Statt Karneval zu feiern haben Schüler:innen der Realschule und des Gymnasiums Herkenrath eine besondere Aktion organisiert: Auf dem Schulhof formten sie ein riesiges Peace-Zeichen und eine Ukraine-Flagge. Gemeinsam gedachten sie in einer Schweigeminute der Opfer des Krieges. Sie wollen damit deutlich machen: „Wir stehen hinter der Ukraine, ihrer Freiheit und Souveränität.“ Eine Spendenaktion soll folgen.

„Präsident Putin: Beenden Sie diesen unsinnigen, völkerrechtswidrigen Angriffskrieg und das Leid der Ukrainer!“ So lautet die Forderung der 1.350 Schüler:innen in Herkenrath, vorgetragen von Olga Lazaridou, Vertreterin der Realschule, und Vito Banach, Schülersprecher des Gymnasiums (Dokumentation der Rede am Beitragsende).

Simon Cabalo, stellvertretender Schülersprecher am Gymnasium Herkenrath: „Bei der Schweigeminute hatte ich Gänsehaut, es war beeindruckend als 1.350 Schüler:innen plötzlich still waren“, Foto: Schule

Sie betonen den Mut der Ukrainer:innen, aber auch der russischen Menschen, die sich gegen Putins Krieg stellen. „Seine Panzer bringen keinen Frieden, keine Freiheit – sie bringen Hass, Tod und Leid über die Bevölkerung!“

Rund 1.350 Schüler:innen beider Schulen gedenken vergangenen Freitag der Menschen in der Ukraine. Bevor sie das Peace-Zeichen und die Flagge auf dem Schulhof in Herkenrath formieren. Ein beeindruckendes Symbol der Solidarität. Stammt die Idee dazu doch komplett von den Schüler:innen.

Foto: Burkhard Dohm

Gemeinschaftsaktion aller

„In den Karnevals-Ferien haben wir mit der Planung begonnen“, erzählt Simon Cabalo, Abiturient und stellvertretender Schülersprecher am Gymnasium. „Anderthalb Flugstunden von uns entfernt tobt ein Krieg, dennoch Karneval zu feiern, das wäre ein Zwiespalt gewesen.“

Per Teams trommelt man das Kernteam der Schülervertretung zusammen, „von der Klasse 5 bis zur Q2 waren alle dabei“, betont Cabalo.

Das Team der Schülervertretung in Herkenrath: U.a. mit Olga Lazariton (erste Rehie Mitte), Vito Banach und Simon Kabalo (links bzw rechts neben Olga), zusammen mit den SV-Lehrern Simon Schneider und Claudia Weißenburger (zweite Reihe links), Foto: Holger Crump

Vito Banach ergänzt, dass man von den Kölner Demos zum Krieg in der Ukraine beeindruckt sei, der Krieg lasse sie nicht kalt.

„Wir wussten: Mit einer Aktion an unseren Schulen musste es schnell gehen, nicht erst in ein paar Monaten.“ Der Krieg mitten in Europa betreffe schließlich jeden.

Lasse Paulat und Tim Stöcker aus der Schülerschaft waren die Drohnenpiloten, welche die Luftaufnahmen der Aktion erstellt haben, Foto: Burkhard Dohm

Onkel an der Front

Olga Lazaridou von der Realschule betont, dass die Aktion nicht gegen die russische Bevölkerung gerichtet sei. Man habe an beiden Schulen russische Mitschüler:innen: „Es ist Putins Krieg.“ Der Großteil der russischen Bevölkerung wolle dies nicht, ist man sicher.

Es gebe auch einen Mitschüler aus der Ukraine, der auf der Flucht seinen Onkel in der Ukraine habe zurücklassen müssen. „Der kämpft dort an der Front“, berichten die Schüler:innen.

Die Realschule und das Gymnasium Herkenrath sind Mitglieder im bundesweiten Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, das sich aktiv gegen Diskriminierung einsetzt. Das Projekt wird über das Kommunale Integrationszentrum beim Rheinisch-Bergischen gesteuert.

Spendenaktion

Bei der Solidaritätsbekundung wolle man es indes nicht bewenden lassen. So ist demnächst eine Spendenaktion geplant. „Da wollen wir nicht nur Schüler:innen sondern auch die Lehrerschaft, Eltern und lokale Unternehmen um Unterstützung bitten, für die vom Krieg betroffenen Menschen.“

Lehrer:innen beider Schulen haben die Aktion nach Kräften unterstützt, betonen aber dass Idee und Organisation ausschließlich von den Schüler:innen gekommen sei. Dieter Müller, Schulleiter am Gymnasium, ist stolz auf die Schüler:innen. „Die Aktion wurde richtig schnell umgesetz.

Foto: Schule

Welt und Schulen rücken zusammen

Susann Meurer, stellvertretende Schulleitung an der Realschule, freut sich über die Kooperation in Herkenrath: „Die Welt rückt angesichts des Konflikts zusammen, und wir Schulen tun dies ebenso! Wir haben die Aktion gerne unterstützt.“

Gleichwohl holt die Schüler:innen der Alltag wieder ein: Vito und Simon schreiben kommende Woche Vorabitur. „Wenn wieder Zeit ist müssen wir dafür auch mal was tun“, schmunzeln sie. Aber die Sache sei es wert gewesen.

Dokumentation:

Die Rede der Schülervertretung Realschule und Gymnasium Herkenrath

Holger Crump

ist Reporter und Kulturkorrespondent des Bürgerportals.

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5 Kommentare

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  1. Eine fantastische Aktion! Respekt für diese Aktion, die zeigt, dass jede*r von uns ein Zeichen setzen kann!

    Auch wenn es vordergründig mitunter so erscheinen könnte, als seien wir machtlos – das sind wir nicht. Jede*r kann etwas tun, wie eure Aktion zeigt!

  2. Großartig solch politische Schüler in unserer Stadt !

    „Die fast unlösbare Aufgabe besteht darin, weder von der Macht der anderen, noch von der eigenen Ohnmacht sich dumm machen zu lassen.“
    (Theodor Adorno)

  3. Es freut mich zu sehen, dass die Jugend sich politisch engagiert und gegen den Krieg stellt. Diese Schule ist hier ein leuchtendes Vorbild!