Ein Entwurf für die Kita Mondsröttchen / Reiser, die in Bensberg gebaut wird. Foto: AWO

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Im Mondsröttchen in Bensberg baut die AWO den bislang größten Kindergarten der Stadt. Nach einem ersten Kostensprung setzten die aktuellen Baukosten-Steigerungen dem Projekt erneut zu – und bringen einen zentralen Baustein des Konzeptes in Gefahr: Die Frischkochküche, die mit immerhin 200.000 Euro veranschlagt wird. Im zuständigen Ratsausschuss kämpfte die AWO für diese Küche. Vorerst mit Erfolg.

14 Kitas betreibt die AWO bereits für die Stadt Bergisch Gladbach, und alle sind mit einer eigenen Küche ausgestattet. Die neue Kita Mondsröttchen in Bensberg soll ab 2024 knapp 100 dringend benötigte neue Plätze schaffen, der erst Spatenstich ist gerade erfolgt. Doch jetzt ist das Projekt zwischen zwei Mühlsteine geraten: Die rasant steigenden Baukosten einerseits und die immer knapper werdenden Mittel der Stadt.

Die AWO plant und betreibt die Kita, die Kosten werden komplett von Land und Stadt getragen. Schon in einer ersten Runde waren sie um 1,2 auf 4,2 Millionen Euro geklettert, darin erinnerte der Beigeordnete Ragnar Migenda am Donnerstag im Jugendhilfeausschuss. Die AWO habe auch einen Generalunternehmer gefunden, der die Kita zu einem Festpreis in genau dieser Höhe bauen will – also eigentlich eine Punktlandung.

Wenn da nicht die Frischkochküche wäre. Die war für die AWO immer fester Bestandteil des Projektes, doch der Vertrag sieht jetzt doch nur eine Aufwärmküche vor. Statt vor Ort zu kochen würde das Essen also nur zugeliefert. Die Aufstockung des Vertrags um eine vollwertigeKüche würde (je zur Hälfte für die baulichen Voraussetzung und für die Einrichtung) 200.000 Euro zusätzlich kosten.

Eine Summe, die in den Fraktionen zu erheblichen Diskussionen geführt hatte. Die Stadt selbst gab dem Jugendhilfeausschuss keinen Entscheidungsvorschlag vor. Migenda machte in seiner Einführung aber deutlich, dass die Stadt sich diese Ausgabe – bei aller Sympathie – eigentlich nicht mehr leisten können. „Wir sind 2023 aller Voraussicht nach wieder im Haushaltssicherungskonzept, daher ist Kostendisziplin unerlässlich“, mahnte Migenda.

„Pädagogisch, sozial, ökologisch und ökonomisch nachhaltiger“

Dann allerdings erhielt Dunja Brala das Wort, die für die AWO die Kita Kunterbunt leitet – und in einem sehr konzentrierten Vortrag klar machte, dass in einer Zeit, in der in vielen Familien überhaupt nicht mehr richtig gekocht werde, eine Frischkochküche in jeder guten Kita unerlässlich sei. Natürlich aus pädagogischen, aber eben auch aus sozialen, ökologischen und ökonomischen Gründen. „Auf lange Sicht ist eine solche Küche nachhaltiger und rentabler“, argumentierte Brala.

Hinweis der Redaktion: Eine Zusammenfassung der Argumente für die Frischeküche der AWO finden Sie im Ratsinformationssystem

Mehrere Sprecher anderer Kita-Träger und des Arbeitskreises Jugendhilfe unterstützten die AWO. Nur eine Frischkochküche ermögliche es vielen Kindern, eine natürliche Beziehung zu Lebensmitteln aufzubauen und eine gesunde Ernährung kennen zu lernen. Schon aus Gründen der Prävention sei es „fast unmöglich, es nicht zu machen“, sagte Frank Köchling von der Netzwerk gGmbH.

Mit einem Catering-Unternehmen könne eine Kita heute gar nicht mehr nachhaltig betrieben werden, das gingt nur mit einer Frischkochküche, ergänzte Thomas Droege, Geschäftsführer der KJA. Dass nun das Geld fehle, gehe alleine auf die Baukostensteigerungen zurück – und sei daher nicht der AWO anzulasten.

Einstimmig, ohne Enthaltung

Davon waren auch die Vertreter:innen von CDU sowie auch von Grünen und SPD beeindruckt, die angesichts der Summe zum Teil zunächst mit Bedenken in die Sitzung gekommen waren. Die Abstimmung des Jugendhilfeausschusses fiel folglich einstimmig und ohne Enthaltung aus: dafür, dass die Stadt Bergisch Gladbach die Frischkochküche finanziert.

Ein klarer Erfolg für die AWO. Allerdings ein Etappenerfolg, denn dieser Beschluss – darauf hatte Migenda vorsorglich hingewiesen – im Hauptausschuss, im Finanzausschuss und im Stadtrat bestätigt werden.


Einladung: In der dritten Runde der BürgerAkademie des Bürgerportals geht es um den Haushalt 2023 – und seine große Bedeutung für die Ausrichtung der Arbeit der Stadtverwaltung im kommenden Jahr. Zu Gast am 12. Dezember ab 19.30 Uhr ist Stadtkämmerer Thore Eggert. Am 13. Dezember besuchen wir die Ratssitzung, in der Kämmerer und Bürgermeisten den Haushalt einbringen – und besprechen die Sitzung danach in der Kneipe mit Ratsmitgliedern aller Fraktionen. Anmeldung und Info per Mail: redaktion@in-gl.de

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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5 Kommentare

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    1. Vor allem pädagogisch. Die AWO führt in dem (verlinkten) Dokument u.a. diese Argumente an:

      Die Kinder erleben eine größere Wertschätzung der Lebensmittel durch die tägliche Beobachtung der Speisenzubereitung („wie zu Hause“).
      Kinder lernen die Vielfalt an Lebensmitteln kennen, ergänzend zum häuslichen Angebot.

      In den ersten 3 bis 6 Jahren werden Geschmacks- und Geruchswahrnehmungen besonders nachhaltig geprägt; die Kinder erleben Geschmacksvielfalt und positive Beispiele an Essgewohnheiten werden unbewusst übernommen.

      Das ernährungspädagogische Konzept lässt sich gut mit dem Verpflegungsangebot verknüpfen.

      Kinder lernen, den Wert von Lebensmittel zu schätzen.

      Kinder sind am Einkauf beteiligt, z.B. beim Besuch am Wochenmarkt oder der Gärtnerei. Sie bekommen dadurch einen Bezug zum Weg der Lebensmittel vom Erzeuger über den Handel in die Küche

      Kinder lernen die Lebensmittel kennen, die auch in der Kita für das Mittagessen verwendet werden; z.B. Kräuter aus einem Kräuterbeet

      Kinder sind z.B. durch Kinderkonferenzen (Partizipation) bei der Speiseplanung beteiligt.

      Kinder helfen beim Kochen.

      Kinder erleben den Duft von frisch gekochtem Essen.

  1. Viele Kitas kochen frisch, wieso ist es hier so ein großes Thema? Warum ist es in diesem Fall so teuer, Aufwärmgeräte durch Herd/Backofen zu ersetzen?

    1. Alle AWO-Kindergärten in GL kochen frisch. Ein Thema wurde es jetzt, weil die allgemeinen Baukosten so schnell steigen, dass die Kalkulation nicht mehr gepasst hat und 200.000 Euro fehlen – die jetzt zusätzlich beantragt, genehmigt und finanziert werden müssen.

      Bei einer Küche für 100 Kinder plus Personal geht es nicht um ein paar Herde. Details finden sich wie immer im Ratsinformationsystem:

      „Die zusätzlichen Kosten für eine Produktionsküche (oder auch Frischkochküche genannt) würden nach aktuellen Angeboten 196.235 € betragen. Hiervon fallen ca. 100.000 € für die baulichen Umsetzungen (Belüftung, Elektroninstallation, Fettabscheideranlage etc.) sowie ca. 96.000 € für die Einrichtungsgegenstände wie Herd, Geschirrspüler etc. an.“

      1. Warum gibt es in Kitas, die für 60-70 Kinder frisch kochen, keinen Fettabscheider? Warum ist bei über 100 Kindern ein Fettabscheider nötig?
        Wie oft wird da frittiert? Wäre es im Hinblick auf gesunde Ernährung nicht besser, auf Frittieren zu verzichten?