Jörg Köhler, Leiter der Feuerwehr Bergisch Gladbach. Foto: Thomas Merkenich

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Mit einem umfassenden deutschlandweiten Stromausfall rechnet Feuerwehrchef Jörg Köhler eher nicht – ein regional und zeitlich begrenzter Blackout sei wesentlich wahrscheinlicher. Daher ist die Feuerwehr Bergisch Gladbach seit Monaten aktiv, um die eigene Arbeit und die vitalen Funktionen der Stadt im Fall der Fälle aufrecht zu erhalten.

Stromgeneratoren spielen im Leben von Jörg Köhler, Chef der Feuerwehr Bergisch Gladbach und damit auch verantwortlich für das städtische Krisenmanagement, in diesem Jahr eine große Rolle. Zunächst bei der Hilfe für die neue Partnerstadt Butscha in der Ukraine, seit einigen Monaten aber auch bei der Gefahrenabwehr in Bergisch Gladbach selbst.

Ein bundesweiter Blackout in ganz Deutschland sei zwar aktuell eher unwahrscheinlich, berichtete Köhler am Mittwochabend im Ausschuss für Infrastruktur, Umwelt, Sicherheit und Ordnung (AIUSO). Für wesentlich wahrscheinlicher halte er einen regional und zeitlich begrenzten Stromausfall – zum Beispiel in Bergisch Gladbach. Und dann dauere es nur wenige Stunde, bis nichts mehr gehe – von der Supermarkttür über die Handynetze bis zu den Tankstellen.

Feuerwachen für einige Tage autark

Daher bereiteten sich Feuerwehr und Stadt seit Monaten auf einen solchen Fall vor, auch wenn sie sich bei den Kompetenzen in Abgrenzung zu Bund, Land und Kreis in einem diffusen Raum bewege. Die Funktionsfähigkeit der Feuerwehr („Wenn der Strom weg ist, brennt es häufiger“), aber auch die vitalen Aufgaben der Stadtverwaltung sollen so abgesichert werden.

Die eigene Arbeit, berichtet Köhler, sei inzwischen gesichert. Die Wachen seien mit Notstromaggregaten auch für den Dauerbetrieb versorgt, der Nachschub von Kraftstoffen in Kooperation mit lokalen Ölhändlern und Tankstellen geklärt und die Heizung könne zur Not von Gas auf Öl umgestellt werden.

Auch die eigene Kommunikation könne die Feuerwehr ohne Strom aufrecht erhalten, da sei sie mit drei Systemen (inklusive einer Starlink-Verbindung) auf der sicheren Seite.

Daran könnten im Fall der Fälle auch die Kernbereiche der Stadtverwaltung partizipieren, die dann wahrscheinlich sowieso ihre Arbeitsplätze in die Feuerwehrwachen verlegen. „Wir sind ziemlich zuversichtlich, dass wir die letzten sein werden, die noch telefonieren können“, sagt Köhler.

Die Frage ist nur, mit wem. Die Bevölkerung soll daher über „Notfallinformationspunkte“ auf dem Laufenden gehalten werden. Das können zum Beispiel Schulen sein – oder einfach „ein Feuerwehrfahrzeug mit Lautsprecher, das auf eine Kreuzung gestellt wird“. Die Information der Bürger:innen während einer Krise sei aber die Aufgabe des Kreises.

Notverwaltung definieren

Auch den Normalbetrieb der Stadtverwaltung könne man nicht aufrecht erhalten. Zwar seien die Server mit Notstromaggregaten abgesichert – aber die einzelnen Computer und Monitore der Beschäftigten natürlich nicht. Hier arbeite ein Arbeitskreis daran, wie die wichtigsten Funktionen einer Notverwaltung definiert und aufrecht erhalten werden können. Dafür habe man in der Pandemie Erfahrungen gesammelt und einige Vorarbeiten erledigt.

Ein großes Problem werde bei einem anhaltenden Stromausfall das Abwasser. Denn aufgrund der hügeligen Lage ist das Abwasserwerk auf starke Pumpen angewiesen, und die wiederum auf Strom. Früher oder später staut sich das Schmutzwasser auf und steigt nach oben. Hier gebe es bereits Lösungsansätze des Abwasserwerks.

Ebenso kritisch könne es relativ rasch auch beim Trinkwasser werden, weil auch hier große Pumpen erforderlich sind. Allerdings habe Bergisch Gladbach hier ein „Ass im Ärmel“: die starken Strunde-Brunnen im Stadtgebiet seien betriebsbereit und könnten gemeinsam mit der Belkaw angezapft werden, um zum Beispiel Tankwagen mit Trinkwasser zu befüllen und in die Stadtteile zu bringen.

Appell an die Eigenverantwortung

Köhler appelliert daher auch an die Bürger:innen, selbst Vorsorge zu leisten und sich mit einem Notvorrat an Wasser und Lebensmitteln einzudecken. „Jeder sollte selbst dafür sorgen, dass er für drei bis vier Tage autark ist“, sagt der Feuerwehrchef, „wir können ja nicht die ganze Stadt versorgen.“

Das gelte auch für Krankenhäuser oder zum Beispiel Altersheime, die selbst vorsorgen müssten.

Hinweis der Redaktion: Das Bundesamt für den Katastrophenschutz hält Informationen zur individuellen Vorsorge bereit.

Natürlich berge ein längere Blackout Gefahren, die auch die Feuerwehr nicht alle lösen können. Das gelte zum Beispiel für die Frage, wie Schulen und Kitas reagieren würden. Das laufe dann wie bei einem starken Unwetter: die Lehrer:innen und Erzieher:innen warten, bis das letzte Kind abgeholt wird, „und dann ist die Einrichtung zu“, sagt Köhler.

Ohnehin habe dieses Jahr gezeigt, dass man sich von der „Vollkaskomentalität“ verabschieden müsse. Aber für solche Notsituationen sei die Feuerwehr ja geschult: „Wir analysieren die Lage, priorisieren die Aufgaben und fangen an. Dabei hat natürlich das Menschenleben oberste Priorität. Was wir nicht schaffen, bleibt erstmal liegen“, sagt der Feuerwehrmann nüchtern.

Er bleibe aber optimistisch, was die Stromversorgung angehe: „Das haben wir ja in Butscha gelernt: selbst wenn das Stromnetz mit Raketen beschossen wird funktioniert es ja irgendwie immer noch.“

Das realistische Szenario für Deutschland, regionale Ausfälle, seien beherrschbar – sofern die Bevölkerung und auch die Betreiber neuralgischer Einrichtung ausreichend Vorbereitungen für sich selber treffen

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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8 Kommentare

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  1. Hallo liebe Feuerwehr! Es wäre sinnvoll einen Notfunk zu organisieren und die Frequenz bekannt zu machen, zum Beispiel PMR 1 oder irgendeinen anderen Kanal. Wenn das alle vorher wissen kann man schnell Notfallhilfe anfunken/weiterfunken.

  2. Meine Sorge sind die vielen Menschen, die es völlig unvorbereitet trifft. Ein zwei Stunden Stromausfall werden wir alle sehr gut verschmerzen können. Wenn der Strom jedoch 48h Stunden ausfällt, dann würde es mich nicht wundern, wenn die ersten am Rad drehen.
    Ich habe jedoch die Hoffnung, dass ein Stromausfall die Solidarität und das Mitgefühl der Menschen weckt und wir am Ende vielleicht noch gestärkter aus der Situation rausgehen werden.

    1. Wenn der Strom länger als 24 Stunden ausfällt, kann man die Lebensmittel aus dem Kühlschrank und teils sogar aus dem Eisfach wegwerfen. Wenn das eine ganze Stadt machen muss, sehe ich ernste Probleme mit der Entsorgung und dem Nachschub auf uns zukommen. Vor allem, weil Supermärkte ja das gleiche Problem mit ihren Kühltheken und Kühllagern haben werden.

      Ich hoffe wirklich, dass wir hier nur von kontrollierten Stromabschaltungen für sehr wenige Stunden reden. Denn offen gesagt, seit der Pandemie teile ich Ihre Hoffnung über die Solidarität der Menschen nicht mehr.

  3. Gut, dass die Feuerwehr vorsorgt. Aber wie und wo kann der Bürger im Notfall, Feuer, medinizinischem Notfall etc., Hilfe rufen?

    1. Dafür werden kreisweit sogenannte Notfallinformationspunkte in den Stadtteilen in Betrieb genommen, wo Sie Ihr Hilfeersuchen absetzen können. Dort wird es dann an die Einsatzleitung z.B. über Funk weitergemeldet und die entsprechenden Kräfte entsendet. Die geplanten Standorte werden in Kürze veröffentlicht, so dass die Bürgerinnenund Bürger sich in Ruhe damit vertraut machen können, wo sie Hilfe bekommen.

  4. Vielleicht kann man eine Liste erstellen, in die sich Besitzer von Stromaggregaten, Wohnmobilen (die ja auch über den Motor Strom erzeugen können bzw manche haben ja auch Sonnenkollektoren auf dem Dach) usw eintragen lassen. Insbesondere für Menschen, die krankheitsbedingt auf medizinische Geräte angewiesen sind, aber auch Familien mit Säuglingen könnte das eine Hilfe bringen.

    1. Kleiner Hinweis: Photovoltaikanlagen sind, vor allem im „Heimbereich“, in den meisten Fällen nicht netzautark. Sprich, die Anlagen schalten sich, wenn der Strom weg ist, einfach ab.