Viel Pflaster, kaum Bäume und einen Trinkwasserbrunnen nur am Bahnhof bietet die Gladbacher Fußgängerzone. Foto: Archiv

Bei diesen Temperaturen gleicht eine Einkaufstour in die Bergisch Gladbacher Fußgängerzone einer Reise durch die Wüste. Die wenigen Schattenplätze sind rasch belegt, die Bäume zu klein. Und dennoch stößt unsere Autorin bei ihrer Expedition auf einige wenige angenehme grüne Ecken. Und auf ein paar freundliche Menschen, die sich von der Hitze nicht verdrießen lassen.

Abgedunkelte Wohnung, zu warm für Balkonien, nichts im TV, ich muss ohnehin noch in die Stadt etwas erledigen. Doch in der Fußgängerzone ist es drückend heiß, die Hitze steht über dem Asphalt. Schnell bin ich in Schweiß gebadet und suche zwischen den Einkäufen nach etwas Abkühlung. Doch wo finde ich diese kühlenden Orte auf der Einkaufsstraße, für die die Stadtverwaltung kürzlich wieder hingewiesen hat?

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Hinweisschilder sehe ich dazu nicht. Wenigstens eine Sitzbank im Schatten wäre jetzt gut. Doch der Rhein-Berg Galerie bis zum Forum-Park sind Plätze besetzt, nur in der prallen Sonne gibt es Leerstellen.

Offenbar suchen wie ich viele der Passanten den Schatten. Aber der Lerbacher Wald, der Gierather Wald, das Strunde Tal, der Friedhof Quirlsberg sind weit weg. Zu weit, denn jeder Schritt ist heute einer zu viel. 

Das Eiscafé De Fanti am Forumpark. Foto: Thomas Merkenich

Immerhin gibt es in der relativ kurzen Fußgängerzone sieben (Eis)-Cafés, die alle Sonnenschirme anbieten, doch dazu müsste ich etwas verzehren. Gegenüber der Sparkasse sitzt ein älterer Mann, der mir einen Sitzplatz anbietet und mit dem ich ins Gespräch komme. Ich muss wohl ganz schön erhitzt aussehen.

Kein Wunder, die hohen Temperaturen belasten den Kreislauf. Noch schlimmer sind aber Temperaturschwankungen: Die Klimaanlagen in den Geschäften sind kühlen so weit herab, dass mir beim Rein- und Rausgehen der Atem stockt.

Mein Gesprächspartner bemängelt, es gebe „zu wenig Schattenflächen, die Kronen der Bäume sind zu klein. Das dauert bis diese Kronen so groß sind, dass Sie wirklich Schatten spenden.“ Ich erzähle, dass ich gelesen habe, dass bespielsweise eine 20 Jahre alte Linde so viel Schatten wie der von vier Sonnenschirmen spendet und einen Kühlungseffekt von 21 Kühlschränken hat.

Der Herr wünscht sich Sonnensegel anstelle der fehlenden Baumkronen und auch eine ansprechende Gestaltung der Innenstadt: „Vielleicht ein paar Luftballons an den Leitungen, die noch von der Weihnachtsbeleuchtung hier hängen. Hier könnte man mal bunte Ballons anbringen.“

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Mehr große Bäume auf Bergisch Gladbachs zentralem Platz wären bei heißen Tagen eine Wohltat. Aber so schnell wachsen die Bäume nicht in den Himmel. Der Designer Thomas Cramer hätte da einen anderen, innovativen Vorschlag – der mit relativ wenig Aufwand zu realisieren wäre. Warum eigentlich nicht?

Er verweist mich anschließend auf die „Grüne Ladenstraße“. Nun gut, dann mache ich einen Abstecher dorthin, obwohl ich eigentlich in Richtung Stadtbücherei unterwegs bin. In der „Grünen Ladenstraße“ gibt es zwar grün Ranken, doch keine Sitzbänke außer den vielen Stühlen der Straßengastronomie.

Erst ganz am Ende finde ich eine schöne Holzbank, die mich kurz zum Verweilen einlädt. Mein Blick links fällt auf einen kleinen Platz, den ich mir gut mit etwas Blühendem vorstellen kann. So ganz ohne Pflanzen wirkt das Rondell allerdings trist und wenig einladend. Immerhin stehen hier große alte Bäume. Doch zum in die Luft gucken, da fehlt mir heute die Muße.

Heimatdenkmal von Rolf Steudel, 1991. Trotzenburgplatz, Bergisch Gladbach. Der Komponist und Musiker Max Bruch im Gespräch mit der Mäzenin Maria Zanders. Edition Stadtkultur © Klaus Hansen 2017
Das Heimatdenkmal von Rolf Steudel am Trotzenburgplatz. Der Komponist und Musiker Max Bruch im Gespräch mit der Mäzenin Maria Zanders. Foto: Klaus Hansen

Während ich in Richtung Poststraße zurückgehe treffe ich eine Dame, die auf den Steinbänken mitten im Heimatdenkmal am Trotzburgplatz auf einen Arzttermin wartet. Sie erzählt, dass sie in Sorge war, überhaupt in die Stadt zu fahren und nun froh sei, hier im Schatten zu sitzen. Aber die versiegelten Flächen und die Steine des Denkmals heizen sich so auf, dass sie sich „wie in einem Backofen“ fühle: „Wie schön wäre es, wenn es hier in der Mitte des runden Areals einen kleinen Springbrunnen gäbe.“

Keinen Springbrunnen, aber fließendes Wasser gibt es an der Strunde an der Buchmühle und am Forum. Also los, wieder durch die Fußgängerzone und wieder durch die Hitze.

Während ich nun in Richtung Villa Zanders schlendere, fällt mir plötzlich auf, dass es in den vergangenen Jahren hier große blühende Blumenkübel gab. Was ist eigentlich aus dieser Initiative geworden? Gemischtes Grün in Kübeln gibt es jetzt nur noch bei den Cafés und Geschäften, die diese als Abgrenzung zum Boulevard nutzen.

Die Villa Zanders mit ihrem kleinen Park und schattigen Bänken. Foto: Thomas Merkenich

Nicht zu glauben, im Gartenbereich der Villa gibt es drei freie Bänke, sogar mit Rückenlehne. Allerdings ist es hier laut, die Geräusche der Laurentiuskirmes direkt gegenüber sind übermächtig. Der Brunnen gegenüber vom Rathaus ist auf Grund der Kirmes abgestellt. Es wäre ohnehin nur ein absolut sonniger Standort.

Rechts neben der VHS an der Buchmühle finde ich ein traumhaftes stilles Fleckchen Erde mit blühenden Wiesenblumen, den naturnahen Garten, über den ich schon etwas gelesen habe. Auf einer der beiden Holzbänke nehme ich Platz und kann etwas verschnaufen.

Mittlerweile bin ich doch recht müde, denn die Hitze strengt an. Noch schnell ein paar Himbeeren vom gegenüberliegenden Hochbeet der Klimafreunde e. V. naschen. Nach einer eiskalten Lemon-Ingwer-Limonade aus dem naheliegenden Café in der historischen Buchmühle habe ich mich soweit erholt, dass ich die letzten Meter bis zur Stadtbücherei noch schaffe.

Am Forumpark treffe ich erneut auf die Strunde, die im Sonnenlicht silbern schimmert. Jetzt die Füße ins Wasser halten. Doch dazu müsste ich die vier Steinstufen hinab zum Bach bewältigen und dazu bin ich jetzt zu faul. 

Durch den Forumpark fließt die Strunde, die hier auf einer kurzen Strecke frei gelegt worden ist. Foto: Thomas Merkenich

Die ersten Wolken ziehen aus, eine leichte Brise kommt auf und ein Gewitter naht. Jetzt muss ich mich auf dem Weg zum Parkplatz sputen, damit ich nicht nass werde. Nach dem Trubel in der Stadt sehne ich mich jetzt nach meiner kühlen Wohnung.

Aber wie gut, dass ich mich aufgemacht habe, denn in der City traf ich freundliche Menschen, die gar nicht mürrisch waren wie ich es bei diesem Wetter eigentlich vermutet hätte. 

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  1. Das ist ein freundlicher und gleichzeitig sehr informativer kleiner Reisebericht von Frau Voigt.

    Er bietet eine erfrischend praktische Ergänzung zu den bisherigen Nachrichten unseres noch eher theoretisch orientierten Klimamanagements der Stadtverwaltung.

    Die nächste „Reise“ wird spätestens sinnvoll sein in 2026. Wenn das Zentrum von Bensberg fertiggestellt sein wird.

  2. Vielen Dank für diesen netten und gleichzeitig informativen Reisebericht.

    Er ist eine erfrischend praktische Ergänzung zu den Nachrichten unseres bisher noch eher theoretisch orientierten Klimamanagements.

    Die nächste kleine Reise wird spätestens sinnvoll sein in 2026. Wenn das Zentrum von Bensberg fertiggestellt sein wird.

  3. ich habe mich sehr gefreut über diesen Bericht, der deutlich macht, dass Sonnensegel und Abkühlung in den kalten Geschäften keine Lösung ist. Auch die fehlenden Sitzmöglichkeiten ohne Einkehrzwang wurden erwähnt und sprechen mir aus dem Herzen. Also mehr Bäume (keine schnelle Lösung), teilweise Entfernung der versiegelten Flächen (Park, Schulhöfe, Vorgärten) und mehr Sitzmöglichkeiten.
    Nicht zu vergessen aber auch – Änderung unseres klimaschädlichen Verhaltens (möchte aber niemand hören)

  4. Alle Menschen mit Verstand WISSEN , dass diese (dieses Jahr in Bergisch Gladbach vorerst nur kurze) Hitzeperioden erst der gruselige Anfang sind und wir sehr SCHLECHT AUFGESTELLT sind.
    @„Grünflächen“Amt und Stadtratsparteien : Mehr Bäume mit Sitzbänken in den Kommerz Pflasterwüsten. Danke für solche wirklich ANSCHAULICHEN Berichte !

    1. Wie definieren Sie denn Hitzeperiode? Zwei Tage 34 Grad?
      Es sind doch wieder angenehme sommerliche Temperaturen.

      Solarenergie, Klimaanlagen, mehr Grün in den Städten und evtl. eine längere Mittagspause (Siesta wie im Süden) einlegen.

      1. https://correctiv.org/faktencheck/2023/09/26/warum-dieser-alte-zeitungsbericht-ueber-hitzeperioden-kein-widerspruch-zum-klimawandel-ist/
        “Deutlich zugenommen haben dem DWD zufolge auch Hitzewellen, also Serien von mindestens 14 Tagen, an denen der Durchschnitt der täglichen Höchsttemperatur mindestens 30 Grad Celsius beträgt. Ein Beispiel: Eine solche Hitzewelle gab es in Hamburg laut dem DWD vor 1994 nie, seitdem jedoch schon sechs Mal”
        “Die Temperatur der extremsten Sommer vor dem Jahr 1990 ist in den letzten 30 Jahren zum Durchschnitt eines Sommers geworden. Was früher ein extrem heißer Sommer war, ist heute ein durchschnittlicher Sommer”

      2. “anpassen, genau so, wie man es im Urlaub in den südlichen Ländern auch tut”
        Sie scherzen!! In Frankreich haben die Hitzewellen zuletzt so stark zugenommen, wie nahezu nirgends sonst auf der Erde.
        Wo verkriechen wir uns bzw. wie kann man leben/arbeiten, wenn die Temperaturen, wie z.B. 2021 in Nordamerika oder 2023 in China, in Indien usw. über Tage/Wochen um die 50 Grad Celsius erreichen?
        Anpassen? Und wer soll alle diese vorbereitenden Maßnahmen bezahlen bzw. in Angriff nehmen?

        »Öffentliche Behörden und private Firmen sollten sorgfältig testen, ob unser Gesundheitssystem und die kritische Infrastruktur auf solche Ereignisse vorbereitet sind. In Frankreich etwa müssen bei extremer Hitze die Kernkraftwerke heruntergefahren werden, während gleichzeitig der Strombedarf für die Kälteerzeugung steigt – ein folgenreiches Dilemma”

        https://www.spektrum.de/news/klimawandel-macht-temperaturen-von-50-grad-auch-in-europa-moeglich/2172399

      3. Die Kernkraftwerke werden herunter gefahren, weil man mit dem Kühlwasser die Flüsse nicht zu sehr erwärmen will.

        Ihr Beitrag liest sich wirklich so, als wären diese Temperaturen nun an der Tagesordnung.
        Wollen Sie diese Panik verbreiten oder sind Sie einfach nur panisch bei diesem Thema?
        Der verlinkte Text gibt diese Panik nämlich keinesfalls wider.

        Ja, man kann sie daran anpassen. Sei es technisch (Klimaanlagen, bauliche Veränderungen, Regenwasserspeicher, die bei Hitze auf Flächen entleert werden etc.) oder sozial, d.h. z.B. Arbeits- und Öffnungszeiten außerhalb der Hitzezeit.

      4. Der Grund für AKW-Abschaltungen in Frankreich ist meines Wissens, wenn eine ausreichende Kühlung nicht mehr gewährleistet werden kann wegen zu niedriger Pegelstände und hohe Wassertemperaturen in den zur Kühlung genutzten Flüssen!

      5. @Sam Urai: “sind Sie einfach nur panisch bei diesem Thema?”
        Ich bin vielleicht nur nicht so abgestumpft oder gleichgültig wie Sie!
        Wer nimmt die weltweiten Folgen der Erderwärmung nicht wahr, die Überschwemmungen, Stürme, Dürren und Hitzewellen, kaum mehr zu löschende Waldbrände, Missernten, massenhaftes Viehsterben, Erwärmung der Ozeane usw. SIND an der Tagesordnung!

        “Für die Reichen ist es im Moment eine teure Unannehmlichkeit. Für die Armen ist es ein Leiden. In Zukunft wird der Wohlstand, den man haben muss, um nur Unannehmlichkeiten zu haben, steigen”
        Zitat (glaube ich) des Klimawissenschaftlers Andrew Dessler von der Texas A&M University
        Und da hat er wohl Recht!

  5. Ich finde, im ganzen Stadtgebiet und auch bei den rbs Siedlungen gehören kleine Wasseranlagen, Bänke und vielleicht sogar südliche Pflanzen hin. Ich gehe bei der Hitze auch kaum raus, weil mein Kreislauf und die Übelkeit mich dann einholen würden. Meine Meinung

  6. Vielen Dank an die Redaktion!
    Hinweisschilder in der Stadt wären jetzt wünschenswert. Damit jeder schnell die Orte findet, auch ohne Internet!

  7. Vielen Dank für den Bericht!!!
    Sicherlich gibt es viele (auch kostengünstige) Lösungen, die, die Stadtverwaltung auch umsetzen könnte.
    – Feste Segel..Sonnen und Regenschutz in der Hauptstraße
    – Ausweisung und klare deutliche Hinweise/ Darstellung auf die Kältezonen (Hitzeschutzplan!)
    – Trinkwasserbrunnen am Waffeleisen…
    Ach, es gibt soviele Möglichkeiten, auch in den Stadtteilen..BGL besteht nicht nur aus der Innenstadt…
    Ein Blick über den Tellerrand hilft bei der Ideenfindung.