Der Sitz der Belkaw an der Hermann-Löns-Straße. Foto (Archiv): Thomas Merkenich

Auf der Suche nach dringend benötigtem weiteren Büroraum ist die Stadtverwaltung bei einer Tochtergesellschaft fündig geworden: Sie will einen Teil der Hauptverwaltung der Belkaw an der Hermann-Löns-Straße anmieten und dort rund 80 Beschäftigte unterbringen.

Die zuständigen Ausschüsse des Stadtrats haben die Verwaltung beauftragt, Verhandlungen mit der Belkaw über die Anmietung eines Bürogebäudes zu führen, teilte ein Sprecher der Stadt am Freitag mit. Bei der Adresse handelt es sich um die Hermann-Löns-Straße 131 – und damit um den Hauptsitz der Belkaw GmbH.

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Auf 1600 Quadratmeter Fläche könnten dort bis zu 80 Mitarbeiter:innen und Archivunterlagen untergebracht werden. Das Gebäude liegt an der Ecke zur Straße Am Stadion, im Grenzbereich von Hand und Gronau, 1400 Meter vom Rathaus entfernt.

Zum Vergleich: Im AOK-Gebäude, das ab Ende 2025 als neues zentrales Stadthaus dienen soll, stehen 4500 Quadratmeter für voraussichtlich 185 Arbeitsplätze zur Verfügung.

Das vor zehn Jahre gekaufte Gustav-Lübbe-Haus in Heidkamp ist insgesamt 6000 Quadratmeter groß; dort sind neben Stadtarchiv, Grünflächenamt und Wahlbüro aber vor allem Flüchtlinge untergebracht.

Ein weiteres Bürohaus hat die Stadt an der Hauptstraße / Ecke Konrad-Adenauer-Platz angemietet. Auch auf Zanders sind Beschäftigte untergebracht.

Im Juni 2022 waren Verhandlungen über eine Immobilie mit 2900 Quadratmetern in der Senefelder Straße gescheitert.

Die Belkaw habe angeboten, einen von insgesamt drei Gebäudeteilen zu vermieten, bestätigt ein Sprecher des regionalen Energieversorgers auf Anfrage. Dieser Gebäudeteil stehe fast komplett leer.

Die Belkaw gehört zu 49,9 Prozent der Stadt und zu 50,1 Prozent der RheinEnergie, die einige Verwaltungsarbeiten von Köln aus für die Belkaw ausführt. Zudem war die Kundenbetreuung schon Ende 2019 aus der Hermann-Löns-Straße in die Innenstadt gezogen.

Zu wenig Schreibtische für Neueinstellungen

Die Aufgaben der Verwaltung der Stadt Bergisch Gladbach werden immer größer, und auf dem Papier wächst auch die Verwaltung selbst: Fast 1500 Vollzeitstellen stehen im Stellenplan. Allerdings kann die Stadt viele Stellen nicht besetzen, weil es an interessierten Fachkräften mangelt, aber auch weil es zu wenig Schreibtische gibt.

Mit dem Umzug aus den alten Stadthäusern in das angemietete AOK-Gebäude Ende 2025 will die Stadt moderne Bürokonzepte und eine effizientere Nutzung der Schreibtische einführen, doch auch dort ist der Raum eher knapp bemessen. Daher hatte die Stadt neben den Rathäusern in Gladbach und Bensberg sowie dem Gustav-Lübbe-Haus in Heidkamp bereits mehrfach Büroflächen dazu gemietet.

Die großen Immobilien der Stadt, im Uhrzeigersinn: Historisches Rathaus Gladbach, alte Stadthäuser, AOK-Gebäude, Technisches Rathaus Bensberg, Gustav-Lübbe-Haus. Fotos: Thomas Merkenich

Geringer Umbau-Aufwand

Das Gebäude der Belkaw befinde sich in einem guten Zustand und könne mit überschaubarem Renovierungsaufwand bezogen werden, teilt die Stadt weiter mit. Angestrebt werde das erste Quartal 2025.

Es gebe eine gute IT-Infrastruktur, der Schnitt der Etagen und Räume ermögliche einen „deutlich unkomplizierten Einstieg als andernorts“. Daher sei auch mit verhältnismäßig geringen Kosten für die notwendigen Restanpassungen zu rechnen.

Die Anmietung dient vorrangig der schnellen und effizienten Schaffung zusätzlicher Büroarbeitsplätze, um die Not in den Verwaltungsstandorten zu lindern, betont die Stadt. Welche Abteilungen in das Belkaw-Gebäude ziehen sollen stehe noch nicht fest.

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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  1. Und die Mieten/Instandhaltungen für das AOK-Gebäude + Gustav-Lübbe-Haus + Hauptstraße + Zandersgebäude + Belkaw sollen nun günstiger sein, als ein Neubau, in dem man (idealerweise) alle Fachbereiche hätte unterbringen können? Gab es nicht “damals”, als das AOK-Gebäude angemietet wurde, kritische Anmerkungen/Fragen, ob die Fläche ausreichend ist? Soweit ich mich erinnere wurde argumentiert, dass durch Homeoffice und Teilung/flexible Nutzung von Arbeitsplätzen, die Fläche ausreicht?

    1. Der Kostenfaktor ist gewiss nicht allein ausschlaggebend, vielmehr sollen beispielsweise die beiden Rathäuser für die Verwaltungsnutzung erhalten bleiben. (Eine anderweitige Nutzung wäre u.a. unter dem Aspekt des Denkmalschutzes wohl kaum möglich.)
      Für einen Neubau fehlen entsprechend bebaubare und verkehrsgünstig gelegene Grundstücke im Stadtgebiet.
      Auch bei Homeoffice muss ein Arbeitsplatz in einem städtischen Bürogebäude vorhanden sein; eine wirklich mobile Lösung existiert noch nicht, und Desksharing ist nur sehr bedingt möglich (siehe dazu beispielsweise die Sachstandsberichte des CDO).
      Folglich stellt die Nutzung des Belkaw-Gebäudes eine Übergangslösung dar, wie im Artikel angedeutet. Längerfristig werden Büroflächen effizienter genutzt werden können und dadurch der Flächenbedarf sinken.

    2. Da der Stadt die Hälfte gehört, kommt ein Teil der Miete ja wieder zurück. Besser als komplett fremde Flächen anzumieten.
      Und leer stehen die meisten Büros dort auch.

      Aber ja, sie haben recht. Mit mobilem arbeiten, Produktivitätssteigerungen und Streichung von unnötigen Tätigkeiten, könnte man den Personalbedarf sicherlich um einiges kürzen. Das Problem sind aber meist öffentlich Angestellte in höheren Ebenen (Land/Bund) die nicht wissen, was sie machen sollen und dann neue Dinge erfinden, die dann die kommunalen Behörden ausbaden müssen.
      Das Perpetuum Mobile des öffentlichen Sektors.