Herbert Reul 2023 im Gespräch mit Leser:innen des Bürgerportals im Landtag. Foto: Thomas Merkenich

In einer Aktualisierung ihrer ersten Stellungnahme teilt der Kreisverband der CDU mit, dass drei Einzelspenden des mutmaßlichen Chefs einer Schleuserbande an die CDU Rhein-Berg für den Landtagswahlkampf von Innenminister Herbert Reul bestimmt waren.

Die 29.970 Euro an Spenden an die CDU Rhein-Berg von dem Frechener Anwalt Claus B. sind in den Landtagswahlkampf von Innenminister Herbert Reul geflossen. Der Rechtsanwalt, der im Verdacht steht, reiche Chinesen illegal ins Land gebracht zu haben, habe ihn angesprochen, weil er ihn und die CDU bei der Wahl unterstützen wolle, sagte Reul dem Kölner Stadt-Anzeiger. Er habe den Mann zuvor nicht gekannt, sich aber nach ihm erkundigt und nichts Verdächtiges festgestellt.

Die drei Spenden von jeweils 9990 Euro an die CDU Rhein-Berg seien von dem Rechtsanwalt sowie von zwei Firmen gekommen, in denen er Geschäftsführer war, bestätigt Kreisgeschäftsführer Lennart Höring in einer Mail.

Aufenthaltsgenehmigungen für die Schleuser waren von den Ausländerämtern in Solingen, im Rhein-Erft-Kreis, Kerpen und Düren erteilt worden. In diesen Orten ermittelt die Staatsanwaltschaft, u.a. gegen Mitarbeiter von Kreis- und Stadtverwaltungen, einen SPD-Mann in Düren und einen CDU-Politiker in Rhein-Erft. Der Stadt-Anzeiger fasst den aktuellen Stand in diesem Beitrag zusammen.

Wir dokumentieren die gesamte, aktualisierte Erklärung der CDU Rhein-Berg:

Unser ursprünglicher Beitrag vom 10. Mai 2024:

Wie andere Kreisverbände hat auch die CDU im Rheinisch-Bergischen Kreis Spenden von Personen erhalten, die im Verdacht stehen, reichen Chinesen illegal Aufenthaltstitel verschafft und Politiker in Düren sowie Rhein-Erft bestochen zu haben. Dabei ist die Summe in Rhein-Berg deutlich höher als in den anderen Kreisen.

Am Mittwochabend hat der NRW-Landesverband der CDU bekannt gegeben, dass nicht nur an den Kreisverband Rhein-Erft Spenden gegangen waren, die aus dem Kreis der Beschuldigten im Fall der Luxus-Schleuser stammen – und dass Rhein-Berg besonders viel Geld erhalten hatte.

Der Landesverband hatte alle Gliederungen der CDU aufgefordert, alle Eingänge der letzten zehn Jahre nach Spenden des Beschuldigten und seines Firmennetzwerks zu überprüfen, berichtet u.a. der WDR. Nach ersten Ergebnissen seien für die Jahre 2020 bis 2023 acht Einzelspenden in einer Höhe von insgesamt 52.500 Euro an die CDU geflossen.

Der Kreisverband Rhein-Erft habe demnach 12.500 Euro, die Junge Union NRW 10.000 Euro und der CDU Kreisverband Rhein-Berg knapp 30.000 Euro erhalten.

Hermann-Josef Tebroke ist Bundestagsabgeordneter und Vorsitzender der CDU Rhein-Berg. Foto: CDU

Eine Summe, die Hermann-Josef Tebroke, MdB und Kreisvorsitzender der CDU Rhein-Berg, am Donnerstagabend bestätigte: „Bei einer internen Prüfung haben wir festgestellt, dass aus dem Kreis der aktuell bekannten Beschuldigten und deren Umfeld in den letzten zehn Jahren auch drei Einzel-Spenden an unseren CDU-Kreisverband mit einer Gesamtsumme von 29.970 Euro erfolgt sind.“

Nach dem derzeitigen Kenntnisstand sei das Parteiengesetzes durch die Spenden nicht verletzt worden, erklärt Tebroke. Dennoch habe die CDU Rhein-Berg eine externe juristische Prüfung veranlasst.

Offenbar betrug jede der drei Einzelpenden 9.990 Euro; ab 10.000 Euro müssen Spenden in den jährlichen Rechenschaftsberichten der Parteien veröffentlicht werden.

„Die CDU Rheinisch-Bergischer Kreis ist entsetzt über die Vorwürfe gegen Mitglieder einer international agierenden Bande im Bereich der Schleuserkriminalität. Die Schleuser-Vorwürfe sind schwerwiegend und verlangen eine umfassende Aufklärung,“ sagt Tebroke. Die CDU Rhein-Berg habe die Staatsanwaltschaft Düsseldorf über die eingegangenen Spenden informiert und Unterstützung bei der Aufklärung angeboten.

Vorwürfe, dass die Spenden in Rhein-Berg mit Gegenleistungen verbunden waren, wurden nicht erhoben.

Anders dagegen in Rhein-Erft und Düren. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf prüft, ob der Frechener Rechtsanwalt Claus B. einer der beiden mutmaßlichen Köpfe der Schleusergruppe, mit Spenden einen ehemaligen CDU-Landrat bestochen hat, damit dieser Türen bei Ausländerämtern öffnet, berichtet der WDR. Es gebe einen Anfangsverdacht, zitiert der Sender einen Sprecher der Staatsanwaltschaft.  In Düren steht ein ehemaliger SPD-Landratskandidat und hochrangiger Mitarbeiter der Kreisverwaltung ebenfalls in Verdacht.

Die Schleuserbande soll vor allem reichen Menschen aus China und dem Oman Aufenthaltstitel in Deutschland verkauft haben, bei Preisen von bis zu 360.000 Euro pro Person. Die 38-köpfige Bande habe Sonderregelungen für ausländische Fachkräfte ausgenutzt, um mindestens 147 wohlhabende Ausländer nach Deutschland zu schleusen, berichtet der WDR in einem ausführlichen Beitrag.

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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  1. Ich bin guten Mutes: Wir dürfen ganz sicher davon ausgehen, dass der rechtschaffende Politiker Reul und seine rechtschaffende Partei die Spenden, sollten sich die Vorwürfe zur Beschaffung der Aufenthaltsgenehmigungen erhärten, in voller Höhe für einen wirklich guten Zweck – zum Beispiel für eine Institution gegen Korruption – weitergeben werden.

  2. Spenden sind IMMER mit einem Interesse verbunden.
    Das kann eher allgemein sein, dann nennt man es Landschaftspflege. Sie können aber auch sehr konkret dazu dienen, bestimmte Handlungen und Entscheidungen zu veranlassen. Das zweite nennt man Korruption.
    Im vorliegenden Fall waren die Spender darauf angewiesen, dass in verschiedenen Behörden positive Entscheidungen getroffen wurden. Es besteht deshalb der Verdacht, dass mit den Spenden diese Entscheidungen gekauft wurden. Die Aufklärung dürfte schwierig sein. Alle möglichen Beteiligten, vom stempelnden Sachbearbeiter über den entscheidenden Vorgesetzten, den einflussnehmenden Politiker und schließlich die profitierenden Rechtsanwälte verbindet ein gemeinsames Interesse.

  3. Das schmutzige Geld der SchleuserKriminellen sollte die CDU NICHT behalten, sondern für die Arbeit der verschiedenen Vereine für DEMOKRATIE „spenden“

  4. Es wird ja immer besser
    Schade das die etablierten Medien das nicht thematisieren.
    Wäre so etwas der AFD, Bündnis Sahra Wagenknecht VG oder den Freien Wählern passiert dann wäre jetzt der Bär los.
    Aber da die CDU es betrifft wird es denke Ich kein großes Ding werden.
    (VERSCHWÖRUNGSTHEORIE !?!?)

    1. Was genau werfen Sie der CDU Rhein-Berg denn vor? Und welche „etablierten Medien“ meinen Sie? Diese Sache haben vor allem WDR und KSTA aufgebracht, auch wir berichten, viele andere Zeitungen haben es aufgegriffen.

    2. Stadtanzeiger, Rheinische Post, WDR haben bereits berichtet, könnte mir vorstellen, dass auch Investigativ-Teams dran sind. Also ja, Verschwörungstheorie – auch nicht zum ersten Mal von dir. Vielleicht mehr “etablierte Medien” konsumieren?

      1. Der CDU werfe ich gar nichts vor. @Sebastian
        Aber die Art wie berichtet wird ist manchmao schon anders. Je nachdem wen es trifft. Meine Meinung – Meine Verschwörungstheorie
        Und ich konsumiere fast nur etablierte Medien.
        Viele der alternativen Medien sind populistich, überzogen oder verbreiten Fake News.

        Wohl leses ich aber einige Formate die unabhängig und oder Lokal sind. So wie z.b. In Gl oder auch andere kleine.

    3. Da mehrere der größten Parteispendenskandale in Deutschland die CDU betrafen und diese Skandale auch lange und in großer Breite in den Medien thematisiert wurden, halte ich Ihre These für sehr gewagt.