Die GGS / OGS Refrath. Foto: Google Street View

Vor sechs Jahren war die Grundschule in der Wittenbergstraße gezwungen, einen zweiten notdürftigen Standort zu eröffnen, um alle Schüler:innen unterbringen zu können. Zwar hatten Politik und Verwaltung eine rasche Wiedervereinigung versprochen, doch nach wie vor gibt es keine konkreten Aussichten auf Abhilfe. Statt dessen werden die organisatorischen Nöte und der Platzmangel immer größer. Daher geht die Schulgemeinschaft jetzt an die Öffentlichkeit.

Der Offene Brief an Politik und Verwaltung ist von der gesamten Schulgemeinschaft der OGGS Refrath unterzeichnet, von Schulpflegschaft, Lehrerrat, Schülerrat, Leitung von OGS und GGS, vom Träger der OGS und vom Förderverein. Er ist zurückhaltend formuliert und verzichtet auf klare Forderungen. Aber Enttäuschung und Frust aller Beteiligten spricht aus jeder Zeile des vierseitigen Briefs, zwei Sätze bringen es auf den Punkt: „Aus den von Rat und Verwaltung zugesagten 4 Jahren Provisorium wurden mittlerweile 7 Jahre. Ein Ende ist nicht in Sicht.“

Anlass für den Brief ist der im Frühjahr aufgestellte Fahrplan für die Sanierung aller Schulen in Bergisch Gladbach, neben einer Priorisierungsliste enthält er eine Liste der bereits laufenden Umbau- und Sanierungsvorhaben – auf der die Schule in Refrath aber nicht auftaucht. Die Kernfrage der Schulgemeinschaft lautet daher: „Warum ist die OGS Refrath nicht als laufendes Bauvorhaben im Vorspann der Schulbaupriorisierungsliste geführt?“

Eine scheinbar einfache Frage, auf die es bislang aber keine echte Antwort gibt. Eine Anfrage des Bürgerportals ist von den Fachbereichen der Verwaltung (Schulverwaltung und Hochbau) zwar inzwischen beantwortet worden, auch die Schule hat am Mittwoch eine Antwort bekommen – doch sie hilft nicht weiter.

Hintergrund: Auf der Priorisierungsliste taucht die GGS Refrath erst auf Platz 16 auf, trotz gravierender Defizite beim Brandschutz und der Elektrotechnik sowie beim Raumangebot. Als „Ideen“ für eine Lösung nennt der von der Verwaltung erstellte Steckbrief den Zusammenzug der Schule an einem neuen Ort oder den Ausbau des alten Standortes, evtl. durch eine Aufstockung (siehe Dokumentation).

Der zweite Standort macht viele Probleme

Dabei ist die schwierige Lage der Schule, wie sie der Brief ausführlich beschreibt, offenbar schon lange bekannt.

2018, angesichts des aktuten Mangels an OGS-Plätzen und offenbar unter Druck des damaligen Bürgermeisters Lutz Urbachs und seines Beigeordneten Frank Stein, ließ sich die Schule darauf ein, die beiden 1. Klassen in einer Dependance im ehemaligen katholischen Pfarrheim in der Straße In der Auen unterzubringen – 950 Meter von der Schule in der Wittenbergstraße entfernt.

Gleichzeitig habe Urbach bei einer hitzigen Versammlung auf dem Refrather Wochenmarkt zugesichert, „alles zu tun“, um eine schnelle „Wiedervereinigung“ der beiden Standorte zu ermöglichen.

Beim 75. Jubiläum der Schule 2022 hätten Stein – inzwischen Bürgermeister – und der damalige Fachbereichsleiter Dettlef Rockenberg in ihren Festreden die Wichtigkeit der OGGS Refrath als „traditionellen Standort innerhalb des ganzen Sozialraumes“ bekräftigt.

Schon 2021 hatte die Schule auf die großen Probleme hingewiesen, einige davon führt der offene Brief exemplarisch auf:

„Als Schule des Gemeinsamen Lernens können wir räumlich und personell den Förderbedürfnissen von Kindern mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf in vielen Fällen nur eingeschränkt gerecht werden.

IntegrationshelferInnen und Sozialpädagogen verschärfen die Enge, Pflege- und Sicherheitsbedürfnisse der Kinder können nicht befriedigt werden.

Durch den zweiten Standort sind zahlreiche Kompromisse in Bezug auf lehrplangerechten Sach- und Fachunterricht, Außerunterrichtliche Angebote und Aufsicht, Abmilderung des Unterrichtsausfalles durch spontane Vertretung bei krankheitsbedingtem Ausfalls des Lehrpersonals notwendig, die auf Dauer für alle Beteiligten sehr belastend sind.

Angesichts der finanziellen Schieflage des OGS-Trägers fehlt es hier an Personal. Die vorzuhaltende „ 2. Leitung“ am zweiten Standort stellt Schule und freien Träger vor kaum zu lösende Probleme. So führt zum Beispiel die dauerhafte Erkrankung einer Fachkraft zu deutlichen Abstrichen in der Qualität der Angebote, und dies – aufgrund der durchgängigen Rhytmisierung – am Vor- und Nachmittag.“

150 statt 70 Kinder in der OGS

Schon lange führt die OGS eine Warteliste, darauf befänden sich „etliche ‘Härtefälle’, die aus humanitärer Sicht mit einem verantwortungsvollen demokratischen Umgang des Staates mit dem Bürger nur schwer zu vereinbaren sind“, heißt es in dem Brief.

Geplant war die OGS für maximal 70 Kinder, zur Zeit betreue sie aber 150. Kein Wunder, dass die Räume für Küche, Mensa, Garderoben und Mitarbeiter nicht ausreichen.

Daher hatte die Schule eine Aufstockung des Nebengebäudes oder des Flachbaues hinter dem OGS-Bau ins Spiel gebracht und dringt auf eine Optimierung des Raumprogramms – mit dem Ziel, möglichst viele Räume am Hauptstandort multifunktional zu nutzen. Zudem bittet sie um ein Gespräch mit der Verwaltung, welche Erweiterungen der Schule notwendig sind.

Hinweis der Redaktion: Nach der Veröffentlichung des Beitrags hat die Stadtverwaltung reagiert, uns einen Antwortbrief an die Schulgemeinschaft und eine allgemeine Antwort auf unsere detaillierten Fragen zum Stand der Dinge sowie zu Plänen für die Zukunft geliefert.

Auf die Fragen nach der Liste der laufenden Projekte gehen die Antworten nicht ein, sondern erklären noch einmal das Verfahren der Priorisierung (was nicht in Frage stand). Wir dokumentieren den Antwortbrief ebenfalls, zudem die Antwort auf unsere Fragen:

„Wir verstehen den Ärger der Schulgemeinschaft und wissen um die Probleme, die die Aufteilung auf zwei Standorte mit sich bringt. Die Stadt ist selbstverständlich bereit, mit der Schule über Raumoptimierungen zu sprechen und deren Möglichkeit zu prüfen. Wir haben der Schule einen weiteren Gesprächstermin angeboten. Bislang ist die Schulbaupriorisierung für die GGS Refrath aber noch nicht angelaufen, es wurde lediglich intern eine erste Einschätzung hinsichtlich Umsetzungsmöglichkeiten auf der Grundstücksfläche untersucht.“

Erst auf Rückfrage stellt die Pressestelle klar:

„Bei der GGS Refrath handelt es sich nicht um ein laufendes Projekt. Laufende Projekte liegen nur dann vor, wenn diese vor der Schulbaupriorisierung schon angelaufen sind. Bei der GGS Refrath wurde vor der Schulbaupriorisierung ein Ortstermin gemacht sowie intern eine erste Einschätzung hinsichtlich Umsetzungsmöglichkeiten auf der Grundstücksfläche.“

Dokumentation:

Der Brief der OGGS im Wortlaut

Der Antwortbrief der Stadtverwaltung im Wortlaut:

„Sehr geehrte Damen und Herren,

zunächst bestätige ich den Erhalt Ihres Briefes vom 03.06.2024, hier eingegangen am 12.07.2024. Hierin stellen Sie auf die von uns erarbeitete und vom Ausschuss für Schule und Gebäudewirtschaft (ASG) der Stadt Bergisch Gladbach beschlossene Priorisierungsliste Schulbau auf der Grundlage von Gebäudesteckbriefen ab. Des Weiteren bitten Sie um ein Einzelgespräch zum Thema.

Diesem Wunsch kommen wir selbstverständlich gerne nach und werden uns zwecks Terminvereinbarung mit Ihnen in Verbindung setzen.

Zur Vorgehensweise und dem grundsätzlichen Umgang mit den Gebäudesteckbriefen und der Priorisierungsliste sind Sie ja bereits durch Einzelgespräch und unseren Vorstellungstermin am 10.01.2024 umfassend informiert worden.

In diesem Termin haben wir allen Schulleitungen erläutert, welche Kriterien bei der Einordnung der Schulen in die Prioritätenliste eine Rolle gespielt haben. Dies waren insbesondere bauliche Notwendigkeiten und die Schaffung von Platz. Hier ist leider festzustellen, dass nahezu alle Schulen im Stadtgebiet unter mindestens eine der beiden Kategorien fielen. Bei letzterem wurde das Raumprogramm des ISEP (integrierten Schulentwicklungsplan) als Grundlage genommen und einem Soll-Ist-Vergleich unterzogen. Hieraus hat sich das „Ranking“ hinsichtlich der Raumbedarfe ergeben. Dieses wurde dann noch mit den baulichen Erfordernissen abgeglichen und, wie auch in dem o.a. Termin erläutert, in eine Reihenfolge gebracht.

Ich kann gut verstehen, dass die Zwei-Standorte-Lösung Sie als Schulgemeinde täglich vor große Herausforderungen stellt und möchte mich an dieser Stelle für Ihr diesbezügliches Engagement ausdrücklich bedanken. Gleichwohl ist es leider kurzfristig nicht möglich, hier Abhilfe zu schaffen.

Gerne können wir dieses Thema auch noch in einem persönlichen Gespräch erläutern, wenn Sie dies wünschen.

Mit besten Grüßen“

Der Steckbrief der GGS Refrath


Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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  1. Unfassbar! Mir ist nicht eine Schule in Berg Gladbach bekannt, die in einem ordentlichen Zustand ist. Hier werden unsere Kinder unterrichtet; verbringen den größten Teil des Tages. Teilweise konnen sie noch nicht mal richtig auf dir Toilette gehen! Geruch und die Hygiene absolut grauenhaft! Ein riesen Thema, der Stadt wohl bekannt! Aber auch hier viel Gerede, keine Ergebnisse!

    1. Zustand von Toiletten ist hier wohl eher nicht das Thema gewesen. Das ist allerdings eher eine organisatorische und auch eine erzieherische Frage, weniger eine Ressourcenfrage.

      1. Da stimme ich Ihnen zu. Hygiene und Sauberkeit einer Toilette sind das Ergebnis der Handlung der Nutzer. Kinder müssen diesbezüglich angeleitet und es muss vorgelebt werden. Das betrifft im übrigen nicht nur die Toiletten sondern das gesamte Schulgebäude (und auch andere Lebensbereiche wie z.B. Spiel- und Sportplätze).

  2. Gibt’s es in Bergisch Gladbach überhaupt noch Schulen welche keine Mängel haben und genügend Kapazität für Kinder aus GL?
    Es geht hier um unsere Kinder, die Steuerzahler von morgen!

    1. … und trotzdem ziehen die aktuellen Steuerzahlenden bzw. Erwachsenen keine erkennbaren Konsequenzen daraus und handeln nicht. Es wohnen weiterhin Familien in Bergisch Gladbach oder ziehen sogar her. Es werden weiterhin Kinder geboren, die später zwangsläufig zu beschulen sind. Es werden weiterhin die gleichen Parteien gewählt (ob bei Kommunal-, Landtags- oder Bundestagswahlen) und kein nennenswerter Druck auf die politischen Vertretungen ausgeübt, um Veränderungen herbeizuführen. Da kann die Situation ja nicht so schlimm sein.

      1. Ich finde die Zustände in den Schulen auch fürchterlich.
        Dennoch wage ich nun einmal einen provokanten Kommentar. Die Eltern und Großeltern wollen für ihre Kinder (hoffentlich) nur das beste. Gönnen ihnen teure Reisen, Fahrten in unverhältnismäßig großen Fahrzeugen, ein Spiele- und Schwimmbadparadies im eigenen Garten, … Nach dem Schulabschluß folgt dann ein Jahr Auszeit für die “Kinder”. Aber die Eltern und Großeltern nutzen jede Gelegenheit sich über Steuererhöhungen, Gebührenerhöhungen, Preissteigerungen zu echauffieren.
        Wie sollen denn alle Dinge finanziert werden?

      2. Zum Thema Steuern und Zustand von Schulen kann man auch so denken: Großkonzerne wie Apple oder Microsoft können alle Trick nutzen, ihre Steuern zu drücken. Dementsprechend sehen die Schulen aus. Wenn es dann zwecks früher Kundenbindung vermeintlich günstige oder sogar geschenkte elektronische Geräte oder Softwarelizenzen für Schulen gibt, sind dies Danaergeschenke.

      3. @Anno Nüm
        “Die Eltern und Großeltern wollen für ihre Kinder (hoffentlich) nur das beste”
        ->Die sind noch nicht mal bereit, lediglich ihr klimaschädliches Verhalten aus Bequemlichkeitsgründen zugunsten ihrer Kinder/Enkel (Elterntaxis und vieles mehr) zu überdenken und zu ändern.
        Geschweige denn, Steuererhöhungen, Gebührenerhöhungen, Preissteigerungen zugunsten ihrer Kinder/Enkel zu ertragen.