Beim Klimaschutz macht Bergisch Gladbach jetzt Tempo: Nach dem Klimaschutzkonzept ist jetzt auch ein Hitzeaktionsplan verabschiedet worden. Bei der kommunalen Wärmeplanung sieht sich die Stadt gar als Vorreiter, bis zum Herbst soll der Plan stehen. Den Bürger:innen kann er aber vorerst nur eine vage Orientierung bieten.

Der Hauptaussschuss hat in seiner Sitzung am Mittwoch zwei wichtige Bausteine des Klimaschutzes und der Klimaanpassung bestätigt. Der Hitzeaktionsplan wurde einstimmig beschlossen, und auch die Vorlage zur Erarbeitung einer kommunalen Wärmeplanung stieß auf einhellige Zustimmung.

Der Hitzeaktionsplan ist Bestandteil des Klimaschutzkonzeptes und soll v.a. die Bevölkerung vor den Folgen der Klimakrise schützen. Dazu sollen besonders belastete Hitze-Hotspots identifiziert, präventive Maßnahmen für diese Orte entwickelt, die Bevölkerung für die Gefahren sensibilisiert und so die Gesundheitsgefahren aufgrund von Hitze reduziert werden. Die Erstellung des Plans war zu 100 Prozent vom Land gefördert worden.

Die Verwaltung habe damit bereits begonnen, berichtete der zuständige Beigeordnete Ragnar Migenda. So gibt es eine erste Version einer Karte kühler Orte, städtische Flächen wie zum Beispiel Schulhöfe sollten zum Teil entsiegelt werden, mehr Trinkwasserbrunnen und Refill-Stationen seien geplant und auch über die künstliche Beschattung von Freiflächen werde nachgedacht.

Ein ergänzender Antrag der FWG, der Freihaltung von Frischluftschneisen bei allen Planungen Priorität einzuräumen, wurde ebenfalls einstimmig beschlossen, bei Enthaltung von CDU, FDP, Bergischer Mitte und AfD.

Alle Beschlussvorlage finden Sie im Ratsinformationssystem, den gesamte Hitzeaktionsplan dokumentieren wir unten.

Wärmeplanung bietet vorerst nur vage Orientierung

Die kommunale Wärmeplanung soll den Bürgerinnen und Bürgern eine Grundlage für eigene Entscheidungen liefern, wie sie ihre Wohnungen und Häuser künftig beheizen wollen – und ob sie dabei auf ein städtisches Fernwärmenetz zurückgreifen können.

Laut Gesetz sind die Kommunen dazu bis Sommer 2026 verpflichtet, Bergisch Gladbach wolle damit aber bis Ende September oder spätestens Ende Oktober 2024 fertig sein, sagte der Beigeordnete Migenda. Den Auftrag zur Erstellung der Planung hatte die Belkaw gemeinsam mit dem BET Büro für Energiewirtschaft und technische Planung gewonnen.

Frank Schäfer von BET erläuterte, dass es sich bei der Wärmeplanung zunächst einmal um eine unverbindliche Leitplanung handele. Sie bildet einen strategischen Rahmen für eine treibhausgasneutrale Wärmeversorgung der Stadt bis 2045, der Orientierung für lokale Investitionsentscheidungen gibt, heißt es in der Vorlage.

Laut Schäfer werde nun das Stadtgebiet untersucht und in drei sogenannten Vorranggebiete eingeteilt:

  • in solche (in der Regel zentralen, dicht besiedelten Bereiche), die für den wirtschaftlichen Betrieb eines Fernwärmenetzes geeignet seien,
  • in solche, die weiterhin über Gasleitungen versorgt werden, durch die nicht unbedingt Erdgas fließen müssen, sondern künftig zum Beispiel auch synthetisches Methan, das aus Wasserstoff gewonnen wird,
  • in solche (vor allem in den dünner besiedelten Randgebieten), die dezentral versorgt werden müssen, in Zukunft wahrscheinlich mit elektrisch betriebenen Wärmepumpen.

Folglich können die Bürger:innen nur daraus, in welchen Bereichen sie wohnen, indirekt ableiten, ob es sich lohnt, auf einen Fernwärmeanschluss zu warten oder in eine Wärmepumpe investieren zu müssen.

Besonderheiten in Bergisch Gladbach

Bereits jetzt habe sich gezeigt, dass Bergisch Gladbach über einige Besonderheiten verfüge, die die Wärmeversorgung sowohl begünstigen wie erschweren könnten, berichtete Schäfer. So verfüge die Stadt – im Gegensatz zu so gut wie allen Städten dieser Größe – über Produktionsfirmen in Innenstadtbereichen, die Abwärme erzeugen, die womöglich genutzt werden könne.

Der Immobilienbestand Bergisch Gladbachs sei allerdings besonders alt: 85 Prozent der Gebäude seien älter als 40 Jahre und daher energetisch in einem schlechten Zustand, 80 Prozent werden derzeit mit Gas beheizt. Diese Gebäude zu sanieren sei zwar eine weitere Herkulesaufgabe, sei für den Klimaschutz aber sehr sinnvoll.

Die kommunale Wärmeplanung soll in 5-Jahres-Schritten umgesetzt werden, man werde mit kleinen Wärmeinseln beginnen, in denen ein Fernwärmenetz besonders wirtschaftlich ist.

Ein Antrag der CDU, die Versorgung mit synthetischem Methan (s.o.) als Option zu prüfen, erwies sich als nicht notwendigt; diese Option werde ohnehin berücksichtigt, der Hitzeaktionsplan sei technologieoffen, betonte Schäfer.

Die Mitteilungsvorlage der Stadtverwaltung wurde einmütig zur Kenntnis genommen.

Dokumentation:

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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