Bauherren, Architekten und Vertreter der Stadt unter dem Entwurf der ersten, standardisierten Halle.

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Die High-Tech-Schmiede Research Instruments gehört zu den unbekanntesten und erfolgreichsten Unternehmen Bergisch Gladbachs. Vor 37 Jahren im Technologiepark gegründet macht es jetzt den Sprung ins Gewerbegebiet Obereschbach, baut dort für 20 Millionen Euro neue Fertigungshallen und schafft weitere Arbeitsplätze.

„Wenn es in Bergisch Gladbach Hidden Champions gibt, dann gehört Research Instruments auf jeden Fall dazu“, so bringt es Bürgermeister Frank Stein beim symbolischen Spatenstich in Obereschbach auf den Punkt. Und tatsächlich entwickelt und baut Research Instruments Maschinenbau-Komponenten der Extraklasse – die in Anlagen der Teilchenbeschleunigung oder Kernfusion eingesetzt werden.

Und das mit wachsendem Erfolg, berichtet Michael Peiniger, der das Unternehmen 1994 mit einigen weiteren Mitarbeitern der ehemaligen Siemens-Interatom in Moitzfeld gegründet hatte und heute Sprecher der Geschäftsführung ist.

Hanspeter Vogel und Michael Peiniger haben Research Instruments vor 30 Jahren aus den Interatom Resten heraus gegründet. Das war aber nur der Anfang.
Hanspeter Vogel und Michael Peiniger haben Research Instruments 1994 aus der Siemens-Interatom heraus gegründet.

Traditionell habe RI vor allem die Forschungsinstitute in der ganzen Welt ausgestattet, inzwischen arbeitete es auch für die Halbleiterindustrie. Im Gegensatz zu fast allen Konkurrenten entwickelt RI technische Apparaturen und stellt sie selbst her; dabei gehe es nie um eine Serienproduktion, sondern immer um individuelle und meistens große Projekte.

Die Nachfrage ist hoch, das Wachstum des Unternehmens rasant. Bei der Umsatzzahl bleibt Peiniger vage, „zwischen 30 und 40 Millionen Euro“; diese Spanne hatte er allerdings vor drei Jahren auch schon genannt.

Klarer zeigt sich das Wachstum am Personalstand. 60 neue Mitarbeiter:innen seien alleine in den beiden vergangenen Jahren eingestellt worden, derzeit liegt der Stamm bei 300 – von denen 130 Physiker:innen und Ingenieur:innen sind, weitere 150 hochqualifizierte Fachleute, bilanziert Peiniger.

Ein Bauteil für einen Teilchenbeschleuniger, gefertigt aus Niob und „teurer als ein Porsche“

So soll es auch weitergehen – und dafür benötigt das Unternehmen Platz. Den hat es in direkter Nachbarschaft gefunden, im eigentlich ausgebuchten Gewerbegebiet Obereschbach. Das Unternehmen Mika Timing hatte Expansionspläne aufgegeben und das Grundstück zurück gegeben. Insgesamt vier Parzellen mit 18.000 Quadratmeter will Research Instrument jetzt entwickeln.

Ein Glücksfall für die Stadt, aber auch das Ergebnis „kluger Vorratspolitik“, betonen die zuständigen Fachleute der Stadtverwaltung, Dezernent Harald Flügge und Wirtschaftsförderer Martin Westermann.

Bestimmt hätte man die wenigen Grundstücke in dem nur 48.000 Quadratmeter großen Gewerbegebiet schneller verkaufen können, aber die Stadt habe immer darauf geachtet, dass nur Unternehmen mit einem geringen Flächenverbrauch und einer hohen Beschäftigtenzahl zum Zuge kommen.

Die erste der vier Parzellen wird für das Projekt vorbereitet.

Dass solche Gewerbeflächen gebraucht werden, um bestehenden Firmen Wachstumsmöglichkeiten zu bieten, bestätigt der Fall Research Instruments: Hätte sich diese Fläche für die Expansion nicht gefunden, wäre das Unternehmen womöglich ganz aus Bergisch Gladbach weggezogen.

„Aber wir bleiben und erweitern hier in Bergisch Gladbach“, bekräftigt Peiniger. In einer ersten Stufe baut das Unternehmen eine standardisierte Fertigungshalle sowie anschließend eine „Manufaktur“ für besonders anspruchsvolle Produkte, die zum Teil in sogenannten Reinräumen hergestellt werden müssen. Beide Gebäude sollen noch 2022 fertig werden, das Gelände wird gerade hergerichtet.

Architekt Ralf Rother (links) präsentiert einen Entwurf für das Bürogebäude in der 2. Stufe

In einer zweiten Stufe, voraussichtlich in 2023 und 2024 soll dann auch ein Bürogebäude mit weiteren Fertigungskapazitäten entstehen. Dann kann auch ein Teil der Verwaltung aus den alten Gebäuden im Technologiepark herüber ziehen und dort Platz für mehr Produktion schaffen. Der Standort im Technologiepark soll aber erhalten bleiben, bestätigt Peiniger.

Damit schafft Research Instruments rund 50 weitere hochqualifizierte Arbeitsplätze in Bergisch Gladbach. „Wir haben deutliche Anzeigen, dass die Nachfrage so stark bleibt“, sagt Peiniger, „wir müssen jetzt schon aufpassen, nicht zu schnell zu wachsen, wir befinden uns da schon in einem Grenzbereich.“

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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