Die Mädchen-Mannschaft des TuS Moitfeld. Foto: TuS Moitzfeld

In Bergisch Gladbach gibt es zwar eine Handvoll Vereine, die Mannschaften für Mädchen und Frauen anbieten, die Nachfrage ist aber relativ gering. Denn es wird zu wenig dafür geworben, Mädchen treffen immer noch auf abwertende Kommentare und werden abgeschreckt. Gleichberechtigung auch in diesem Sport würde helfen, sagen Spielerinnen, Eltern und Trainer:innen.

Seit den 1970er Jahren spielen Frauen in Bergisch Gladbach Fußball, der lokale Verein SSG 09 hatte eine große Rolle in der Revolution des Frauenfußballs in Deutschland: Er wurde 1981 deutscher Meister im Frauenfußball und trat als beste Mannschaft Deutschlands im gleichen Jahr bei der Weltmeisterschaft in Taiwan auf eigene Kosten an. Und gewann.

In Bergisch Gladbach gibt es mit dem 1. FFC seit 2009 auch einen reinen Frauenfußballverein. Er bietet zwar eine ganze Reihe von Mannschaften für Mädchen und Frauen an – aber dennoch ist für viele Fußball immer noch ein reiner Jungensport, auch in Bergisch Gladbach.

Der Frauenfußball leidet zugleich an einem Angebots- und Nachfrageproblem: Einerseits bieten nur relativ wenige Vereine diesen Sport an. Andererseits gibt es in diesen Vereinen relativ wenige Spielerinnen. Daher können die Vereine nur eine oder zwei Altersklassen von Mädchenmannschaften bilden. Was zu neuen Problemen führt, wie zum Beispiel zu großen Altersunterschieden innerhalb einer Mannschaft.

Noch immer nicht gleichberechtigt

Ein Hauptgrund, warum so viel weniger Mädchen Fußball spielen, ist die Tatsache, dass der Sport so stark an Männern orientiert ist, glaubt Marco Brockhaus, Trainer der A-Juniorinnen beim TuS Moitzfeld. Dieses Thema werde zu wenig behandelt und sei viel zu unterrepräsentiert. „Mädchenfußball ist anders als Jungsfußball, weswegen viele Leute denken, es sei nicht lohnenswert“, kommentiert Brockhaus.

Auch wenn es genug fußballbegeisterte Mädchen gäbe, fehle in diesem Sport die Gleichberechtigung. Nicole Horst, die Jugendleiterin des 1.FFC, erklärt: „Das ist wie im Berufsleben, Frauen werden auch dort vernachlässigt.“

„Je normaler es wird, desto mehr Interesse wird geweckt“, merkt Dettlef Rockenberg, Vorsitzender des Stadtsportverbandes, an.

Hintergrund: Mädchen- und/oder Frauenmannschaften bieten folgende Vereine in Bergisch Gladbach an

  • TuS Moitzfeld: A-Juniorinnen, Ü35
  • 1.FFC: 2 Damen, B-Juniorinnen, 2 C-Juniorinnen, D-Juniorinnen, E-Juniorinnen
  • SV Blau-Weiß Hand: Damen, B-Juniorinnen, C-Juniorinnen
  • FC Bensberg: B-Juniorinnen (7er)
  • SC 27: Damen, B-Juniorinnen (7er)
  • SV Refrath/Frankenforst: 2 Damen

Viel Einfluss auf das Denken des Mädchenfußballs kommt aus dem Elternhaus. Wenn ein Mädchen erzählt, es möchte gerne Fußball spielen, ist die Meinung der Eltern wichtig. Und wenn es keine Mädchenmannschaft in der Umgebung gibt, wird es auch für die Eltern schwerer, einen Verein zu finden.

„Mädels, die Fußball spielen wollen oder Interesse zeigen, sollen jederzeit anfangen, egal ob man es kann oder nicht“, betont Marco Brockhaus, „auch gerne beim TuS Moitzfeld.“

Der 1. FFC Bergisch Gladbach hat sieben Frauen- und Mädchenmannschaften. Foto: 1. FFC

„Der FFC hat sich über die Jahre deutlich vergrößert. Mittlerweile spielen hier rund 120 Mädchen in allen Altersklassen“, äußert Nicole Horst begeistert. Die Welle der fußballspielenden Mädchen steige wieder. Man sollte es mehr normalisieren, das Thema groß ausrollen und öffentlich ansprechen. Außerdem Mädchen ermutigen und Freundinnen mitbringen, um das Bewusstsein zu fördern. Um zu erreichen, dass Mädchenfußball weniger missachtet wird, müssten Eltern, die Politik, die Stadt und die komplette Gesellschaft dazu beitragen.

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Vereinsmitglieder und der Verein selber spielen auch eine große Rolle. Wenn es Interesse von Vereinen gäbe, Mädchen anzuwerben, würden auch mehr sich angesprochen fühlen und sich Fußball angucken. „Die Arbeit mit Mädels ist anders als mit Jungs. Ich finde es deutlich angenehmer“, erzählt Marco Brockhaus.

„Mehr Kommunikation unter Mädchen könne dazu beitragen, dass sie sich untereinander motivieren. Auch welche, die schon Fußball spielen“, berichtet Dettlef Rockenberg. Werbung für Mädchenfußball führt zu Verbesserung und wird gesellschaftsfähiger.

Geschützten Raum für Mädchen anbieten

Um mehr Mädchen für diesen Sport zu begeistern, sollte man sie mehr an Fußball ranführen und den „Männersport“-Gedanke jedem ausreden. Trainer Marco Brockhaus und Jugendleiterin Nicole Horst sind sich einig: Man sollte einen geschützten Raum für Mädchen bieten, ohne Bewertung von außen. Mädelstage sollte es in Form von „Girlsdays“ auch im Fußball geben, um Mädchen zu zeigen, dass es Angebote und Möglichkeiten gibt.

„Reine Frauenfußballvereine würde mehr Mädchen ermutigen, denn Jungs konkurrieren anders als Mädchen“, analysiert Nicole Horst. Doch nicht nur Mut reicht aus. Man bräuchte mehr Gelder. Marco Brockhaus betont: „Mehr Handeln, weniger drumrum reden.“ Hinzu fügt Nicole Horst: „Geld wird da gekürzt, wo es sich am wenigsten lohnt.“

Marco Brockhaus wünscht sich für die Zukunft im Mädchenfußball, dass es viel populärer wird und es mehr Gleichberechtigung im Sport gibt. Es sollte eine gleiche Bezahlung für Frauen und Männer geben und grundsätzlich egal sein, ob man Frauen- oder Männer-Fußball guckt, auch in den Bundesligen. „Ich wünsche mir nicht nur, dass viele drüber reden, sondern auch mitwirken. Sie sollen anfangen, den Frauenfußball zu leben“, sagt Brockhaus.

Nicole Horst betont, dass sie sich in der nächsten Zukunft einen geschützten Raum für alle fußballbegeisterten Mädchen wünscht. Sie hoffe, der Frauensport werde nicht mehr abgewertet und es würden alle akzeptieren, dass auch Frauen am Ball sind.

Als Vorsitzender des Stadtsportverbandes wünscht sich Detlef Rockenberg mehr Ressourcen, damit die Frauen stärker gefördert werden könne. Aber er freue sich immerhin, „dass mehr Mädchenfußball angeboten wird, als vor ein paar Jahren“.

Hinweis der Redaktion: In einer ersten Version des Beitrag hieß es, der 1. FFC sei aus der SSG / SV 09 hervorgegangen. Das ist nicht korrekt. Tatsächlich ist der FFC entstanden, als sich die Frauenfußballabtelung des SV Blau-Weiß Hand abspaltete und eigenständig machte.

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  1. „Reine Frauenfußballvereine würde mehr Mädchen ermutigen, denn Jungs konkurrieren anders als Mädchen“, analysiert Nicole Horst.

    Wenn dem so wäre, dann gäbe es ja kein Problem, weil es gibt ja einen reinen Frauenfußballverein. Dies klingt so, als ob Jungen oder Männer Frauen und Mädchen hindern oder unterdrücken.

    Früher hat man mit der Argumentation auch Jungen- und Mädchenschulen unterhalten, die man heute nicht mehr hat.
    Wir haben sowohl weibliche als auch männliche Mannschaften und das klappt wunderbar miteinander. Im Gegenteil, wir finden es sehr natürlich und auch förderlich, dass beide Geschlechter im Verein vertreten sind.

    __________
    Hinweis der Redaktion: Guido Hüpper ist Vorsitzender von Blau-weiß Hand

  2. “2009 ist der 1. FFC Bergisch Gladbach aus der SSG 09 hervorgegangen,…”
    Das ist meine Wissens nach nicht korrekt. Bei der SSG09 (inzwischen SV09) gab es seit Mitte der 90er keinen Frauenfußball mehr. Die Abteilung ist erst zum TuS Köln rechtsrheinisch und von dort zu Bayer 04 Leverkusen gewechselt.
    Es gab, wenn ich mich richtig erinnere Bestrebungen in Sachen Frauenfußball gemeinsame Sache zu machen, letztlich wurde der FFC aber ein eigenständiger Verein.
    (Und der SV09 vergisst sein ruhmreiches Erbe als Frauenfußball-Pionier…)

  3. Der 1.FFC Bergisch Gladbach ist nicht aus dem Verein SSG 09 hervorgegangen, sondern aus dem Verein SV Blau-Weiß Hand. Im Jahre 2009 haben die Fußballdamen des SV Blau-Weiß Hand einen neuen Verein gegründet.