Kindertagespflege, Kita, OGS: Sämtliche Betreuungsformen und ihre jeweiligen Baustellen spielten in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses eine Rolle. Die wachsenden Probleme wurden teils emotional diskutiert. Wir fassen die Ergebnisse des Abends zusammen.

Bei den neu geplanten Kitas gibt es weitere Verzögerungen. Zu Beginn der Sitzung des Jugendhilfeausschusses (JHA) am Donnerstagabend stellt Claudia Werker, Fachbereichsleiterin Jugend und Soziales, den aktuellen Sachstand zum Kita-Ausbauprogramm vor. 

Die Baugenehmigung für die Kita Schulstraße in Sand liegt demnach noch nicht vor. Der Bauantrag wurde im Oktober 2024 gestellt, ursprünglich hatte die Verwaltung gehofft, im März 2025 mit den Bauarbeiten zu beginnen und die Kita im September 2025 zu eröffnen. Aktuell geht man von einer Eröffnung im Februar 2026 aus. 

Der Bauantrag für die Kita Nittumer Weg in Schildgen wurde im Januar eingereicht. Die Verwaltung hofft auf eine Teilbaugenehmigung und einen Baubeginn im Juni. Die Inbetriebnahme der Einrichtung ist für April 2026 geplant. 

Bei der Kita Jakobstraße in der Innenstadt waren bei Abrissarbeiten große Betonteile im Boden entdeckt worden, die aufwendig entfernt werden müssen. Das sorgt für Verzögerungen und eine Verteuerung des Vorhabens. Die Verwaltung plant die Bauantragstellung für Mai und den Beginn der Bauarbeiten im Herbst. Die Eröffnung der Kita ist für Juni 2026 geplant. Immerhin ist inzwischen mit Fröbel ein Träger für die Einrichtung gefunden.

Fehlende Plätze, verzweifelte Eltern

Um das Thema Kita geht es auch im nächsten Tagesordnungspunkt, der Planung für das Kindergartenjahr 2025/26, über die wir bereits ausführlich berichtet hatten. Es wird lange und emotional diskutiert. 

Mehr zum Thema

Kita-Engpass: In diesen Stadtteilen ist der Mangel besonders groß

Für das kommende Kita-Jahr plant Bergisch Gladbach mit weniger Betreuungsplätzen als im Vorjahr – obwohl die Stadt einige neue Kitas baut. Diese Bauprojekte haben sich aber verzögert oder liegen ganz auf Eis. Auch der Fachkräftemangel verzögert den Ausbau der Kita-Kapazitäten. Für das nächste Jahr fehlen daher mehr als 500 Plätze.

Jannes Komenda (SPD) nennt die Anzahl der fehlenden Betreuungsplätze „erschreckend“, Brigitta Opiela (CDU) spricht sich angesichts der sich verschlechterten Zahlen für eine „Kita-Task-Force“ aus und berichtet von der Verzweiflung vieler Eltern, einen Kita-Platz zu bekommen.

Tino Symanzik (Grüne) fordert, den Eltern gegenüber ehrlich zu kommunizieren, dass man nicht allen einen Platz anbieten könne. Dem schließt sich Reinhard Blunck (Kinderschutzbund) an: „Das Problem ist nicht lösbar. Es gibt nicht genügend Plätze und wir können den gesetzlichen Auftrag nicht erfüllen.“

Gabriele von Berg (CDU) kritisiert, dass Bauanträge so lange dauern, während sich der Mangel weiter zuspitze. Die Beschlüsse für die neuen Kitas seien bereits im vergangenen Jahr getroffen worden.

Neue Bevölkerungsprognose

Stephan Dekker, kommissarischer Dezernatsleiter, benennt im Zusammenhang mit den nun vorgelegten Zahlen einen „Dreiklang der Probleme“: Erstens sei die Planung der Betreuungsplätze erstmals unter der Berücksichtigung der neuen Bevölkerungsprognose erstellt worden – und daher im Vergleich zum Vorjahr deutlich schlechter. Zweitens sei das Bürokratie-Problem, das Bauvorhaben verlangsame, kein Bergisch Gladbacher Phänomen, sondern übergeordneter Natur. Und drittens sei der Fachkräftemangel ein Problem, das die Stadt nur bedingt beheben könne. 

„Ich sehe die Lage nicht so schwarz“, sagt Petra Liebmann-Buhleier, Leiterin der Abteilung Kinder-, Jugend- und Familienförderung. „Ich glaube nicht, dass der Mangel so gravierend sein wird.“

Auf Grundlage der neuen Bevölkerungsprognose geht die Verwaltung von 296 fehlenden Kita-Plätzen aus. Würde man wie zuvor die Bevölkerungsstatistik vom 30. Juni 2024 zugrunde legen, fehlten nur 82 Plätze. „Ich denke, es wird etwas dazwischen sein.“ 

Allerdings sind bei beiden Varianten bereits 190 Plätze einkalkuliert, die in den neuen Kitas entstehen sollen. Und die werden – wenn überhaupt – erst am Ende des Kindergartenjahres existieren.

Fachkräftemangel als Dauerthema

Liebmann-Buhleier spricht im Hinblick auf den Fachkräftemangel von einem Dilemma: Auf der einen Seite stehe der Anspruch, Kitas mit qualifiziertem Personal auszustatten, das sehr gute Bildungsarbeit leiste. „Davon haben wir nicht genug.“

Auf der anderen Seite stünden verzweifelte Eltern mit Existenzängsten, weil sie ohne Betreuungsplätze nicht arbeiten können. Man müsse für einige Jahre den Qualitätsanspruch aussetzen, denn bis neues Personal ausgebildet sei, dauere es vier Jahre. 

„Ich habe die Schnauze voll, dass wir nicht voran kommen“, äußert Collin Eschbach (Grüne) seinen Unmut. Sein Kind frage jeden Morgen: „Papa, ist heute Kita?“ Regelmäßig komme morgens eine Absage der Kita für den jeweiligen Tag – aus Personalnot. 

Schließlich stimmt der Ausschuss der Beschlussvorlage einstimmig zu. 

Die Originaldokumente im Ratsinformationssystem

Förderung der Kindertagespflege

Die neue Satzung für die Kindertagespflege hatte eigentlich bereits in der vergangenen Sitzung des JHA beschlossen werden sollen. Sie soll die rechtlichen Grundlagen und Rahmenbedingungen der bisher geltenden Richtlinien ersetzen. Weil die Verwaltung diese aber erarbeitet und vorgelegt hatte, ohne vorher mit Vertreter:innen der IG Kindertagespflege zu sprechen, war der Beschluss vertagt worden. 

Werker zufolge wurden in der Zwischenzeit in Gesprächen einige Änderungen und Kompromisse erzielt. Größter Streitpunkt ist der Urlaubsanspruch. Die Verwaltung wollte den Tagespflegepersonen 25 Tage gewähren, die IG forderte in Anlehnung an den Tarif des öffentlichen Dienstes – und damit analog zu Erzieher:innen in Kitas – 30 Tage. 

Uneinigkeit bei Urlaubsregelung

Die Verwaltung schlug daraufhin vor, zusätzlich zu den 25 Urlaubstagen Heiligabend und Silvester als weitere zwei Schließtage vorzusehen. Liebmann-Buhleier argumentiert mit der Perspektive der Eltern: In Kitas gebe es häufig nur 20, maximal aber 25 Schließtage. Mehr könnten Eltern nicht stemmen.

Mehr zum Thema

Kommunal, kurz & knapp: Mitsprache für Tageseltern

Es ist ein erster Schritt hin zu mehr Anerkennung: Die IG Kindertagespflege wird künftig im Jugendhilfeausschuss mit einem beratenden Sitz vertreten sein. Die Interessengemeinschaft hatte dafür bereits länger gekämpft. Beim Thema Kita-Ausbauprogramm standen mal wieder die Pläne für die Lenawiese im Mittelpunkt.

Strittig war im Vorfeld auch die Bezahlung von Kindertagespflegepersonen: Dabei geht es um festgelegte Pauschalbeträge pro betreutem Kind. Diese werden für Kita-Kinder jährlich zum 1. August angepasst. Die IG forderte, dabei die Werte zugrunde zu legen, die NRW-weit für Kitas gelten – aktuell wären das knapp zehn Prozent mehr als im Vorjahr. „Das gibt der städtische Haushalt nicht her“, erklärt Werker. Die Verwaltung schlägt eine jährliche Erhöhung um drei Prozent vor. 

Der Ausschuss stimmt in beiden Fällen mehrheitlich den Vorschlägen der Verwaltung zu. 

Die Originaldokumente im Ratsinformationssystem

Ausbau von OGS-Plätzen

Anschließend geht es um die Planung für die Plätze an Offenen Ganztagsgrundschulen (OGS) für das kommende Schuljahr, über die wir ebenfalls bereits ausführlich berichtet haben.

Mehr zum Thema

Zwischen Wunsch und Wirklichkeit: Die Pläne für den OGS-Ausbau

Die Stadt Bergisch Gladbach plant für das kommende Schuljahr 200 zusätzliche OGS-Plätze an den Grundschulen. Diese sollen unter anderem an den Sofortschulen in Hebborn und Refrath entstehen. Ob es tatsächlich so viele werden, bleibt allerdings fraglich. Die Zeit für den Ausbau drängt, denn der Rechtsanspruch auf einen Platz naht.

Laut Verwaltung werden aktuell Gespräche mit allen Schulen und Trägern geführt, um kreative Lösungen für das Platzproblem zu finden. Denn nur über Baumaßnahmen sei es nicht zu schaffen. Die Vorlage wird einstimmig beschlossen.

Die Originaldokumente im Ratsinformationssystem

Spielplätze bewerten

Die „Spielplatz-Strukturanalyse 2025“ kündigt die Verwaltung zum Abschluss der Sitzung an: Ziel ist es, alle städtischen Spielplätze zu erfassen und zu bewerten. Geplant ist unter anderem eine Spielplatz-App und die digitale Bewertung der Plätze. Danach soll ermittelt werden, welche Spielplätze saniert, erweitert oder neu gebaut werden sollen.  

Dokumentation

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.