v.l.: R. Wirtz, L. Eschbach, H. Kussinger, A. Kierdorf; Foto Frank Groboschek

Der Wandel in der Bestattungs- und Trauerkultur hat Auswirkungen auf die Struktur klassischer Friedhöfe und Bestattungsdraditionen. Der Bergische Geschichtsverein und Denkmalpfleger:innen haben daher Pflegekonzepte aus anderen Städten vorgestellt, um geschichtsträchtige Friedhöfe und Grabstellen der Stadt zu erhalten.

Für die alten Friedhöfe wirkt sich der aktuelle Wandel in den Trauer- und Bestattungsgewohnheiten zunehmend sichtbar aus: Familiengräber werden nicht weiter belegt und in der Folge aufgegeben; immer mehr Lücken entstehen entlang der Wege und auf den Gräberfeldern.

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Die allgemeine Pflege und Instandhaltung leiden unter fehlenden Einnahmen der Stadt als Träger. Neue Gräber – vor allem auch Urnenbeisetzungen – sind eher individuell, persönlich und bewusst temporär angelegt.

Vor diesem Hintergrund nahm der Geschichtsverein in der Gnadenkirche eine Bestandsaufnahme vor: Stadtführerin Roswitha Wirtz zeigte ausgewählte Beispiele historischer und aktueller Grabstellen auf den Gladbacher Friedhöfen. Sie verwies auf das Sammelfeld „Campus Memoriae“ auf dem Bensberger Friedhof und die Aktivitäten des gleichnamigen Fördervereins des Laurentius-Friedhofs. Außerdem stellte sie die umfangreichen Bücher vor, die inzwischen zu den drei zentralen, noch genutzten Gladbacher Friedhöfen erschienen sind.

Dr. Alexander Kierdorf vom Rheinischen Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz schilderte die Entwicklung des Patenschaftsmodells des Kölner Stadtkonservators Professor Dr. Beines insbesondere auf dem Melaten-Friedhof.

Denkmalpflegerin und Architektin Heike Kussinger-Stankovic aus Aachen stellte die beeindruckende Arbeit des Fördervereins für den Evangelischen Friedhof in Düren vor, zu der sie auch ein Buch verfasst hat.

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass nicht nur die Geschichtsfreunde, sondern auch viele weitere Bürger die Entwicklung der Friedhöfe mit Sorge sehen. Sie gehen aber fest davon aus, dass sich die Stadt als Eigentümer zu einem dauerhaften Erhalt und einer Instandhaltung der Flächen und des Wege- und Grünbestandes bekennt. Angesichts der zentralen oder exponierten Lage der Anlagen aufkommende Bebauungsabsichten werden abgelehnt.

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Neben der weiteren wissenschaftlichen Aufarbeitung der lokalen Friedhöfe, will sich der Geschichtsverein in Zukunft verstärkt auch für den Erhalt wichtiger Grabanlagen einsetzen. Wobei sich die Wichtigkeit für den Erhalt sowohl aus künstlerischer wie auch ortsgeschichtlicher Perspektive ergeben kann.

Diese Grabanlagen sollten dabei möglichst an ihrer originalen Stelle erhalten bleiben, zumal heute – anders als noch vor wenigen Jahrzehnten – kein Platzmangel mehr bestehe. Auch stehe einer Eintragung einzelner Gräber in die Denkmalliste nichts mehr im Wege, was in Bergisch Gladbach bisher nicht realisiert werde.

Für Pflege und Instandsetzung könnten in Zukunft neben normalen Spenden auch spezielle Fördermittel für Denkmäler über gemeinnützige Vereine eingeworben und für gezielte Maßnahmen eingesetzt werden. Damit werde sichergestellt, dass die Friedhöfe nicht nur ihre traditionelle Funktion und Würde, sondern auch den über Generationen gewachsenen geschichtlichen Zeugniswert zur Lokalgeschichte behielten. Gerade auch die jeweils eigene Stadtgeschichte und das charakteristische soziale Profil von Gladbach und Bensberg und den weiteren Stadtteilen werde so dokumentiert.

Abschließend dankte Geschichtsvereins-Vorsitzender Lothar Eschbach der Stadt Bergisch Gladbach für die bisherige gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit bei der Dokumentation und Pflege der Friedhöfe, sagte im Namen der Mitglieder weitere Unterstützung zu und lud jedermann zum Engagement ein.

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1 Kommentar

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  1. Dank gilt dem Geschichtsverein, dass sich die Aktiven um dieses wichtige Thema kümmern! Die Friedhöfe sind wichtige Ruhezonen in den Stadtteilen. Die Nutzung der aufgegebenen Gräber im Sinne von biodiverser Bepflanzung oder Einsaat wäre wünschenswert. Gerade hier kann sich auch die Natur regenerieren. Das kommt dann auch wieder den Menschen zu Gute.