Wer in Refrath nur Dolmanstraße und Peter-Bürling-Platz kennt, verkennt Refrath. Der Ortsteil ist von großen grünen Flächen umgeben und bietet im Inneren viele grüne Inseln, die der Seele guttun, Schatten spenden und zum Ausruhen einladen. Annette Voigt hat den Zaubersee, den Kahnweiher, die Steinbreche, die Motte und weitere kleine Oasen entdeckt – und setzt damit die Serie MehrGrün fort.
Text: Annette Voigt. Fotos: Thomas Merkenich
Refrath ist von üppigem Grün umgeben, der Ortskern wird eingerahmt vom Gierather Wald, der Mielenforster Heide, dem Erholungspark Saaler Mühle und dem Wildgehege Köln-Brück. Schattige und kühlende Plätze, die im Hochsommer unverzichtbar sind, gibt es reichlich. Aber auch mitten in Refrath laden kleine Inseln in satten Grüntönen ein, sich auszuruhen, in die Geschichte abzutauchen und ein wenig Natur zu genießen.
Hintergrund: Biologische Vielfalt
Für diese Entdeckungstour stand der internationale Tag der Artenvielfalt vom 22. Mai Pate. Dieser Tag erinnert an das 1992 verabschiedete UN-Übereinkommen zur Erhaltung und zum Schutz der „Biologischen Vielfalt“ der jeweiligen Flora und Fauna in einer Region.
Diese grüne Vielfalt mit ihren verschiedenen Pflanzen- und Baumarten, die Annette Voigt bei ihren beiden Touren in Bensberg und Refrath aufspürte, sind Teil des naturnahen Stadtgrüns in Bergisch Gladbach. Sie beschreibt wie diese grünen Terrains auf sie wirken, ohne einzelne Pflanzen -und Baumsorten oder Biodiversitätsstärkende Maßnahmen im Detail zu beschreiben. Biodiversität bzw. -Artenvielfaltfördernde Maßnahmen sind beispielsweise der Bau vonTrockenmauern/Niststellen für Vögel und Insekten, das Pflanzen von Wildblumen und klimaresistenten Bäumen, die Gartengestaltung mit heimischen Pflanzen oder die Fassaden- und Dachbegrünungen.
Diese Erkundungstour durch Refrath bietet lediglich einen kleinen Einblick in die Refrather öffentlichen Grünflächen. Es fehlen mit Sicherheit Grünräume, die die Menschen in Refrath schätzen und besuchen. Bitte schildern Sie uns Ihre grünen Oasen, die in diesem Bericht fehlen.
Meine Tour beginnt an der Dolmanstraße/Ecke Steinbreche. Drei grüne Paradiese liegen hier nah beieinander: die Gartenanlage Zaubersee, der Bürgerpark Steinbreche und der Park Kahnweiher. Über Jahrhunderte hat sich hier die Natur bewährt und bewahrt. Zaubersee, Kahnweiher und Bürgerpark waren früher beliebte Ausflugsziele in der Region, die Straßenbahn fuhr von Köln aus bis hierhin.
Das grüne Dickicht am Zaubersee

Das Gelände des Zaubersees war einst ein Steinbruch, man verwendete die Steine zum Bau des Bensberger Schlosses. Diese Grünfläche erstreckt sich von der Dolmanstraße bis zum Alten Trassweg und Neuen Trassweg. Der Zaubersee selbst versteckt sich hinter Wohnhäusern und ist leicht zu übersehen. Ohne die Hinweistafel am Eingang Dolmanstraße hätte ich diesen grünen Dschungel gar nicht bemerkt.
Das Gelände um den Zaubersee wurde Anfang des 20. Jahrhunderts als Irrgarten bezeichnet, weil hier bereits anno dazumal alles verwildert war. Dies ist auch heute noch so. Der moosgrüne Teich unterscheidet sich kaum vom Grün der Bäume und der Gehölze. Dieser stille Teich verleiht der Anlage ein mystisches Flair und wirkt wie verwunschen.
Gerne würde ich hier einen Augenblick innehalten, um in Muße das grüne Idyll zu betrachten. Dazu wäre eine Bank gut. Doch Bänke fehlen leider, bis auf eine am Spielplatz am Rande des Gartens.
Die Holzbrücke, die über den Zaubersee zur Dolmanstraße führt, ist morsch und wird derzeit erneuert. Sonst würde es einen schönen Rundweg durch dieses zauberhafte Dickicht geben.
Brücken am Refrather Zaubersee sind monatelang gesperrt
Die Verbindung entlang des idyllischen Sees zwischen Altem und Neuem Traßweg in Refrath ist bei Spaziergängern sehr beliebt. Eine der beiden Holzbrücken ist allerdings so morsch, dass sie abgerissen und neu gebaut werden muss. Das aufwendige Planungs- und Genehmigungsverfahren dauert lange.
Blühende Romantik im Bürgerpark Steinbreche

Direkt gegenüber lockt der Bürgerpark Steinbreche. Ein wohltuender blühender Kontrast zum Zaubersee. Beete und Wiesen leuchten in verschiedenen Farbtönen. Storchschnabel blüht üppig dunkel violett und pink. Blumenrabatte rahmen die großzügig angelegte Rasenfläche ein. Buschweise gedeihen blühende Wildblumen, die dem Bürgerpark eine natürliche Note verleihen.
Die Grünanlage wirkt mit ihrem Holzzaun an den beiden Straßenseiten wie ein Bauerngarten. Überall stehen Bänke um den Rasen, die zum Verweilen einladen.
Kurfürst Jan Wellem war mit der Arbeit des Steinhauermeisters Leonhard Goudhaire so zufrieden, dass er ihm Anfang des 18. Jahrhunderts ein Grundstück in der Nähe der Steinbrüche schenkte. Die Steinbreche. Um 1700 wurden in den Refrather Steinbrüchen (Kahnweiher, Zaubersee) bereits Steine gebrochen. Goudhaires Tochter Katharina heiratete 1718 Otto Siegen.
Drei unverheiratete Töchter der Familie Siegen, die „Steinbrecher Juffern“ (Jungfrauen), wohnten bis zu ihrem Lebensende auf dem Gut und genossen in Refrath großes Ansehen. Der Bildhauer Helmut Moos fertigte für den Bürger- und Heimatverein Refrath 1993 eine Plastik der „Juffern“ an. Diese Skulptur steht in der Mitte des Bürgerparks direkt vor dem Haus Steinbreche und weist den Weg in den hinteren Gartenbereich.
Zur Geschichte: Kurfürst Jan Willem und die drei Juffern

Der Bürgerpark ist eigentlich in zwei großen Kreisen angelegt und ist größer als er scheint. Im versteckt liegenden hinteren Gartenkreis wachsen Butterblumen und Klee mitten auf dem Rasen. Leuchtende Farbpunkte in einer blühenden Wiesenlandschaft, die die Bewohner: innen der Seniorenwohnanlage Haus Baden gerne betrachten. Bei ihren Spaziergängen begegnen sie häufig Schülern der Freien Walddorfschule, deren Weg mitten durch den Bürgerpark führt.
Vögel zwitschern gegen den Straßenlärm an. Vor mir hüpft ein Rotkehlchen auf dem Weg und wird vom Sprechgesang der Schüler begleitet. Es ist an diesem Tag warm und die Fenster der Unterrichtsräume sind weit geöffnet.
Bild der Woche: Das Haus eines Steinbrechers
Auf der einen Seite ist das Haus Steinbreche vom Verkehr umtost, auf der anderen fand Thomas Merkenich ein idyllisches Bild. Das Gebäude beherbergt ein Bürgerzentrum und ein Restaurant – und blickt auf eine gut 300 jährige Geschichte zurück.
Den Weg zur Schule gegenüber der Feuerwache an „der Steinbreche“ markiert ein Torbogen. Seine bunten Keramikfließen mit hübschen Motiven leuchten schon von weitem. Der Parkbereich hinter diesem Torbogen wirkt wie ein geordneter Urwald, ist dicht bewachsen und tiefgrün.
Üppiges Buschwerk am Kahnweiher
Gegenüber des Bürgerparks quer über den Parkplatz vorbei an der Sporthalle Steinbreche führt ein schattiger Pfad zum Kahnweiher. Der Weiher liegt zwischen zwei Wegen, die mit einer Holzbrücke verbunden sind. Wer sich vor den Kanadagänsen nicht fürchtet, die die Wege in Scharen bevölkern, fühlt sich in diesem Gartengelände rasch wohl.

Viele Bänke bieten viele schattige Plätze. Mir begegnen Spaziergänger: innen und Fahrradfahrer: innen. Es ist eher selten, dass sich fremde Menschen grüßen. Hier am Kahnweiher grüßen sich alle, die sich begegnen.
Je weiter der Weg in Richtung Tennisplatz führt, desto weniger ist die viel befahrene, laute Dolmanstraße zu hören. Einige Holzstege besonders am linken Ufer fallen auf. Es sind Anglerstege. Das Gewässer des Kahnweihers gilt als sehr fischreich und wird seit 1961 vom Angelsportverein ASV Bensberg e. V. gepflegt.
In dieser Grünanalage erlebe ich eine nette Begebenheit. Ich beobachte ein junges Paar, das sehr glücklich wirkt. Wie ich später in einem kurzen Gespräch mit den beiden erfahre, ist es ihre Verlobung. Der Kahnweiher als Verlobungsort. Wie schön!
Der Kahnweiher entstand durch den Abbau von Muschelkalk, der sogenannte Refrather Marmor, der für die Schmuckteile der Schlossfassade in Bensberg benötigt wurde. Der bis zu 20 Meter tiefe Steinbruch wurde später aufgefüllt und so entstand der Kahnweiher. Werbepostkarten zeugen von den beliebten Kahnpartien, die bis in die 70-er Jahre stattfanden.
Auf dem Weg zum Mehrgenerationenpark
Vom Kahnweiher aus schlendere ich entlang der Einkaufsstraße Siebenmorgen, der Bertram- Blank-Straße und des Peter-Breuning-Platzes in Richtung Mehrgenerationenpark an der Straßenbahnlinie 1.

Die Sonne scheint sehr stark und ich suche dringend einen schattigen Platz. Ich finde ihn auf dem evangelischen Friedhof finde, an dem ich gerade vorbeikomme. Auf seiner Hauptachse, die einem Stadtpark ähnelt, finde ich einige Bänke im Schatten hoher Bäume mit dichten Kronen. Dieser breite Weg gleicht einer Allee.
Am Ende des Friedhofs leitet mich eine kleine Pforte auf einem schmalen Weg bis zur alten Burganlage, der Motte. Diesen kühlen Abstecher gönne ich mir jetzt.
Visavis einer Wohnsiedlung, etwas versteckt, entdecke ich eine Baumgruppe mit einem Spielplatz in der Mitte kreisförmig angeordneter Bänke. Dieser lauschige Platz ist mir bisher nicht aufgefallen. Eine Spaziergängerin erzählt, dass dieser grüne Treffpunkt sehr beliebt bei den Anwohnern sei und sich hier besonders gerne Familien aufhalten.
Der Weg zur Motte führt mich an einen Kindergarten vorbei. Am Zaun hängen bunt gemusterte Gummistiefel in allen Größen und Farben, die mit Blumen bepflanzt sind. Hier waren kleine Gärtner fleißig.
Eine alte Burganlage in Kippekausen, die Motte
Es erwartet mich ein marodes grünes Ensemble. Mit Grünspan übersäte Bänke, alte Mauerreste, wild wucherndes Gestrüpp und ein verschlossener Eingang. Es passt alles zusammen!

Am Tor hängt ein kleines Schild „Auf Wunsch ist es möglich sich den Schlüssel bei Winfried Krux, Burgstr. 17 oder bei Hans Peter Müller, Siedlerstr. 5 auszuleihen, um den Innenhof zu besichtigen“. Von der ehemaligen Burganlage existieren nur noch Reste der Grundmauern und des inneren Wassergrabens. Archäologische Grabungen legten 1959/1960 diese Reste frei.
Der Platz wirkt verlassen und regt meine Phantasie an. Wie war es vor Jahrhunderten hier zu leben? Wie sah damals Kippekausen aus? Erst bei näherem Hinsehen entpuppt sich diese Grünanlage als äußerst reizvoll. Die Natur rings um die alte Burganlage wirkt wild und ursprünglich.
Installation rückt Motte Kippekausen wieder ins rechte Licht
Nach langem Bemühen des Bürger- und Heimatvereins ist es soweit: die Motte Kippekausen wird abends angestrahlt. Aber was ist die Motte eigentlich? Das beantwortet eine kleine Reise in Refraths Ursprünge.
Der Name des Stadtteils Kippekausen bezieht sich auf die hochmittelalterliche Burganlage, die Motte Kippekausen, die um das Jahr 1000 zur Verteidigung der Bensberger Burg errichtet wurde. Die Burg wurde bis ins 16. Jahrhundert bewohnt und der angrenzende Gutshof bis 1961 als Bauernhof genutzt, bevor dieser 1965 abgerissen wurde.
Mit „Motte“ wird eine durch Wassergräben gesicherte vorwiegend in Holz errichtete Turmhügelburg bezeichnet. Eine Turmhügelburg ist ein künstlich angelegter Erdhügel mit einem turmförmigen Gebäude.
Von der Motte gehe ich denselben Weg zurück, um wie geplant den noch recht neuen Mehrgenerationenpark zu besuchen. Erst jetzt fallen mir einstöckige Einfamilienhäuser und die leuchtende Farbenpracht ihrer Vorgärten auf.
Vier schmale Fußwege führen links an ihren schmucken Gärten vorbei zur Straße Kippekausen, auf der ich meinen Weg fortsetze. An der nächsten Kreuzung links und gleich wieder rechts.
Urbaner essbarer Grünraum
Schon liegt er vor mir, der Mehrgenerationenpark. Über diese öffentliche Grünanlage habe ich viel gehört, meine Erwartungen sind hoch. Bis auf wenige blühende Gehölze und einem einzelnen grellroten wilden Mohn finde ich aber nichts Blühendes.

Hier dominiert die Farbe Rot, die allerdings nicht von Blumen stammt. Die roten Stahlbänke mit ihren auffallenden quadratisch gemusterten Sitzflächen und die roten Spielgeräte leuchten mir bereits von Weitem entgegen. Ich bevorzuge zum Sitzen die Findlinge an der Seite zur Straße. Diese Steine sind warm von der Sonne, im Gegensatz zu den kalten Bänken in modernem Stahl.
Ich entdecke hinter mir ein Beet, das mit Walderdbeeren bedeckt ist. Die Früchte sind überreif. Erdbeeren und Johannisbeeren scheinen von den Besuchern: innen kaum genascht zu werden. Rosenhecken und üppiger Lavendel bilden in diesen Obstrabatten lebendige Farbtupfer.

Diese Kombination aus Nutz und -Zierbeeten erinnert mich an das Konzept der essbaren Städte: Es werden auf öffentlichen gut zugänglichen Flächen Obst, Gemüse und andere Nutzpflanzen angebaut, die für alle Menschen frei zur Verfügung stehen und der Stadtverschönerung dienen.
Nach und nach gesellen sich andere Besucher hinzu. Ein Fahrradfahrer macht auf einer der wenigen schattigen Bänke Rast. Zwei junge Männer plaudern in der Sonne miteinander. Der Park ist als Treffpunkt beliebt und es kann hier im Grünen auch gut auf die Straßenbahn Linie 1 nach Köln gewartet werden.
Krea verpasst Refraths neuer Toilette ein knalliges Äußeres
Die in Refrath lang ersehnte Toilette am Mehrgenerationenpark steht seit ein paar Wochen – und ist jetzt auch nicht mehr zu übersehen. Zwei Brüder aus dem KREA-Jugendclub haben die kleine Anlage im Wickenpfädchen mit buntem Graffiti gestaltet. Respekt, Liebe und Glück spielen dabei eine große Rolle.
Meine erlebnisreiche und informative Erkundungstour durch Refrath endet an diesem Mehrgenerationenpark. Ich habe wieder viel über meine Heimat Bergisch Gladbach erfahren und öffentliche grüne Räume entdeckt, von deren Existenz ich bisher nichts wusste bzw. kaum wahrnahm.
Exkurs: Grüne kühle Flächen in Gladbach
Haben Sie Interesse und Zeit die City von Bergisch Gladbach zu erkunden? Dann empfehle ich den Besuch folgender öffentlicher Grünflächen:
- den historischen „Büsten-Park“ am Eingang des Zanders Gelände,
- den wildwiesenhaften Winkel hinter der VHS an der Buchmühle,
- den malerischen Rosengarten,
- die Igler Mühle mit ihrem hübschen terrassierten Garten entlang der Strunde,
- den stadtparkähnlichen Friedhof am Quirlsberg,
- den alten Friedhof neben der Gnadenkirche mit verwitterten Grabstätten von Papiermachern,
- den geschichtsträchtigen Park der Zanders Villa,
- den Forum Park mit Resten alten Baumbestands,
- den Charly-Vollmann Platz mit einer gemütlichen Bank unter einem Feigenbaum am Rathaus.
Es lohnt sich, zumal Sie hier geruhsame Schattenplätze finden. Haben Sie weitere Tipps? Dann nutzen Sie bitte das Kommentarfeld unten.

































Ein sehr schöner Bericht! Als Krönung der ganzen Geschichte hätte die Autorin natürlich noch einmal am späten Abend zur Motte zurückkehren können, dann hätte es vielleicht noch ein Interview mit dem Kipphäuser* gegeben.
* https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Kipph%C3%A4user_von_Refrath
Die Eindrücke über das Grün in Refrath sind anschaulich und schön beschrieben. Die größte Grünanlage im Zentrum ist der Friedhof mit der alten Lindenallee. Es ist aber kein evangelischer Friedhof sondern ein städtischer Friedhof. Die alte Stadt Bensberg und damit auch Refrath hatte städtische Friedhöfe. Bergisch Gladbach alt hatte kirchliche Friedhöfe. Die größten sind auf dem evangelischen Berg und dem katholischen Berg.