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Beim bereits zweiten Willkommenstreff der Aktion Neue Nachbarn im Laurentiushaus wird deutlich: Die Hilfe für die Kriegsvertriebenen aus der Ukraine ist in Bergisch Gladbach breit aufgestellt, und sie wächst weiter. Es gibt aber nach wie vor einige Baustellen.

Hilfe, die ohne Umwege ankommt. Beim zweiten Willkommenstreffen der Aktion Neue Nachbarn begrüßte Gaby Atug-Schmitz, Integrationsbeauftragte des Erzbistums für Rhein-Berg, im Laurentiushaus rund 100 Flüchtlinge aus der Ukraine.

Dabei konnte Atug-Schmitz-Schmitz die ersten 130 Lebensmittelgutscheine im Wert von 2.650 Euro verteilen. Die werden dringend benötigt: Einige der Flüchtlinge befinden sich noch im Registrierungsprozess der Stadt, verfügen dementsprechend noch über kein Bargeld und können sich selbst nicht versorgen.

Gaby Atug-Schmitz mit Kristof Takarics von REWE Wintgens (li) und Eddi Stoffel, Foto: Holger Crump

„Die Idee der Gutscheine ist aus der Zusammenarbeit mit Rewe Wintgens entstanden“, berichtete Eddi Stoffel. Schon vor rund zwei Wochen habe er sich mit dem Supermarkt wegen Lebensmittelspenden ausgetauscht – Stoffel ist auch bei der Tafel aktiv. Herausgekommen sei die Spendenaktion für Lebensmittelgutscheine.

600 Euro kamen an Barspenden zusammen, 1.400 Euro gehen auf das Konto von Ursula Wintgens, den Rest brachten Kunden von REWE Wintgens auf, erklärte Kristof Takarics, stellvertretender Marktleiter in der Filiale am Sattlerweg.

Hinweis der Redaktion: Der kurzfristige Aufruf des Bürgerportals, Lebensmittelgutscheine zu spenden ist auf eine sehr große Resonanz gestoßen. Diese Gutscheine werden von der Aktion Neue Nachbarn in den kommenden Tagen über die Flüchtlingsinitiativen in den Stadtteilen ausgegeben.

Helfer vor Ort

Auch einige Ehrenamtler:innen und Unterstützer:innen aus der Flüchtlingshilfe nutzten den Willkommenstreff, um Kontakte zu knüpfen oder Fragen zu klären.

Conny Vesper von der Evangelischen Kirchengemeinde und ehemalige stellvertretende Leiterin des Q1 Jugendzentrums ist zur Unterstützung der Geflüchteten von der Evangelischen Kirchengemeinde freigestellt und hilft bei unterschiedlichsten Themen: „Bei Alltagsproblemen wie medizinische Versorgung, bei Fragen der Registrierung, der Beschulung.“ Es sei entscheidend, dass der Leistungsbezug nun rasch in Fahrt käme.

Bettina Göbel vom Katholischen Familienbildungszentrum Bergisch Gladbach berichtete von ersten Müttern mit kleinen Kindern, die Eltern-Kind-Kurse aus ihrem Angebot wahrnehmen würden.

In Refrath werde am 30. März ein ähnliches Angebot wie der Treffpunkt im Laurentiushaus gestartet, machte Bibi Opiela von der Flüchtlingsinitiative „Willkommen in Refrath/Frankenforst“ klar. Treffpunkt sei die Evangelische Kirche Vürfels. Rund 35 Familien würde die Initiative bereits in den Stadtteilen betreuen.

Beratungsbedarf auf beiden Seiten

Opiela verwies auf den Beratungsbedarf, den neben den Geflüchteten auch die Gastfamilien hätten, die den Unterschlupf gewährten. „Viele waren noch nie in einem Jobcenter, auf der Ausländerbehörde – das ist auch für die Gastfamilien Neuland. Sie müssen sich das alles erst erarbeiten.“ Entsprechend hoch sei der Beratungsbedarf durch die Kommune, eben auch für die Helfer und Unterstützer.

Das konnte mitunter vor Ort besprochen werden. Die Stadt war mit Sabine Hellwig, Fachbereichsleiterin Jugend und Soziales, sowie Nicole Mrziglod, Integrationskoordinatorin, vertreten. Sie informierten u.a. über erste Schritte nach der Ankunft aus der Ukraine, gaben Hinweise zum Meldewesen, dem Aufenthaltsstatus und dem Leistungsbezug.

Für Fragen zum Thema Schule stand zudem Björn Hesse bereit, stellvertretender Leiter des Kommunalen Integrationszentrums beim RBK.

Weitere Angebote möglich

Das Angebot für die Geflüchteten wächst weiter. So war der Rotary Club Bergisch Gladbach vor Ort und hatte 10.000 Euro im Gepäck. Man wolle Kontakte knüpfen um Hilfsangebote zu initiieren, hieß es.

Auch die Bethe-Stiftung hat gerade eine Spendenverdopplungsaktion gestartet, die die Ehrenamtler:innen über die Aktion neue Nachbarn und über das Himmel un Ääd stärken soll.

Geistlichen Beistand für katholische Christen in russischer Sprache bot Pfarrer Serge Ivannikov. Er wechselte erst vor kurzem aus der Gemeinde Odenthal nach Troisdorf, fungierte beim Willkommenstreff aber noch gerne als Dolmetscher.

„Die Geflüchteten haben eine Odysee hinter sich. Sie wollen erst einmal ankommen, sich anmelden, die Versorgung sicherstellen. Andere Themen, seelsorgerische Themen werden im Anschluss sicher auch aufkommen“, berichtet der Geistliche, der in seiner neuen Pfarrei ebenfalls Geflüchtete betreut.

Pater Raffael von der antiochenisch-orthoxen Kirche aus Köln, Foto: Holger Crump

Ein Angebot der besonderen Art bot Pater Raffael von der antiochenisch-orthoxen Kirche aus Köln an. Bei Bedarf will der Geistliche eine Gemeinde vor Ort gründen: „Einmal im Monat gibt es ein orthodoxes Angebot in Bergisch Gladbach für Griechen, in Leverkusen ein Angebot für Rumänen. Viele der Geflüchteten hätten aber gerne ein Angebot in russischer Sprache.“ Dies würde ihnen – trotz allem – am nächsten liegen. Interessenten könnten sich per Mail melden unter RB@rum-orthodox.de

Offener Treff für Geflüchtete und Ehrenamtler

Die Willkommenstreffen der Aktion Neue Nachbarn finden dienstags von 15 bis 16.30 Uhr im Laurentiushaus der Katholischen Kirchengemeinde statt: In Kooperation mit dem Katholischen Bildungswerk Rheinisch-Bergischer Kreis, der Katholischen Ehe-Familien-Lebensberatung sowie der Katholischen Familienbildungsstätte Bergisch Gladbach.

Die Treffen wenden sich an Geflüchtete und Ehrenamtler und wollen eine Plattform für Kennenlernen und Austausch bieten. Ansprechpartner für Deutschkurse, psychologische Angebote oder auch Kinderbetreuung ergänzen den Treff.

Holger Crump

ist Reporter und Kulturkorrespondent des Bürgerportals.

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