Der Kreis investiert in die Selbsthilfe: Seit dem 1. Januar hat der Rheinisch-Bergische Kreis eine eigene Selbsthilfe-Kontaktstelle, die vom Paritätischen Wohlfahrtsverband betrieben wird. In neuen Büroräumen in Bergisch Gladbach soll eine niedrigschwellige Anlaufstelle geschaffen werden. Damit werden die Voraussetzungen geschaffen, um die Selbsthilfekoordination zu intensivieren und in der Fläche auszubauen.

„Die Anfragen zum Thema Selbsthilfe haben sich zwischen 2010 und 2019 fast verdreifacht, von 721 auf 2.165″, berichtet Nicole Stein. Sie koordiniert als Fachkraft die Selbsthilfekontaktstelle für den Rheinisch-Bergischen Kreis, die vom Paritätischen Wohlfahrtsverband betrieben wird. Auch die Zahl der Selbsthilfegruppen habe auf rund 100 zugenommen.

„Das hat dazu geführt dass wir 2019 auf den Rheinisch-Bergischen Kreis zugegangen sind“, ergänzt Kreisgruppengeschäftsführerin Inge Lütkehaus. Man habe nach Ausbauperspektiven gefragt. „In Zeiten von Corona kein leichtes Unterfangen, aber wir sind in Verwaltung und Politik auf breite Zustimmung gestoßen.“

Inge Lütkehaus und Nicole Stein (v.l.), Foto: Holger Crump

Mitte Dezember 2021 gab der Kreistag einstimmig grünes Licht: Die Selbsthilfe im Kreis wird neu strukturiert, der Rheinisch-Bergische hat bereits seit Anfang 2022 eine eigene Selbsthilfekontaktstelle. Bis dahin gab es eine gemeinsame Kontaktstelle für den Oberbergischen und den Rheinisch-Bergischen, sowie ein Selbsthilfebüro für Leverkusen. Lezteres bleibt der Kontaktstelle im RBK weiter zugeordnet.

Neustrukturierung der Selbsthilfe im RBK
1. Eigene Selbsthilfe-Kontaktstelle für den RBK (Kontaktbüro Leverkusen bleibt der RBK-Kontaktstelle zugeordnet)
2. Eigene Büroräume in der Innenstadt mit Räumlichkeiten für Selbsthilfegruppen
3. Zusätzliches Personal für Selbsthilfekontaktstelle
4. Erstmals Unterstützung von Selbsthilfegruppen mit sozialen Themenschwerpunkten

Durch die Aufteilung können die Ressourcen besser für den Ausbau der Selbsthilfe in der Fläche genutzt werden. „So wollen wir den Nordkreis noch intensiver erschließen“, erklärt Stein. Zudem wolle man soziale Selbsthilfe stärker forcieren und aktuelle Themen wie Corona oder digitale Selbsthilfe aufgreifen.

Kräftiger Zuschuss vom Kreis

„Möglich wird all dies durch eine Erhöhung der Zuschüsse vom Kreis für unsere Arbeit“, so Lütkehaus. Sie rechnet vor: Den Betrieb der neuen, eigenen Kontaktstelle im RBK habe man mit rund 140.000 Euro pro Jahr kalkuliert.

„Circa 51 Prozent der künftigen Kosten werden durch Land (11.000 Euro) und Krankenkassen (59.850 Euro) finanziert. Die restlichen Kosten liegen zu 15 Prozent beim Träger (ca. 10.500 Euro).“

Der Zuschuss vom Kreis steige von bisher 22.500 Euro auf circa 58.000 Euro. „Also ein wirklicher Sprung“, freut sich Lütkehaus.

Eigenes Büro, Räume für Gruppen

Das Geld wird gut investiert: So kann das Beratungsbüro der Selbsthilfekontaktstelle eigene Räumlichkeiten anmieten und wird aus der Geschäftsstelle des Paritätischen ausziehen. „Wir wollen noch näher an die Innenstadt heran rücken“, schildert Lütkehaus. Im Fokus stehe ein Ladenlokal, Gespräche mit Vermietern würden laufen, für Details sei es aber noch zu früh. Ende des ersten Quartals sei der Umzug geplant.

Mehr Informationen: Website
Kontakt per Mail oder telefonisch unter 02202 936 89 21

„Dort werden wir dann endlich auch Räume für Gruppen anbieten können“, ergänzt Selbsthilfe-Fachkraft Nicole Stein: „Das war uns ein echtes Anliegen, den die Raumnot für Selbsthilfegruppen besteht nach wie vor.“

Auch der Personalschlüssel steige. Laut Geschäftsführerin Lütkehaus würde man von einer halben Stelle der Fachkraft plus Sachbearbeitung nun immerhin auf eine volle Fachkraft-Stelle plus Sachbearbeitung anwachsen. Hochgerechnet auf das nun kleinere Gebiet des RBK (vorher RBK plus Oberbergischer Kreis) ergebe sich unter dem Strich eine deutliche Verbesserung der Ressourcen für die Selbsthilfekoordination.

Die Selbsthilfe-Managerinnen in den Räumen des Paritätischen in der Paffrather Straße, Foto: Holger Crump

Förderung sozialer Themen

Zudem könne man nun endlich auch soziale Themen fördern, die durch die Selbsthilfeförderung der Krankenkassen nicht unterstützt werden. „Die Kassen helfen bei medizinischen Themen“, erläutert Nicole Stein. Über die Jahre seien aber auch Probleme wie Einsamkeit, Trauer, Trennung und Tod stetig in den den Fokus der Selbsthilfearbeit gerückt.

„Durch das verstärkte Engagement des Kreises können wir nun auch diesen wichtigen Bereich der Selbsthilfearbeit abdecken und Gruppengründungen zu sozialen Themen unterstützen“, macht Lütkehaus klar.

Aber auch andere, aktuelle Themen laufen an. So sei zeitnah die Gründung einer Long Covid-Gruppe in der Region geplant, gibt Nicole Stein einen Ausblick.


Holger Crump

ist Reporter und Kulturkorrespondent des Bürgerportals.

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