Bereits zum zweiten Mal hat der Ganey-Tikva-Verein zum öffentlichen Anzünden der Chanukka-Kerzen in Bergisch Gladbach eingeladen. Die traditionelle Zeremonie zum jüdischen Lichterfest führte Roman Salyutov durch, Bürgermeister Frank Stein hielt ein Grußwort.

In vielen deutschen Städten ist es üblich, dass Persönlichkeiten der Stadtgesellschaft, sowie Kirchenvertreter und Bürgermeister der Zeremonie bewohnen. In diesem Jahr hielt Bürgermeister Frank Stein erstmalig ein Grußwort.

Bei strömendem Regen und Wind fanden sich nur wenige Teilnehmer vor der Villa Zanders ein, Bella Liebermann begleitete die kleine Veranstaltung musikalisch.

Nach der Begrüßung durch die Vorsitzende Petra Hemming übernahm Dr. Roman Salyutov das Wort. Er bedankte sich bei allen für ihre Anwesenheittrotz der ausgesprochen ungünstigen Wetterlage sowie für die Einladung durch den GTV, den er als einzig zuverlässige und glaubwürdige Organisation für das Thema Judentum und Israel in Bergisch Gladbach ansehe.

Hintergrund: Chanukka erinnert an die Wiedereinweihung des zweiten jüdischen Tempels in Jerusalem im jüdischen Jahr 3597 (164 v. Chr.) nach dem erfolgreichen Makkabäeraufstand der Juden Judäas gegen hellenisierte Juden und Seleukiden, wie er im Ersten Buch der Makkabäer, bei Flavius Josephus und im Talmud überliefert ist.

So gut wie an jedem Drehkreuz der jüdischen Geschichte, so Dr. Salyutov, fänden sich mutige Einzelkämpfer, deren Einsatz eine positive Weiterentwicklung zu verdanken ist. Hier sind z.B. Mosche (Moses) als Anführer des Auszugs aus der ägyptischen Sklaverei, Königin Esther bei der Abwendung der Gefahr für die Juden durch Haman in Persien oder eben Judas Makkabäus an der Spitze des Makkabäer-Aufstandes zu nennen, der zur Widerherstellung der jüdischen Heiligkeit im Jerusalemer Tempel führte, was dann mit dem Chanukka-Fest bis in die heutige Zeit gefeiert wird.

Mutige Einzelkämpfer finden sich laut Dr. Salyutov auch in der neueren Geschichte. Theodor Herzl gilt als Prophet und Wegbereiter des Wunders des 20. Jahrhunderts: der Auferstehung des jüdischen Staates, des Staates Israel.

Lange Jahre in der Diaspora führten in vielen Teilen der jüdischen Gesellschaft zur Abschwächung ihrer Identität, Wehrhaftigkeit und teilweise sogar zur Loslösung von den eigenen Wurzeln und es ist die Aufgabe der jetzigen Generation, viele zerstörte Verbindungen wiederherzustellen und sich auf die eigene Herkunft aktiv zurückzubesinnen.

Hinweis der Redaktion: Vor einem Jahr hatte Roman Salyutov mit Mitgliedern das Yachad Chamber Orchestra einen musikalischen Gruß zu Chanukka über den #KulturKurier des Bürgerportals entsandt.

In diesem Kontext erwähnte Salyutov von einer Anfeindung ihm persönlich gegenüber: Auf eine Äußerung seinerseits, dass er israel- und judenfeindliche Äußerungen aus einer bestimmten Richtung nicht außer Acht lassen werde, wurde er umgehend mit der Frage konfrontiert, in wessen Auftrag er diese Beobachtungen denn vornähme. Auf den antisemitischen Unterton dieser Frage, demzufolge die Juden im Auftrag von Hintermännern“, einer „jüdischen Weltverschwörung“ o. ä. agieren, wolle er jetzt nicht näher eingehen, aber für ihn sei die Tendenz klar, dass man den Juden scheinbar in Teilen unserer Gesellschaft auch heute noch abspreche, sich als Individuum zu äußern und eine eigene Meinung aktiv zu vertreten.

„Woher kommt das?“ fragte er die Anwesenden und stellte die Vermutung an, dass es auch daran liegen könne, dass viele Juden zu lange auf Assimilation gesetzt hätten – obschon die Erfahrungen aus der Geschichte uns alle eines Besseren belehren sollten.

Mit den beiden Segensprüchen zur Entzündung der dritten Kerze durch Roman Salyutov, einem Dank von Petra Hemming an alle Gäste, Teilnehmer und Herrn Stein, sowie dem traditionellen, in Öl gebackenen „Sufganiot“ für alle Anwesenden, ging die Veranstaltung zu Ende.

Der Ganey-Tikva-Verein wird auch im nächsten Jahr erneut zum Kerzenanzünden einladen in der Hoffnung, dass z.B. auch Vertreter der Kirchen und weitere Bürger der Stadt teilnehmen.

Am Mittwoch der kommenden Woche, also am 15.12.21, findet ab 19 der letzte Balagan für dieses Jahr wie gewohnt im Bock statt (Hier gilt die 2G-Regelung).

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Ganey-Tikva-Verein

Der Verein zur Förderung der Städtepartnerschaft Ganey Tikva – Bergisch Gladbach e.V. ist zu erreichen über die Vorsitzende Petra Hemming, per Mail: petra.hemming@gmail.com

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1 Kommentar

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  1. Die Feststellung von Herrn Salyutow bezüglich der Identiät der jüdischen Mitbüger in nicht- jüdisch geprägten Mehrheitsgesellschaften erinnern doch sehr an Jewish-American literature z.B. von S. Bellow, J.Heller oder besonders P. Roth, d.h. dort von diesen fast leitmotivisch behandelte Frage der Selbstsegregation. Shakespeares Shylock dürfte ihm bestimmt bekannt sein.