Hanspeter Vogel und Michael Peiniger haben Research Instruments vor 30 Jahren aus den Interatom-Resten heraus gegründet. Das war aber nur der Anfang.

Vor ein paar Jahren habe er beim Bürgermeister gesessen, um ihn über den Wegzug von Research Instruments zu informieren, erzählt Michael Peiniger, Chef und Mitinhaber der Hightech-Schmiede. Für die Stadt ein harter Schlag, ist das Unternehmen doch der älteste und zweigrößte Mieter des Technologieparks. Doch dann kam der Park in die Zwangsverwaltung, bekam einen neuen Manager und alles wurde gut. 

Fünf Jahre später sitzten Peiniger und sein Kompagnon Hanspeter Vogel vor der Presse und verkünden, dass RI den Mietvertrag für zehn Jahre mit der Option auf 15 weitere verlängert hat. „Das ist ein Signal nach innen und nach außen, dass wir diesen Standort schätzen”, betont Peiniger. 

Das gelte sowohl für den Technologiepark als auch für die Lage Bergisch Gladbachs. „Wir arbeiten projektorientiert und nicht produktorientiert, so brauchen wir mal weniger, mal mehr Flächen. Der TechnologiePark wird genau dieser Anforderung nach Flexibilität gerecht,” konkretisiert Peiniger. Tatsächlich hat auch der ehemalige Interatom-Angestellte Tiefen und Höhen erlebt.

Vogel und Peiniger zeigen Parkmanager Albert Hanseder-Schießl ein kleines, aber unter extremen Bedingungen zusammen gefügtes Bauteil

Im Moment stehen die Zeichen auf Wachstum. Bislang waren die Kunden von RI vor allem Forschungsinstitute, jetzt will das Unternehmen auch an die Industrie liefern. Dafür benötigt es eine weitere 700 Quadratmeter große Produktionshalle mit Reinräumen für die Halbleiterproduktion. Schon 2014 hatte der Park für RI eine neue Halle in ähnlicher Größe errichtet.

Übrigens scheint auch für den Zwangsverwalter die Geschichte gut auszugehen. Der auch von Peiniger und Vogel hochgelobte Krisenmanager Albert Hanseder-Schiessl kündigt am Rande des Gesprächs an, dass ein neuer Investor gefunden sei und die Zwangsverwaltung bis Jahresende beendet werde. 

Zwangsverwalter findet Käufer für Technologiepark

RI macht im Jahr zwischen 30 und 40 Millionen Euro Umsatz. Die 200 Mitarbeiter bestehen zu 40 Prozent aus Ingenieuren und Physikern und zu 50 Prozent aus Spezialisten für die Sonderfertigung.

Klagen über den Fachkräftemangel hört man hier nicht. Zwar müsse auch RI suchen und individuelle Lösungen bieten, „aber wir bekommen was wir brauchen”.

Ein Arbeitsplatz in der Sonderfertigung. Sie bleiben nie lange leer.

Warum das so ist wird klar, wenn der Physiker Peiniger von den Arbeitsfeldern seines Unternehmens schwärmt. Offenbar ein wahres Paradies für Physiker und Chemiker, die nicht nur forschen und entwickeln, sondern in den Händen halten wollen, was sie sich ausgedacht haben.

Im Gegensatz zu fast allen Konkurrenten entwickelt RI technische Apparaturen und stellt sie selbst her, auf hohem technischen Niveau. Beim Rundgang durch die Fertigungshallen präsentieren Peiniger und Vogel Beispiele. Zum Beispiel Bauteile für einen Teilchenbeschleuniger, die hier aus dem seltenen Schwermetall Niob gefertigt werden und „teuerer als ein Porsche” sind. 

Ein Bauteil für einen Teilchenbeschleuniger, gefertigt aus Niob und „teurer als ein Porsche”

RI ist aus der Siemens-Tochter Interatom hervorgegangen, die früher auf dem Gelände residierte. Dabei konnten Peiniger und zwei seiner Kollegen, die damit von Physikern zu Unternehmern wurden, für den Gegenwert von „drei Kölsch” die Forschungseinrichtungen und eben auch die Fertigungskapazitäten übernehmen. Außerdem nahmen sie ihr Wissen im Bereich der superleitenden Teilchenbeschleuniger mit.

Sie sahen die Chance, diese Technologie außerhalb der Kernenergie einzusetzen – und lieferten tatsächlich entscheidende Komponenten für den riesigen Teilchenbeschleuniger der europäische Kernforschungseinrichtung CERN. Viele Forschungsinstitute kommen oft nur mit Ideen oder Skizzen nach Moitzfeld – und bekommen von RI die fertigen Teile geliefert. 

Dabei ist das Unternehmen immer von großen Projekten abhängig, die zum Teil durch Bürgschaften in Höhe von 20 bis 30 Millionen Euro vorfinanziert werden. „Wir sind gut drauf, aber eher finanzschwach”, bringt Peiniger das Problem auf den Punkt. Daher hatten die drei Unternehmensgründer die Firma 2007 an einen US-Konzern verkauft. Zwischenzeitlich, um sich nach zwei Jahren mit der Sparte Apparatebau wieder heraus zu kaufen.

Dabei stieg das mittelgroße, aber immerhin an der US-Technologiebörse Nasdaq gehandelte Unternehmen Bruker Energy & Supercon Technologies mit ein und übernahm 51 Prozent der Anteile. Peiniger und Vogel holten sich im Unternehmen drei jüngere Gesellschafter dazu und stellten RI langfristig auf stabile Beine. 

Dabei weitet RI das Geschäftsfeld immer weiter aus. Zunächst waren medizinische Geräte hinzugekommen (auch in der Krebstherapie werden Teilchenbeschleuniger eingesetzt), inzwischen beschäftigen sich die Physiker u.a. auch mit Reinraumtechnologie.

Gleichzeitig hat das Unternehmen seine eigenen Fähigkeiten perfektioniert, u.a. in den Bereichen Supraleitung, Kühltechnik, Vakuum, Präszisionsmechanik, Elektronenstrahlschweißen, Oberflächenpräparation, Magnettechnik und Optik.

Hört sich simpel an, aber in jeder dieser Disziplin bewegt sich RI auf in anderen Sphären. Zum Beispiel Elektronenstrahlschweißen: Dafür gibt es in der Werkshalle einen riesigen Druckzylinder, der das Schweißen ungewöhnlicher Werkstoffe im Vakuum unter extrem hohen Temperaturen erlaubt.  Niob, Wolfram, Titan, hochreines Kupfer oder Keramik werden hier zusammen gefügt.

Ganz unterschiedliche Richtungen, aber im Kern, so erklärt Peiniger, gehe es immer um ein bestimmtes Portfolio von Technologien, die man für diese Art der Sonderfertigung auf höchstem Niveau benötige: „Wir arbeiten fast immer mit extrem hohen Energien, die in Gehäusen gebändigt und gekühlt werden müssen.”  

Alles das, mit einer ordentlichen Portion wissenschaftlichen Ehrgeizes und Ingenieurskunst fließt in den Produkten zusammen. „Wir verkaufen Dinge, die es bei der Auftragsvergabe noch nicht gibt, nicht einmal in der Forschung – und dann müssen wir liefern”, beschreibt Vogel die Herausforderung.

Die Tatsache, dass RI Entwicklung und Fertigung an einem Standort aus einer Hand anbieten kann, mache die Firma „zum weltweiten Technologieführer auf diesem Gebiet”.

Geliefert wird in die ganze Welt. „Unsere Konkurrenz ist nicht Siemens, wir müssen in Korea bestehen. Und auch in China,” sagt Peiniger. 

Dafür hat das Team in Moitzfeld eine Menge Ideen. Die kann man zwar nur mit einem naturwissenschaftlichen Grundverständnis verstehen – aber immer wieder fallen die Begriffe „Schlüsselkompetenzen” und „Kernprodukte”. Ersteres habe RI, das zweite könnte man deshalb liefern. Zum Beispiel für solche Zukunftstrends und -technologien wie Industrie 4.0, Nanotechnik, der Einsatz von „Extrem Ultra Violet”-Licht zur Messung von Teilchen, die tausend Mal kleiner sind als ein Haar.

An dieser Stelle drohen die RI-Chefs endgültig ins physikalische Schwärmen abzugleiten. Und Peiniger räumt lächelnd ein: „Das sind so unsere Träume”. Wenn nur ein Teil davon Realität bleibt scheint das Paradies für Physiker in Moitzfeld auf gute Zeiten zuzusteuern. 

Mehr Informationen, weitere Beiträge:

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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