Wie lange man größere, zusammenhängende musikalische Werke in der Corona-Zeit vermisst hat, zeigte das große Publikum in der voll besetzten Heilig-Geist-Kirche. Der Chor wagte sich an das Requiem von Gabriel Fauré und wurde mit viel Applaus belohnt.

Nach langer, langer Corona-Zeit wagte sich der Konzertchor Bergisch Gladbach, der mit Rodrigo Affonso einen hervorragenden neuen Dirigenten vorweisen kann, wieder an ein größeres Werk: Das Requiem von Gabriel Fauré wurde nicht ganz komplett, aber kompetent und mit einem sehr kleinen, aber durchaus original passenden Orchester (Kourion-Orchester aus Münster) und überzeugenden Sologesangs-Partien (Adriana Bastidas-Gamboa, Sopran, sowie Wolfgang Stefan Schwaiger, Bariton) in der Hander Heilig-Geist-Kirche aufgeführt. 

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Rodrigo Affonso – Chorleiter mit Ambitionen und Augenzwinkern

Seit einem guten Jahr dirigiert Rodrigo Affonso den Konzertchor Bergisch Gladbach. Er bringt nicht nur enorm viel musikalisches Know-how und internationale Erfahrung mit. Sondern ist auch ein empathischer Musikpädagoge und Vollblutmusiker, der seine Sängerinnen und Sänger mit viel Herz, Spaß und Ironie und zugleich hohem Anspruch nach vorne bringt.

Davor gab es „Vorprogramm“: Der für Fauré vorgesehene einzige Geiger (Cezar Salem) zeigte bei einem Bach-Solosatz schönen Klang, danach  stimmte der erste Choralsatz aus Bachs Motette „Jesu meine Freude“ noch unkompliziert und mit Orgelbegleitung (wie immer souverän: Stefan Kames) in den Trauermonat November ein. 

Der folgende Mendelssohn-Satz „Hör mein Bitten, Herr“ ließ viel vom stimmungsvollen und traumhaft sicheren Solo-Sopran hören, aber auch der Konzertchor begann hier zu zeigen, dass nun die komplizierten Sätze wieder intensiv einstudiert wurden. 

Das anschließende „Lux aeterna“ des Amerikaners  Dan Forrest, der sowohl das liturgische lateinische Requiem wie auch einen Text aus der englischen King-James-Bibel zur Grundlage hat, klingt mit seinen wiederholenden Tonfolgen d-g-a und breitem Orchester zwischen Orgel und Harfe gefällig nach frommer Filmmusik.

Hier ragte ein wunderbarer Knabensopran heraus: Alejandro Camino Naddaf überzeugte allein schon durch klare Stimme und saubere Intonation.

Strahlenden Chorklang

Das alles war Vorprogramm. Faurés Requiem, bei dem Kleinigkeiten fehlten, ließ im einleitenden Kyrie endlich wieder strahlenden Chorklang hören. Auch die Solisten ließen hören, was man so lange vermisst hat: ein samtiger Bariton im „Hostias“, dazu ein überzeugendes Violinsolo, dann das andächtige „Pie jesu“. Der Chor steigerte sich von Satz zu Satz, bis hin zum „In Paradisum“, wo sich das raffiniert gesetzte Orchester mit den Stimmen zu einem verführerischen Klangteppich verwob.

Wie lange man größere, zusammenhängende Werke nicht mehr aufgeführt hat, zeigte auch das große Publikum in der voll besetzten Kirche, das auch bei diesem Requiem nach jedem kleinen Sätzchen schon applaudierte. Auch ein Corona-Schaden, der behoben werden sollte!

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