagmorgen früh raus muss, kann Freitagabend nicht lange feiern gehen, findet daher vielleicht weniger gut einen Partner. Und auch die Bezahlung sei nicht so attraktiv wie in anderen Berufen.

Gegen den Trend

Dennoch, der Meisterbetrieb Kroppenberg sollte das das 100. Jubiläum im Jahr 2027 getrost ins Auge fassen. Das Geschäft läuft gut, scheint auch gegen aktuelle Ernährungstrends immun zu sein: „Sind Torten gesund? Zumindest nicht gesundheitsschädlich“, grinst Hermann Kroppenberg.

Und mit einer gesunden, im besten Sinne konservativen Haltung hat sich die Familie gut aufgestellt. Vielleicht ist ein gewissen Maß an Resistenz gegen schnelllebige Trends, die klare Kante und das Festhalten an bewährten Grundsätzen das Erfolgsrezept der Konditorei in der Eichelstraße.

Erfindungsgeist

Hinzu kommt sicher auch eine gesunde Portion an Erfindungsgeist. Das betrifft nicht nur neue Kreationen. So bietet Kroppenberg Foto- und Bildertorten an, um den Kunden individuelles Gebäck zu jedem Anlass anbieten zu können. Zu einem akzeptablen Preis.

Zudem hat Hermann Kroppenberg die Torte in Längsform eingeführt. „Runde Torten sind in der Auslage schwierig, man muss die Ware immer wieder umstellen, das macht den Verkauf nicht einfacher.“

Die Torte in Längsform wird hingegen in langgezogenen Rechteckformen produziert und verkauft. „So können wir die Torten nebeneinander in der Auslage präsentieren.“ Und die Tortenstücke würden gut in Form bleiben: „Da stößt nicht Spitze an Spitze, das sieht einfach besser aus, nichts bröckelt weg“, erklärt er.

Die Formen hätten sie eigens dafür herstellen lassen. Wieder so ein kleiner Baustein, der das Café Kroppenberg so besonders macht. Und in Summe mit den vielen anderen Ideen und Grundsätzen dabei hilft, dass diese Konditorei nicht so schnell von der Bildfläche verschwindet.

Holger Crump

ist Reporter und Kulturkorrespondent des Bürgerportals.

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8 Kommentare

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  1. …. man möchte noch ergänzen: so ganz aus der Zeit gefallen, wie es hier in manchem Satz anklingt, ist die Konditorei Kroppenberg dann doch nicht! Ich sag nur: Webcams in der Backstube! Esperanto! Und für jedes kleine Problemchen eine tüftelige Lösung. Alleine die Tortenbleche sind genial.
    Danke für gute Ratschläge, die Zeit für ein Schwätzchen und die vielen köstlichen Erzeugnisse!

    (Und Dank an Markus Bollen! Wir haben uns über Hermann Kroppenberg kennengelernt!)

  2. ……und nicht zu vergessen, nach dem wunderbaren Kuchen ging es auf die wunderbarste Schaukel im Hummelsbroich, die einzig Wahre in Bensberg. Leider konnten die Kroppenbergs die nicht zum „Allexi“ mitnehmen. Viel Glück und Erfolg auch der nächsten Generation!

  3. Das Café werde ich immer mit dem allerersten Tag des Rentenbeginns verbinden, wo es am Nachmittag nach einer Wanderung ins Café Kroppenberg ging.
    Herrlicher Tag!
    Schön dann auch die „Begrüssung“ von einem Tischnachbarn, der mir mitteilte, dass ich nun beim „Besten Arbeitgeber“ auf der ganzen Welt angestellt sei. Er sei schon über 20 Jahre dabei :-)

  4. Herr Kroppenberg ist auch ein großer Lehrmeister! Wer die Kunst seiner Meisterschülerin Eva Oelze probieren will, braucht nur nach Unterbörsch in ihre Chocolounge zu fahren. Für Freunde der gepflegten Naschkultur das reinste (Pralinen-) Paradies! https://chocolounge.info/ „Schokolade löst keine Probleme, aber das tut ein Apfel ja auch nicht. „

  5. Viele tolle und gute Erinnerungen: Puddingteilchen, Rosinenschnecken, Bienenstich, das leckere Brot „vum Alexi“ und zum Muttertag die Erdbeertochte in Herzform , selbst die Stühle vom Hummelsbroich tun heute noch ihren Dienst

  6. …..seit Jugendtagen unverzichtbar, frischen Blatz mit Rosinen und Leberwurst oder gekochtem Schinken. Natürlich auch die Plunder Bretzel mit Marzipan, den Stollen, die Punschtorte, die Zitronentorte oder das Eis…. und immer wieder der leckere Spekulatius. In über 75 Jahren kein Qualitätsverlust….besser geht’s kaum.

  7. Bensberg,
    Café Kroppenberg ein Muss für Alle, die in individueller Räumlichkeit lecker Torte essen möchten. Die Auswahl ist unglaublich, der Geschmack der gewählten Köstlichkeit ebenfalls.
    Lecker, lecker…..