Franziska Hock leitet die Katholische Ehe-, Familien- und Lebensberatung. Foto: privat

Ob Kita-Start, Einschulung oder Wechsel an die weiterführende Schule: Der Beginn einer neuen Lebensphase ruft bei Eltern oft widersprüchliche Gefühle hervor. Denn ein Anfang ist immer auch ein Ende. So liegen Freude und Trauer nah beieinander. Wie es gelingt, das Kind mit all diesen Emotionen durch die Übergangszeit zu begleiten und es gleichzeitig loszulassen, erklärt Franziska Hock von der Katholischen Ehe-, Familien- und Lebensberatung.

Das Leben ist ein ständiger Wandel, gekennzeichnet von Anfängen, neuen Lebensabschnitten und damit einhergehenden Enden. In diesen Tagen stecken viele Familien in besonders bedeutsamen Übergängen, die ihr Leben (und die Entwicklung der Kinder) maßgeblich beeinflussen: der Start der Kita, die Einschulung oder der Wechsel in die weiterführende Schule.

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Solche Veränderungen rufen oft widersprüchliche Gefühle hervor. Auf der einen Seite stehen Neugierde, Mut und Zuversicht. Auf der anderen Seite heißt Veränderung eben auch Abschied nehmen von etwas Gewohntem, das bislang Sicherheit vermittelt hat. Das kann für Unsicherheit, Angst, Trauer oder auch Ärger sorgen.

In der Beratung geht es beim Umgang mit Veränderung im ersten Schritt oft darum, diese widerstrebenden Gefühle erst einmal zu erkennen und zu reflektieren: Was geht gerade in mir vor, und warum? Haben die unangenehmen Gefühle vielleicht einen Sinn, eine Art gute Absicht? Übertrage ich diese Gefühle eventuell auf mein Kind? Welche anderen Gefühle könnten für die aktuelle Veränderung noch hilfreich sein?

Symbolfoto: Thomas Merkenich

Der Kita-Start: Die ersten Schritte in die Selbstständigkeit

Mit dem Beginn des Kita-Lebens steht für Kinder der erste Schritt in die Welt außerhalb des familiären Kreises an. Die Kleinen entdecken ihre Selbstständigkeit und knüpfen erste soziale Kontakte.

Eltern stehen jetzt vor der Aufgabe, ihrem Kind Nähe und Sicherheit zu geben, es aber gleichzeitig Schritt für Schritt loszulassen, in seiner Entwicklung zu ermutigen und die Entfaltung der ersten Eigenständigkeit zu unterstützen.

Das ist manchmal gar nicht so leicht. Dann tut es gut, innezuhalten und sich zu fragen: Fällt es mir gerade schwer loszulassen? Was braucht mein Kind von mir? Dabei hilft es auch, im Gespräch mit den Erzieher:innen und anderen Kontaktpersonen in der Kita zu sein.

Die Einschulung: Ein Meilenstein in der Bildung und Identitätsbildung

Die Einschulung markiert nicht nur den Start in die Schulbildung, sondern auch einen wichtigen Meilenstein in der Identitätsbildung eines Kindes.

Die Eltern sind in dieser Phase mit einer neuen Art der Begleitung gefordert: Es geht darum, dem Kind bei der Bewältigung neuer Herausforderungen zu helfen, mögliche Lösungswege aufzuzeigen und gleichzeitig loszulassen, um ihm Raum für seine individuelle Entwicklung zu geben.

Äußert das Kind zum Beispiel ein Problem mit Mitschüler:innen, ist es einerseits wichtig zu schauen, was ich als Eltern tun muss (etwa die Lehrer:innen ansprechen). Andererseits sollte ich überlegen, wie ich auch mein Kind stärken und dazu befähigen kann, das Problem selbst zu lösen.

Der Wechsel in die weiterführende Schule: Wachstum und Veränderung

Der Wechsel von der Grundschule in die weiterführende Schule ist ein weiterer bedeutender Anfang für Familien. Es ist eine Zeit des Wachstums, in der sich Kinder zunehmend auf ihre persönlichen Interessen und Fähigkeiten konzentrieren.

Eltern müssen jetzt verstärkt dazwischen abwägen, da zu sein und dem Kind die Verantwortung für das Selbstmanagement zu übergeben; es zu begleiten, Hilfestellung zu bieten, es aber auch seinen eigenen Weg finden zu lassen. Es geht nun noch mehr als zuvor darum, das Kind in seiner wachsenden Eigenständigkeit zu unterstützen.

Kurz und knapp:

Anfänge, neue Lebensabschnitte und damit einhergehende Enden sind entscheidender Bestandteil des Lebens einer Familie. Diese Übergänge bieten wertvolle Möglichkeiten für Wachstum, Reflexion und Zusammenhalt.

Themen wie das Begleiten und Loslassen spielen in den Übergängen eine entscheidende Rolle. Eltern müssen lernen, ihre Kinder in ihren Anfängen zu unterstützen, Ängste zu verstehen und ihnen Sicherheit zu geben, während sie gleichzeitig den Raum für ihre individuelle Entfaltung ermöglichen.

Indem Familien diese Übergänge bewusst und achtsam gestalten, können sie gemeinsam die Herausforderungen meistern und die Freuden neuer Lebensabschnitte feiern.


Haben Sie selbst eine Frage an unsere Expertinnen im Familienrat? Dann schreiben Sie uns bitte: redaktion@in-gl.de

leitet seit 2021 die Katholische Ehe-, Familien- und Lebensberatung Bergisch Gladbach. Nach der Ausbildung zur Krankenschwester studierte sie „Soziale Arbeit“ und schloss einen Master of Counseling in Ehe-, Familien- und Lebensberatung ab. Eine Ausbildung zur systemischen Familientherapeutin ergänzt...

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  1. Auch in der Kindertagespflege beginnt nun wieder die spannende Zeit der Eingewöhnung, für viele Kinder in der Regel die erste außerfamiliäre Betreuung. Wir freuen uns darauf, diese aufregenden Anfänge begleiten und die Kinder und ihre Familien in dieser Zeit unterstützen zu können. Unseren „Großen“, die wir vor den Ferien verabschiedet haben, wünschen wir eine schöne KiTa-Zeit mit vielen neuen und spannenden Abenteuern!