Viktor Ullmann, geb. 1.1.1898, ermordet am 18.10.1944 in Auschwitz

Roman Salyutov lädt zu einer Veranstaltung zum Gedenken an den Holocaust ins Albertus-Magnus-Gymnaskum ein. Mit einem Vortrag erinnert er an das Geschehen und spricht über den auch in der Neuzeit noch vorhandenen Antisemitismus und Israelhass. Im Anschluss spielen Solisten des Sinfonieorchesters Bergisch Gladbach Werke des Komponisten Viktor Ullmann.

“Deutsch-Jüdische Söhne des musikalischen Abendlandes – aus der Geschichte einer Beziehung” – so lautet das Thema eines historisch-musikalischen Gedenkabends, zu dem der Verein “Musik und KulturFestival GL e. V.” am Donnerstag, den 27. Januar 2022 um 18 Uhr einlädt.

Zuerst wird Dr. Roman Salyutov einen Vortrag halten, in dem es sich um die Komplexität Jüdischen Lebens im deutschsprachigen Raum am Beispiel mehrerer Vertreter der Kultur handelt. Im Anschluss präsentieren einige Solisten des Sinfonieorchesters Bergisch Gladbach Werke des österreichischen Komponisten jüdischer Herkunft Viktor Ullmann, der im Oktober 1944 mit den letzten Transport von Theresienstadt nach Auschwitz-Birkenau deportiert und dort mit seiner Familie ermordet wurde.

Zu diesem Abend kommen auch Vertreter der Jüdischen Öffentlichkeit sowie verschiedener, auf Deutsch-Israelische Zusammenarbeit spezialisierter Institutionen.

Deutsch-jüdische Söhne des musikalischen Abendlandes
27. Januar 2022, 18 Uhr,

Albertus-Magnus-Gymnasium, Bensberg, Aula
Anmeldung erforderlich über salyutov@musik-kultur-gl.de

Eintritt frei, Spenden erbeten.
Es gilt die Regel 2G+, Dreifach Geimpfte sind aber von der Testpflicht befreit.

Diese Veranstaltung ist ein drittes Projekt, dass Dr. Roman Salyutov zu diesem Tag durchführt: So leitet er auch ein Workshop zum Thema “Geschichte, Analyse und Erkennung antisemitischer Muster heute” und führt außerdem in die Ausstellung “Zeichnen gegen das Vergessen” ein – das sind spezielle Schulprojekte.

Aufklärungsprojekte in diesem Themenbereich sind für Salyutov kontinuierlich ein großes Thema – nicht nur zu Gedenktagen. Er warnt immer davor, die Pflege der Erinnerungskultur zur Routine verkommen zu lassen, wenn man nicht auch im Alltag Haltung zeige und konsequent handele. Das Problem des Antisemitismus könne nicht nur bei Gedenkveranstaltungen gelöst werden und bedürfe einer systematischen wissenschaftlich-gesellschaftlichen Auseinandersetzung.

Auch der heutzutage verbreiteten Form des Antisemitismus – dem Israelhass, unter welchem Deckmantel auch immer – müsse kompromisslos entgegengewirkt werden. Es gebe leider Leute und Institutionen, die sich bei Gedenkveranstaltungen gerne als Pfleger der Erinnerungskultur inszenieren und sich mit Besuchen von Gedenkstätten brüsten, als wäre das eine Art Indulgenz – und gleichzeitig wegschauen und sogar tolerieren, wenn sich in ihrer Nähe antisemitische und antiisraelische Tendenzen zeigen, sowie systematisch versuchen, den Jüdischen Staat zu diffamieren und zu delegitimieren. Dies, so Salyutov, sei für ihn eins der widerlichsten Beispiele von Doppelmoral und Scheinheiligkeit, die dann im Endeffekt dazu beitragen, den Antisemitismus zu einer gesellschaftlichen Norm werden zu lassen. Dagegen geht er in seinen Projekten ständig vor.

Zwar ist die Veranstaltung “Deutsch-Jüdische Söhne des musikalischen Abendlandes” auf ein vergangenes Kapitel der Geschichte bezogen, doch einige Besonderheiten der Gesellschaftsstruktur und entsprechender Verhaltensweisen damals lassen auch mehrere wichtige Prozesse heute tiefer begreifen.


ist Konzertpianist und Dirigent. Er leitet das Sinfonieorchester Bergisch Gladbach und ist Vorsitzender des Festival GL e.V.

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.