Die IHK hatte nach ihrer Herbstumfrage ein dunkles Stimmungsbild der Wirtschaft in Rhein-Berg gezeichnet. Tatsächlich haben viele Branchen existenzielle Sorgen, strukturelle Themen wie Fachkräfte und Lieferketten plagen alle und führen bis zur Geschäftsaufgabe. Aber unter dem Strich sind die Unternehmer:innen, die wir befragt haben, wenigstens verhalten optimistisch. Mit wenigen Ausnahmen.

Wir haben eine Umfrage bei rund 80 Unternehmen über alle Branchen hinweg gemacht – und dokumentieren die Aussagen derjenigen, die Antworten geliefert haben. Vertreten sind Handwerk und Handel, Industrie, Dienstleistungen und Gastronomie.

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In der Gesamtschau ergibt sich ein sehr differenziertes Bild, mit viel Schatten und etwas Licht. Einige sprechen von einem „sehr guten Geschäft“, ein Handwerke kündigt die Geschäftsaufgabe an.

Bei den Antworten wird klar, dass die akuten Krisen drohen, sehr viel tiefere, strukturelle Probleme zu verdecken. Vor allem ein Thema treibt ohne Ausnahme jedes Unternehmen um: der sich verschärfende Mangel an Fachkräften.

In Richtung Politik – sowohl auf Bundes- wie auf Lokal-Ebene – gibt es einige Wünsche.

Machen Sie sich selbst ein Bild – und nutzen Sie das Kommentarfeld ganz unten.

Das Gronauer Wirtshaus ist für seine Gänse bekannt. Foto: Thomas Merkenich

Gastronomie: Gans müsste eigentlich noch teurer sein

In der Gastronomie geht es in diesem Winter in vielen Betrieben um die Existenz, sagt Udo Güldenberg, Inhaber des Gronauer Wirtshauses und Vorsitzender des Branchenverbands DEHOGA am Ort. Zwar seien Restaurants, Cafés und Gaststätten mit einem blauen Auge aus der Pandemie gekommen – doch jetzt seien viele Wirte mit Steuernachzahlungen konfrontiert – und einer Energiekostenexplosion.

Wer jetzt nicht Vollprofi sei, sich immer wieder hinterfrage und seine Preise ständig neu kalkuliere, werde es schwer haben, befürchtet Güldenberg. Damit sei die Systemgastronomie einigermaßen sicher, dagegen treffe es ausgerechnet die normalen Gaststätten. „Die Treffpunkte verschwinden“, bedauert Güldenberg.

Er rechne ständig die Einkaufs- gegen die Verkaufspreise und habe sie im Gronauer Wirtshaus schon dreimal erhöht. Aber nun sei das Ende der Fahnenstange erreicht, nicht alles könne man an die Kunden durchreichen.

Zum Beispiel bei der Martinsgans. Der Kilopreis im Einkauf, so Güldenberg, habe sich um 80 Prozent erhöht. Eigentlich müsste sie im Menü 37 Euro kosten – doch bei 28,50 Euro sei bei ihm Schluss gewesen. Allerdings mit Abstrichen: der Rosinen-Apfel ist verschwunden, die Maronen kosten extra. Immerhin: die Nachfrage für Sonderaktionen wie das Gänseessen sei ungebrochen hoch.

Investitionen zurückzustellen oder gar Personal abzubauen, wäre jetzt genau die falsche Strategie, warnt Güldenberg. Das führe zu mehr Reklamationen und in einen Teufelskreis.

Ohnehin sei der Fachkräftemangel das große strukturelle Problem der Branche. Er sei ausgebildeter Koch und kann einspringen; doch in vielen anderen Restaurants sei der Ausfall eines Kochs eine Katastrophe.

Energieeinsparungen seien kaum noch möglich, da habe das Wirtshaus in den vergangenen fünf Jahren gemacht, was sinnvoll war. Jetzt schalte er bei seinem Gasherd sogar die Sparflamme aus – auch wenn das nur ein paar Cent bringe.

Kritik an der Politik hört man von Güldenberg nicht. Schon in der Pandemie habe die Regierung riesige Summen ausgegeben, nirgendwo anders seien die Unternehmen in diesem Maß unterstützt worden. „Es ist Krieg, da kann der beste Politiker nichts dran machen“, sagt Güldenberg.

Einzelhandel: Selbsterfüllende Prognose funktioniert auch positiv

Einen bewussten Kontrapunkt setzt Andreas Peck, Inhaber des Modegeschäfts Quo Vadis in der Fußgängerzone. Er bezeichnet die Lage seinen Unternehmens als „sehr gut“, die Pandemie habe man ohne Folgen überstanden. Natürlich sei die Zukunft herausfordernd, aber zu bewältigen.

Das Geschäft kämpfe unter anderem mit Lieferausfällen bei einigen Lieferanten. Vorausschauend habe er jedoch mehr bestellt. Falsch wäre es, in Erwartung eines Abschwungs weniger zu ordern: „Mit weniger Ware kann ich natürlich nicht die Umsätze des Vorjahres erreichen“, erläutert Peck. Diese Form der selbsterfüllende Prognose funktioniere nach seiner Überzeugung aber auch im Positiven.

Großes Potenzial an Energieeinsparungen sieht Peck nicht, die Umstellung auf LED ist längst erledigt. Strom und Gas machten auch nur knapp 1,5 Prozent seiner Kosten aus. Dennoch bleibe die Tür bei kalter Witterung geschlossen und die Temperatur gesenkt.

Von der Bundespolitik wünscht sich Peck das, was sie zum Teil bereits tue: „Den Menschen ein Gefühl der Sicherheit geben.“ Wer keine Zukunftsangst hat werde weiter einkaufen und die Binnenwirtschaft am Laufen halten.

An die lokale Politik hat der Einzelhändler ein spezielles Anliegen: keine weitere Einschränkung der Erreichbarkeit. Alleine der Wegfall des Buchmühlenparkplatzes habe mit einem Schlag 30 Prozent Umsatz gekostet, erst nach zehn Jahren habe man das einigermaßen ausgleichen können. Daher könne er den Protest der Schildgener Händler sehr gut verstehen.

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Freizeit: Mediterana auf dem Weg zur CO2-Neutralität

Die Wellness-Anlage Mediterana ist trotz staatlicher Hilfen mit einem Verlust in Höhe von fünf Millionen Euro aus der Pandemie gekommen, die nächsten Monate würden für viele Unternehmen schwierig, berichtet Geschäftsführer Oliver Mathée.

Konkrete Probleme bereiten die hohen Kosten für Material und Löhne, ein Abbau von Personal sei dennoch nicht geplant.

Strom und Gas sind für den energieintensiven Betrieb des Mediteranas mit seinen Saunen, Thermen und Bädern ein dickes Thema. Die Öffnungszeiten wurden leicht eingeschränkt und die Temperatur in einigen Becken abgesenkt. Darüber hinaus stellt Mathée das eigene, hochmoderne Blockheizkraftwerk an vier von sieben Tagen aus. Das spart 57 Prozent des Gasverbrauchs. Statt dessen bezieht das Mediterana mehr Ökostrom der Belkaw .

Aber auch der soll in 2023 ersetzt werden, durch eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach. Denn ein Ziel habe sich Mathée gesetzt: bevor er in Rente geht soll das Mediterana CO2-neutral sein.

Handwerk: Traditionsbetrieb kapituliert vor Fachkräftemangel

Dirk Wehn, Inhaber der Glasermeister Wehn GmbH & Co. KG in Hand, hatte zwar von einer Auftragsflut in der Pandemie profitiert – und dennoch wird er sein Unternehmen zum Jahresende schließen.

Der Fachkräftemangel plage ihn seit 30 Jahren, werde immer akuter und habe nun auch eine Nachfolgeregelung verhindert, berichtet Wehn. Nach seiner Meinung auch ein gesellschaftliches Problem: „Junge Leute wollen viel Geld, viel Urlaub, einen möglichst teuren Firmenwagen, immer pünktlich Feierabend haben und auf keinen Fall flexibel arbeiten.“ Ein Kombination, die das Handwerk nicht bieten könne.

Bitter fällt Wehns Urteil über die lokale Politik aus: Schon vor 20 Jahren habe er sich ein größeres Gewerbegrundstück gewünscht, vergeblich. Und ausreichend Parkplätze, in Wohngegenden, auf der Kempener Straße oder auf der Laurentiusstraße – denn Handwerker könnten nur dort arbeiten, wo sie ihre Fahrzeuge parken können.

Dienstleistungen: Preise erhöhen, mit der Zeit gehen

Auf den Stühlen von Rainer Winkelhausen, Inhaber des Friseursalons Winkelhausen an der Odenthaler Straße, sind die steigenden Preise längst angekommen. Hier, wo über alles geredet wird, werde die Stimmung etwas grantiger, eine allgemeine Verunsicherung und auch Verängstigung sei spürbar, berichtet der Friseurmeister.

Auch er habe die Preise erhöhen müssen: in der Pandemie zweimal und jetzt ein drittes Mal, um insgesamt rund 13 Prozent. 28,50 kostet bei ihm der Herrenhaarschnitt. Für eine halbe Stunde sauberer, korrekter Arbeit. Für eine Färbung, die dann aber auch zwei Stunden dauern könne, werden zwischen 120 und 160 Euro fällig.

Die Pandemie mit zwei Lockdowns und am Ende keinerlei Fördermittel für Friseure habe er alleine mit der Kurzarbeit auffangen müssen, sagt Winkelhausen. Für die nahe Zukunft sei er zuversichtlich. Denn er habe eine stabile Stammkundschaft – und in der Corona-Zeit hätten viele neu erlebt, wie wichtig eine gute Frisur ist. Allenfalls bei Spezialitäten wie Tönungen oder aufwendigen Behandlungen erwarte er eine Zurückhaltung.

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Die Letzten ihres Standes: Friseur Winkelhausen

Seit 1936 sorgt der Friseursalon Winkelhausen auf der Odenthaler Straße für den perfekten Schnitt. Handwerkliches Können, ein Auge für aktuelle Trends und stete Weiterbildung seien die Grundlagen für ein erfolgreiches Geschäft, sagt Rainer Winkelhausen. Doch das Preisdumping der Barbershops, die wie Pilze aus dem Boden schießen, macht seinem klassischen Handwerk zu schaffen.

Immerhin zehn Prozent seiner Kosten entfallen auf Energie – denn bei Kund:innen mit nassen Haaren könne er die Heizung nicht runterziehen. Sein Team mache, was möglich ist – die Handtücher werden jetzt nur noch gebündelt gewaschen und getrocknet, das Licht bleibt abends aus.

Für Winkelmann ist es wichtig, nicht stehen zu bleiben. Die Räume werden kontinuierlich modernisiert, und bei den Öffnungszeiten passe er sich noch weiter den Kundinnen und Kunden an: Am Abend hat er jetzt länger geöffnet, dafür bleibt der Salon am Samstag geschlossen. Das komme auch den Mitarbeiterinnen zugute, und die seien nun mal sein wichtigstes Kapital.

Einen Wunsch an die Politik gibt Winkelhausen noch mit: Endlich die Mehrwertsteuer für Friseure auf sieben Prozent senken.

Verarbeitendes Gewerbe: Aufträge reißen ab

Für das verarbeitende Gewerbe bezeichnet Fred Arnulf Busen, Geschäftsführer des kunststoffverarbeitenden Betriebes Polytron die Aussichten „alles andere als rosig“. Seine Kunden seien vor allem Anlagenbauer, sehr solide und breit aufgestellt – daher ist das Auftragsbuch bis Mitte 2023 gut gefüllt – „aber danach kommt nichts nach“, schildert Busen die Lage.

Die Pandemie habe das Unternehmen an der Zinkhütte mit etwas Kurzarbeit gut überstanden und sogar ein Umsatzplus verzeichnet. Doch noch nie habe er sich so schwergetan wie jetzt, die Aussichten zu beurteilen, sagt Busen. Zwar sei der Bedarf bei den Kunden weiterhin vorhanden, aber jeder schiebe Investitionspläne auf. Ein kalter Winter könnte zu Problemen führen, ein echter Gasmangel wäre für die Industrie verheerend.

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IHK-Umfrage: Unternehmen in Rhein-Berg sehen schwarz

Die Herbst-Umfrage der IHK Köln unter den Unternehmen der Region fällt ambivalent aus: Zwar bezeichnen deutlich mehr Firmen ihre Lage als gut als noch im Frühjahr – doch die Prognosen für die Zukunft fallen düster aus. IHK-Vertreterin Babatz macht vor allem die Politik dafür verantwortlich, dass die Unternehmen „am Rande der Verzweiflung“ stünden.

Auch Polytron musste einer Verdopplung des Gaspreises und eine Vervielfachung des Strompreises hinnehmen. Obwohl Energie nur zwei Prozent der Gesamtkosten ausmache drücke das spürbar auf die Gewinnmarge.

Viel schwerer wiegen laut Busen jedoch langfristige Folgen der hohen Energiepreise für den Industriestandort: Viele Konzerne verlegten ihre Investitionen ins Ausland. Zum Beispiel nach China oder in die Arabische Welt. Vorerst sei davon nichts zu spüren, aber dafür in 15 Jahren umso mehr.

Industriekonzerne gibt es in Bergisch Gladbach zwar nicht, da aber alle Unternehmen vernetzt sind würden die Folgen auch hier vor Ort ankommen. Da helfe es nicht, so Busen, dass in der lokalen Politik allgemein „eine gewissen Wirtschaftsfeindlichkeit“ zu spüren sei. Was sich vor allem bei der schlechten Verkehrsanbindung zeige.

Dennoch gibt sich Busen zuversichtlich, und halt sich an die britische Losung „keep calm and carry on“ (gelassen bleiben, weitermachen).

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Bio-Marktstand in der Energiekrise: „Plötzlich bleiben die Leute weg“

Seit Anfang 2015 betreibt Franziska Dederichs den Marktstand „Morgenrot“. Sie verkauft Naturkost und biologische Lebensmittel in Refrath und Stadtmitte sowie in ihrem kleinen Bioladen in Brück. Hinzu kommt ein Lieferservice. Selbst die Pandemie überstand ihr kleiner Betrieb problemlos. Nun macht ihr die Wirtschaftskrise und einem drastischem Umsatzrückgang zu schaffen – mit ersten Konsequenzen.

Handwerk: Klimaneutralität schützt vor hohen Energiepreisen

Ron Woydowski vom Sanitär-Betrieb Woydowski GmbH in Schildgen hat sein Unternehmen schon sehr früh auf Nachhaltigkeit getrimmt und ist seit zwei Jahren CO2-neutral. Steigenden Energiepreis sind für ihn daher kein Thema.

Zudem profitiert Woydowski wie viele andere Branchen im Handwerk seit der Pandemie von einer boomenden Nachfrage, die Auftragslage sei schon seit Monaten nicht mehr zu bewältigen. Seine Lage bezeichnet er daher als „sehr gut“.

Sorgen bereiten im Lieferengpässe und steigende Preise – damit seien auch die eigenen Preise nur noch sehr schwer kalkulierbar.

Die Politik könne helfen, durch die Abbau von Regularien. Vor Ort müsse die Verkehrssituation verbessert werden, um Staus und Wartezeiten zu vermeiden.

Das LöwenCenter in der Fußgängerzone hat bereits 50 Jahre auf dem Buckel – und investiert in moderne Energietechnik. Foto. Thomas Merkenich

Warenhaus: Hohe Investitionen in eigene Energieerzeugung

Das LöwenCenter hat die Pandemie dank staatlicher Hilfen „mit einem blauen Auge“ überstanden, sagt Geschäftsführer Udo Kellmann. Die weitere Entwicklung hänge davon ab, ob die Energieversorgung stabil und bezahlbar bleibe.

Den Stromverbrauch habe das LöwenCenter in den vergangenen sechs Jahren halbiert – und dennoch werde es in diesem Jahr 100.000 Euro mehr bezahlen als zuvor. Wenn dann auch noch die Preisbindung des Gasvertrags bei einer Mangellage kippe, werde das Kaufhaus hart getroffen.

Weitere Probleme sieht Kellmann beim Schrumpfen des frei verfügbaren Einkommens und auch bei Textilien gebe es Lieferprobleme.

Von einem Personalabbau will Kellmann nichts wissen, nach vielen Monaten der Kurzarbeit wollten die Mitarbeiterinnen wieder Umsätze machen. Bei den Investitionen legt das LöwenCenter noch einmal zu: 400.000 Euro werden in ein Blockheizkraftwerk und den Ausbau der Photovoltaik ausgegeben.

In der Politik hofft Kellmann auf eine „Energiepolitik ohne ideologische Scheuklappen“, gleichzeitig spricht er sich gegen Waffenlieferungen in Krisengebiete aus. Und auch bei der lokalen Politik erkennt der konservative Unternehmer ideologische Scheuklappen, hier bei der Bevorzugung des Radverkehrs.

Schon jetzt zahle er für das 50 Jahre alte Kaufhaus pro Jahr 100.000 Euro für Grundsteuern und Straßenreinigung. Das sei bereits „jenseits von gut und böse“, eine weitere Grundsteuererhöhung wäre da nicht angesagt.

Industrie: Atem für Investitionen erhalten

Martin Schulz, Geschäftsleiter der P. J. Schulz GmbH, die in Frankenforst vor allem Dichtungstechnik anbietet, beurteilt die Aussichten für die nächsten sechs bis 12 Monate als „sehr durchwachsen bis schlecht“. Die allgemeine Kostenbelastung und die Organisationsbelastung sei sehr hoch geworden – wobei die Energie nur ein Teil des Problems seien. Als wichtigsten Faktor, der sein Geschäft belastet, nennt er dagegen die überbordende Bürokratie, und im Hintergrund protektionistische Tendenzen.

Der Abbau von Personal, die Verschiebung von Investitionen seien nicht geplant.

Auch Schulz sieht wenig weitere Möglichkeiten, Energie einzusparen – bewegt das Unternehmen aber in Richtung CO2-Neutralität. Als ein Baustein werde im Frühjahr eine Photovoltaik-Anlage in Betrieb gehen. Dann könne ein beträchtliche Teil des Energiebedarfs selbst erzeugt und die Energiekostenbelastung zumindest gedämpft werden.

Die lokalen Nachrichten, kompakt auf den Punkt, schicken wir Ihnen frei Haus. Morgens um 7:05 per Mail im kostenlosen Newsletter „Der Tag in GL“, oder auf Facebook oder Instagram.

Autohandel: Das Lieferketten-Problem

Gabriele Gieraths, Ko-Geschäftsführerin der Gebr. Gieraths GmbH in Bensberg, verweist auf eine weitere Problemlage: Lücken in den Lieferketten und in der Logistik führten zu Engpässen in der Autoproduktion und lange Lieferzeiten. Was auch für ihr Unternehmen sehr herausfordernd sei.

Dennoch will Gieraths nicht kürzer treten, sondern investiere gerade in eine neue Marke, in eine neue Abteilung und in einen neuen Showroom.

Die weiteren Einsparungen von Energie beziehen sich auf das naheliegend: Die Außenbeleuchtung der Autohäuser wird früher ausgeschaltet, und insgesamt gingen alle Mitarbeiter umsichtiger mit Energie um.

Einkaufszentrum: Kaufzurückhaltung und fehlendes Personal

Bettina Wisniewski, Centermangerin der RheinBerg Galerie, beschreibt nach der Bewältigung der Pandemie neue große Probleme für den Einzelhandel: „Die erhöhten Energiekosten führen zur Kaufzurückhaltung und die Produkte werden auch deutlich teurer.“ Personalmangel ist auch hier ein großes Thema.

Wie sich die nächsten sechs bis zwölf Monaten entwickeln sei schwer zu beantworten. Die richtigen Signale der Politik an die Bevölkerung würden sich auf jeden Fall positiv auf den Einzelhandel auswirken.

Auch die RheinBerg Galerie werden noch einmal einiges tun, um den Energieverbrauch zu senken, durch die Optimierung der Einschaltzeiten und intelligente Gebäudeleitsysteme.

Mit Blick auf die Bundespolitik hofft Wisniewski auf die Entlastung von Haushalten und Unternehmen durch Preisdeckel für Strom und Gas. An die lokale Politik appelliert sie, die Grundsteuer nicht wieder zu erhöhen.

IT: Auf Wachstumskurs

Florian Trautmann, Inhaber der IT Intouch GmbH in der Lustheide, hat für wenigstens sechs Monate genügend Projekte in der Pipeline – und setzt darauf, dass keine Aufträge gestoppt werden. Da IT Intouch Kunden aus den unterschiedlichsten Bereichen habe sei er da aber ganz zuversichtlich.

Auch für Trautmann ist ein Investitionsstopp oder Personalabbau kein Thema, im Gegenteil will er das Unternehmen ausbauen und das solide Wachstum fortsetzen.

Die IT-Firma bekommt im Januar eine Solaranlage, die auch die neuen Elektro-Firmenfahrzeuge speisen solle. Darüber hinaus verbrauche IT Intouch nur sehr wenig Energie.

Unterstützung vom Staat hat sein Unternehmen nicht notwendig, sagt Trautmann, in anderen Branchen sinnvoll eingesetzt könnten sie aber durchaus Sinn machen. Wichtig seien Hilfen für einkommensschwache Familien, auch die Möglichkeit steuerfreier Sonderzahlungen der Arbeitgeber gingen in die richtige Richtung.

Trautmann plädiert für gezielte Förderprogramme für die Digitalisierung, damit auch kleine und mittlere Unternehmen in der Lage versetzt werden, neue digitale Produkte zu schaffen.

Das Quirls verfügt über einen großen Außenbereich.. Foto: Thomas Merkenich

Gastronomie: Langer Streit um Corona-Hilfen

Alexander Vossler von der Kneipe Quirls an der Gnadenkirche sieht sehr angespannte Monate auf sich zukommen. Nach wie vor seien viele Leute mit Blick auf Corona zurückhaltend und wollen eigentlich nur draußen sitzen. Und natürlich würden sie mit Blick auf die hohen Energiepreise sparsamer werden.

Besonders belastend wirke auf sein Geschäft eine lange Auseinandersetzung mit der Bezirksregierung über die Auszahlung der Überbrückungshilfe für das 1. Quartal. Nicht nur, dass dieses Geld fehle – der Rechtstreit und ein Bankkredit seien überflüssige Belastungen.

Als Mieter könne er nur wenig einsparen, sagt Vossler, für wesentliche Effekte könne nur der Hauseigentümer sorgen.

Von der Politik wünsche er sich, dass die Unternehmen „nicht auf den letzten Metern hängen gelassen werden“. Denn dann verpuffe alles Geld, dass während der Pandemie geflossen ist.

Eventtechnik: Eigene Energieerzeugung ist alternativlos

Für Stephan Graeske, Inhaber der Graeske Audio Visual GmbH, besteht die schwerste Folge der Pandemie im Lieferkettenproblem. Fehlende Geräte schränkten die Entwicklung des Unternehmens deutlich ein. Daher wirke die Perspektive für die kommenden Monate anstrengend. 

Ein Personalabbau steht auch bei Graeske überhaupt nicht an; im Gegenteil befürchtet er, dass der akute Fachkräftemangel dazu führt, dass er einzelne Aufträge in Zukunft nicht mehr annehmen kann. 

Den Energiebezug des Unternehmens will er durch eine hohe sechsstellige Investitionen schon bis Februar um 80 Prozent reduzieren. Das sei zwar eine große Herausforderung, scheine aber „alternativlos und notwendig für eine nachhaltige Absicherung des Unternehmens“.

Von der Politik erwartet Graeske, so viele Kraftwerke wie möglich ans Netz zu bringen, um das Angebot an Energie zu erhöhen und so die Preise rasch zu senken. 

Zudem müsse die Politik Arbeit attraktiv machen und Steuern für fleißige Arbeitnehmer senken. Es müsse sich für Arbeitnehmer lohnen, in Vollzeit zu arbeiten – statt dass ihnen der Vorteil gegenüber einer 1/3- oder 2/3-Stelle durch höhere Abgaben weggenommen werde. Am besten für die Motivation sei es, wenn sich der Steuersatz auf den Stundenlohn und nicht auf den Monatslohn bezieht. Dann würde es durch fleißige Mehrarbeit keine überhöhten Abgaben geben, argumentiert Graeske.

Das Porsche-Zentrum wird durch ein eigenes Werkstattgebäude erweitert.

Porsche: Schnelle und verlässliche Entscheidungen

Roman Konrads, Geschäftsführer des Porsche Zentrums Bensberg, sieht seinen Absatz vor allem durch Lieferprobleme beeinträchtigt: es gebe zu wenig Halbleiter für die Elektronik der Sportwagen. Die Perspektiven für die nächste Monate beurteilt er verhalten, eine Verbesserung sei nicht absehbar. Vom Abbau von Personal sehe man ab, und investiere statt dessen in den Aufbau neuer Mitarbeiter, in die Aus- und Fortbildung.

Ob das Porsche-Zentrum mehr Energie einsparen können, werde zur Zeit von einem spezialisierten Unternehmen untersucht. Beim Um- und Neubau auf dem Weg zur „Destination Porsche“ sei Photovoltaik ohnehin eingeplant.

Auf der Wunschliste an die Politik stehen bei Konrads die Entbürokratisierung, damit Entscheidungen schneller getroffen werden. Davon betroffen sei auch das aktuelle Bauprojekt – daher hoffe er bei der lokalen Politik auf schnelle und verlässliche Entscheidungen.

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„Was ist, wenn es beim Bäcker kein Brot mehr gibt?“

Backen und kühlen – das Bäckerhandwerk verbraucht besonders viel Energie. In der Corona-Pandemie wurden die Rohstoffe bereits viel teurer, jetzt kommen explodierende Kosten für Gas und Strom dazu. Viel Einsparpotential habe er als Nahversorger nicht, berichtet Bäckermeister Peter Lob. Konkrete Hilfe aus der Politik ist derzeit nicht in Sicht.  

Bäckerei: Personal, dringend gesucht

Andreas Scherbarth, Inhaber der Mühlen-Bäckerei, leidet natürlich auch unter höheren Kosten für Energie und Material und vielleicht einer gewissen Zurückhaltung der Kund:innen bei den Vollkornprodukten. Daher rechnet er mit einer etwas ruhigeren Zeit.

Das eigentliche Problem sei aber der Personalmangel. Daher wünscht er sich, dass die Politiker „mal das wahre Leben kennenlernen – alle suchen Personal, nicht nur die Pflege.“

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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6 Kommentare

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  1. Die Situation momentan bzw. auch die Pandemie belasten alle. Steigende Kosten überall, sinkende Kaufkraft und zurückhaltender Konsum ziehen weite Kreise.

    Die Aussagen von Herrn Wehn sind allerdings recht irritierend: „Junge Leute wollen viel Geld, viel Urlaub, einen möglichst teuren Firmenwagen, immer pünktlich Feierabend haben und auf keinen Fall flexibel arbeiten.“ Eine Kombination, die das Handwerk nicht bieten könne.

    Herr Wehn sollte sich vielleicht fragen, warum er scheinbar Probleme hat(te) Mitarbeiter und/oder Azubis zu finden, denn es gibt viele Betriebe, die damit eher wenig Probleme haben.

    Junge Leute wollen eine angemessene Bezahlung, die es im Handwerk gerade in der Ausbildung häufig nicht gibt (und trotzdem wollen viele Jugendliche ins Handwerk). Sie wollen keine Ausbeutung und tägliche Überstunden, die vorausgesetzt werden und das zu einem geringen Gehalt. Sie wollen einen freundlichen Umgangston und kein Gebrüll oder verächtliche Bemerkungen. Sie haben regulär auch nichts gegen gelegentliche Überstunden und bestehen sicher nicht auf den superpünktlichen Feierabend, der im Handwerk nicht immer einzuhalten ist. Für den Einsatz der jungen Leute bzw. der Angestellten allgemein sollte es jedoch zumindest Wertschätzung geben. Das Gehalt von Azubis ist häufig gering und dennoch finden sich Azubis, die ins Handwerk wollen und die sehr motiviert sind. Es liegt auch am Arbeitgeber, diese Motivation zu schätzen und nicht zu zerstören.

    Es gibt im Handwerk (und anderen Berufen) immer noch Arbeitgeber, das weiß sicher auch Herr Wehn, die ihre Mitarbeiter nicht gut behandeln, die Mitarbeiter oder Azubis sofort kündigen, wenn sie z.B. in der Probezeit erkranken (eine akute Erkrankung kommt vor und man kann sie nicht aktiv beeinflussen). Was kann ein Mitarbeiter dafür, wenn er in den ersten Wochen der Probezeit z.B. eine fieberhafte Erkältung hat und wenn es ungünstig läuft, vielleicht einige Wochen später einen anderen Infekt? Solange es Arbeitgeber gibt, die in diesem Falle sofort von Arbeitsunlust ausgehen und die Kündigung schicken und solange es Arbeitgeber gibt, die eine Erkrankung des Mitarbeiters allgemein als etwas betrachten, dass es „nicht geben darf“ und dem Mitarbeiter dafür „ordentlich Druck machen“, dürfen sich diese Arbeitgeber z.B. nicht wundern, dass es ihnen schwer fällt, neue Mitarbeiter oder Azubis zu finden und diese auch zu halten. Aus den Worten von Herrn Wehn klingt wenig Wertschätzung. Es klingt wie eine Forderung nach viel Arbeit, einer Art bedingungslosem Gehorsam, ständiger Verfügbarkeit und nicht gut bezahlter Arbeit. „Flexibilität“ ist ein Wort, das im Berufsleben gerne auf „viele Stunden, Überstunden, ständige Einsatzbereitschaft“ hindeutet.

    Immer wieder heißt es, dass das Handwerk keinen Nachwuchs findet. Das Handwerk findet nach wie vor häufig Nachwuchs, vor allem in den Betrieben, die ihre Mitarbeiter mit Wertschätzung behandeln und in denen Azubis nicht nur als günstige Arbeitskräfte betrachtet werden, die schnell eine möglichst vollumfängliche Leistung bringen sollen und das regelmäßig weit über die gesetzlichen Arbeitszeiten hinaus.

    Viele Arbeitgeber im Handwerk lehnen Hauptschüler pauschal ab oder erwarten mindestens einen Hauptschulabschluss mit Qualifikation. Häufig erwarten Arbeitgeber einen Führerschein, auch bei Azubis. Wie soll ein Azubi mit geringen Gehalt einen Führerschein finanzieren?

    Ich habe einige Jugendliche im Bereich der Ausbildungssuche begleitet und vielen Jugendlichen wird es wirklich schwer gemacht, gerade wenn sie „nur“ einen Hauptschulabschluss haben oder die Noten nicht gut sind (was pauschal nicht aussagt, dass sie nicht fähig sind, den Berufsschulstoff zu begreifen).

    Ich kenne Arbeitgeber, dort erfährt der Azubi abends, wo er am nächsten Morgen beginnen muss, z.B. beginnt der Arbeitstag zwischen 7 und 7.30 Uhr mit Einsatz 1 bei Kunde a in Ort b (oft 20-30 km vom Wohnort des Jugendlichen entfernt) und endet nach Einsatz 5 bei Kunde x in Ort y in völlig entgegengesetzter Richtung – der Azubi muss schauen, wie zu Ort a kommt und wie er von Ort x nachhause kommt. Für den Azubi bedeutet das, dass er mit dem ÖPNV oft 4 Stunden zusätzlich zu seiner Arbeitszeit unterwegs ist.

    Ich weiß von einem Azubi, dessen Firma ist so gelegen, dass er sie mit dem ÖPNV morgens nicht erreichen kann, es gibt nur eine Verbindung morgens schon vor 5 Uhr (alle späteren Verbindungen wären zu spät). Mit dieser Verbindung braucht er 1,5 Stunden für unter 15 km Strecke und müsste über 30 Minuten vor der Firma auf Öffnung warten, abends wäre er (falls keine Überstunden anfallen) gegen 18 Uhr zuhause – 15 Stunden oder mehr unterwegs für unter 600 Euro. In diesem Falle fahren ihn die Eltern zur Arbeit. Einen Führerschein und ein Auto samt Unterhalt kann er sich von seinem Gehalt nicht leisten.

    Ich habe in den letzten Jahren im Umfeld immer wieder erlebt, dass gerade Jugendliche mit nicht so guten Schulleistungen bei Bewerbungen sofort abgelehnt werden. Diese Jugendlichen waren alle sehr motiviert und dennoch bekamen sie regulär nicht einmal die Chance zu einem Vorstellungsgespräch oder einem Probearbeiten.

    Ich kenne Jugendliche, die ihre Bewerbung vor Ort abgaben, in der Hoffnung, so mehr Chancen auf ein direktes kurzes Gespräch zu haben, bzw. direkt einen guten Eindruck zu vermitteln, Jugendliche, die hofften, dass sie wenigstens zur Probe arbeiten dürfen (und das auch in ihren Bewerbungen angaben), um so von sich und ihren Fähigkeiten zu überzeugen. Diese Jugendlichen mussten u.a. die Erfahrung machen, dass man sie unfreundlich fragte, was das solle, man könne Bewerbungen per Post schicken oder auch das, was ein sehr schlanker (und dennoch gesunder und kräftiger) Jugendlicher beim Abgeben einer Bewerbung erfahren musste – der zufällig anwesende Chef (Metallbau) schaute ihn von oben bis unten an mit dem langgezogenen Kommentar „Du?!?“ Die Absage kam Wochen später. Parallel dazu suchte diese Firma wochenlang weiterhin nach einem Azubi.

    Fast alle Firmen, an die die Jugendlichen Bewerbungen geschickt haben (die Bewerbungsunterlagen waren bei allen sehr gut), reagierten gar nicht. Die wenigen Firmen, die Absagen schickten, reagierten mit „passt nicht ins Team“ (Wie stellt man das fest, wenn man dem Azubi nicht mal die Chance eines Vorstellungsgespräches gab?) oder anderen Floskeln.

    Besonders im Gedächtnis blieb mir vor einigen Jahren die Ausbildungssuche eines Jugendlichen, der wirklich viel Pech hatte. Er fand sehr schnell eine Ausbildungsstelle im Einzelhandel und wurde von Tag 2 (er hatte bereits häufig in seiner Freizeit in einem kleinen Geschäft eines Bekannten unentgeltlich ausgeholfen und das Geschäft auch stundenweise alleine geführt, wenn der Bekannte einen Termin hatte) 8 Stunden an der Kasse als vollwertige Arbeitskraft eingesetzt.

    Anfang des zweiten Ausbildungsmonats hatte er einen heftigen Migräneanfall, ging jedoch zur Arbeit. Man schickte ihn nachhause, er sähe nicht gut aus und könne so nicht arbeiten. Am nächsten Tag war er natürlich wieder auf der Arbeit. Bald darauf hatte er einen Infekt, viele kranke Kunden an der Kasse, sowas bleibt nicht aus. Er war einen Tag nicht arbeitsfähig und bat darum, diesen Tag mit dem nächsten Tag, an dem er frei gehabt hätte, zu tauschen, was abgelehnt wurde. Zum Ende der Woche erhielt er die Kündigung – zwei Tage krank in der Probezeit, das ginge nicht.

    Der Jugendliche suchte eine neue Stelle, wollte nun ins Handwerk, fand sehr schnell einen Ausbildungsplatz, es machte ihm Spaß. Auch da, viel Kundenkontakt, das Pech eines Infektes und mit Erbrechen etc. kann man logischerweise nicht arbeiten. Es folgten Beschimpfungen des (allgemein cholerischen) Chefs über faule Azubis, die nur keine Lust zum Arbeiten hätten.

    Wochen später, weiterhin in der Probezeit, ein unverschuldeter Unfall mit Verletzung und daraufhin die Kündigung „Krankheit gibt es nicht, sowas geht nicht“. Der Jugendliche versuchte seine Ausbildungsstelle zu retten, bat im Gespräch um Verständnis und Weiterbeschäftigung. Es gab sehr unfreundliche Worte des Chefs und es blieb bei der Ablehnung.

    Da er (mitten im Ausbildungsjahr) so schnell keine neue Ausbildung fand, suchte er sich einen Arbeitgeber, der einer Einstiegsqualifizierungsmaßnahme zustimmte – Hauptsache arbeiten und seinem Ziel des Wunschausbildungsberufes näherkommen, Geld/Gehalt war ihm nicht wichtig, er wollte arbeiten und lernen. Diese sollte nach 6 Monaten in eine Ausbildung übergehen, das wurde ihm auch bis kurz vor Ende der Maßnahme so mitgeteilt, es hieß der Vertrag sei bei der zuständigen Kammer, es würde noch etwas dauern, bis alle Unterlagen da seien usw. Zwei Wochen vor Ende der Maßnahme – wieder im schon laufenden Ausbildungsjahr – teilte ihm sein Arbeitgeber mit, dass er ihn doch nicht in eine Ausbildung nehmen kann, er könne sich das nicht leisten.

    Er fand wieder keine Ausbildungsstelle im laufenden Ausbildungsjahr, gab jedoch nicht auf, bewarb sich immer weiter, bot Probearbeiten an usw und fand seinen Traumjob. Er war gut, erhielt viel Lob, konnte in den ersten Wochen Dinge erledigen, die eigentlich in das Ausbildungsjahr 2 und 3 fallen würden. Die Firma ging jedoch in Insolvenz. Er schaffte es innerhalb weniger Wochen eine neue Anstellung zu finden und seine Ausbildung in einer anderen Firma fortzusetzen.

    Die Jugendlichen, die ich begleitet habe, fanden letztendlich ihre Ausbildungsstellen im Handwerk. Sie mussten dafür jedoch hohe Hürden nehmen, begegneten, Ignoranz und Arroganz, Ablehnung und teilweise mussten sie wirklich schlechte Erfahrungen machen.

    Insofern stehe ich den Aussagen „das Handwerk findet keinen Nachwuchs“ eher so gegenüber, dass es in vielen Fällen auch „am Handwerk“ liegt, dass das so ist. Mitarbeiter und Azubis sind Menschen und kein „menschliches Material“, das man verschleißen kann.

    1. Liebe Ina,
      als erstes wäre es super solche Kommentare nicht anonym zu verfassen. Gerne biete ich Ihnen eine klärendes Telfonat und der öffentlich zugänglichen Telefonnummer auf meiner Website an. Einige Dinge sind in dem Artikel verkürzt und nicht ganz richtig dargestellt. Die Richtung jedoch ist völlig korrekt.

      Offensichtlich haben Sie ja nur mit Azubis zu tun. Meine Aussagen über Gehalt, Urlaub und Firmenwagen betreffen eher junge Meister und auch deutlich höher qualifzierte Berufe als das Handwerk. Ihre Aussagen über Arbeitgeber im Handwerk sind schon sehr abenteuerlich und entstammen scheinbar eher den Glauben an die Aussagen von jungen Leuten die Probleme an ihrer Arbeitsstelle hatten. Vielleicht sollte man auch mal die Gründe hinterfragen und warum manche jungen Leute an sämtlichen ihrer zahlreichen Arbeitsstellen die gleichen Problem haben.

      Melden Sie sich doch gerne bei mir anstatt mich und andere Arbeitgeber im Handwerk in der Öffentlichkeit anonym anzugreifen und hier nur Ihre sehr einseitige Sichtweise darzustellen. Es ist im Leben immer besser beide Seiten zu hören, bevor man sich ein Urteil erlaubt.

  2. Das macht alles doch sehr nachdenklich!bei Steinhaus und Giesen sind seit einigen Tagen alle Tore zu!auch ein Opfer der Krise?

  3. Aus diesem sehr informativen Artikel nehme ich mit, dass nun fast jedes Gewerbe und jede Firma jetzt Einsparungen vornimmt. Leider bedürfte es hier einer Verteuerung bzw. Verknappung der Energie. Nun zahlt es sich aus, daß bereits einige Unternehmer vorausschauend die entsprechenden Maßnahmen ergriffen haben.

  4. Ich kann dem Kommentar vom Bensberger nur zustimmen. Als langjähriges Mitglied von Schulkonferenzen in 2 Schulen (Grundschule + Gymasium) musste ich Anfeindungen von Eltern gegen Lehrerinnen und Lehrer erleben, die dem schon früh geäußerten Wunsch der Eltern entsprachen: „Jetzt wird mein Kind endlich erzogen!“ Wenn das Kind nicht eindeutig für das Gymnasium geeignet beurteilt wurde, waren das die Lehrer schuld. Mit dem elitären Denken, „Mein Kind soll was Besseres werden“ ziehen die Eltern ihre eigene Lebensleistung in den Schmutz.

  5. Ein sehr interessanter Artikel, der die Stimmungen und Wünsche „vor Ort“ darstellt. Der Fachkräftemangel wird als großes Problem öfters angegeben. Kein Wunder: Alle Eltern möchten, dass „aus dem Kind Mal was wird“ und meinen Abitur und Studium seien der einzig richtige Weg. Arbeitgeber stellen (wenn v erfügbar) Abiturienten ein, da bei diesen (angeblich) gewährleistet ist, dass sie aufgrund der immer mehr steigenden Anforderungen die Ausbildung überhaupt beenden. Beides führt mit dem auch geschilderten Anspruchsdenken der jungen Menschen ebenfalls zu den mm Fachkräftemangel.