77 Schwarzweißfotografien als Ausgangspunkt von unzähligen Installationen von Michael Wittassek und drei plastische Arbeiten von Daria Eßer hat das Kunstmuseum für seine Sammlung erhalten. Möglich gemacht durch zwei für die Villa Zanders sehr bedeutende Vereine. Eine Variante der außergewöhnlichen Installation „Chromolux“ von Wittassek ist für drei Wochen kostenlos zu besichtigen.

Die beiden Schenkungen bedeuten eine wesentliche Bereicherung und Ergänzung der Bergisch Gladbacher Sammlung „Kunst aus Papier“, teilte das Kunstmuseum Villa Zanders jetzt mit. Der Förderverein des Museums Galerie+Schloss e.V. sowie der Rotary Club Bergisch Gladbach hätten sich damit zum wiederholten Mal für das städtische Kunstmuseum und die Erweiterung des Bestands verdient gemacht.

+ Anzeige +

Schenkung durch Galerie+Schloss e.V.

Bei der Schenkung des Galerie+Schloss e.V. handelt es sich um 77 Schwarzweißfotografien, jeweils im Format 183 x 112 cm, mit der dazugehörigen Transportkiste und einem Begleitbuch. Der Bergisch Gladbacher Künstler Michael Wittassek (geb. 1958) hatte die Fotografien mit dem Titel „CHROMOLUX“ 2023 angefertigt.

Das Motiv dieser Fotografien ist ein weißer Bogen Papier der Marke Chromolux, die zu den erfolgreichsten Produkten der Papierfabrik Zanders gezählt hatte. Die 77 Fotoabzüge zeigen dieses Papier in verschiedenen Zuständen vom makellosen Blatt bis hin zum zerfledderten und sich fast auflösenden Bogen. Es gehöre auch zur Präsentation dieser Arbeit, dass die einzelnen Abzüge in sich verformt und plastisch gestaltet werden. Daher werde sich die Arbeit mit jeder Ausstellung ändern und immer wieder anders aussehen, je nach den gegebenen räumlichen Verhältnissen und der Entscheidung des verantwortlichen Ausstellungskurators oder der -kuratorin.

Wittassek hatte die Installation zur Übergabe selbst aufgebaut, in einer von unzähligen möglichen Varianten. Diese Installation ist noch bis zum 21.04.2024 bei freiem Eintritt zu besichtigen.

Hinweis der Redaktion: Weitere Erläuterungen zum Chromolux-Projekt und mehr Fotos finden Sie weiter unten.

Schenkung durch Rotary Club Bergisch Gladbach:

Der Rotary Club hat drei plastische Arbeiten der in Bonn geborenen und dort lebenden Künstlerin Darja Eßer (geb. 1987) gestiftet. Es sind jeweils eigenständige Werke, die zusammen ein harmonisches Ensemble bilden, erläutert das Kunstmuseum.

Die filigranen Arbeiten aus semitransparentem japanischem Kozopapier machten die enge Verbindung von Haut, Hülle und Kleidung auf eine poetische und sinnliche Weise spürbar. So umschrieben auch die Titel eher eine Stimmung, als dass sie einen konkreten Gegenstand benennen.

Für ein Paar aus Papier genähter Schuhe findet die Künstlerin die Umschreibung „Die Ferne säumen“ (2022, ca. 26 x 9,5 x 11,5 cm, Tusche, Kozopapier, Garn). Ein aus mehreren Papierlagen gestaltetes Kleid trägt den Titel „Remembering a breathing skin“ (2018, 72 x 39 cm, Tusche, Kozopapier) und bei „Quelqu´un voyage dans la peau des chrysanthèmes“ (2022, ca. 62 x 25 x 11 cm, Tusche, Kozopapier, Garn) handelt es sich um einen kleinen rosafarbenen Rucksack. 

Arbeiten von Darja Eßer werden in einer der nächsten Präsentationen der Sammlung „Kunst aus Papier“ vorgestellt werden.

Dokumentation

Michael Wittassek, CHROMOLUX, 2023
77 Schwarzweißfotografien, je 183 x 112 cm, Lager- und Transportkiste (190 x 118,5 x 5,5 cm), Begleitbuch

Der Name Chromolux ist eng mit der Stadt Bergisch Gladbach, seiner Papiertradition und der Firma Zanders verbunden. Er steht für ein hochwertiges Papier, das zu den erfolgreichsten Produkten aus dem Hause Zanders zählte. Seine außergewöhnlich luxuriöse Anmutung mit der geschlossenen, hochglänzenden Oberfläche erinnert an Fotopapier, auf dessen Wesensverwandtschaft der Name hinweisen könnte: „lux“ (lat.) bedeutet „Licht“.

CHROMOLUX ist eine Arbeit, die in die Zukunft gerichtet ist. Der Künstler übergibt kein fertiges Werk, sondern bezieht die Teilnahme weiterer Personen in seine Realisierung ein.

Ausgangspunkt ist ein weißes, 80 g starkes Chromoluxpapier, das Michael Wittassek – wie jede seiner Arbeiten – einem mechanischen Bearbeitungsprozess unterzieht: Dem makellosen Blatt fügt er zunächst leichte Knicke zu, nach und nach entstehen scharfe Falten, die allmählich aufreißen, bis sich schließlich Fetzen lösen und das Blatt als Blatt unkenntlich wird. Jeder einzelne dieser Bearbeitungsschritte wird fotografisch festgehalten und in einer Größe von 183 x 112 cm abgezogen. Es entstehen 77 Fotografien, die in einer Kiste lagern.

Dies beschreibt das Ausgangsmaterial für die Arbeit CHROMOLUX, die erst durch ihre Präsentation in einer Ausstellung vollendet wird. Für jede dieser Präsentationen ist die Bearbeitung der einzelnen Blätter zwingend notwendig. Dabei bleibt es dem jeweiligen Kurator bzw. der Kuratorin überlassen, auf welche Weise die Fotografien plastisch bearbeitet sowie welche und wie viele aus dem Stapel der 77 Blätter für eine Präsentation ausgewählt werden.

Hilfsmittel wie Schrauben, Muttern, Unterlegscheiben, aber auch Aufhängevorrichtungen wie Drahtseile sind erlaubt. Die Kiste selbst, als „Speicher“ des Werkes, kann ebenfalls zum Gegenstand der Ausstellung werden.

Mit dem letzten bearbeiteten Blatt ist die Realisierung abgeschlossen. Die verantwortlichen Museumskuratoren entscheiden, wie schnell die Ressource aufgebraucht ist.

Die Frage, was nach einer Ausstellung mit den jeweils vollendeten Arbeiten geschieht, ist offen. Wie jedes andere Kunstwerk können sie in einem Depot gelagert werden, doch würde dies sehr viel Platz beanspruchen. Eine Alternative hierzu wäre, die Blätter zu glätten. Mit ihren Bearbeitungsspuren, den Falten und Knicken sind die Fotografien verwandelt und könnten Gegenstand einer neuen Präsentation sein.

Hier schließt sich die grundsätzliche Frage danach an, was Kunst ausmacht und wann (wenn überhaupt) ein Kunstwerk aufhört, Kunst zu sein.

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.