Das Q1 Jugendzentrum am Quirlsberg. Foto: Thomas Merkenich

Der Jugendhilfeausschuss hat ein weiteres Mal einigen Projekten zum Ausbau von Kita-Plätzen, der Sanierung oder des Neubaus von Einrichtungen zugestimmt. Bei der Entscheidung, erhebliche Mehrkosten für das geplante Autismus-Kompetenzzentrum zu übernehmen, taten sich die Mitglieder allerdings schwer. Und mussten zur Kenntnis nehmen, dass für das Jugendzentrum Q1 eine neue Heimat gesucht wird.

Es war eine kurze Mitteilung des Bürgermeisters, die Claudia Werker, Fachbereichsleiterin Jugend und Soziales, zu Beginn der Sitzung des Jugendhilfeausschusses (JHA) vortrug. Doch die hat weitreichende Folgen für Jugendliche in Bergisch Gladbach: Das Jugendzentrum Q1 wird künftig nicht mehr am bisherigen Standort am Quirlsberg in der Innenstadt beheimatet sein.

Der Wegfall des Gebäudes bedeute nicht den Wegfall der Jugendarbeit, die auch weiterhin in der Innenstadt durch die evangelische Kirchengemeinde angeboten werden soll, ergänzte Werker auf Nachfrage. 

Das Gebäude, in dem das Q1 bislang untergebracht ist, sei in die Jahre gekommen, es seien große Investitionen nötig. Daher habe die evangelische Kirchengemeinde den vor langer Zeit mit der Stadt geschlossenen Mietvertrag gekündigt. Künftig solle die Jugendarbeit in angemieteten Räumen stattfinden, eventuell in einem Ladenlokal. 

Weitere Details dazu, welche Räume in Fragen kommen und ab wann das Q1 umzieht, nannte die Verwaltung nicht. 

Autismus-Kompetenzzentrum

Nach einer langen Diskussion entschied der Ausschuss, den Folgebeschluss zur Finanzierung der geplanten Kita an der Odenthaler Straße in Hebborn mit angegliedertem Autismus-Kompetenzzentrum zu verschieben. Die Mitglieder begrüßten ein solches Kompetenzzentrum in Bergisch Gladbach grundsätzlich, wünschten sich vor der nächsten JHA-Sitzung aber noch weitere Informationen des Trägers über das Konzept.

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Ein Kindergarten zuviel?

Kita-Plätze sind in vielen Stadtteilen knapp, aber nicht in Hebborn. Hier gibt es derzeit sogar ein Überangebot. Dennoch will die Stadt hier eine weitere Kita errichten lassen, auf einer Brachfläche an der Odenthaler Straße. Nicht weil sie es muss. Sondern weil sie es kann. Als Kompetenzzentrum für Kinder mit einer Autismus-Störung.

Der Rat hatte das Neubauprojekt bereits im Dezember 2021 beschlossen. Geplant ist eine viergruppige Kita mit 63 Plätzen, davon sollen 15 Plätze für Kinder mit einer Autismus-Spektrum-Störung vorbehalten sein, die laut Verwaltung oft keinen Kita-Platz in einer regulären Einrichtung bekommen. 

2,2 Millionen Euro höhere Kosten

Mit dem Träger der Einrichtung, der „Awo Sommerberg GmbH“, soll ein Trägervertrag über 20 Jahre geschlossen werden. Gegenüber dem ersten Beschluss im Jahr 2021 liegen die Kosten rund 2,2 Millionen Euro höher. 

Mehrere Ausschussmitglieder äußerten ihre Bedenken, die gestiegenen Kosten und die ungewöhnlich lange Vertragslaufzeit zu bewilligen. Zudem gibt es im Kita-Bezirk zu dem Hebborn gehört – anders als in anderen Stadtteilen – einen statistischen Überhang von 39 Kita-Plätzen.

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Für das kommende Kita-Jahr plant Bergisch Gladbach mit weniger Betreuungsplätzen als im Vorjahr – obwohl die Stadt einige neue Kitas baut. Diese Bauprojekte haben sich aber verzögert oder liegen ganz auf Eis. Auch der Fachkräftemangel verzögert den Ausbau der Kita-Kapazitäten. Für das nächste Jahr fehlen daher mehr als 500 Plätze.

Es wurde über die Bedeutung und den Nutzen des geplanten Kompetenzzentrums debattiert. Werker zufolge sollen dort Schulungen und Fortbildungen zum Thema Autismus stattfinden. Andere Kitas sollen so besser in die Lage versetzt werden, Kinder mit Autismus-Spektrum-Störung aufzunehmen.

Nach einer Sitzungsunterbrechung zur Beratung sprachen sich die Ausschussmitglieder dafür aus, die Entscheidung in die nächste Ratsperiode nach der Kommunalwahl zu verschieben. Die Verwaltung betonte den Zeitdruck: Die Kita solle im Jahr 2027 in Betrieb gehen. Um das einzuhalten, müsse der Träger bald bauen. 

Der Beigeordnete Stephan Dekker schlug vor, zu den offenen Fragen bis zur nächsten JHA-Sitzung im September ein Konzept vorzulegen, damit bis Ende des Jahres eine Entscheidung gefällt werden kann. „Es kann aber sein, dass der Träger vorher abspringt.“

Die Originaldokumente im Ratsinformationssystem

Was sonst noch entschieden wurde

Die weiteren Tagesordnungspunkte des JHA waren vergleichsweise unspektakulär und wurden einstimmig abgehandelt, darunter der Antrag auf Zuschüsse des Landes für drei Fröbel-Kitas (Lehmpöhle, Familienzentrum ZAK und Pusteblume), zu denen die Stadt einmalig einen Anteil von insgesamt 1600 Euro beiträgt. 

Einig waren sich die Mitglieder darin, dass es einen Bedarf dafür gibt, 24 Plätze in der stationären Jugendhilfe gibt. Die Verwaltung wird beauftragt, ein entsprechendes Grundstück zu suchen. Konkret geht es um ein etwa 2000 Quadratmeter großes Grundstück, das Platz für verschiedene Wohnformen bietet, etwa Wohngemeinschaften oder Plätze für Jugendliche, die das Jugendamt zum eigenen Schutz aus ihrer Familie holt (sogenannte Inobhutnahmen).

Familien, die Pflegekinder aufnehmen, haben künftig Anspruch auf höhere und weitere Zuschüsse, etwa für Möbel oder Kleidung. Die Verwaltung hat die Beihilferichtlinien für Pflegefamilien überarbeitet – zuletzt war das 2019 erfolgt. 

Der Ausschuss beschloss die Sanierung von drei Kitas, deren Gebäude zwischen 25 und 30 Jahre alt sind, in denen es laut Verwaltung viel Feuchtigkeit gibt – und damit die Gefahr von Schimmelbildung. Konkret geht es um die Kita „Dreckspatz“ in Schildgen, die Fröbel-Kita „ZAK“ in Bensberg und die Kita „Lehmpöhle“ in Lückerath und Kosten von insgesamt knapp 320.000 Euro. 

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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  1. Das Autismus-Kompetenzzentrum wäre wirklich wichtig! Störungen aus dem Autismus- Spektrum sind zunehmend, und viele der betroffenen Kinder besuchen keinen oder nur unregelmäßig einen Kindergarten, da die regulären Kitas mit der Betreuung solcher Kinder oft – verständlicherweise – überfordert sind.
    Es erfolgt also kaum institutionelle frühe Bildung, keine Vorbereitung auf die Schule und die Eltern erhalten zu wenig Entlastung.
    Den Kindern einen Platz in Hebborn zu geben und gleichzeitig dort Fortbildungen u.ä. anzubieten wäre eine sehr sinnvolle Investition!

  2. Das Jugendzentrum ist seit mindestens 40 Jahren auf dem Quirlsberg, vielleicht länger (da war allerdings dann zu jung).
    Ich hoffe sehr, dass es wieder einen wirklich zentralen Platz in der Stadt bekommt. Vielleicht noch sichtbarer!

  3. Und was ist z.B. mit den Pfadfindern, die im selben Gebäude beheimatet sind?

    1. Das Frage ich mich auch. Weder in diesem Artikel noch beim KSTA wird dieser erwähnt.

  4. ….und mal wieder wurde für die Jugend nichts getan. Gebäude werden solange nicht renoviert bis es dann zu teuer wird.
    Aber Hauptsache wir verbraten das Geld für Fahrradwege die keiner braucht. Möchte nicht wissen was dieses Gedöns mit der Laurentiusstraße bis Dato gekostet hat. Schönen Tag