Der Sitz der Belkaw an der Hermann-Löns-Sraße. Foto: Thomas Merkenich

Auch die Belkaw gibt die neuen Gas-Umlagen an ihre Kundinnen und Kunden weiter – und zwar ab dem 1. November. Zwar senkt die Bundesregierung vorab die Mehrwertsteuer auf Gas, dennoch bleiben Mehrbelastungen. Wie hoch die unter dem Strich ausfallen, dafür nennt die Belkaw jetzt konkrete Zahlen.

Wie alle Gasversorger wird auch das lokale Versorgungsunternehmen Belkaw die neuen Umlagen der Bundesregierung weitergeben. Konkret geht es um drei Umlagen:

+ Anzeige +

  • die neue Gasspeicherumlage in Höhe von 0,063 Cent brutto je Kilowattstunde,
  • die neue Gasbeschaffungsumlage von 2,588 Cent brutto je Kilowattstunde,
  • die Erhöhung der bereits bestehenden Bilanzierungsumlage von 0 auf 0,61 Cent brutto je Kilowattstunde.

Diese Angaben der Belkaw weichen von den bislang in der Regel diskutierten Zahlen aus zwei Gründen ab: es handelt sich um die Brutto-Preise inklusive Mehrwertsteuer. Dabei hat die Belkaw bereits die Senkung der Mehrwertsteuer von 19 auf 7 Prozent zum 1. Oktober berücksichtigt.

Um die Belastung der Bevölkerung durch die rasant steigenden Energiekosten etwas zu mildern hatte die Bundesregierung diese Steuersenkung (auf den gesamten Gaspreis, nicht nur auf die Umlagen) beschlossen.

Die Mehrwertsteuersenkung gibt die Belkaw zum 1. Oktober an die Kund:innen weiter, die Rechnung reduziert sich dann also etwas.

Erst zum 1. November und damit einen Monat später als rechtlich möglich schlägt die Belkaw die Umlagen auf.

Unter dem Strich (und unabhängig von Preissteigerungen auf dem Gasmarkt) müssen die Verbraucher:innen mit höheren Kosten rechnen. Die Belkaw nennt jetzt Zahlen für Beispielhaushalte, und unterscheidet dabei nach Verträgen mit und ohne feste Laufzeit.

Verträge ohne feste Laufzeit

Bei den Verträge ohne feste Laufzeit hatte die Belkaw bereits am 1. August angekündigt, die Arbeitspreise zum 1. Oktober mehr als zu verdoppeln, weil ihre eigenen Einkaufspreise so drastisch gestiegen waren. Zum Beispiel in der Grundversorgung von 7,8 auf 17,99 je Kilowattstunde Gas, inklusive 19 Prozent Mehrwertsteuer.

Ab dem 1. November erhöht sich diese Kilowattstunde nun inklusive der drei Umlagen und der gesenkten Mehrwertsteuer für Privat- und Gewerbekunden weiter auf 19,44 Cent.

Die monatlichen Gesamtkosten (Arbeitspreis plus Grundpreis) belaufen sich dann laut Musterrechnung der Belkaw

  • bei einer kleinerer Wohnung mit einem Jahresbedarf von 10.000 Kilowattstunden von 163 auf 194 Euro, also plus 31 Euro.
  • bei einer größeren Wohnung oder einem kleinen Haus mit 15.000 Kilowattstunden von 238 um 46 auf 284 Euro,
  • bei einem Haus mit 20.000 Kilowattstunden von 313 um 61 auf 374 Euro.

Verträge mit Festpreis über eine bestimmte Laufzeit

Bei diesen Verträgen kann die Belkaw zum 1. November nur die neuen Umlagen (Speicher, Beschaffung) weitergeben, nicht die Bilanzierungsumlage.

Hier gibt die Belkaw die Mehrkosten wie folgt an:

  • 22,10 Euro pro Monat bei einem Verbrauch von 10.000 Kilowattstunden im Jahr
  • 33,14 Euro bei 15.000 Kilowattstunden/Jahr
  • 44,19 Euro bei 20.000 Kilowattstunden/Jahr

Die Gesamtkosten variieren, weil auch die Preis unterschiedlich sind, je nachdem, wann man den Festpreisvertrag abgeschlossen hatte.

Die Erhöhung der „Festkosten“ ist rechtlich möglich, weil nicht die eigentlichen Gaspreise, sondern die vom Bund festgelegten Umlagen hinzukommen – auf die die Belkaw keinen Einfluss hat.

Die Belkaw hat angekündigt, alle von der Umlagen betroffenen Kundinnen und Kunden einzeln anzuschreiben. Das Unternehmen rät, die monatlichen Abschlagsbeträge auf die Jahresabrechnung zu prüfen und falls erforderlich anzupassen. Das lasse sich über den den Online- Service einfach erledigen.

Hintergrund

Die Einnahmen aus den Gas-Umlagen führt die Belkaw komplett nach oben ab. Sie kommen den Gasimporteuren und den Gasspeicherunternehmen zugute, die damit ihre Mehrkosten für die Beschaffung von Erdgas ausgleichen und die Belastungen gleichmäßig auf alle Gasverbraucher verteilen können.

Die Gasimporteure müssen aufgrund des Ukraine-Krieges und der gedrosselten Lieferungen aus Russland Erdgas zu hohen Preisen einkaufen. Um diese Firmen vor der Insolvenz zu bewahren und so die Energieversorgung in Deutschland zu sichern werden 90 Prozent der Mehrkosten über die Gasbeschaffungsumlage gegenfinanziert.

Mit der Gasspeicherumlage werden Mehrkosten umgelegt, die bei dem Versuch anfallen, die nationalen Gasspeicher so weit zu füllen, die Versorgung im Winter gesichert ist.

Die Bilanzierungsumlage ist schon länger Bestandteil des Gaspreises, sie lag bislang aber bei 0 Cent. Ziel der Energiebilanzierung ist es, Kommunen zu jedem Zeitpunkt genau die Energie zur Verfügung zu stellen, die sie tatsächlich brauchen. Da es im Gasnetz zu Schwankungen kommen kann, wird manchmal Energie zusätzlich eingespeist oder aus dem Netz genommen, wenn es nicht gebraucht wird. Die Differenz wird mit der Bilanzierungsumlage ausgeglichen. Da das Erdgas derzeit zu hohen Preisen ins Netz ein- und ausfließt, steigt die Umlage. (Quelle: Stadtwerke Willich).

image_pdfPDFimage_printDrucken

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

25 Kommentare

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. Hallo

    Bei meiner erhaltenen Preisinformation die ich am 12.9 von der Belkaw bekam, wird wie gehabt mit 19% MwSt gerechnet. Woher haben Sie die Info, dass bereits mit 7 % gerechnet wurde?

    Zudem ich ab dem 1.11 21.11cent zahlen muss.

    1. Von der Belkaw. Die Beispielsrechnungen wurden mit 7 Prozent gerechnet, die Mehrwertsteuersenkung soll ab dem 1. Oktober in Kraft treten, die Umlagen werden von der Belkaw aber erst ab dem 1. November erhoben.

      1. Als Kunde haben wir keine Informationen wie das mit der MwSt berücksichtigt wird. Die monatlichen Abschläge sind auf Grundlage mit 19% ausgelegt. Auch ab 1.11

      2. Bislang ist die Senkung der Mehrwertsteuer auch nur vom Bundeskabinett, aber nicht vom Bundestag verabschiedet worden. Erst wenn das geschehen ist kann die Belkaw Rechnungen mit den neuen Steuersätzen ausstellen. Damit sich die Kund:innen orientieren können hat sie jedoch schon mal Beispielsrechnungen angestellt, darüber berichten wir in diesem Beitrag.

        In dem Schreiben der Belkaw sollte sich folgender Passus befinden:

        „Die von der Bundesregierung geplante Senkung der Mehrwertsteuer auf Gas ist in unseren Bruttopreisen noch nicht berücksichtigt, da zum Druckzeitpunkt die rechtlichen Rahmenbedingungen noch nicht feststanden. Sobald diese bekannt sind, werden wir die Mehrwertsteuersenkung direkt an Sie durchreichen und Ihren Erdgasverbrauch mit dem reduzierten Mehrwertsteuersatz abrechnen.“

  2. soweit man den gasverbrauch in der eigenen hand hat (eigene Gastherme) sollte man nun von hinten rechnen, und schauen, wie viele Kilowattstunden man sich leisten kann und dann seine Heizung darauf einstellen…
    esliegt nun am eigenen verbrauch, was ich demnächst zahlen muß.

  3. Guten Morgen,
    Ich weiß nicht wie die Beispielrechnungen zustande kommen. Wenn sich der Arbeitspreis um 10 Cent je Kilowattstunde erhöht macht das bei einem Verbrauch von 10.000 Kilowattstunden eine Erhöhung um 1000 €, jährlich oder 80 € monatlich. Warum im Beitrag ein deutlich niedriger Betrag genannt wird erschließt sich mir nicht da ich keine Senkung der Preise an anderer Stelle wiederfinde.

    1. Sehr geehrter Herr Karl, es geht in diesem Beitrag „nur“ um die Weitergabe der gesetzlichen Umlagen. Die belaufen sich nicht auf 10 Cent, sondern auf 2,651 bzw. 3,261 Cent. Außerdem wurde die Senkung der Mehrwertsteuer von 19 auf 7 Prozent gegen gerechnet.

      Bereits zuvor hatte die Belkaw eine Verdopplung der Gaspreise angekündigt, um rund 10 Cent. Das bedeutet bei einem Verbrauch von 10.000 kw/h eine Mehrbelastung von 84 Euro (wobei hier die Mehrwertsteuer-Senkung noch noch nicht berücksichtigt ist). Die Beispielrechnungen dafür finden Sie in diesem Beitrag:

      https://in-gl.de/2022/08/01/belkaw-verdoppelt-gaspreise-in-einem-ersten-schritt/

  4. Sehr geehrte Redaktion,
    was ich nicht verstehe ist, warum müssen wir Bürger die Konzerne retten? Denn an den z.T. großen Gewinnen der Vergangenheit, waren wir doch auch nicht beteiligt. Und, warum haben wir die mit Abstand höchsten Energiepreise?
    MfG
    R.Steitz

    1. Hallo R. Steitz,
      wenn die Konzerne nicht gerettet werden, geht hier bald das Licht aus. Und nicht nur das, sondern unser komplettes Handelssystem (Einzelhandel, Industrie, Krankenversorgung, …) hängt von einer funktionierenden Infrastruktur ab.

  5. Ich finde Vermieter sollten verpflichtet werden die Mieter frühzeitig über die erwartenden Nachzahlungen zu informieren. Ich will nicht wissen, wie viele Mieter nächstes Jahr von Nachzahlungen überrascht werden, die die Höhe von ein oder mehreren Monatsgehälter beträgt.
    Jeder Hausbesitzer kennt die Abschläge, die auf einen zu kommen aber in Gesprächen mit Mieter ist das Thema nicht jedem zu hundert Prozent bewusst.

    1. Wie bitte sollen Vermieter denn die tatsächlich zu erwartenden Nachzahlungen zum jetzigen Zeitpunkt seriös einschätzen können? Wer tatsächlich im nächsten Jahr von seinen Heizkosten „überrascht“ wird, lebt wahrscheinlich nicht in einer Mietwohnung sondern unter einem Stein. Präsenter kann das Thema nun wirklich nicht mehr werden. Ich denke hier ist jeder selbst verpflichtet Eigenverantwortung zu übernehmen, sein Nutzungsverhalten anzupassen und für eine Nachzahlung im nächsten Jahr finanziell vorzusorgen.

      1. Indem ich als Vermieter so umsichtig und transparent mit meinen Mietern umgehe, daß ich Ihnen solche Schreiben des Versorgers weiterleite- vorsichtshalber noch einmal den Erhöhungsbtrag/ khw benenne und ihnen schreibe, was die Erhöhung auf Basis der letztmaligen Abrechnung bedeuten würde. Das ist fair und damit kann sich ein Mieter darauf vorbereiten.

      2. Für das Geld, das man als Vermieter einnimmt, darf man sich auch ruhig mal hinsetzen und ein wenig arbeiten.

    2. Schauen Sie auf Ihren Verbrauch der letzten Jahre jnd rechnen Sie selbst hoch, mit den neuen Preisen…

      das was mehr gezahlt werden muss wg der Erhöhung legen Sie zur Seite…

  6. Guten Morgen ich verstehe nicht das mir trotz Festpreisgarantie die Preise erhöht werden können kann mir das mal jemand erklären

    1. Weil sich die Festpreisgarantie in der Regel auf die vom Unternehmen bestimmten Preise bezieht, aber nicht auf die vom Staat bestimmten Bestandteile wie Steuern oder Umlagen.

      Dazu heißt es bei der Stiftung Warentest (Stand 9.9.): „Die neue Umlagen kann alle Haushalte treffen, auch die mit Preis­garantie: Viele Preis­garan­tien schließen nämlich eine Erhöhung von Steuern und Umlagen aus. Wenige Kunden haben eine Endpreis­garantie. Sie müssen in den Allgemeinen Geschäfts­bedingungen (AGB) nach­lesen, ob sich die Endpreis­garantie nur auf zum Vertrags­abschluss bestehende Preis­bestand­teile bezieht. Steht nichts dazu in den AGB, dürften die Umlagen in diesem Fall nicht weiterge­geben werden.“

    2. Hintergrund:
      Die Versorger haben durch vorausschauende Handelstätigkeit die Möglichkeit, Menge und Preise zu fixieren, wodurch ihr vereinbarter Arbeitspreis garantiert werden kann.

      Die Versorger haben aber keinen Einfluss auf politische Spielchen und damit keine Sicherheit bei komischen Ideen von Ideologen.

      In Ihrem Vertrag und Angebot wird also auch ein entsprechender Passus stehen.

      1. Haben Sie sich verschrieben? Wahrscheinlich sollte es doch heißen:
        „Die Versorger haben aber keinen Einfluss auf äußere Umstände wie Kriege und damit keine Sicherheit bei gefährlichen Ideen von Diktatoren.“

      2. Das war auch schon vor der Krise so. EEG-Umlage, Stromsteuer, CO2-Preis etc. waren nie Teil von fixierten Preisen.
        Die Gasumlage kommt jetzt eben zu diesen unzähligen Preistreibern dazu.

        Die Krise, wirkt sich, bis auf die Gasumlage, nur auf den Arbeitspreis aus, hat also nichts mit fixierten Preisen zu tun. Da hat man also den aktuellen Vorteil und kann sich glücklich schätzen.

  7. Endlich. Dann sind die gewünschten Pleiten der Privathaushalte sowie kleiner Handwerksbetriebe ja nah.
    Genau wie es 2 von 3 Mitglieder der Ampel begrüßen.